Eine Lüge ist eine Aussage, von der der Sprecher (der Lügner) weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist und die mit der Absicht geäußert wird, dass der oder die Hörer sie trotzdem glauben. Dies geschieht meistens, um einen Vorteil zu erlangen, aber auch um einen Fehler oder eine verbotene Handlung zu verdecken, um so Kritik oder Strafe zu entgehen. Gelogen wird aber auch aus Höflichkeit, aus Scham, aus Angst oder zum Schutz anderer Personen.
Wird eine Lüge aus der Sicht des Lügners durch eine Notsituation gerechtfertigt, so spricht man auch von einer Notlüge.
Die Lüge unterscheidet sich von der Täuschung - eine Täuschung kommt ohne Falschaussage aus. Zum Beispiel täuscht man, wenn man vorgibt zu schlafen, um andere zu belauschen. Wenn man dann gefragt wird und sagt, man habe geschlafen, ist das eine Lüge.
Die Lüge ist auf Sprache angewiesen: Lügen können in jeder Form geäußert werden, in der mit Sprache kommuniziert werden kann, zum Beispiel als Text in einer Zeitung oder in Gebärdensprache.
Strafrechtlich relevant werden kann eine Lüge als Verleumdung oder als Aussagedelikt, wie zum Beispiel Falschaussage oder Meineid. Als Spezialfall der Täuschung kann ein Lüge auch ein Betrugsdelikt darstellen. Grundsätzlich ist Lügen jedoch nicht strafbar; das gilt auch für schriftliche Lügen.
In der Werbung und in der Propaganda wird gelegentlich mit Lügen und Täuschungen gearbeitet.
Folgende Handlungen und Merkmale können, wenn auch keinesfalls eindeutige, Anzeichen einer Lüge sein:
Die wirklich wichtigen Lügen werden in der Regel gut vorbereitet. Hierfür wird als notwendig erachtet, sich strategisch über einen längeren Zeitraum durch Wahrhaftigkeit das Vertrauen des Gesprächspartners zu erschleichen und so eine Reputation besonderer Loyalität und Glaubwürdigkeit herzustellen, um dann für den entscheidenden Augenblick, wenn es um den großen Vorteil für das eigene Fortkommen geht, die Lüge zu setzen. Es kommt darauf an, in dieser entscheidenden Lüge, sich selbst treu zu bleiben. Deswegen heißt es sprichwörtlich: Nur wer mit gutem Gewissen lügt, lügt gut.
Ethisch wird das Lügen im allgemeinen gesellschaftlich als unmoralisch verworfen. Viele Religionen lehnen das Lügen ab, so steht z. B. in den Zehn Geboten: „Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“ (Ex 20,16 und Dtn 5,17). In der Bibel wird der Teufel als "Vater der Lüge" (Joh. 8,44) bezeichnet, weil er Eva gegenüber im Garten Eden die erste Lüge der Menschheitsgeschichte geäußert haben soll, die dann zum Sündenfall führte. Auch im Islam wird das Lügen, so wie ein Ausspruch Mohammeds berichtet, abgelehnt: „Die Wahrhaftigkeit ist euch zur Pflicht gemacht, denn die Wahrheit führt zur Rechtschaffenheit, und...das Lügen zur Schändlichkeit...“ (Hadith aus Muslim)
Nietzsche
Die besondere Position Nietzsches: "Wer nicht lügen kann, weiß nicht, was Wahrheit ist" (Nietzsche in Also sprach Zarathustra). In seiner Schrift "Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne" von 1873 bezieht er die relativistische Position, dass der Wahrheit gegenüber der Lüge kein besonderer Wert zukomme, da der "Wahrhaftigkeit" nur eine moralische "Verpflichtung, nach einer festen Konvention zu lügen" inne wohne, also die scheinbare Wahrheitsliebe gewissermaßen eine schlechte, geradezu unbewusste Gewohnheit darstelle, sich selbst zu täuschen. Denn nach Nietzsche sind "Wahrheiten" kraftlos gewordene Metaphern und "Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind" (Nietzsche in "Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne", Sämtliche Werke, Band 71, Unzeitgemäße Betrachtungen, Stuttgart, 1976, Seite 611 ISBN 3-520-07106-1)
Kantsche Philosophie
Nach Kant ist Wahrhaftigkeit eine Rechtspflicht, die ihrem Wesen nach keine Ausnahme verträgt. „Alle rechtlich-praktischen Grundsätze müssen strenge Wahrheit enthalten.“ „Die Lüge ist der eigentliche Fleck in der menschlichen Natur.“ „...(Die Lüge) schadet der Menschheit überhaupt, indem sie die Rechtsquelle unbrauchbar macht.“ (Kant in "Über ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lügen") Siehe auch: Die Metaphysik der Sitten
Der österreichische Psychologe und Soziologe Peter Stiegnitz propagiert für die Erforschung des Lügenverhaltens eine neue Disziplin, die er Mentiologie nennt.
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