Durch die Gebietsreform mit Bildung von Großgemeinden, die am 1. Januar 1970 in Kraft trat, wurde die vorherige, alte Stadt Lügde mit neun weiteren Gemeinden (oben genannten Ortschaften) zur neuen Großgemeinde "Stadt Lügde". Dadurch wechselte auch die Zugehörigkeit des ehemaligen Amtes Lügde "Stadt Lügde und Gemeinde Harzberg" vom Kreis Höxter zum Kreis Lippe.
Einwohnerentwicklung
Durch die Großgemeindenbildung von 1970 stieg die Einwohnerzahl von circa 6.000 auf circa 12.000 Einwohner.
Geschichte
Erstmals urkundlich erwähnt wird Lügde 784 in den Fränkischen Reichsanalen, als Karl der Große hier sein erstes Weihnachtsfest im damaligen Herzogtum Sachsen beging, nämlich nahe der Skidrioburg (heute unter dem Namen Herlingsburg bekannt) in Liuhidi. Wahrscheinlich ist die Siedlung um oder im ersten Jahrhundert nach Christo entstanden und befand sich nördlich des heutigen Stadtkerns im Ollenlüderfeld, zwischen dem heutigen Lügde und Bad Pyrmont–Holzhausen.
Für die Entstehung des Stadtnamens, ursprünglich Liuhidi, teilweise auch Liuhith, gibt es mehrere Theorien. Wohl am wahrscheinlichsten ist, dass es sich um eine Flurstelle handelte, welche "mit vielen Leuten" besiedelt war (Liu, gegebenenfalls auch plattdeutsch Lüe). Dies wird auch durch die in der Poeta Saxo mit Liudi benannten Einwohner gestützt.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass der Stadtname "Licht" bedeutet, woraufhin die Vielzahl von Orten mit der Anfangssilbe "Lug" hinweisen.
Am Platz der Übernachtung Karl des Großen wurde daraufhin eine Kirche errichtet, an deren Stelle wiederum im 12. Jahrhundert die heutige Kilianskirche erbaut wurde.
Aufgrund einer 1195 in Lügde geprägten Münze des Grafen Gottschalk I. von Pyrmont kann angenommen werden, dass zu dieser Zeit bereits Stadtrechte bestanden, da allerdings keinerlei Gründungsurkunden mehr vorhanden sind, kann gesichert nur gesagt werden, dass die Verleihung der Stadtrechte spätestens 1246 stattfand, da in dieser Zeit sowohl der heute noch in seiner Ursprungsform erhaltene Stadtgrundriss als auch die heute noch größtenteils erhaltenen Befestigungsanlagen (Stadtmauer, Wallgrabenanlage, Wehrtürme) entstanden.
=Lügde befand sich bis 1255 im Eigentum des Grafen zu Waldeck-Pyrmont, welcher die Hälfte Lügdes an den Erzbischof von Köln abtrat, was auch durch das Stadtwappen verdeutlicht wird. Ab 1668 gehörte Lügde zum katholischen Hochstift Paderborn.
Aufgrund mehrerer vollständiger Zerstörungen der Stadt durch Feuersbrünste, zuletzt 1797, ist das Stadtbild geprägt von in den 1980er Jahren sanierten Fachwerkhäusern mit ihren aus der Bauphase stammenden Inschriften.
Nach Überlieferungen soll bereits beim Besuch Karl des Großen die ursprünglich heidnische und auf germanischen und/oder keltische Bräuchen basierende Tradition bestanden haben, mit Stroh ausgestopfte, zuvor mit Wasser getränkte brennende Eichenräder zu Ostern die umliegenden Berge herunterrollen zu lassen, der immernoch jährlich stattfindende Osterräderlauf. Zwischenzeitlich gab es mehrere Versuche, diesen Brauch zu verbieten, z.B. 1743 durch den Vikar von Wiedenbrück oder 1781 durch den Bischof von Paderborn Wilhelm Anton von Asseburg.
Seit dem Bau der Eisenbahntrasse Ende des 19. Jahrhunderts laufen die sechs Räder nur noch vom Osterberg herab, nicht mehr auch vom gegenüber liegenden Kirchberg.
Das Wappen besitzt in Form eines gespaltenen Schildes zeigt rechts auf blauem Hintergrund den senkrechten, silbernen Schlüssel des Erzstiftes Köln mit dem sich links oben befindendem Schlüsselbart. Links ist auf weißem oder silbernem Hintergrund das rote Ankerkreuz der Grafschaft von Waldeck-Pyrmont abgebildet, zu der Lügde bis 1668 gehörte. Darunter befindet sich seit der Eingemeindung Lügdes in den Kreis Lippe 1970 seit 1971 die rote, fünfblättrige Lippische Rose mit 16 goldenen Staubgefäßen, welche die 16 Gemeinden des Kreises Lippe symbolieren sollen.
Städtepartnerschaften
Die Städtepartnerschaft mit Angermünde wurde 1990 geschlossen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Mittelalterlicher Stadtkern
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Die Anlage der heutigen Altstadt erfolgte gegen Mitte des 12. Jahrhunderts. Der Straßengrundriss und die den Stadtkern umgebende Mauer sowie zwei Wehrtürme sind aus dieser Zeit erhalten geblieben. Die Bebauung innerhalb der Stadtmauern wurde nach dem letzten Stadtbrand im Jahr 1797 errichtet. Es handelt sich vornehmlich um Fachwerk-Dielenhäuser. Die Altstadt zählt damit zu den am besten erhaltenen historischen Stadtkernen Nordrhein-Westfalens.
Sehenswert in der Kilianskirche sind die Würfelkapitelle, von denen in Westfalen nur noch wenige erhalten sind.
Trompeter Jagdeinrichtungen in Hummersen, Hersteller von Hochsitzen, Ansitzkanzeln u. a.
Bildung
Die Stadt besitzt neben der St. Marien-Gemeinschaftsgrundschule in Lügde je eine Grundschule in Elbrinxen und Rischenau sowie das Johannes-Gigas-Schulzentrum mit einer Hauptschule sowie der Anfang der 1990er Jahre gegründeten Realschule.
Aufgaben der Erwachsenenbildung werden durch die Volkshochschule Lippe Ost, einem Zweckverband mit Sitz in Schieder-Schwalenberg, dem die Stadt Lügde angehört, wahrgenommen.
Hermann Korb, (1656–1735), Baumeister des Barock, geboren in Niese
Weitere Personen
Der Jesuit Friedrich Spee von Langenfeld (1591–1635) bearbeitete im Kloster Falkenhagen die Cautio Criminalis (1631 anonym in Rinteln erschienen).
Literatur
Willy Gerking: Stadtarchäologie in Lügde. Stadt Lügde, Lüdge 2000, ISBN 3-00-006255-6
Willy Gerking: Die mittelalterlichen Siedlungen der Großgemeinde Lügde. Eine historisch-archäologische Studie zur Wüstungsforschung. (= Schriften des Lippischen Landesmuseums; Bd. 2). Lippisches Landesmuseum, Detmold 1986
Edmund Schlieker: Aus der Geschichte der Stadt Lügde. Josefs-Druckerei, Bigge/Ruhr 1950
Fritz Verdenhalven (Bearb.): Bürgerbuch der Stadt Lügde von 1726 bis 1858. (= Lippische Geschichtsquellen; Bd. 20) Naturwissenschaftlicher und Historischer Verein für das Land Lippe / Lippischer Heimatbund, Detmold 1992, ISBN 3-923384-11-4