Die Längenkreise sind jene Großkreise auf einer kugelförmig gedachten Erdoberfläche, die in Nord-Südrichtung verlaufen und durch beide Rotationspole der Erde gehen. Sie werden durch ihre jeweils konstante geographische Länge charakterisiert. Grosskreis.jpg
So liegen z.B. auf dem Längenkreis 13,5° Ost: Greifswald, Berlin, Passau und Spittal an der Drau - ebenso wie "dazwischen" die Stadt Pilsen in Tschechien, wie im Norden das schwedische Karlstad und im Süden Palermo auf Sizilien, Tripolis (Libyen) und Luanda (Angola). Wenn wir den Großkreis auf die andere Hemisphäre "verlängern" (also den ganzen Meridian betrachten), kämen wir über die Antarktis zu den Cookinseln und Kiribati, und an Hawaii vorbei zu den Aleuten und der Beringstraße.
Der Unterschied zwischen "Längenkreis" und "Meridian" verwischt sich jedoch in der Alltagssprache der Geographie häufig. Für die Astronomen durchläuft der Meridian volle 360° auf der "Himmelskugel", doch denken sie beim Wort hauptsächlich an seine "obere Hälfte". Dort kulminiert die Sonne jeden Mittag (meridies = Mittagslinie), während sie den "unteren" Bogen zu Mitternacht durchläuft.
Der Begriff Längenkreis stammt gleichermaßen aus Mathematik, Geographie und Astronomie - wo man auch "schräge" Längenkreise bezüglich der Ekliptik (scheinbare Sonnenbahn) und sogar der Milchstraße verwendet. Doch auch Mondkarten haben ihre ("selenografischen") Längen, und in der Raumfahrt zu Planeten und für Zwecke der Bahnbestimmung müssen sie oft völlig anders gelegt werden.
Auf einem idealen Erdellipsoid (das bis auf 100 Meter dem Meeresspiegel bzw. dem Geoid entspricht), sind die Längenkreise zwar Ellipsen, aber wenigstens alle gleich lang. Auf der "mathematischen" Erdfigur des Geoids hingegen haben sie geringfügig ungleichen Maßstab. In der Astrogeodäsie definiert man sie daher nicht mehr als glatte Linie, sondern durch ihre gemeinsame "astronomische Länge". Die Unregelmäßigkeiten (bis etwa 1 km rechts/links von der mittleren Meridianebene) kommen aus lokalen und regionalen Besonderheiten des Erdkörpers und lassen sich durch Schwereanomalien bzw. Lotabweichungen modellieren.
Etwa 10-mal größer sind diese Abweichungen zwischen der geometrischen und physikalischen Definition auf den Riesenplaneten Jupiter ("jovigrafische" Länge/ Breite) und auch am Mars. Der "rote Planet" ist wegen seiner Kleinheit (51% des Erdradius) zwar kaum abgeplattet, aber deutlich dreiachsig.
Da alle Längenkreise einer Kugel Großkreise sind, teilen sie (gemeinsam mit ihrem 180°-"Gegenstück") die Erde in jeweils zwei Hälften. Sie tun dies auch auf dem (abgeplatteten) Erdellipsoid, haben dort freilich die Form von Ellipsen.
Die "halbierende" Eigenschaft haben die Längenkreise (bzw. "Längenellipsen") mit dem Erdäquator gemeinsam, der aber als längster Breitenkreis auf der tatsächlichen Erde um 2 Promille länger ist: er misst im Meeresniveau 40.075 km, die Längenkreise hingegen nur 40.008 km.
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