Die
Lübecker Stadtbefestigung war eine der ausgedehntesten städtischen Befestigungsanlagen in Norddeutschland und Nordeuropa und ist in Teilen noch heute erhalten.
Die Befestigung der Altstadtinsel
Mit der Besiedlung des Hügels
Bucu zwischen
Trave und
Wakenitz im Zuge der Stadtgründung
Lübecks im 12. Jahrhundert verbunden war die Erkenntnis, das der Standort des weiter abwärts der Trave in flachem Grünland des Urstromtals gelegenen alten
Liubice sich nicht hinreichend würde befestigen lassen. Der Hügel Bucu war zuvor bereits Standort einer
wendischen Burg gewesen und wies topografisch bessere Voraussetzungen der
Befestigung und der Verteidigungsmöglichkeiten auf. Die Befestigung der Stadtgründung des 12. Jahrhunderts bestand aus der Lübecker Burg, die nach der Schlacht von Bornhöved zum
Burgkloster wurde und einer
Stadtmauer und vier
Stadttoren, von denen das
Burgtor und das
Holstentor in ihren späteren baulichen Überformungen heute noch zeugen. Die erste Erwähnung findet sich
1181 bei
Arnold von Lübeck im Zusammenhang mit der Belagerung Stadt durch Kaiser
Friedrich I. Barbarossa. Die Stadtmauer ist in Teilen am östlichen Rand der Lübecker Altstadt (entlang der Straße
An der Mauer) noch erhalten.
Landwehr
Das System der unmittelbaren Stadtbefestigung wurde ergänzt durch eine die Stadt und ihr weiträumiges Aussenterritorium umgebende
Landwehr, die weitgehend heute noch als
Lübecker Landgraben erhalten ist. Erste Wehrtürme dieses zum Teil gestaffelten Systems befanden sich wie zum Beispiel in
Fredeburg in einer Entfernung von mehr als 25 km vor den Toren der Stadt.
Ausbau der Befestigung im 17. Jahrhundert
Ab 1613 wurde die Stadt durch den niederländischen Festungsbaumeister
Johan van Valckenburgh mit einer umfassenden Aussenbefestigung nach den Planungen von
Johann von Ryswyck insbesondere nach Süden und Westen versehen. Es wurden
Wälle aufgeschüttet und zwischen der Trave und dem Stadtgraben
Bastionen in der damals modernsten Form des
Festungsbaus angelegt. Die Bauarbeiten nahmen etwa 30 Jahre in Anspruch und wurden durch
Heinrich von Brüssel fertigestellt.
Abbau der Befestigungsanlagen
Der Abbau der Befestigungsanlagen wurde vom Rat der Stadt beschlossen, nachdem im Zuge des
Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 die
Neutralität der drei
Hansestädte anerkannt worden war. Die Geschütze wurden fast alle verkauft. Während der
Lübecker Franzosenzeit wurde die Festung von der Besatzungsmacht noch einmal wieder ausgebaut und weiter verstärkt. Der Abtrag der Wallanlagen begann dann nach 1813 aber aus Kostengründen nur zögerlich und zumeist nur dort, wo das Areal der Befestigungsanlagen für Infrastrukturmaßnahmen benötigt wurde. Dies war einerseits die Hafenerweiterung mit dem Bau moderner Umschlagseinrichtungen und Lagerhäuser wie den heutigen
Media Docks, andererseits der Bau der
Lübeck-Büchener Eisenbahn und insbesondere der Bau des
Elbe-Lübeck-Kanals, der zu erheblichen Veränderungen der Topografie östlich der Altstadt führte, indem Lauf und Ausdehnung der Gewässerfläche der
Wakenitz, (siehe dort), grundlegend verändert wurden.
Heute sind die
Lübecker Wallanlagen zwischen dem
Holstentor sowie der
Puppenbrücke einerseits und dem ehemaligen
Mühlentor andererseits noch fast vollständig erhalten und die symmetrischen Bastionen noch gut erkennbar.
Auf der Trasse der Eisenbahn des 19. Jahrhunderts verlaufen heute die Willy-Brandt-Allee und die Possehlstraße.
Literatur
Hespeler:
Wehrbauten in
Der Wagen 1942-44, S. 112 - 119
Weblinks
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