| Kurznasenbär |
|---|
| Zeitraum |
| Pleistozän |
| 44.000-20.000 Jahre |
| Fossilfundorte |
| {| |- |Raubtiere (Carnivora) |- |Hundeartige (Canoidea) |- |Bären (Ursidae) |- |Kurzschnauzenbären (Tremarctinae) |- |Arctodus |} |
| Wissenschaftlicher Name |
| Arctodus simus (Kurznasenbär) |
| Cope, 1897 |
Er war vermutlich eines der größten, wenn nicht gar das größte Raubsäugetier, das während der Eiszeit auf der Erde gelebt hat. Allerdings scheinen einige frühe fleischfressende Riesensäugetiere wie Andrewsarchus, Sarkastodon und Megistotherium noch größer gewesen zu sein.
Die Schulterhöhe betrug nach den Skelettfunden rund 1,5 m oder sogar mehr, und aufgerichtet erreichte er eine Größe von 3,40 m. Man errechnete, dass die männlichen Exemplare im Schnitt etwas über 600 kg wogen, die größten Männchen konnten aber vermutlich bis zu 1000 kg wiegen, gut 200 kg schwerer als die größten Kodiakbären oder Eisbären. Wie bei meisten heutigen Bärenarten auch war der Sexualdimorphismus bei den Kurzschnauzenbären stark ausgeprägt, der sich darin äußerte dass die Männchen deutlich größer waren als die Weibchen.
Zur Familie der Bären gehörend wies seine Anatomie neben der besonders kurzen Schnauze, der er seinen Namen verdankte, weitere Besonderheiten auf. Von allen bekannten Bären hatte Arctodus das am stärksten auf eine carnivore (fleischfressend) Lebensweise ausgerichtete Gebiss. Seine Eckzähne waren kräftig und standen weit auseinander wie bei einer Raubkatze, was ihm zusammen mit der enormen Kiefermuskulatur einen enorm kräftigen Tötungsbiss ermöglichte. Zudem bildeten die Seitenzähne eine sehr effiziente Brechschere zum Zerschneiden von Fleisch, Sehnen und Haut. Insgesamt ist der Schädel in seinen Proportionen dem einer großen Raubkatze viel ähnlicher als einem Braun-oder Schwarzbären. Für einen Bären unverhältnismäßig lange Gliedmaße weisen daraufhin, dass er als Läufer weitaus schneller und ausdauernder gewesen muss als heutige Bären, die auf kurze Entfernungen durchaus die Geschwindigkeit eines galoppierenden Pferdes erreichen. Eine besonders abfallenden Rückenlinie und zwei markante Schulterhöcker erinnern an den Körperbau einer Hyäne, wobei seine Fortbewegungs- und Ernährungsart als Räuber und opportunistischer Aasfresser durchaus ähnlich gewesen sein kann. Allerdings sollte man bedenken dass etwa die heutigen Tüpfelhyänen sehr aktive und sehr erfolgreiche Raubtiere sind, die selbst so große und wehrhafte Beutetiere wie Zebras jagen, und ausschließlich von Aas lebende Raubtiere nicht vorkommen. Wahrscheinlicher ist, dass Arctodus simus ein hochspezialisierter Jäger der amerikanischen Megafauna war.
Mit seinem übergroßen Riechorgan hätte er einen Kadaver eines Großsäugers der damaligen Eiszeit, wie etwa dem Wollhaarmammut schon aus großer Entfernung gewittert, um ihn dann mit seinen kräftigen Kiefern aufzubrechen, die Knochen zu zermalmen und das proteinhaltige Knochenmark zu bevorzugen. Wie in heutigen afrikanischen und asiatischen Ökosystemen werden aber Kadaver von so großen Tieren mit langer Lebenserwartung und geringer Reproduktionsrate nur äußerst selten den Speiseplan des Arctodus bereichert haben, zudem fehlten dem Kurzschnauzenbären die massiv vergrößerten und hochkronigen Seitenzähne des Knochen-zermalmenden Hyänengebiss, weshalb es fraglich ist, ob er tatsächlich in der Lage war die Knochen wirklich großer Tiere überhaupt aufzubrechen.
Als Jagd- und Nahrungskonkurrent war er wahrscheinlich ein bedrohlicher Gegner für die ersten Menschen der Prä-Clovis oder Clovis-Kultur, die in jene Breiten kamen. Mit dem Aussterben der anderen Großsäugetiere zum Ende der Eiszeit fand sich auch für ihn keine adäquate Nahrung mehr und ging somit etwa 11.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung dem gleichen Ausgang entgegen. Höchstwahrscheinlich wird auch der Riesenkurznasenbär ein opportunistisches Raubtier gewesen sein, das normalerweise auf Jagd ging, wobei ihm seine langen Beine und die die auf schnelles Laufen ausgerichteten Füße gute Dienste geleistet haben werden. Wahrscheinlich zählten große Pflanzenfresser wie Pferde, Bisons, Kamele und verschiedene Hirscharten zu seiner bevorzugten Beute. Auch unter den heutigen Grizzlybären gibt es immer wieder welche, die relativ oft größere Beute jagen. Der langbeinige auf Fleisch spezialisierte Kurzschnauzenbär wird mit Sicherheit auch ein recht guter Jäger gewesen sein, der auch fähig war sehr große und wehrhafte Beutetiere zu überwältigen. Andererseits wird er wie praktisch jedes andere Raubtier jede Gelegenheit genutzt haben, um von frischen Kadavern zu fressen und kleineren Räubern die Beute abzujagen. Ihn darum als reinen Aasfresser abzustempeln ist allerdings wie auch jede andere Vermutung rein spekulativ.
Der nächste heute noch lebende Verwandte ist der Brillenbär in Südamerika. Aus Florida kennt man eine verwandte Form, Tremarctos floridanus, die sich ähnlich dem europäischen Höhlenbären anscheinend vor allem auf pflanzlich Kost spezialisiert hatte, und etwas größer als der rezente Brillenbär war. Das Aussterben des Kurznasenbäres begünstigte im Übrigen ihre kleineren und schwächeren Verwandten, die Braunbären, die sich nun weiter ausbreiten konnten, da diese zum einen weniger Konkurrenz hatten, und zum anderen möglicherweise von den großen aggressiven Kurzschnauzenbären auch gejagt und gefressen wurden.
In Kamtschatka glauben die einheimischen Jäger der Korjaken an das Existieren eines riesenhaften Bären, den sie Irkulyen (= heiliger Bär) nennen, und der nach Spekulationen der Zoologen Paul Ward und Stan Bergman eventuelle ähnliche Ausmaße wie Arctodus simus haben könnte. Allerdings sind gerade aus diesem Gebiet die größten eurasischen Braunbären bekannt, die in ihrer Größe fast an die nordamerikanischen Kodiak-Bären herankommen, zudem kennt man keinerlei Funde von Kurzschnauzenbären außerhalb Amerikas, weshalb es sich hier eher um einige übergroße Exemplare des Braunbären handeln dürfte.
Raubtiere | Ausgestorbenes Säugetier
Arctodus | Arctodus | Rövidfejű medvék | Arctodus | Arctodus simus
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