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Kurmandschi (kurdisch: Kurmancî) ist die am weitesten verbreitete kurdische Sprache, die im türkischen, syrischen, irakischen und iranischen Kurdistan, sowie in Armenien, Nordost-Iran (Chorasan), Libanon und in einigen ehemaligen Sowjetrepubliken gesprochen wird. Unter den Kurdologen ist für Kurmandschi auch die Bezeichnung Nordkurdisch geläufig.

Kurmandschi bildet mit Sorani (Zentralkurdisch) und Südkurdisch die kurdischen Sprachen. Unter diesen Sprachen bestehen obwohl sie zur gleichen Untergruppe gehören Unterschiede in Aussprache, Wortschatz und Grammatik. Zudem wird das Sorani-Kurdisch im Gegensatz zum Kurmandschi gewöhnlich mit arabischen Schriftzeichen geschrieben.

Klassifikation


Politische Situation der Sprache


Die Geschichte der Sprache reicht bis zur altiranischen Zeit zurück. Damit erklärt sich auch die große Verwandtschaft zur avestischen Sprache.

Kurmandschi als Literatursprache


Kurmandschi ist der am weitesten verbreitete Dialekt der kurdischen Sprache. Er wird in Syrien fast ausschließlich, in der Türkei deutlich überwiegend und teilweise im Irak und Iran benutzt. Kurmandschi wird seit den 1930er Jahren mit lateinischen Buchstaben geschrieben. Das Alphabet ist an das türkische angelehnt.

Grammatik


Das Kurmandschi wird vorwiegend im kurdisch-lateinischem Alphabet geschrieben. Von den 31 Buchstaben, deren Aussprache weitgehend mit der Schreibung übereinstimmt, sind acht Vokale (a e ê i î o u û) und 23 Konsonanten (b c ç d f g h j k l m n p q r s ş t v w x y z).

Kleinbuchstaben: a b c ç d e ê f g h i î j k l m n o p q r s ş t u û v w x y z
Großbuchstanben: A B C Ç D E Ê F G H I Î J K L M N O P Q R S Ş T U Û V W X Y Z

Daneben gibt es im Kurmandschi noch den Digraph Xw.

Kasusformen

Das Kurmandschi unterscheidet nur zwei Fälle, nämlich den Subjektfall (Casus rectus) und den Objektfall (Casus obliquus) und verfügt damit über eine Zweikasusflexion. Der Casus rectus entspricht dem deutschen Nominativ, während der Casus obliquus Funktionen übernimmt, die in anderen Sprachen üblicherweise mit dem Genetiv, dem Dativ, dem Akkusativ und dem Lokativ ausgedrückt werden. Im Kurmandschi existiert neben dem (Casus rectus)und dem (Casus obliquus) auch der Vokativ.

Casus rectus der Personalpronomen:

Kurmandschi Deutsch
Ez Ich
Tu Du
Ew Er/Sie/Es
Em Wir
Hûn Ihr
Ewan Sie

Casus obliquus der Personalpronomen:

Kurmandschi Deutsch
Min Meins, mir, mich
Te Deins, dir, dich
Seins, ihm, ihn
Ihrs, ihr, ihr
Me Unsers, uns, uns
We Euers, euch, euch
Wan Ihrs, ihnen, sie

Tewang

Wenn ein Wort näher bestimmt wird, so wird das Wort über eine Tewang (Hinzufügung) mit dem Bestimmungswort verbunden.

Beispiel:

  • Mal = Haus
  • Mein Haus = Mala min

Die Tewang (arabisch EZAFE) gibt es im Singular für männliche und für weibliche und im Plural nur in einer Form. Darüber hinaus gibt es auch ein Casus rectus und ein Casus obliquus der Tewang.

Tewangformen im Casus rectus

Männlich Singular Weiblich Singular Plural
ê a ên

Beispiele:

Tewangformen im Casus rectus

  • Deine Liebe - Evîna te
  • Sein Name - Navê
  • Unsere Kinder - Zarokên me

Tewangformen im Casus obliquus

Männlich Singular Weiblich Singular Plural
ê ê an

Die Tewang im Casus obliquus wird benötigt, um Substantive in den Casus obliquus zu setzen Beispiele:

  • Das Haus des Mannes - Mala mêrî
  • Das Kleid der Frau - Kirasê jinê
  • Heimat der Kurden - Welatê Kurdan

Nominale Kategorien

Das Nomen (Substantiv, Adjektiv, Pronomen) des Kurmandschi besitzt folgende Kategorien:

Nr Kategorie Realisierungen
1 Genus Maskulinum (m) / Femininum (f)
2 Numerus Singular (sg) / Plural (pl)
3 Kasus primär: Rectus / Obliquus; sekundäre Kasus vom Obliquus abgeleitet
4 Definitheit bestimmt (unmarkiert) / unbestimmt (markiert)
5 Attributierung siehe unten

Präsens

Das Präsens wird im Kurdischen durch das Anhängen eines Präfixes di- und der Personalendung gebildet.

Beispiel „gehen“, dessen Stamm im Kurmandschi -ç- ist:

  • Ich gehe - Ez diçim
  • Du gehst - Tu diçî
  • Er/Sie geht - Ew diçe
  • Wir gehen - Em diçin
  • Ihr geht - Hûn diçin
  • Sie gehen - Ewan diçin

Futur

Für das Futur wird anstatt di- das Präfix bi- benutzt. Darüber hinaus wird dem Substantiv eine Endung angehängt, die aber unbetont ist. Meistens ist es -ê, dann -de und -we.

Beispiel:

  • Ich werde gehen - Ezê biçim

Ergativ

Das Kurmandschi ist eine der wenigen indogermanischen Sprachen, die Ergativ benutzen. So steht bei der Vergangenheitsbildung das Agens bei transitiven Verben nicht im Casus rectus, sondern im Casus obliquus.

Beispiel:

  • MinCasus obliquus tuCasus rectus dîtî = Ich sah dich

Aber:

  • EzCasus rectus çûm = Ich ging

Hier steht das Agens im Casus rectus, weil „gehen“ ein intransitives Verb ist.

Weblinks


  • http://www.rebir.com/4ever/modules.php?name=Kurd&file=ziman Die kurdische Sprache
  • http://rojanu.org/dersen_zman/Dersen%20zman.pdf Übungen zum Erlernen des Kurmandschi.

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