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Hessen-Kassel (alte Schreibweise: Hessen-Cassel) war als Landgrafschaft zunächst ein deutsches Fürstentum, später ein Kurfürstentum mit der Bezeichnung Kurfürstentum Hessen oder kurz Kurhessen. Kapitale war in allen Phasen die alte hessische Hauptstadt Kassel.

Geschichte


Landgrafschaft

Das Fürstentum der Landgrafschaft Hessen-Kassel entstand 1567 nach dem Tod des Landgrafen Philipps I. von Hessen des Großmütigen, als die von ihm regierte Landgrafschaft Hessen nach den altertümlichen Erbregeln des Haus Hessen auf seine vier Söhne aufgeteilt wurde. Der älteste Sohn Wilhelm IV. erhielt etwa die Hälfte des Landesterritoriums einschließlich der alten Hauptstadt Kassel, womit das Fürstentum der Landgrafschaft Hessen-Kassel konstituiert war. Das Erbe der brüderlichen Linien Hessen-Marburg und Hessen-Rheinfels fiel nach deren Aussterben binnen einer Generation an Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt zurück.

1776 wurde die Stellung von 19000 Soldaten an die englische Krone zur Niederwerfung der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung zu einem europäischen Skandal hochstilisiert (siehe dazu Soldatenhandel unter Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel), den auch Friedrich Schiller in seinem Bühnenstück "Kabale und Liebe" aufgriff. Die Vermietung von Truppen war jedoch ein zeitübliches Vorgehen und nicht auf feudale Staaten beschränkt und auch später noch, etwa in der Schweiz, üblich. Zur gescheiterten Annexion Schaumburg-Lippes 1787 siehe auch den Beitrag über Wilhelm Graf zu Schaumburg-Lippe.

Kurfürstentum

Mit dem 1803 vollzogenen Reichsdeputationshauptschluss wurde Hessen-Kassel zum Kurfürstentum des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation erhoben. Von diesem Zeitpunkt an ist die Bezeichnung Kurhessen oder Kurfürstentum Hessen gebräuchlich.

Königreich Westfalen

Dem neu gegründeten Rheinbund trat Kurhessen nicht bei. Während des preußisch-französischen Kriegs 1806 kam das Land unter napoleonische Herrschaft. Nach dem Frieden von Tilsit 1807 schlug es Napoleon dem neu gebildeten Königreich Westfalen zu. Sein jüngster Bruder Jérôme bezog als Monarch seine Residenz in Kassel. Während der napoleonischen Besetzung kam es vergleichsweise früh und wiederholt zu verschiedenen Aufständen im besetzten Kurhessen.

Restitution

Jérôme floh 1813, und am 21. November des Jahres kehrte der Kurfürst unter jubelndem Empfang der Bevölkerung nach Kassel zurück:
Hessen mit eurem Namen nenne ich Euch wieder.
Die Kurwürde war zwischenzeitlich funktionslos geworden, der Landesherr behielt jedoch den Titel "Kurfürst" und das Land die Bezeichnung "Kurhessen" bei.

Kurhessen im Deutschen Bund

Kurhessen gehörte ab 1815 dem neu geschaffenen Deutschen Bund an. Zum Gesamtstaat Kurhessen gehörten das Großherzogtum Fulda, hervorgegangen aus dem Fürstbistum Fulda, ferner die Fürstentümer Fritzlar, Hersfeld und Hanau. Weiterhin waren mehrere Exklaven Staatsteil von Kurhessen, wie beispielsweise die Grafschaft Schaumburg (um Rinteln) an der Weser (seit 1640) und die Herrschaft Schmalkalden (seit 1360 / 1583) im heutigen Thüringen.

Annexion durch Preußen

Der kurhessische Staat erlosch 1866, nachdem er von Preußen in Folge des Deutsch-Österreichischen Krieges annektiert wurde. Seinerzeit wurde er mit dem ebenfalls annektierten Herzogtum Nassau und der durch preußische Truppen besetzten ehemals Freien Reichsstadt Frankfurt am Main zur preußischen Provinz Hessen-Nassau vereinigt. 1944 wurde eine Provinz Kurhessen gebildet, jedoch ohne die Kreise Schmalkalden, Schlüchtern und Gelnhausen.

Land Hessen

Am 19. September 1945 ging die ehemalige Provinz Hessen-Nassau im neubegründeten Land Groß-Hessen auf, das 1946 seinen Namen in Hessen änderte.

Landgrafen und Kurfürsten


Tabelle der Landgrafen von Hessen-Kassel (seit 1803 Kurfürsten)
Regierungszeit Herrscher Bemerkung
1568 - 1592 Wilhelm IV. der Weise Nach dem Tod Philipps I. von Hessen entsteht durch Erbteilung
die Landgrafschaft Hessen-Kassel.
1592 - 1627 Moritz der Gelehrte  
1627 - 1637 Wilhelm V. der Beständige  
1637 - 1663 Wilhelm VI. Nach dem Tode von Wilhelm V. übernahm die Regentschaft die Mutter Amalie Elisabeth als Vormund. Am 25. September 1650 übergab die Landgräfin das Amt dem volljährigen Sohn.  
1663 - 1670 Wilhelm VII. Nach dem Tode von Wilhelm VI regiert seine Witwe Hedwig Sophie das Land bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes Karl Wilhelm VII. stirbt vor erreichen des Mannesalters.  
1670 - 1730 Karl Zunächst regierte 5 Jahre lang seine Mutter als Vormund.
1730 - 1751 Friedrich I. Seit 1720 König von Schweden
1751 - 1760 Wilhelm VIII. Fungierte bereits seit 1730 als Statthalter seines Bruders.
1760 - 1785 Friedrich II. Vergrößerte das Heer beträchtlich und ließ 1776-84 auf Seiten
Englands 12.000 Mann gegen Nordamerika kämpfen.
1785 - 1821 Wilhelm IX. Erhielt 1803 als Wilhelm I. die Kurfürstenwürde.
1821 - 1847 Wilhelm II.  
1847 - 1866 Friedrich Wilhelm Starb 1875 ohne nachfolgefähige Kinder.

Fortbestand der Bezeichnung Kurhessen


Die Bezeichnung Kurhessen wird bis heute als regionale Bezeichnung weiter verwendet. So ist beispielsweise das alte Territorium Kurhessen einschließlich der Exklave Schmalkalden Bestandteil des Gebietes der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und des Diakonischen Werkes in Kurhessen-Waldeck e.V..

Literatur


  • Karl E. Demandt: Geschichte des Landes Hessen. Bärenreiter Verlag, Kassel 1972 ISBN 3-7618-0404-0

Weblinks


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