Luftbild Schloss Koblenz.jpg Das Kurfürstliche Schloss in Koblenz war die Residenz des letzten Erzbischofs und Kurfürsten von Trier, Clemens Wenzeslaus von Sachsen, der das Schloss Ende des 18. Jahrhunderts erbauen ließ. Später residierte hier für einige Jahre der preußische Kronprinz (später Kaiser Wilhelm I.) als rheinisch-westfälischer Militärgouverneur. Heute ist es Sitz verschiedener Bundesbehörden. Es gehört zu den bedeutendsten Schlossbauten des französischen Frühklassizismus in Südwestdeutschland und ist neben dem Schloss Wilhelmshöhe in Kassel und dem Fürstbischöflichen Schloss in Münster eines der letzten Residenzschlösser, die noch vor der französischen Revolution in Deutschland gebaut worden sind.
Der schlichte und nüchterne Bau ist als Residenz und Stadtschloss errichtet worden. Er ist aber durch die Lage am Rheinufer und die Innenraumdisposition sowohl als Teil der Rheinlandschaft als auch als Bau konzipiert, der die Umgebung in seine Räume mit einbezieht bzw. mitberücksichtigt. Von der Stadt führt der ideale Weg ebenerdig durch Vestibül und Gartensaal in den Schlossgarten am Rheinufer. Die Räume an der Süd- und Ostseite bieten einen prächtigen Blick ins Mittelrheintal. Die Einbeziehung der Landschaft geht auf den Wunsch des Bauherrn zurück. Die durch die Zirkularbauten großzügig wirkende Vorplatzsituation hat ältere Vorbilder z.B. in den Petersplatzkollonaden in Rom, dem Neuen Schloss in der Eremitage in Bayreuth und dem Schloss Schwetzingen. Mit der Beauftragung französischer Architekten bricht die bisher in Koblenz übliche Orientierung der Architektur am deutschen bzw. fränkischen Barock ab.
Nach Kritik an seinen Schlossplänen wurde ein Gutachten der Pariser Architektenakademie eingeholt, die diese Kritik bestätigte. D´Ixnard wurde entlassen und nunmehr der Franzose Antoine François Peyre der Jüngere mit den neuen Bauplanungen beauftragt, die einen wesentlich einfacheren und kleineren Baukörper vorsahen. Auf Peyre geht das Schloss in seinem jetzigen Erscheinungsbild zurück.
Die Pläne für die Gestaltung der Innenräume und die der Möbel stammen größtenteils vom Architekten Peyre. Mit der örtlichen Bauleitung war u.a. Johann Andreas Gärtner aus Dresden betraut, der in Koblenz den im Zweiten Weltkrieg beschädigten und danach abgeräumten Festungsbauhof (heutiger Reichenspergerplatz) erbaute. Sein in Koblenz geborener Sohn Friedrich von Gärtner errichtete in München u.a. die Ludwigskirche, Bauten an der Ludwigstraße und die Feldherrnhalle. Zu den Künstlern des Schlossbaues gehören der Bildhauer Johann Sebastian Pfaff und der Maler Januarius Zick.
Am 23. November 1786 zog Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Sachsen in das neue Schloss ein. Ein Jahr später wurde unweit des Schlosses das neue Theater eröffnet. Erschreckt durch den Ausbruch der französischen Revolution, stellte der bisher reformfreudige Kurfürst Clemens Wenzeslaus alle Reformen ein und führte ein strengeres Regiment. Den Emigranten und den flüchtigen Mitgliedern des mit ihm verwandten französischen Hofes (Clemens Wenzeslaus war der Onkel der französischen Königs Ludwig XVI.) bot er - insbesondere im Schloss Schönbornslust vor den Toren der Stadt Koblenz - eine Zufluchtstätte. Damit wurde Koblenz ein Zentrum der französischen Royalisten.
1842 bis 1845 wurden die Innenräume nach Entwürfen von Friedrich August Stüler durch Johann Claudius von Lassaulx verändert, da der Bau zur offiziellen Residenz des preußischen Könighauses für seine Aufenthalte im Rheinland wurde.
In den Jahren 1850 bis 1858 amtierte hier als preußischer Militärgouverneur für die Rheinprovinz und die Provinz Westfalen Prinz Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm I., mit seiner Gattin Augusta. Sie gab den Anstoß, die später nach ihr benannten Kaiserin-Augusta-Anlagen (Rheinanlagen) anzulegen. Kaiserin Augusta besuchte alljährlich bis wenige Wochen vor ihrem Tod im Januar 1890 das Schloss und die Stadt Koblenz, ihr "rheinisches Potsdam".
Das Schloss blieb bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges häufiges Besuchsziel der königlich-preußischen Familie. 1914 war es zu Beginn des Krieges kurzzeitig Sitz des Großen Hauptquartiers und Kaiser Wilhelms II.. Kurioses erlebte das Schloss, als hier vom 25. Oktober 1923 bis 9. Februar 1924 Separatisten die Rheinische Republik ausriefen.
Im Jahr 1946 wurde das Land Rheinland-Pfalz als Rechtsnachfolger Preußens Eigentümer des Baues. Es verkaufte ihn aber 1960 an die Bundesrepublik Deutschland, die seitdem Eigentümerin ist. Bei der letzten Restaurierung 1998 wurde statt der bisherigen äußeren Farbgebung in Ocker/Blau-Rot, die für die preußischen Garnisons- und Festungsbauten sowie Schlösser Preußens üblich war, diejenige des 18. Jahrhunderts wiederhergestellt - weißgrau für die Wandflächen und Grau für die Architekturglieder. Heute wird die ehemalige Residenz als Bürogebäude für verschiedene Bundesbehörden (z.B. Oberfinanzdirektion, BWB, Prüfungsamt des Bundes) genutzt und ist deshalb nur bei Sonderveranstaltungen öffentlich zugänglich.
Seit 2002 ist das Kurfürstliche Schloss Teil des von der UNESCO ausgezeichneten Weltkulturerbes „Oberes Mittelrheintal“. Die Stadt Koblenz hat den Zuschlag für die Bundesgartenschau 2011 erhalten. Die Planungen laufen dahin, dass der Platz vor dem Schloss als Teil der Austragungsfläche genutzt werden soll. Die Querstraße soll dafür tiefer gelegt werden um über eine Brücke Fußgängern den Zugang von der Schlossstraße zum Schloss zu ermöglichen. Des Weiteren ist im Gespräch, eine Kabinenseilbahn vom Schloss über den Rhein zur Festung Ehrenbreitstein zu bauen.
Koblenz | Schloss in Rheinland-Pfalz | Château des Princes-Électeurs (Coblence)
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"Kurfürstliches Schloss (Koblenz)".
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