Moderne Iranische Sprachen.jpg
Die kurdischen Sprachen gehören zu den iranischen Sprachen der indogermanischen Sprachfamilie und werden vornehmlich in Teilen des Iran, des Irak, Syriens und der Türkei gesprochen.
Da es vier sehr unterschiedliche Sprachformen mit eigenem Schriftstandard gibt, ist es sinnvoll, eher von "kurdischen Sprachen" als von einer kurdischen Sprache zu sprechen.
Das Gebiet, in dem überwiegend kurdische Sprachen gesprochen wird, wird Kurdistan genannt, ist aber kein eigenständiger Staat. Wegen der fehlenden politischen und kulturellen Einheit gibt es keine einheitliche, festgelegte Standardsprache.
Einige Forscher meinen, dass man die Wurzeln der kurdischen Sprache in der medischen Kultur suchen sollte. So schrieb z.B. der Deutsche Eickstedt: “Ohne medische Sprache gäbe es heute kein kurdisches Volk.”
Johann David Michaelis schrieb ebenso, dass Kurden von Meder abstammen: “Die Kurden gehören zu dem großen medisch-persischen Völkerstamm; und wenn sie Abkömmlinge der alten Chaldäer sind, die ehemals auf diesen Gebirgen wohnten, so waren auch diese ein mit den Persern und Medern verwandtes, von Assyriern, Syrern und Babyloniern aber, in Sprache und Abkunft ganz verschiedenes Volk.”
Ferdinand Justi, der sein Buch (Kurdische Grammatik) 1880 in Sankt Petersburg verِöffentlicht hatte, spricht mit Begeisterung über die kurdische Sprache und die Kurden und schreibt in der Vorrede des Buches (Khorasan): “Die kurdische Sprache wird von einem Volk gesprochen, aus welchem Herrscher wie Saladin und Idrisi Bitlisi entsprungen sind, und dessen ausgezeichnete Begabung und ritterlicher Sinn von den europäischen Reisenden, welche nicht bloß durch sein Gebiet reisten, sondern sich die Mühe gaben, dasselbe längere Zeit zu beobachten, nicht genug gelobt werden kann.”
Prof. Syies: Meder sind kurdische Stämme, die mit dem assyrischen Land benachbart sind. Diese sind von der Sprache her indoeuropäisch und von der Herkunft her Arier. Ebenso schrieben weitere andere Forscher sowie Prof. V. Minorsky, W.C.F. Wilson, der irakischer Prof. Taha Baqr, Theodor Nöِldeke, der legendäre kurdische Führer Nuri Dersimi, C.S.A. Edmonds, der armenischer Historiker Masay Xorinsky, Mehrdad Izady, dass Kurden die Nachfahren der Meder sind und die Wurzeln der kurdischen Sprache in der medischen Kultur gesucht werden sollte.
Es gibt natürlich auch andere Forscher, die eine andere Ansicht teilen. Prof. N. J. Marr meinte z.B. dass die kurdische Sprache eine kaukasische Sprache ist.
Die Kurden in der Türkei, in Syrien und in Behdinan (nordwestlicher Teil der kurdischen autonomen Region) schreiben Kurdisch (überwiegend Kurmandschi) mit lateinischen Buchstaben, Sorani (Iran und Region Sulaimaniyya im Irak) wird mit modifizierten arabischen Lettern geschrieben. Allerdings setzt sich langsam der Trend durch, im Fernsehen sowohl die lateinische als auch die arabische Schrift zu benutzen.
Obwohl die weitaus meisten Sprecher Kurmandschi sprechen, gibt es mehr schriftliches Material in Sorani, da in der Türkei der Gebrauch des Kurdischen stark eingeschränkt war. Die kurdische Sprache wurde dort 1982 in der türkischen Verfassung verboten. Seit Ende der 1990er Jahre ist aber eine verstärkte Entwicklung der Kurmandschi-Literatur zu verzeichnen, besonders in der Türkei.
Seit den Reformen vom August 2002 in der Türkei ist Kurdisch im öffentlichen Leben wieder zugelassen. In kurdischer Sprache dürfen nun Fernseh- und Radiosendungen ausgestrahlt werden. Allerdings sind die kurdischen Sendungen im Staatsfernsehen TRT auf 30 min pro Woche begrenzt (15 min in Kurmandschi und 15 min in Zazaki). Die Sendungen laufen jeweils mit türkischen Untertiteln. Im Radio muss nach jeder kurdischen Sendung alles auf Türkisch wiederholt werden. Im privaten türkischen Fernsehen laufen hin und wieder kurdische Musikclips. In Sachen Menschenrechte und- freiheit hat sich seitdem viel getan. Ab März 2006 dürfen auch regionale Sender Programme in kurdisch senden. Allerdings enthalten die Lizenzen Zeitlimits. So darf im Fernsehen pro Tag nicht länger als 45 min und pro Woche insgesamt nicht mehr als 4 Stunden kurdisch gesendet werden. Für Radio sind es pro Tag 60 min und pro Woche 5 Stunden. Weiterhin müssen die kurdischen Sendungen direkt ins türkische übersetzt werden. Diese Reformpläne erscheinen dennoch vielen sehr paradox und irreal zu den ständigen Versuchen des türkischen Staates kurdische TV-Sender wie Roj TV und Zeitungen wie Özgür Politika, die ihren Sitz noch nicht einmal in der Türkei, sondern in Europa, haben, zu schließen.
In der türkischen Verfassung (Artikel 42) heißt es allerdings nach wie vor: "Außer Türkisch darf in den Institutionen, die der Erziehung und Ausbildung dienen, türkischen Staatsbürgern keine andere Sprache als ihre Muttersprache gelesen und gelehrt werden." Es wird impliziert, dass Türkisch die Muttersprache aller türkischen Staatsbürger ist.
Aus Europa und dem Nahen Osten senden folgende kurdische TV-Stationen, und zwar
Neben dem Fernsehen gibt es im Internet viele kurdische Foren, Nachrichtenseiten und Plattformen in allen Dialekten und Schriften. Darüber hinaus ist mittlerweile der kurdische Sprachunterricht an privaten Schulen in der Türkei zulässig, wenn auch mit Einschränkungen. So gab es bisher nur in vier Städten für kurze Zeit Kurdischkurse und an Universitäten darf die Sprache noch nicht unterrichtet werden. Anfang August 2005 schlossen alle acht kurdischen Sprachschulen in der Türkei. Als Grund dafür wird "mangelnder Bedarf" angeführt, doch der Direktor der kurdischen Schule von Diyarbakır, Süleyman Yilmaz, erklärte, auch bürokratische Schikanen und finanzielle Probleme hätten zu den Schließungen beigetragen. Fragwürdig ist auch hier wie ein "mangelnder Bedarf" bei Millionen von Kurden bestehen kann.
Ministerpräsident Erdogan erklärte am Panatlantischen Jugendgipfel im Juni 2004 in Istanbul: "Die Kurden sind ein Teil, der vom Ganzen nicht getrennt werden darf. Religiöse Gruppen können als Minderheit gezählt werden. Für uns haben die Kurden keinen Status als Minderheit."
Alle Angaben über Zahl der Sprecher sind ohne Gewähr. Es sind theoretische, aus pro-kurdischer Sicht angegebene Zahlenwerte. Man sollte von +/- 60% ausgehen.
Der Language Code ist ku bzw. kur (nach ISO 639).
Was eine Sprache und was ein Dialekt einer Sprache ist, hängt von einer ganzen Anzahl von Faktoren ab, siehe dazu auch Dialektkontinuum, Dachsprache, Diglossie und Ausbausprache. Als wichtige Sprachformen werden (Kurmandschi) und (Sorani) angesehen.
Die Sprecher des Zazaki und des Gorani sehen sich großenteils ebenfalls als Kurden an, ihre Sprachen werden aber von der überwiegenden Mehrheit der Iranisten nicht zum Kurdischen im engeren Sinne gezählt.
Allgemein unterschieden werden:
Insgesamt gesehen gibt es - wie in anderen Sprachen auch - viele Mundarten, die sich von Region zu Region und von Stamm zu Stamm unterscheiden. Neben der obrigen Aufteilung gab und gibt es mehrere verschiedene Aufteilungen.
Die kurdischen Sprachen werden von verschiedenen Quellen unterschiedlich klassifiziert.
Neben diesen Klassifikationen gibt es noch weitere.
Das Imperativ wird in allen Dialekten mit der Vorsilbe bi- gebildet. Zuerst kommt die Vorsilbe bi-, dann der Wortstamm und schließlich die Personalendung -e. Beispiele:
Das Präsens wird in Kurmandschi und Sorani durch das Anhängen eines Präfixes (-di in Kurmandschi, -a in Sorani) plus der Personalendung (-im / -em) gebildet, wobei das Präfix (di-) im Kurmandschi optional ist. Im Gegensatz zum Kurmandschi und Sorani wird das Präsens in Zazaki nicht mit einem Präfix sondern mit der Silbe -en- oder -an- gebildet, die zwischen Stamm und Personalendung (-a) eingefügt wird. Daher scheinen viele Wörter in der Konjugation unterschiedlich zu sein, obwohl sie vielmals dem gleichen Wortstamm entspringen. Hier einige Beispiele:
| Imperativ | Präsens in Kurmandschi | Präsens in Sorani | Präsens in Zazaki | Präsens in Gorani |
|---|---|---|---|---|
| Bi-k-e | Ez di-k-im | Min a-k-em | Ez k-en-a | ? |
| Bi-c-e | Ez di-c-im | Min a-c-em | Ez c-en-a | ? |
| Bi-d-e | Ez di-d-im | Min a-d-em | Ez d-an-a | ? |
| Bi-zan-e | Ez di-zan-im | Min a-zan-em | Ez zan-en-a | ? |
| Bi-xwaz-e / Bi-waz-e | Ez di-xwaz-im | Min a-xwaz-em | Ez waz-en-a | ? |
| Deutsch | Kurmandschi | Sorani | Zazaki | Gorani |
|---|---|---|---|---|
Casus rectus der Personalpronomen
| ||||
| Ich | Ez | Min | Ez | Men |
| Du | Tu | To | Tu | To |
| Er, Sie, Es | Ew | Ew | O, A | Ew |
| Wir | Em | Ême | Ma | Îma |
| Ihr | Hûn | Êwe | Şima | Îwa |
| Sie pl. | Ewan | Ewan | Ê | Ewan |
Casus obliquus der Personalpronomen
| ||||
| Meins, mir, mich | Min, min, min | Min, min, min | Mi, mi, mi | Mine, min, min |
| Deins, dir, dich | Te, te, te | To, to, to | To, to, to | Toe, to to |
| Seins, ihm, ihn | Wî, wî, wî | Ew, ew, ew | Ey, ey, ey | Ewe, ew, ew |
| Ihrs, ihr, ihr | Wê, wê, wê | Ew, ew, ew | Aê, aê, aê | Ewe, ew, ew |
| Unsers, uns, uns | Me, me, me | Ême, ême, ême | Ma, ma, ma | Îme, îme, îme |
| Euers, euch, euch | We, we, we | Êwe, êwe, êwe | Sima, sima, sima | Îwe, îwe, îwe |
| Ihres, ihnen, sie pl. | Wan, wan, wan | Êwe, êwe, êwe | Înan, înan, înan | Ewan, ewan, ewan |
Hier stehen lediglich die Grundzahlen.
| Zahl | Kurmandschi | Sorani | Zazaki | Gorani |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Yek | Yek | Yew | Yek |
| 2 | Du | Dû | Di | Dö |
| 3 | Sê | Sê | Hîrê | Sé |
| 4 | Çar | Çwar | Çar | Çwar |
| 5 | Pênc | Pênc | Ponc | Penc |
| 6 | Şeş | Şeş | Ses | Şeş |
| 7 | Heft | Hewt | Hawt | Heft |
| 8 | Heşt | Heşt | Heşt | Heşt |
| 9 | Neh | Nô | New | Nû |
| 10 | Deh | Deh | Des | Deh |
| 20 | Bîst | Bîst | Vîst | Bîs |
| 30 | Sî | Sîh | Hîris | Sî |
| 40 | Çil | Çil | Çewres | Çil |
| 50 | Pêncî | Penca | Poncas | Penca |
| 60 | Şêst | Şest | Seşti | Şes |
| 70 | Heftê | Hefta | Hawtae | Hefta |
| 80 | Heştê | Heşta | Heştae | Heşta |
| 90 | Nod | Newed | Newae | Newed |
| 100 | Sed | Sed | Se | Sed |
| 1000 | Hezar | Hezar | Hazar | Hezar |
Siehe auch: Kurdische Namen
Westiranische Sprache | Kurdistan
Kurdisch | لغة كردية | Kurd | Kurdisk (sprog) | Κουρδική γλώσσα | Kurdish language | Kurda lingvo | Idioma kurdo | زبان کردی | Kurde | כורדית | Kurd nyelv | Bahasa Kurdi | Kurda linguo | Lingua curda | クルド語 | 쿠르드어 | Zimanê kurdî | Koerdisch | Kurdisk språk | Kurd | Język kurdyjski | Língua curda | Курдский язык | Kurdiska | Kürt dilleri | 库尔德语
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