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Die Kurden sind ein iranisch-sprachiges Volk im Nahen Osten ohne eigenen Staat.
Offizielle Angaben über die Anzahl der Kurden liegen nicht vor. Schätzungen bewegen sich zwischen 28 und 40 Millionen, davon in der Türkei 12-14 Millionen , ca. 9 Millionen im Iran, ca. 4,3 - 5 Millionen im Irak, 1,2 Millionen in Syrien, ca. 600.000 in Westeuropa und etwa 150.000 in den GUS-Staaten. Kleinere kurdische Gruppen leben im Libanon, Jordanien und Israel.
Herkunft der Kurden
Die Kurden sind
iranischer Abstammung und somit entfernt verwandt mit
Persern und anderen iranisch-sprachigen Völkern der Region. Die
sprachlich nächsten Verwandten der Kurden sind die
Belutschen. Die heutige Kultur und
Mythologie der Kurden ist in der
iranischen verwurzelt. Die
Kurdische Sprache gehört zur nord-westlichen Gruppe des
iranischen Zweigs der
indo-germanischen Sprachen.
Die Herkunft des Volkes der Kurden liegt weitgehend im Dunkel der Geschichte verborgen. Sie beginnt nach grober Schätzung irgendwann am Ende des zweiten Jahrtausends vor Chr. mit der Einwanderung indogermanischer Arier in den Iran. „Die iranische Hochebene war seit alters her ein wichtiger Schnittpunkt zwischen dem Vorderen Orient und Zentralasien bzw. dem indischen Subkontinent sowie Schauplatz von Wanderungsbewegungen von Völkern, die aus dem Osten kamen. Vermutlich sind die Vorfahren der Kurden um die Wende vom zweiten zum ersten Jahrtausend v. Chr. im Zuge von Einwanderungswellen indogermanischer Arier nach West-Iran gekommen und haben sich mit der ansässigen Bevölkerung vermischt. Diese Region war Teil der altorientalischen Reiche der Sumerer, Assyrer und Urartäer.“ (Strohmeier und Yalin-Heckmann).
Über die Abstammung der Kurden gibt es verschiedene Thesen, wobei zu beachten gilt, dass über diesen langen Zeitraum Völkervermischungen stattgefunden haben. Jedoch ist keine ausreichend bewiesen.
1. Sie seien Nachfahren der Hurriter, die das Mitanni-Reich gründeten (um 2000 v. Chr.) und auch Churri genannt wurden, wovon sich der Name Kurde ableite. Das Siedlungsgebiet der Hurriter stimmt fast exakt mit den heutigen Siedlungsgebieten der Kurden überein. Die Hurriter sprachen allerdings eine nicht-indogermanische Sprache.
2. Abstammung von den Medern, (Kurmandsch hergeleitet von Kur/Kurd und Mandsch für "Meder"). Viele der Kurden sehen sich heute als Nachfahren der Meder. Dies hat sich auch dadurch verstärkt, dass das altmedische Wort Kur/Kurd "stark" bedeutet. Man findet diese Form im sogenannten Kurmanji, einem kurdischen Dialekt, wobei die medische Übersetzung "Starker Meder" wäre.
3. Abstammung von den Skythen. Xenophon berichtet in der Anabasis (III,5,15) von einem Stamm der Karduchen. Allerdings bezweifeln die meisten Historiker und Archäologen, dass größere Teile der Skythen in dem späteren kurdischen Volk aufgegangen sind, denn die Heimat der Skythen war Kasachstan, Südrussland und die Ukraine.
Es gibt bis heute keine genaue geographische Definition von Kurdistan. Die Staaten, zu deren Territorien die kurdischen Gebiete gehören, versuchen mit allen Mitteln, eine solche Abgrenzung und Begriffsbildung erst gar nicht entstehen zu lassen. In der Sprache der Perser bedeutete der Name Kurdistan „Land der Kurden“. Damit wurde eine Provinz des persischen Reiches bezeichnet, in der die türkischstämmigen Seldschuken herrschten. Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert übten sie die Macht über weite Teile des Vorderen Orients aus. Im Osmanischen Reich des 19. Jahrhunderts entstand bei einer Verwaltungsreform eine Provinz mit dem Namen Kurdistan, die jedoch bald wieder aufgelöst wurde.
Siedlungsgebiet
Das traditionelle historische Siedlungsgebiet der Kurden trägt den Namen
Kurdistan. Daneben gibt es noch andere größere Gebiete innerhalb der Staaten, die schon länger von Kurden bewohnt werden. In der
Türkei ist es das Gebiet bei
Ankara und
Konya, das zerstreut seit Generationen von Kurden bewohnt wird. Die meisten Kurden wurden nach Aufständen hierhin vertrieben. Aufgrund hoher Arbeitslosigkeit, mangelnder Infrastruktur und Versorgung sowie den Kämpfen der
PKK in den kurdischen Gebieten, siedelten viele Kurden nach
Mersin,
Adana,
Istanbul und in die südostanatolischen Städte um, so dass diese Städte größere kurdische Gemeinden haben.
Im Iran leben etwa 3-3,5 Mio. Kurden in den westlichen Provinzen. Aber auch in Chorasan gibt es kleinere kurdische Gemeinden. Im Jahre 1388 kamen durch Vertreibungen durch Tamerlan viele Kurden hierher. 1587 und 1628 fanden Umsiedelungen durch den Safawiden Schah Abbas I. statt. Durch ein Abkommen zwischen Osmanen und Safawiden wurden 1590 etwa 10.000 alevitische Kurden aus dem Osmanischen Reich hierhin umgesiedelt. Die meisten Kurden aus Chorassan sind Schiiten.
Geschichte
Frühgeschichte/Altertum
Die blühendste Periode, nach kurdischer Sicht, war im
7. Jahrhundert v. Chr. im
Meder-Reich.
Mittelalter
Im
7. Jahrhundert n. Chr. erobern die Armeen des
Kalifen Omar die kurdischen Gebiete, so dass die Kurden zum
Islam zwangsbekehrt worden sind. Zwischen dem
10. und
13. Jahrhundert unter islamischer Herrschaft gründeten Kurden mehrere Dynastien, wie die der
Marwaniden, der Rawendiden, der
Hasanwayhiden, der
Schaddadiden und der
Ayyubiden. Die Marwaniden lebten im nördlichen und westlichen Kurdistan mit Wintersitz in
Diyarbakir und Sommerresidenz in Farqin (Silvan), die Rawendiden in
Aserbaidschan, das in der Zeit überwiegend kurdisch besiedelt war, mit der Hauptstadt
Täbriz, die Hasanwayhiden im Osten Kurdistans, also nordöstlich von
Kermanshah und die Schaddadiden außerhalb Kurdistans in
Transkaukasien, auf dem Gebiet des heutigen
Armeniens und Aserbaidschans. In den Jahren von
1750 bis
1789 herrschte sogar der Kurde
Karim Khan Zand über den ganzen Iran. Diese Zand-Dynastie endete aber schon 1794.
Im 12. Jahrhundert gründete Saladin, der zu Rawendis Zweig des Hadabani-Stammes gehörte, die Ayyubiden-Dynastie von Syrien. Dieses Reich erstreckte sich über Teile von Ost- und Westkurdistan, Ägypten und dem Jemen. Das Ayyubidische Reich war aber keines falls ein Kurdisches Reich, viele seiner Bewohner waren Araber und andere Völker. Es war ein islamisches Reich, denn die Bewohner bezeichneten sich als Muslime und nicht als Araber oder Kurden.
Einen großen Wendepunkt, in der kurdischen Geschichte, stellt die Schlacht von 1514 bei Caldiran (in der Provinz Van) zwischen Osmanen und Safawiden dar, bei der sich die mehrheitlich sunnitischen Kurden mit den Osmanen verbündeten. Die Osmanen sicherten sich die Unterstützung, der kurdischen Lokalfürsten, in dem sie ihnen die Umwandlung ihrer Besitztümer in erbliche Fürstentümer anboten. Diese kurdischen Herrschaften (Kürt Hükümetleri) mussten keinen Tribut zahlen und keine Soldaten für die osmanische Zentralregierung stellen. Daneben gab es noch die kurdischen Sandschak, deren Gouverneure per Erbe bestimmt wurden, aber trotzdem wie alle Sandschaks Steuern zahlten und Soldaten bereitstellten. Im Osmanischen Reich war das nicht üblich. Normalerweise wurden Ländereien nur auf Lebenszeit an kriegsverdiente Soldaten verteilt (Timar-System).
Schah Ismail I. unterliegt Sultan Selim I.. Danach kommt fast ganz Ostanatolien unter osmanische Herrschaft. Auf seinem Zug in die Osttürkei bringt der Sultan bei Sivas an die 40.000 Aleviten um, welche türkische und kurdische Gruppen umfassen, um Kollaboration mit den Safawiden zu unterbinden. 1596 verfasst Serefhan, Fürst von Bitlis und Sohn von Idris Bitlisi, das Geschichtswerk Şerefname (Prachtschrift) mit dem ersten vollständigen Überblick über die kurdische Geschichte. Darin wird über die Geschehnisse in den kurdischen Fürstentümern bis an Ende des 16. Jahrhunderts erzählt.
Bedeutende kurdische Fürstentümer im osmanischen Reich waren die Baban mit Sitz in Silemani, das Soran-Fürstentum, die Azizan in Hakkari, Badinan mit Sitz in Amediye und das Fürstentum von Bitlis. Im persischen Reich war das bedeutendste das der Ardalan.
20. Jahrhundert
Türkei
Bis zur Zeit des
Ersten Weltkriegs wurde das kurdische Bewusstsein einerseits durch die Stammeszugehörigkeit geprägt, andererseits durch den
sunnitischen Islam. Unter dem Einfluss europäischer Ideen entwickelten sie dann ein eigenes
Nationalgefühl. Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches gegen die Alliierten wurde im
Vertrags von Sèvres den Kurden eine autonome Region in Aussicht gestellt.
Gegen die Bestimmungen und territorialen Verluste auf dem Gebiet der heutigen Türkei kam Widerstand auf. Im türkischen Unabhängigkeits- und Befreiungskrieg kämpften die Kurden an der Seite der Türken gegen die Besatzungsmächte. Nach dem Sieg konnte die Türkei am 24. Juli 1923 im Vertrag von Lausanne die Bestimmungen aus dem Vertrags von Sèvres revidieren. Dadurch verloren die Kurden unter anderem ihren Status als Minderheit.
In der Türkei war der Gebrauch der kurdischen Sprache bis vor einigen Jahren verboten. Nach dem Beginn des bewaffneten Kampfes der PKK 1984 gegen den Staat, verschärfte sich die Situation der Kurden im Südosten der Türkei. Über ein Jahrzehnt galt in den betroffenen Provinzen der Ausnahmezustand. Der Krieg dauerte bis 1999, als Abdullah Öcalan verhaftet wurde. Allerdings begann die Militante Kurdische Rebellen 2004 wieder mit ihren Aktionen. In dem gesamten Zeitraum wurden mehr als 35.000 Menschen, der größte Teil kurdische Zivilisten, getötet. Im Zuge der Beitrittsverhandlungen der Türkei zu EU wurden die Rechte der Minderheiten in der Türkei verbessert. Allerdings wird die kurdische Identität offiziell nur als eine Unterkategorie der türkischen Kultur angesehen. Derzeit wächst der kurdische Bevölkerungsteil schneller als der Rest der türkischen Gesellschaft. Voraussichtlich wird deshalb der Anteil der Kurden an der Gesamtbevölkerung in der Türkei in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen.
Siehe auch: Kurdenkonflikt in der Türkei
Iran
In den dreißiger Jahren gab es immer wieder Aufstände, die durch Simko Aga angeführt wurden. Simko Aga wurde gefangen genommen und hingerichtet. Am 22. Januar
1946 wurde die
Republik Mahabad gegründet. Bis zur islamischen Revolution herrschte Friedhofsruhe in den kurdischen Gebieten. Allerdings überwarfen sich die Kurden mit
Chomeini, der ihnen keine Autonomie geben wollte. Daraufhin begann die Armee den
Dschihad gegen die Kurden, die mit Bombardierungen der Städte und Dörfer vielen Zivilisten das Leben kostete. Im Juli 2005 brach nach der Tötung eines kurdischen Mannes namens
Schuaneh Ghaderi in der Stadt
Mahabad ein Aufstand gegen die iranische Regierung aus. Der Aufstand breitete sich auf etwa zehn kurdische Städte aus. Bislang kamen dabei etwa 20 Menschen ums Leben. Die iranische Regierung bezeichntete die Aufständischen als
Hooligans und verlegte 100.000 Soldaten in die kurdischen Gebiete.
Irak
Zu einer begrenzten Selbstverwaltung und Beteiligung an der Regierung kam es im Irak
1970 bis
1974.Nach dem
zweiten Golfkrieg 1991 verfügte die
UNO im Irak eine Schutzzone nördlich des 36. Breitengrades. Im
dritten Golfkrieg 2003 beteiligten sich kurdische Kräfte auf Seiten der
USA an der Eroberung nordirakischer Städte. Seitdem genießen die irakischen Kurden einen besonderen Status als Verbündete der
USA. Das Ziel der irakischen Kurden, mehr Autonomie und Einfluss zu bekommen, wird vor allem von der
Türkei sehr missbilligt, da man einen entsprechenden Einfluss auf die Kurden in der Türkei befürchtet.
Politische Autonomie genießen seit mehr als einem Jahrzehnt weltweit allein die irakischen Kurden. Auch die neue irakische Verfassung gewährt den Kurden im Norden des Landes umfangreiche Selbstbestimmungsrechte.
Trotz Proteste seitens der Türkei konnten die Kurden im Irak ihren Einfluss ausweiten und erreichten bei der Wahl am 30. Januar 2005 75 Sitze im Parlament und stellen mit Celal Talabani den ersten kurdischen Staatspräsidenten. Über die Angliederung von Gebieten an die kurdische autonome Region wird zäh verhandelt. Dabei ist Kerkuk der brisanteste Aspekt. Dort konnte eine Allianz der kurdischen Parteien die Mehrheit der Sitze im Stadtrat erringen. Die Wahlen in Kerkuk wurden von den meisten Turkmenen und Arabern boykottiert, da die Kurden angeblich viel mehr Rückkehrer in die Stadt ließen, als Saddam Hussein damals vertrieben haben soll.
Syrien
Die Grenze zwischen Syrien und der Türkei wurde durch den Verlauf der
Bagdadbahnlinie festgelegt. Dadurch gibt es in Syrien drei kurdische
Enklaven, nämlich Cizire, Kurd-Dag und Ain-el-Arab. Diese Enklaven sind Hunderte Kilometer voneinander getrennt, was die Kommunikation unter den Kurden erschwert. Nach der Gründung Syriens unter französischem
Protektorat konnten die Kurden ein Radio betreiben und Zeitschriften wie
Hewar (Hilferuf) veröffentlichen. Viele wichtige Kurden sind von der Türkei nach Syrien geflohen, wo sie ihre politischen Arbeiten fortsetzen. So hatte
Xoybun ihren Sitz jahrelang in
Damaskus. Nachdem Syrien 1945 ein souveräner Staat wurde, wurden die Rechte der Kurden schrittweise beschnitten. Schließlich wurden Kurden aus dem öffentlichen Dienst ausgeschlossen, verhaftet und die kurdischen Ortsnamen verändert. Nach dem ersten Krieg gegen
Israel putschten die Offiziere und es folgten Jahre sozialer Unruhen. Am
23. August 1962 wurde in den kurdischen Gebieten eine außerordentliche Volkszählung durchgeführt. Dabei wurden 120.000 Kurden als Flüchtlinge deklariert und ihrer syrischen Staatsbürgerrechte beraubt. Heute haben immer noch 200.000 Kurden ihren Pass nicht zurück. Syrien begann vor kurzem diese Ausbürgerung teilweise rückgängig zu machen. Im März 1963 übernahm die
Baath-Partei die Herrschaft und 1971 wurde
Hafiz al-Assad Präsident. Er blieb es bis zu seinem Tod am
10. Juni 2000. Assad stoppte zwar die Diskriminierungen gegen die Kurden, aber unternahm nichts, um ihre Rechte wieder herzustellen Die rechtliche Lage der Kurden hat sich kaum gebessert. Assad gewährte der PKK nach dem Militärputsch in der Türkei von 1980 Zuflucht. In der Bekaa-Ebene im
Libanon konnte die PKK ihre Leute ausbilden und bewaffnen. Der Sturz von Saddam Hussein und der Baath-Regierung mit Hilfe der Kurden im Irak polarisierte auch Syrien. Die Baath-Regierung unter
Baschar al-Assad nutze ein Fußballspiel als Provokation und Gelegenheit, um hunderte Kurden zu verhaften und die Parteien der Kurden zu verbieten.
Rotes Kurdistan
In der ehemaligen
UdSSR gab es in dem Zeitraum von
1923-
1929 eine autonome kurdische Region, die
Kurdistana Sor (Rotes Kurdistan) genannt wurde. Die Region wurde am
23. Mai 1923 ausgerufen. Sie lag im heutigen
Armenien und ihre Hauptstadt war
Lachin. Andere Städte waren Kelbecar, Kubatliski und Cebrail. Der erste
Ministerpräsident war Gussi Gaciyev. Die Region lag ziemlich genau im heutigen Korridor zwischen
Armenien und der Exklave
Berg-Karabach. Unter
Stalin wurde diese Region aufgelöst. Ein Versuch sie
1991 wieder zu gründen, scheiterte am Zerfall der UdSSR. Der Krieg
1994 zwischen Armenien und Aserbaidschan vertrieb die meisten Kurden aus diesem Gebiet.
Libanon
Ismet Şerif Wanli schreibte, dass es in Libanon seit Jahrhunderten Kurden gelebt haben und zählt vier kurdische Asirets, nämlich die Clan
Banu Sayfa nördlich von
Tripoli und der Festung
Krac. Ein anderes Asiret ist
Ras Nahasch, die seit dem 16. Jahrhundert bei Tripoli leben. Dann gibt es noch die Amadischen Scheichs, die aus
Amadiya im 17. Jahrhundert in den Libanon kamen. Aus
Hakkari kam der
Can Polad Asiret. Heute heißen sie
Djumblatt. Der Führer der
drusischen Gemeinschaft und der
Progressiven Sozialistischen Partei Walid Djumblatt sei Kurde.
1925 kamen viele Flüchtlinge nach dem Scheich-Said-Aufstand ins Land. Die Organisation
Xoybun wurde in
Beirut gegründet. Heute sollen etwa 100.000 Kurden im Libanon leben.
Politik
Bislang sind die Bemühungen um eine staatliche Souveränität auch daran gescheitert, dass die Kurden untereinander zerrissen sind. In einer feudalen Gesellschaft galt nämlich, dass das Recht des Herrn oder geistlichen Oberhauptes vor dem Recht des Volkes steht. Es fehlte das nationale Gefühl. Aber in den letzten hundert Jahren kam auch der Nationalismus nach
Kurdistan, so dass die Kurden immer mehr zusammen rückten. Das machte sich auch dadurch bemerkbar, dass die Kurden vermehrt Parteien bildeten, die sich europäische Parteien zum Vorbild nahmen. In den frühen 20er Jahren wurde im
Libanon die Organisation
Xoybun gegründet, die unter anderem den
Ararat-Aufstand anführte. Die bekanntesten Parteien sind
Kongra-Gel (ehemals PKK und KADEK), die
Komala, die
PDK, die
PSK, die
Ansar al-Islam und die
PUK. In Syrien sind bekannte kurdische Parteien die
Al Party, die kurdische Volksunion (
Hevgirtin Gel) und die
Yekiti (Partei der Einheit).
Siehe auch: Kurdischer Organisationen, PDK-S, Khabat, IKF
Religion
Bei den Kurden sind verschiedene Bekenntnisse vertreten. Die Mehrheit (ca. 80 - 90%) der Bevölkerung sind
sunnitischer Muslime überwiegend
schafiitischer Richtung.
Hanafiten gibt es vor allem in der Türkei. Im Nordirak sind die
Hanbaliten eine weit verbreitete Rechtschule des Islam. Die etwa 3 - 5 % kurdischen
Schiiten leben ganz im Süden des kurdischen Verbreitungsgebiets im Irak nahe der iranischen Grenze. Daneben gibt es
Aleviten und
Schabbak, die aber früher ihre vom sunnitischen Islam anweichenden religiösen Überzeugungen nicht in die Öffentlichkeit getragen haben und deshalb als Muslime galten und oft noch gelten. Des Weiteren gibt es
Jesiden und im Iran auch
Ahl-e Haqq. Die nicht allzu zahlreichen kurdischen Jesiden der
Türkei sind heute fast vollständig ausgewandert und leben zum größten Teil in Nordwestdeutschland. Damit gehören praktisch alle Kurden der Türkei Religionesgemeinschaften an, die man zum Islam zählen kann.
Manche eigenen religiösen Traditionen gehen auf bestimmte Auslegungen des Koran bzw. Islam zurück (z.B. Sufi, oder die Bajwan aus der Schia). Die Kurden gehörten Mehrheitlich früher zur jesidischen Glaubensrichtung bevor sie zum Islam zwangskonvertiert wurden.
Kultur
Es gibt eine reiche Volksliteratur in
kurdischer Sprache.
Zu erwähnen wäre das Nationalepos
Mem û Zîn, das
1695 von dem
Dichter Ehmedê Xanî geschrieben worden ist. Der aus
Mardin stammende Dichter
Cigerxwin (Sexmus Hasan), der von
1903 bis
1984 lebte, schrieb für Zeitschriften wie
Hewar (dt:Hilferuf). Er studierte ausführlich den
Marxismus-
Leninismus und hinterließ acht Gedichtsammlungen.
1935 wurde der erster Roman der Neuzeit in kurdischer Sprache,
Schivane Kurd (dt:Der kurdische Hirte), von
Ereb Schemo verfasst. Zeitgenössische Schriftsteller sind
Helîm Yûsiv,
Haydar Isik,
Mehmet Uzun,
Mahmut Baksi,
Suzan Samanci,
Yusuf Yesilöz,
Sükrü Gülmüs,
Rohat Alakom,
Taha Hamid,
Muhammed Hamo,
Salim Barakat und
Nezir Bulut.
Ziya Gökalp ist einer der berühmtesten Intellektuellen und Publizisten der Türkei. Er war Mitgründer des sogenannten
Türk Ocağı (Türkischer Heimatverein), der als Treff der anatolischen Intellektuellen und als "Wissensbörse" diente. Er veröffentlichte die Zeitung Yeni Mecmua, in der er den
Turanismus unterstützte. Heutzutage ist Ziya Gökalp unter vielen Kurden ein
Tabu-Thema, da er als Kurde ein Unterstützer des türkischen Nationalismus war. Der berühmte Satz stammt ebenfalls von Ziya Gökalp "Kurden und Türken sind wie das Fleisch und der Fingernagel mit einander verwachsen, man kann sie nicht trennen."
Außerdem schrieb Hilmi Abbas in deutscher Sprache einige der bisher nur mündlich überlieferten altkurdischen Legenden nieder, im Jahre 2003 erschienen in München unter dem Titel "Das ungeschriebenen Buch der Kurden". Es stellt die Schöpfungsgeschichte aus jesidischer Sicht dar und die mythische Wanderung des Kurdischen Volkes von Osten in den Westen in das heutige Siedlungsgebiet.
Am 21. März wird das iranische Neujahrsfest Newroz gefeiert. Das Newrozfest wurde in der Türkei in den letzten Jahren vom Staat übernommen. Damit wollte man der PKK und den Kurden die Möglichkeit entziehen, das Fest zu kurdisieren. Es ist anzumerken, dass das Newrozfest traditionell von den Turkvölkern Zentralasiens gefeiert wird, aber nicht von den Türkei-Türken. Bei den letzten Feiern sah man immer wieder, dass das Fest in den kurdischen Gebieten mit sehr großer Beteiligung gefeiert wurde, jedoch nicht so in den türkischen Gebieten.
Siehe auch: Eşiret, Kurdische Musik, Kurdische Namen, Berühmter Kurden
Ereignisse in Deutschland
- Am 17. September 1992 werden die vier Mitglieder der Demokratischen Partei Kurdistans Dr. Sadegh Sharafkandi, Fattah Abdoli, Homayoun Ardalan und Nouri Dehkordi bei einem Attentat im Berliner Restaurant Mykonos (Charlottenburg-Wilmersdorf) von Geheimdienstangehörigen des Iran erschossen.
- Am 17. Februar 1999 stürmen etwa 50 Kurden und Kurdinnen das israelische Generalkonsulat in Berlin-Schmargendorf, weil sie vermuten, dass der israelische Geheimdienst Mossad bei der Verhaftung des PKK-Führers Abdullah Öcalan mitgewirkt hat. Dabei werden vier Personen von Sicherheitsbeamten erschossen.
- Jedes Jahr findet ein Kultur-Festival in Deutschland (meist in NRW) statt, welches von bis zu 150.000 Kurden aus ganz Europa besucht wird.
Literatur
- Celalettin Kartal: Der Rechtsstatus der Kurden im Osmanischen Reich und in der modernen Türkei. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2002, ISBN 3-8300-0599-7
- Wolfgang Benz (Hrsg.): Das zwanzigste Jahrhundert. Weltprobleme zwischen den Machtblöcken (Fischer Weltgeschichte; Bd 36). Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 2000, ISBN 3-8289-0400-9
- Türkei (Informationen zur politischen Bildung; Heft 277). Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 4. Quartal 2002, ISSN 0046-9408
- Günter Kettermann: Atlas zur Geschichte des Islam. Primus-Verlag, Darmstadt 2001, ISBN 3-89678-194-4
- Klaus Kreiser, Rotraud Wielandt (Hrsg.): Lexikon der Islamischen Welt. Kohlhammer, Stuttgart 1992, ISBN 3-17-011770-X (3 Bde.)
- Karin Kren: Kurdologie, Kurdistan und Kurden in der deutschsprachigen Literatur. Kommentierte Bibliographie. LIT-Verlag, Münster 2000, ISBN 3-8258-4642-3
- Martin Strohmeier, Lale Yalçin-Heckmann: Die Kurden. Geschichte, Politik, Kultur. Beck Verlag, München 2003, ISBN 3-406-42129-6
Die folgenden Werke sind für eine wissenschaftliche Betrachtung des Themas "Kurden" unentbehrlich:
- David McDowall: A Modern History of the Kurds. Tauris Books, London 2000, ISBN 3-1-86064-535-6
- Martin van Bruinessen: Agha, Scheich und Staat. Politik und Gesellschaft Kurdistans. Edition Parabolis, Berlin 2003, ISBN 3-933279-16-X
Weblinks
- Englischsprachige Weblinks
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