Im Folgenden wird eine Definition des Begriffs Kunsttherapie versucht. Und auch wird eine Anzahl kunsttherapeutischer Ansätze vorgestellt, die in unterschiedlichsten Traditionen stehen. Einen Überblick hierzu gibt Karl-Heinz Menzen. Er unterscheidet:
Wer einen Begriff vom Wesen und der Methode der Kunsttherapie gewinnen möchte, muss sich zuerst darüber klar werden, wie innere Bilder auf die Psyche wirken und wie sie das Verhalten beeinflussen. Denn dass Bilder therapeutisch wirksam sein können, ist seit langem bekannt.
Kunsttherapie verweist auf ein Fach, das seinen Namen aus dem Zusammenwirken zweier in ihren Interessen gegenläufigen Instrumente des sozialen Handelns bezieht. Wenn Kunst die imitierenden und irritierenden Kodes einer Gesellschaftsverfassung in eigenwilligen Material- und Verfahrensweisen entwirft, um eben diese Verfassung aufzubrechen und zu verändern, - dann will Therapie das Gegenteil: Menschen, die leidvoll aus ihren sozialen Kontexten herausgefallen sind, wieder dorthin zurückführen, wo sie sich geborgen fühlen. Wenn innere wie äussere Lebensbilder erstarrt, nicht mehr kommunizierbar sind, bieten sich künstlerische Therapieverfahren an, um kreativ und phantasievoll andere Bilder des Lebens zu erschliessen. Wenn Kunst sich die therapeutischen Handlungsfelder erschliesst, lassen sich die ästhetischen Einbahnstrassen des Lebens differenzieren, sodass individuelles Leben facettenreicher, in seinen gesellschaftlichen Bezügen wieder flexibel wird.
Im kunsttherapeutischen Kontext werden Bilder ebenso als diagnostisches Mittel eingesetzt, um persönliche Probleme zu erkennen, als auch, um positive Entwicklungspotentiale zu bestimmen. Somit kann an die durch ein Bild ersichtlich gewordenen Ressourcen des Menschen angeknüpft werden, um ihn in seiner weiteren Entwicklung zu stabilisieren und zu fördern.
Kunsttherapie bietet eine ganzheitliche Möglichkeit, den Menschen zu behandeln, sowohl durch sinnliche als auch geistige Erfassung und Verarbeitung von individuellen Themen. In der Begegnung mit dem eigenen Bild, das Ausdruck von bewussten oder unbewussten Gefühlen und Bedürfnissen der Patienten ist, bietet die kunsttherapeutische Intervention eine Basis zur Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit (siehe Gisela Schmeer, Gertraud Schottenloher, Elisabeth Tomalin). Sie trägt des Weiteren zur Entwicklung von Identität und Autonomie bei (Edith Kramer). Der Mensch erlernt kreative Einstellungen und erfährt schließlich durch die künstlerische Betätigung eine Stabilisierung des Selbstvertrauens, wie es überaus anschaulich in den Veröffentlichungen von Helen Landgarten, einer Pionierin der Kunsttherapie, dargestellt ist.
Als nonverbale Therapieform bietet sich die Kunsttherapie insbesondere in Bereichen an, in denen der Mensch einen Sprachausdruck ‚verweigert’ (sei es aus emotionalen oder anderen Gründen) oder diesem nicht mehr, bzw. noch nicht zugänglich ist (Barbara Wichelhaus, Karl-Heinz Menzen, Judith Aron Rubin). Im Bild können notwendige Voraussetzungen geschaffen werden, sprachliche Seiten des Menschen zu aktivieren. Kunsttherapie dient somit der Förderung des Kommunikations- und Interaktionspotentials.
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