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Unter Kunststoffgalvanisierung versteht man das galvanische Überziehen eines Kunststoffs mit einer Metallschicht.

Die Vorteile von Kunststoffen als Grundmaterial sind vielfältig. Geringes Gewicht, Unempfindlichkeit gegenüber Korrosion, preiswertes Erstellen der Rohlinge durch Spritzgießen und Wegfall der mechanischen Oberflächenbehandlung sind die Hauptgründe, die Kunststoffe als Grundwerkstoff interessant machen. Während zum Beispiel früher in der Automobilindustrie für galvanisierte Außenteile (Türgriffe, Schriftzüge, Zierleisten, Kühlergrills…) ausschließlich Metalle (Stahl, Messing, Zinkdruckguss) als Grundmaterial eingesetzt wurde, sind sie heute nahezu vollständig von galvanisierten Kunststoffen verdrängt worden. Der Einsatz ist vielfältig und zieht sich durch alle Industriezweige, nicht nur zu dekorativen sondern auch zu technischen Zwecken wie zum Beispiel Shielding von Mobiltelefonen.

Üblicherweise sind Kunststoffe nicht elektrisch leitfähig, daher muss die Oberfläche für eine anschließende elektrolytische Beschichtung erst mit einer gut haftenden, elektrisch leitfähigen Schicht überzogen werden.

Nicht jeder Kunststoff ist für eine galvanische Beschichtung geeignet. Industriell ist die Galvanisierung von ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat) und ABS-PC Kunststoffen am weitesten verbreitet.

Der erste Schritt in der Galvanisierung von ABS-Kunststoffen ist das Aufrauhen der Oberfläche. In einer Chrom/Schwefelsäurebeize wird ein Bestandteil des ABS, das Butadien, aus der Oberfläche herausgelöst und es entstehen Kavernen im mikroskopischen Bereich. In diese Kavernen werden Palladiumkeime, welche von einer Zinnhülle umgeben sind, eingelagert. In einem weiteren Schritt wird die Zinnhülle, welche für die Haftung des Keims in den Kavernen sorgt, soweit entfernt, daß der Keim frei liegt. Das hohe Standardpotenzial des Palladiums, sorgt im anschließenden Schritt, der chemischen (außenstromlosen) Vernicklung, für den Start der Reaktion. Hier gibt ein Reduktionsmittel welches selbst oxidiert wird, die zur Nickelabscheidung notwendigen Elektronen ab. So entsteht die erste dünne, leitfähige Nickelschicht, welche durch das Auffüllen der Kavernen eine starke mechanische Verzahnung zum Kunststoff aufweist und entsprechend gut haftet.

Auf dieser Schicht kann dann konventionell weiter aufgebaut, und beispielsweise ein Kupfer-Nickel-Chrom System, wie es in der dekorativen Galvanotechnik weit verbreitet ist, aufgebracht werden.

Beschichtungstechnik

 

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