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Die Kunstgeschichte oder Kunstwissenschaft ist die Wissenschaft von der historischen Entwicklung der bildenden Künste und ihrer ikonographischen, ikonologischen wie auch materiellen Bestimmung. Sie untersucht und beschreibt ebenso die kulturelle Funktion der Kunst hinsichtlich ihrer künstlerisch-anschaulichen Gegebenheiten, wie auch den Schaffensprozess des Künstlers.
Die Geschichte der Bildenden Kunst vollzieht sich durch die Veränderung der gesellschaftlichen Funktion und Stellung der Kunst, der theoretischen Auffassung über sie, sowie durch die Entwicklung der Kunstformen und Stilrichtungen. Ziel des Faches Kunstgeschichte (oder auch Kunstwissenschaft) ist es, die künstlerischen Objekte nach ihren Inhalten zu befragen (Ikonographie), die Werke in Raum und Zeit einzuordnen und ihrer Rezeption nachzugehen; dabei werden einerseits stilistische Zusammenhänge besprochen, andererseits wird versucht, den historischen Kontext als Voraussetzung eines Kunstwerks zu verstehen oder ihn zum Verständnis des Werks miteinzubeziehen.
Im Gegensatz zur Kunstkritik wählt sich die Kunstgeschichte in der Regel historische Gegenstände oder versucht zumindest sich zeitgenössischen Themen mit einer wissenschaftlich abgesicherten, methodisch definierten Herangehensweise zu nähern. Dabei wird anerkannt, dass (wissenschaftliche) Rezeption und Interpretation selbst zeitgebundene Handlungen sind.
Die klassischen Untersuchungsobjekte der Kunstgeschichte sind europäische und vorderasiatische Werke der Malerei und Grafik, Bildhauerei und Baukunst in der Zeit vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart. Seit ungefähr der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts werden auch Gegenstände aus den Kirchenschätzen, die sog. Kleinkunst, analysiert. Die Vor- und Frühgeschichte behandelt (auch) die künstlerische Entwicklung vor dem Auftauchen der Schrift. Die Archäologie und die Ägyptologie behandeln (auch) die künstlerische Entwicklung der frühen Hochkulturen des Mittelmeerraumes. Die Kunstgeschichte widmet sich der Erforschung der historischen Entwicklung der europäischen Kunst ab dem Zeitpunkt, an dem das Christentum im 4. Jahrhundert im Römischen Reich Staatsreligion wird. In der Gegenwart erweitert sich das untersuchte Gebiet auf die kulturellen Einflußzonen der sogenannten westlichen Hemisphäre, also etwa auch Amerika oder die zeitgenössischen Künstler weltweit, die am Kunstmarkt teilnehmen.
Die Kunst nichteuropäischer Kulturen und Länder wird außerhalb dieser Länder in den jeweiligen Landeskunden (Sinologie, Arabistik, Afrikanistik etc.) miterforscht oder in übergreifenden Disziplinen wie der Ethnologie. Die Kunstgeschichte öffnete sich seit der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts (siehe Carl Einstein, Leo Frobenius) auch anderen Kulturkreisen, etwa der Afrikanischen oder Asiatischen Kunstgeschichte. Darüber hinaus werden neue Darstellungsformen wie Fotografie, Medienkunst und Gattungen, z.B. Kunstgewerbe, Design untersucht. Jüngste Entwicklungen sehen in der Kunstgeschichte auch eine Bildwissenschaft, die - unabhängig vom Kunstcharakter eines Bildes - Funktionen und Entwicklungen analysiert (vgl. z. B. auch Game Studies).
Die Begriffe Kunstgeschichte oder Kunstwissenschaft sind eine Schöpfung des 19. Jahrhunderts und geht auf Johann Joachim Winckelmann (1717–1768) zurück, der in seinen Werken zur Kunst der Antike erstmals genauere stilgeschichtliche Untersuchungen unternommen hat. Die zweite Anregung brachte die Kunsttheorie, allen voran Schelling und Herder, sowie die Romantik. Grundlagen für die Kunstwissenschaft legten Karl Friedrich von Ruhmohr und Gustav Friedrich Waagen. Als Fachwissenschaft begründet wurde sie zum einen durch Historiker wie Jacob Burckhardt, Herman Grimm und Carl Justi begründet, die die Kunst in den allgemeinen Rahmen der Kulturgeschichte einbezogen. Zum zweiten durch die beginnende antiquarische Sichtung und Ordnung der überlieferten Kunstwerke, die eng mit dem Kunstsammeln verbunden war. Aus ihr entstanden die positivistische und kennerschaftliche Kunstgeschichte (Giovanni Morelli, Gottfried Semper) Eine dritte Wurzel der Kunstgeschichte kam aus der Philosophie und Ästhetik, vertreten durch Gustav Hotho, Karl Schnaase; auch viele spätere Kunsthistoriker studierten Kunstgeschichte und Philosophie (Heinrich Wölfflin, Aby Warburg).
Von einer eigenständigen Disziplin Kunstgeschichte läßt sich erst seit dem 19. Jahrhundert sprechen. Die Entwicklung dorthin bereiteteten Traktate verfassende und schriftstellernde Künstler, Kunstschriftsteller, Philosophen und Kunstkritiker vor. Bereits in der Antike entstehen Texte über Kunst, die entweder in Form von Ekphrasen Kunstwerke beschreiben (Lukian, Plinius der Ältere) oder von Künstlern selbst stammen, die die Grundlagen ihrer Arbeit erstmals theoretisch beschreiben (Vitruv).
Diese Praxis wird erst wieder in der Renaissance aufgegriffen. Es entstehen weitere Künstlertraktate (Leon Battista Alberti, Albrecht Dürer, Andrea Palladio etc.) und erstmal werden die wichtigsten Künstler einer Epoche in einem Werk zusammengefasst, - zum Teil vergleichend - beschrieben und in ihrer Bedeutung eingeordnet. Der italienische Künstler Giorgio Vasari ist der Autor dieser 1550 erstmals erschienenen Publikation, ähnliche Werke werden später auch von anderen Künstlern für ihre Region und ihre Zeit vorgelegt (Karel van Mander).
Wie kaum eine andere Wissenschaft wurde die Kunstgeschichte bis 1933 von deutschen Gelehrten und der Lehre an deutschen Universitäten geprägt. Wichtige deutschsprachige Schulen der Kunstgeschichte vor dem Zweiten Weltkrieg waren:
Ihre Stellen wurden mancherorts von Kunsthistorikern besetzt, die mit Hitler und seinen Zielen sympatisierten bzw. sich nicht dagegen wehrten, mit ihren Forschungsergebnissen in den Dienst der Nazi-Ideologie genommen zu werden. Unter dem Aspekt ihres Verhältnisses zum Dritten Reich waren bereits selbst Gegenstände der kunsthistorischen Forschung: u.a. Wilhelm Pinder, Hans Sedlmayr und Percy Ernst Schramm.
Nach der Vertreibung bedeutender Wissenschaftler durch die Nazis entstanden wichtige Zentren der kunsthistorischen Forschung in London (Courtauld Institute) und den Vereinigten Staaten (Princeton, Berkeley, New York und Stanford).
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