ILA.JPG Der Kunstflug ist eine mit einem hierfür geeigneten und zugelassenen Motor- oder Segelflugzeug ausgeführte Flugbewegung oder -figur, die für den Normalflug nicht erforderlich ist. Damit verbunden sind oft anomale Fluglagen und Fluggeschwindigkeiten.
Mit dem Wort „Kunstflug“ wurden in der Frühzeit der Fliegerei alle durch den Menschen unternommene Flugversuche verstanden, siehe dazu Geschichte der Luftfahrt.
Kunstflug kann auch mit geeigneten ferngesteuerten Flugmodellen oder Hubschraubern durchgeführt werden.
Kunstflugfiguren und komplette Programme werden mit einem speziellen System von Symbolen, benannt nach dem Erfinder, dem spanischen Grafen J. Aresti, dargestellt. Jeder Figur ist dabei auch ein Schwierigkeitsgrad (der K-Wert) zugemessen, der bei einem Wettbewerb in die Bewertung einfließt.
Zu den Kunstflugfiguren gehören unter anderem: Immelmann, Looping, Trudeln, Rolle, gerissene Rolle, Rückenflug, Turn, Rollenkreis, Torquen sowie Loopingacht. Um ein Kunstflugprogramm zu fliegen, werden verschiedene Figuren miteinander kombiniert. So kann beispielsweise eine Figur aus den folgenden Elementen bestehen: Vertikalflug, Rolle, gerissene Rolle, Turn, und dann im senkrechten Flug nach unten zwei gerissene Rollen.
Auf internationaler Ebene dominieren seit vielen Jahren Piloten aus Osteuropa und Russland die Wettbewerbe. In den letzten Jahren hat der deutsche Kunstflieger Klaus Schrodt einige Erfolge erzielt, meist mit Flugzeugen von Walter Extra.
Daher wird das Flugprogramm so zusammengestellt, dass sich die Figuren möglichst flüssig aneinander reihen lassen. Im Idealfall ist dann die Endgeschwindigkeit jeder Figur gleich der gewünschten Anfangsgeschwindigkeit der nächsten. (Neigungsänderungen zwischen den Figuren zur Korrektur der Geschwindigkeit wird im Wettbewerb überdies mit Abzügen bestraft.) Der Pilot muss auch beachten, nicht durch unsauberes Fliegen, zu hohe Geschwindigkeiten oder unnötig hohe G-Belastungen (Fliehkräfte beim Aufziehen bzw. im Abfangbogen) Energie zu verschenken. Zu hohe G-Belastung kann zudem im Wettbewerb zu Abzügen führen, da beim Segelkunstflug eine harmonische Bewegung angestrebt wird.
Ein weiterer Unterschied zum Motorkunstflug ist das Fehlen des Propellerwindes, wodurch manche Figuren schwieriger zu fliegen sind. Weiterhin können keine Figuren geflogen werden, die auf der Kreiselwirkung des Propellers beruhen.
Darüber hinaus unterhalten viele Nationen eigene Kunstflugstaffeln innerhalb ihrer Luftstreitkräfte, die auch auf Flugshows auftreten. Militärische Kunstflugstaffeln nutzen mehrheitlich düsengetriebene Kampfflugzeuge für ihre Vorführungen, meist leichte Trainingsflugzeuge wie die BAE Hawk oder die Aermacchi MB 339. Einige Staffeln setzen auch schwerere Kampfflugzeuge wie die F-18 ein. So wie der Flugzeugtyp variiert auch die Anzahl der Maschinen zwischen den Staffeln, meist zwischen 5 und 8 Flugzeugen. Ausnahmen bilden hier die Red Arrows mit 9 und die Frecce Tricolori mit 10 Maschinen.
Der Formationsflug spielt beim militärischen Kunstflug eine deutlich größere Rolle als im zivilen Bereich. Die Dauer der Flugvorführungen variiert sehr stark zwischen den verschiedenen Staffeln. Während das Programme der Patrouille Suisse ca. 18 Minuten dauert, sind es bei den Red Arrows bis zu 50 Minuten. Generell werden bei schlechtem Wetter, insbesondere starker Bewölkung und Regen, verkürzte Displays geflogen.
Nach dem Unfall von 1988 auf dem Flugtag von Ramstein mit 76 Opfern sind bei deutschen Flugshows strenge Auflagen eingeführt worden, die den Abstand zum Publikum, Flugrichtung und Figuren einschränken.
Zu den bekanntesten militärischen Kunstflugstaffeln zählen die britischen Red Arrows, die französische Patrouille de France, die schweizer Patrouille Suisse, die italienische Frecce Tricolori, die US amerikanischen Blue Angels und die Thunderbirds, die russischen Russian Knights, Swifts und Stritschi sowie auch die türkische Türk Yıldızları.
Beim als Sport betriebenen (reinen) Kunstflug versucht ein Pilot, möglichst präzise vorgegebene Figuren zu fliegen. Dabei gibt es für jede Abweichung von der Idealform Abzüge, wobei diese Abweichungen nur für Fachleute zu erkennen sind, was diese Form des Kunstflugs für Laien weniger interessant macht. Der an Flugschauen gezeigte Kunstflug ist dagegen meist auf ein Laienpublikum zugeschnitten: Im Vordergrund steht die spektakuläre Schau, die fliegerische Technik tritt in den Hintergrund.
Sportlicher Kunstflug ist nicht gefährlicher als normales Fliegen, wenn der Pilot für den Kunstflug ausgebildet ist und sich an die Grenzen seiner Fähigkeiten und die des Flugzeugs hält. Während der Kunstflugausbildung beschäftigt er sich intensiv mit diesen Grenzen und lernt, auch außergewöhnliche Flugzustände zu beherrschen. Eine Kunstflugausbildung wird daher von vielen Piloten auch als nützliches Sicherheitstraining angesehen. Die gesetzliche Mindesthöhe beim Kunstflug, in Deutschland 450 Meter, reicht zudem aus, um ein Flugzeug wieder abzufangen, sollte es einmal „aus einer Figur herausfallen“, was während der Ausbildung oder beim Einüben einer neuen Figur vorkommt. Daher sind Unfälle beim Kunstflug sehr selten.
Bei Flugschauen hingegen fliegen die Piloten zum Teil erheblich tiefer, um eine spektakuläre Schau zu bieten. Misslingt auf dieser Höhe ein Manöver, so bleibt kaum noch Zeit und Raum, den Fehler zu korrigieren. Ein Risiko besteht auch bei Figuren im Formationsflug - das bei Flugschauen teils bewußt eingegangen wird.
Folgende zwei Unglücke sind denn auch auf diese beiden Ursachen zurückzuführen: Zusammenstoß beim Formationsflug beim Unglück in Ramstein, zu niedrige Flughöhe beim Unglück in der Ukraine:
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