Kuno Lorenz (* 7. September 1932 in Vachdorf, Thüringen) ist ein deutscher Philosoph. Er entwickelt eine Dialogphilosophie im Anschluss an die pragmatische Handlungstheorie des Erlanger Konstruktivismus. Lorenz ist verheiratet mit der Literaturwissenschaftlerin Karin Lorenz-Lindemann.
Lorenz entwickelte (zusammen mit Paul Lorenzen) einen Ansatz, Arithmetik und Logik als Dialogspiele zu konstruieren. In der Dialogischen Logik werden Baumkalküle (allgemein: Gentzentypkalküle) upside-down geschrieben, so dass die Anfangsbehauptung eines Proponenten oben steht und wie in einem Spiel gegen einen Opponenten verteidigt wird. Dies ist ein semantiknaher Logikansatz, der sich besser als Vorbild für Argumentationen eignet als das formale Ableiten in Kalkülen bzw. die logischen Wahrheitswerttabellen. Lorenz legte zum ersten Mal einen einfachen Beweis des Gentzenschen Hauptsatzes auf dieser spieltheoretischen Basis vor. Fasst man Logik und Mathematik in dieser Weise als Spiele auf, so lässt sich zwanglos ein intuitionistischer Ansatz als eine Möglichkeit wählen. Lorenz hat auch wesentlichen Anteil an der Klärung und Rekonstruktion des sprachlich grundlegenden Vorgangs der Prädikation, der in der Logischen Propädeutik des frühen Erlanger Konstruktivismus wie in der Sprachphilosophie deshalb von zentraler Bedeutung ist. Lorenz untersuchte die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Sprache und erarbeitete Elementarmodelle von Lehr-Lern-Situationen.
An der von Jürgen Mittelstraß herausgegebenen vierbändigen Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie hat Lorenz entscheidend mitgewirkt.
Nicht nur die Logik, sondern die gesamte Philosophie erhält bei Lorenz eine dialogische Komponente: Nur im Spiegel des jeweiligen Gegenüber ist es möglich auf sich zu reflektieren. Er betont, dass die konstruktive Philosophie der Erlanger Schule zwei Aspekte - nämlich die methodische und die dialogische - hat und entwickelt aus der Orientierung an dem Dialogischen Prinzip (Martin Buber) und dem Verfahren der Sprachspiele des späten Ludwig Wittgenstein einen Ansatz, der einen dialogischen Bezug von anführendem Der-Welt-gegenüberstehen mit dem ausführenden In-der-Welt-sein vorführt. Vergegenständlichung (Semiotisierung) und Aneignung (Pragmatisierung) werden wechselseitig aufeinander bezogen. Dabei wird in Anlehnung an die Dialogphilosophie eine Dialogische Anthropologie entworfen: Nur durch differenzierte Ausbildung von Ich und Du und damit die Rückbindung der Werke des Menschen an die in ihnen verkörperten Prozesse der Individuation und der Sozialisation können Menschen ihres Menschseins innewerden.
Lorenz ist ein Experte für indische Philosophie geworden und entwickelt seine Dialogische Philosophie auch auf der Folie der Beschäftigung beispielsweise mit dem Sunyavada von Nagarjuna. Er sieht es als das Ziel der meisten Koans im Zen-Buddhismus an, der Gefahr zu begegnen, Zeichen und Gegenstand als vermittelbar in der Handlungsdarstellung zu denken. Nur im Handlungsvollzug ist eine Übergangsmöglichkeit zwischen der Gegenstandsebene und der Zeichenebene dialogisch-komplementär erreichbar.
Mann | Deutscher | Geboren 1932 | Philosoph (20. Jh.) | Philosoph (21. Jh.) | Wissenschaftstheoretiker | Konstruktivist | Logiker | Philosophische Anthropologie
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