Kendō (japanisch: 剣道<けんどう>, deutsch: Schwertweg) ist eine abgewandelte, moderne Art des ursprünglichen japanischen Schwertkampfes (Kenjutsu = Schwertkunst), wie ihn Samurai erlernten und lebten. Kendō, als Weg, verfolgt nicht nur die Techniken und Taktiken des Schwertkampfes, sondern auch die geistige Ausbildung. Die Übenden sollen durch Kendō vor allem Charakterfestigkeit, Entschlossenheit und moralische Stärke erlangen.
Obwohl traditionell, ist Kendō immer einem gewissen Wandel unterworfen. Kendō, wie es heute betrieben wird, gibt es im Groben seit etwa 150 Jahren. Manche Ursprünge sind weit älter und manche Änderungen sind noch relativ jung. Oft wird die Geschichte des Kendō mit der Geschichte des Schwertkampfes in Japan gleichgesetzt, was unter Berücksichtigung des Sprachgebrauchs des Wortes Kendō in der japanischen Sprache nicht falsch ist. Im Folgenden wird nur auf die Entwicklung des modernen Kendō eingegangen.
Die Entwicklung wurde von verschiedenen historischen Schwertschulen beeinflusst. Es ist heute nicht mehr bis ins letzte Detail nachzuvollziehen, welche Kenjutsu Ryû alle an der Entwicklung beteiligt waren, aber ein paar Schlüsseleinflüsse sind heute allgemein anerkannt.
Kendō wird in Japan heute sehr intensiv betrieben. Neben Sumo und Baseball ist es wohl eine der beliebtesten Sportarten überhaupt. Sehr verbreitet ist Kendō als Schulsport und Universitätssport. Viele jüngere Japaner verspüren allerdings gewisse Abneigungen gegenüber den strengen und alt anmutenden Regeln im Kendō. Große Förderung erfährt Kendō durch den Polizeisport. Polizisten, die sich dem Kendō verschreiben, können täglich, manchmal mehrmals täglich, als Teil ihres Dienstes trainieren, was einer der Gründe ist, warum japanische Kendōlehrer zwar sehr professionell sind, aber ihr Geld nicht mit Kendō verdienen.
Seit 1974 gibt es Europäische Meisterschaften, die damals zum ersten Mal in Bletchley, England stattfanden. Nach Deutschland kam Kendō Mitte der sechziger Jahre und fand zunächst unter Judō-Ausübenden erste Anhänger. Eine ähnliche Entwicklung ist heute beim Naginatadō in Deutschland zu beobachten, welches seine Anhänger vorwiegend unter Kendōka findet. Kendō erfreut sich in Europa zunehmender Beliebtheit. Dafür verantwortlich sind unter anderem Filme wie Last Samurai und Kitanos Zatôichi, sowie die Verbreitung japanischer Comics und Zeichentrickserien.
Die traditionelle Bekleidung beim Kendō besteht aus der Hakama und dem Keiko-Gi. Die komplette Kleidung ist meist durch eine Färbung mit Indigo in einem dunklen Blau gehalten. Dieser pflanzliche Wirkstoff hat blutstillende Eigenschaften. Selten wird weiße Kleidung als Symbol spiritueller Reinheit verwendet.
Siehe auch: Bōgu
Kihon-waza nennt man die Grundübungen beim Kendō. Dazu gehört die Fußarbeit (Ashisabaki) und die Schlagübungen (Suburi), die man ohne Partner üben kann. Beim Kendō werden folgende Suburi in verschiedenen Variationen, manchmal auch einhändig (Katate), geübt.
Eine weitere wesentliche Grundübung, die aber mit Partner geübt wird, stellt das Kirikaeshi dar.
Die innere Einstellung ist beim Kendō sehr wichtig und unterscheidet sich gravierend von anderen Arten des Budô, wie zum Beispiel dem Aikidô. Im Aikidô, wo die Energie des Gegners gegen ihn verwendet wird, wartet man auf den Angriff des Gegners. Beim Kendō gibt es keine echten Verteidigungen. Wenn überhaupt wird hier auf den Gegner ein geistiger Druck (Seme) ausgeübt und zum Schlagen provoziert. Da dieser Schlag erwartet wird, kann eine Kontertechnik (Ôjiwaza) erfolgen. Ein anderer Ansatz des Angriffs sind die sog. Shikagewaza. Durch diese Techniken wird die Haltung des Gegners gebrochen, damit dem eigenen Schlag nichts im Wege steht und auch keine Kontertechnik erfolgen kann.
Im Moment des Schlages darf nicht gezögert werden, da sonst der Schlag nicht mit voller Überzeugungskraft ausgeführt wird. Es ist nicht wichtig, ob man selber getroffen wird, sondern entscheidend ist der eigene Schlag. Auch im Wettkampf (Shiai) sollte dies die richtige Einstellung sein, denn:
Wer verteidigt, verpasst die Gelegenheit zum Angriff!
Der Kiai-Ruf ist nicht vorgegeben. Zur Einschüchterung des Gegners und zum Aufbau eigener Spannung darf man seinen eigenen Kampfschrei nach Belieben entwickeln und anwenden. Eine Ausnahme bildet das ki ai während des Schlages. Hierbei muss man die entsprechende Trefferfläche in dem Moment ausrufen, in dem das Shinai auf selbige auftrifft (siehe unten ki-ken-tai-ichi). Bei den Kata wird nicht bei jedem Schlag geschrien. Lediglich die ersten Schläge der einzelnen Formen müssen vom Uchidachi mit „Ya!“, vom Shidachi mit „To!“ begleitet werden.
Ein wichtiger Aspekt des Kendō ist das ki-ken-tai-ichi (気剣体一), die Einheit von Geist (symbolisiert durch den ki ai, den Schrei), Körper (symbolisiert durch den fumikomi-ashi, einen sprungähnlichen Stampfschritt) und Schwert. Ein Schnitt/Treffer ist im Kendō nur dann gültig, wenn er mit Überzeugung ausgeführt wird und ki ai, fumikomi-ashi und Auftreffen des Shinai im selben Augenblick stattfinden. Verallgemeinernd kann man sagen, dass beim Kendō „aus der Hüfte“ und nicht, wie oft fälschlich angenommen, hauptsächlich mit den Armen geschlagen wird.
Bei der Kata, dem Kirikaeshi und bei manchen Grundübungen wird statt dem Fumikomiashi auch Tsugiashi verwendet. Bei diesem gleitenden Schritt ist der entscheidende Moment der, bei dem die Zehen des linken Fußes auf der Höhe des rechten Hacken zum stehen kommen.
Siehe auch Kendo-Wettkampf
Neben dem Wettkampf und dem Training mit dem Shinai gibt es die Kata, der einzige Verwendungsbereich von Bokuto bzw. Katana im heutigen Kendō. Dies sind von 2 Personen ohne Rüstung vorgeführte Techniken, die bestimmten zeremoniellen Formen, wie beispielsweise das An- und Abgrüßen, unterliegen. Alle von den beiden Personen zu machenden Aktionen sind fest in Art und Reihenfolge festgeschrieben. Bei den Kata gibt es immer einen Lehrer (Uchidachi) und einen Schüler (Shidachi). Der Lehrer führt grundsätzlich immer den ersten Schlag aus, der Schüler immer den letzten, der ihn zum „Sieger“ deklariert. Es kommt bei den Kata aber nicht auf das „Gewinnen“ an, sondern auf eine möglichst saubere und flüssige Ausführung der Techniken. Daher sind Kata sehr nützlich zum Trainieren und Verfeinern der einzelnen Techniken, ähnlich dem Lektionieren beim Fechten.
Die Nihon-Kendō-Kata wurde vor etwas über 100 Jahren aus den Formen verschieder alter japanischer Fechtstile (Kenjutsu Koryû) zusammengestellt und wird noch heute geübt. Eine andere moderne Form stellen die Kihon-Kendō-Kata dar, in denen Grundtechniken geübt werden und die in Kendōkreisen immer populärer werden.
Im Deutschen Kendobund (DKenB) gibt es sechs Schülergrade (Kyu-Grade) beginnend mit dem 6. Kyû, als niedrigstem und endend mit dem 1. Kyû als höchstem Grad. Anschliessend beginnen die eigentlichen Graduierungen (Dan-Grade). In der Zen Nihon Kendō Renmei (全日本剣道連盟) kennt offiziell 10 Kyû-Grade und 10 Dan-Grade. Die Schülergrade werden in Japan hauptsächlich für die Kinder verwendet, da man schon relativ jung mit Kendô beginnt. Wir Westler neigen dazu, die Graduierungen über zu bewerten, da selbst ein 2ter/3ter Dan in Japan immer noch ein Schüler ist!
Beim Kendō ist der 8. Dan (Hachidan) der höchste durch eine Prüfung zu erlangende Grad. Diese Prüfung wird zwei mal pro Jahr in Japan abgehalten (Frühjahr und Herbst), und es bestehen weniger als 1% der Teilnehmer. Der neunte und der zehnte Dan werden nicht mehr verliehen. Beide Grade waren bis zur Änderung der Zen Nihon Kendō Renmei Statuten nur durch Nominierung zu erreichen.
Weiterhin gibt es noch Ehrentitel (Shōgō), welche das besonders heraus zu hebende Verständnis für Kendo bzw. die besonderen Verdienste und Leistungen eines Kenshi indizieren:
Die Mindestabstände zwischen den Prüfungen betragen nach der Prüfungsordnung des DKenB für Schülergrade jeweils ein halbes Jahr. Die Prüfung zum 1. Dan darf man ein Jahr nach der letzten Prüfung ablegen. Alle weiteren Prüfungen erfordern eine Wartezeit vom aktuellen Dan-Grad in Jahren, wobei man die Wartezeit trainierend verbringen sollte, da man sonst die Prüfung nicht bestehen wird.
Im Gegensatz zu anderen Budō-Disziplinen (Judō, Karate-dō etc.) ist die jeweilige Graduierung eines Kendōka nicht an der Kleidung erkennbar.
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