Angkor_Wat_W-Seite.jpg Unter Kulturtourismus versteht man Reisen, die gezielt unternommen werden, um Kulturdenkmäler zu besuchen, die Kultur fremder Länder kennen zu lernen oder kulturelle Veranstaltungen zu besuchen (sog. Bildungs-, Studien- oder Kulturreisen).
Laut einer EU-Studie ist Kulturtourismus "travel undertaken with the intention, wholly or partly, of increasing one`s appreciation of europe`s cultural resources. A cultural resource is any place, strukture artifact or event, the experience of which increases a visitors appreciation of the origins, manners, tastes and customs of the host region." (n.Irish Tourist Board et.al.1988,S.3). Nach Becker nutzt "der Kulturtourismus (...) Bauten, Relikte und Bräuche in der Landschaft, in Orten und Gebäuden, um dem Besucher die Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsentwicklung des jeweiligen Gebietes durch Pauschalangebote, Führungen, Besichtigungsmöglichkeiten und spezielles Informationsmaterial nahe zu bringen. Auch kulturelle Veranstaltungen dienen häufig dem Kulturtourismus." (Becker 1992,S.21)
Für diese Sichtweise des Kulturtourismus gelten vier Grundsätze:
Meist kleinere, spezialisierte Reiseunternehmen bieten für Interessierte gut geplante und von ausgebildete Reiseleitern geführte Reisen an. In kleinen Gruppen werden fremde Länder oder bisher unbekannte Regionen in seiner Heimat erkundet. Es gibt fast für jedes Thema spezielle Studienreisen. Der Preis ist meist höher als bei einfachen Pauschalreisen, da der Gast stärker betreut wird. In den letzten Jahren hat sich auch die Kategorie der Wander- und Studienreisen gebildet, die immer größeren Zulauf findet. Dabei ist ein nachhaltiger Fremdenverkehr das Ziel.
In der Organisation "Forum anders Reisen" sind die meisten der nachhaltig wirtschaftenden Reiseunternehmen organisiert, die Studienreisen anbieten.
Marktführer in Deutschland sind die Unternehmen Studiosus (Umsatz 2003: 171 Millionen Euro, bei einem durchschnittlichen Reisepreis von 2221 Euro) und die zur TUI-Gruppe gehörende Gebeco, die auch die Marke Dr. Tigges inne hat. Weiterhin bieten viele lokale Volkshochschulen Bildungs- und Studienreisen in Zusammenarbeit mit Reisebüros an, welche den strengen Qualitätsrichtlinien des Dachverband der deutschen Volkshochschulen unterliegen.
Die Bedeutung des Kulturtourismus in Europa (n.Irish Tourist Board) lässt sich auf 23,5% aller Touristenankünfte (ins.34,5 Mio.1988) festlegen. Davon werden ca. 31 Mio. Touristenankünfte als "general cultural tourists" eingestuft, die restlichen 3,5 Mio. gelten als "spezific cultural tourists".
Zugleich gab es aber weiterhin immer Reisende, für die eine Beschäftigung mit anderen Kulturen und Lebensweisen und der Natur des Gastlandes das wesentliche Element der Reise war. In jüngster Zeit ist eine starke Diversifizierung des Kulturtourismus zu verzeichnen. Neben die klassische Bildungsreise traten als Sonderformen etwa Sprach-, Konzert- oder Opernreise hinzu.
Die Chance zur Hebung der Einkünfte aus dem Tourismus ist Anreiz für die touristische Erschließung von Orten, Regionen und Ländern unter Betonung ihrer kulturellen Eigenart und Leistung. Ohne die aktive Mitwirkung der Regionen und die Förderung einer regionalen Identität der Träger dieser Kultur ist Kulturtourismus kaum zu entwickeln. Der Kulturtourismus definiert sich nach diesen Vorgaben als die "schonende Nutzung kulturhistorischer Elemente und Relikte und die sachgerechte traditioneller regionsspezifischer Wohn- und Lebensformen zur Hebung des Fremdenverkehrs in der jeweiligen Region; dies mit dem Ziel, das Verständnis für die Eigenart und den Eigenwert einer Region in dem weiten Rahmen einer europäischen Kultureinheit zu erweitern und zu vertiefen und zwar durch eine verstärkte Kommunikation zwischen den Bewohnern des europäischen Kontinents und durch eine sachlich richtige, vergleichende und diskursive Information über die Zeugnisse aus Vergangenheit und Gegenwart am Ort". Diese Definition beschreibt die klassische Form des Kulturtourismus, der mit dem Begriff Authentizität charakterisiert werden kann. Als Gegenpol bzw. Erweiterung zu diesem authentischen Kulturtourismus ist der so genannte "Erlebnis-" bzw. "Eventtourismus" zu verstehen.
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