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Die Kulturphilosophie fragt nach den Entstehungsbedingungen von Kultur überhaupt und nach den kulturellen Entfaltungen in spezifischen historischen und geographischen Kontexten.

Untersucht wird der kulturelle Ausdruck des Menschen in Sprache, Schrift, Mythos, Religion, Ethik, Kunst, Wirtschaft, Staatsordnung, Medien, Wissenschaft und Technik.

Um den zentralen Begriff der Kultur geht es dabei ebenso wie um die methodologischen Grundlagen der Kulturwissenschaften. Wesentlicher Bestandteil der Kulturphilosophie ist auch die philosophische Kulturkritik, die sich mit modernen Phänomenen der industrialisierten Gesellschaft, Medien und Technologien, Fragen des Krieges in der modernen Gesellschaft ebenso befasst wie mit dem Konflikt von Mobilität und sozialer Bindung, Fragen der Verteilungsgerechtigkeit und Globalisierung oder der Umweltethik.

Geschichte


Zu den Klassikern der in der Neuzeit einsetzenden Kulturphilosophie zählen der Skeptiker Michel de Montaigne, der Historiker Giambattista Vico, Jean Jacques Rousseau und Johann Gottfried Herder. Auch diverse Werke Friedrich Nietzsches können als kulturkritische Schriften gesehen werden, so etwa seiner frühen Unzeitgemäßen Betrachtungen oder ein großer Teil der späten Götzen-Dämmerung.

Die seit Beginn des 20. Jahrhunderts einsetzende Kulturphilosophie im engeren Sinne wurde begründet durch Ludwig Stein, der als erster den Begriff in seinem Werk An der Wende des Jahrhunderts. Versuch einer Kulturphilosophie (1900) verwendete. Als frühe Vertreter sind zu nennen der Kulturhistoriker Leo Frobenius, Georg Simmel (Philosophie des Geldes), Oswald Spengler (Untergang des Abendlandes), Sigmund Freud (Das Unbehagen der Kultur), oder Ernst Cassirer (Philosophie der symbolischen Formen) sowie Heinrich Rickert und Wilhelm Windelband mit der von ihnen entwickelten neukantianischen Wertphilosophie. Im weiteren zu nennen sind der Strukturalist und Ethnologe Claude Levi-Strauss, José Ortega y Gasset (Die Aufgabe unserer Zeit), Arnold Joseph Toynbee (Kultur am Scheidewege), Eduard Spranger (Lebensformen) oder Erich Rothacker (Kulturanthropologie). Einen bedeutenden Aspekt macht die Kulturphilosophie bei Herbert Marcuse und Theodor W. Adorno in der Kritischen Theorie aus.

In der Diskussion der Gegenwart ist insbesondere auf Jean Baudrillard, Clifford Geertz, Pierre Bourdieu, Vilém Flusser, Jean-Francois Lyotard oder Richard Rorty hinzuweisen.

Zunehmend nimmt die Kulturphilosophie auch auf die Erkenntnisse der empirischen Sozial- und Kulturwissenschaften bezug. Zugleich werden auch Forschungen aus naturwissenschaftlichen Fachrichtungen, die sich mit kulturellen Phänomenen beschäftigen berücksichtigt - so zum Beispiel Erkenntnisse aus Archäologie, Paläoanthropologie, Verhaltensforschung, aber auch aus den Kognitionswissenschaften. Aus diesem Grund werden auch die Grenzen zwischen Kulturphilosophie und Naturphilosophie durchlässiger.

Literatur


  • Oswald Schwemmer: Kulturphilosophie. Eine medientheoretische Grundlegung. München (Wilhelm Fink Verlag) 2005.
  • Ralf Konersmann: Kulturphilosophie zur Einführung. Hamburg (Junius Verlag) 2003.

Sozialphilosophie | Philosophie des 20. Jahrhunderts | Philosophische Anthropologie

 

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