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Der Kugelschreiber ( umgangssprachliche Kurzform: Kuli) ist ein Schreibgerät, das Tinte mittels einer Kugel auf Papier überträgt.
Streicht der Kugelschreiber über das Papier, so dreht sich die Kugel, nimmt dabei auf ihrer einen Seite Tinte auf und gibt sie auf der anderen an das Papier ab. Die Kugel ist aus einem extrem harten keramischen Material (Wolframkarbid, Markenname Widia), um den Verschleiß gering zu halten. Um sie zu schützen, wird die Kugelschreiber-Mine während der Zeit, in der man den Kugelschreiber nicht benötigt, mittels eines Mechanismus zurückgeführt. Dies kann durch ein Drehsystem geschehen oder durch ein Federsystem, das mittels Taster auf dem Kugelschreiberende aktiviert wird. Dies ist auch deshalb sinnvoll, weil Kugelschreibertinte sehr leicht auf Kleidung abfärbt und sich nur schwer wieder entfernen lässt.
Je nach gewünschter Strichdicke misst die Kugel 0,7 bis 1,4 Millimeter, bei besonders feinen Kugelschreibern, zum Beispiel in Japan, auch nur 0,2 Millimeter. Eine Mine reicht je nach Spitze 5000 bis 10000 Meter weit.
Diese Abwertung des vielseitigen Schreibwerkzeugs muss jeden überraschen, der, unabhängig von künstlerischem Talent, schon einmal mit einem Kugelschreiber gezeichnet hat. Zwar ist mit dem Kugelschreiber durch technische Gegebenheiten ein Linienspektrum wie beim Bleistift oder der Feder nicht möglich – durch ein leichtes Abheben vom Papier lassen sich jedoch sehr feine Linien erzeugen, und entsprechende Papierstärke und/oder eine weiche Unterlage machen durch starkes Aufdrücken einen intensiven Strich möglich.
Besonders Schraffuren sind mit dem Kugelschreiber gut durchzuführen. Er benötigt keinerlei Pflege und es gibt keine Einschränkungen der Zeichenrichtung, wie bei der Zeichenfeder. Auch kann er im Gegensatz zu der Feder, dem Bleistift oder sogar dem Fineliner nicht durch zu festen Aufdrücken oder groben Umgang beschädigt werden. Der Inhalt eines Standard-Kulis reicht für einen etwa einen Kilometer langen Strich – viele andere, teurere Schreib- und Zeichengeräte sind um einiges schneller leer. Er ist sehr verlässlich, die schwarze Tinte ergibt einen tiefdunklen Strich.
Weiterhin ist der Kugelschreiber sehr beständig – ein Verwischen wie beim Bleistift ist nahezu ausgeschlossen, und er kann auf vielen verschiedenen Papiersorten verwendet werden. Ideal ist jedoch glattes, festes Papier. Die meisten Kugelschreiber sind zudem dokumentenecht, d. h. lichtbeständig.
Der schlechte Ruf als Zeichenmittel mag durch eben diese Anspruchslosigkeit der Mittel, des kunstgeschichtlich noch jungen Alters und des Massengebrauchs entstanden sein – wohl jeder wird als Schüler schon einmal während öder Schulstunden Muster und Kringel gezeichnet haben. Tatsächlich haben viele modernere Künstler, unter anderem Horst Janssen, gelegentlich den Kugelschreiber zum Zeichnen benutzt. Vor allem für kontrastreiches, schraffurenlastiges Zeichnen ist ein Kugelschreiber geeignet, und durch seine bleistiftähnliche Form, seinen oft niedrigen Preis und seine Verlässlichkeit ist er ein häufig verwendeter Stift.
1888 erhielt der Amerikaner John J. Loud ein Patent auf ein kugelschreiberähnliches Gerät, mit dem man Leder markieren können sollte. Slavoljub Eduard Penkala, ein kroatischer Erfinder, patentierte 1906 ebenfalls einen Kugelschreiber-Vorläufer. Der gebürtige Ungar László József Biró erfand, unterstützt von seinem Bruder Georg, in Budapest in achtzehnjähriger Entwicklungsarbeit die Grundform des heutigen Kugelschreibers mit Farbmine und rollendem Kügelchen in der Minenspitze zum Auftrag der Farbmasse auf das Papier. Vermutlich kam ihm die Idee beim Anblick rotierender Druckwalzen, die die Farbe auf ähnliche Weise auf das Papier auftragen. Sein im Jahr 1938 erstmals in Ungarn erteiltes Patent ließ er am 27. Dezember 1938 in den USA als "Fountain Pen for Pulpink Ink" (später "Ball Pen") und 1943 in Argentinien erneuern, wohin er 1940 vor den Deutschen geflohen war.
Der tatsächliche Durchbruch für den Kugelschreiber kam mit dem britischen Geschäftsmann Henry George Martin. Er erkannte den Kugelschreiber als ideales Schreibwerkzeug für Flugzeugbesatzungen, das auch in großen Höhen funktioniert, ohne dabei zu klecksen. Er kaufte Biró die Patentrechte ab, gründete gemeinsam mit Frederick Miles im Jahr 1944 in Reading (Berkshire, England) die erste Kugelschreiberfabrik der Welt und startete eine Serienproduktion. Im ersten Jahr seines Bestehens lieferte das Unternehmen 30.000 Kugelschreiber an die Royal Air Force. Dr. Margarete Rehm:"Information und Kommunikation in Geschichte und Gegenwart"
Im Juni 1945 wurde der amerikanische Geschäftsmann Milton Reynolds in Buenos Aires auf den Kugelschreiber aufmerksam. Er ließ die Technik in den USA nachbauen. Unter dem Namen Reynolds' Rocket wurden die Kugelschreiber noch im gleichen Jahr zu einem Verkaufserfolg in den USA. Wegen Qualitätsproblemen musste Reynolds jedoch tausende Exemplare zurücknehmen und ging 1951 in Konkurs.
Nach dem 2. Weltkrieg begannen mehrere Unternehmen, Kugelschreiber zu produzieren, teilweise ohne die Patentrechte zu besitzen. Das Problem des Klecksens bekam erst der Franzose Marcel Bich in den Griff. Unter dem Namen BIC brachte er Ende 1950 seinen Kugelschreiber auf den Markt und läutete damit endgültig das Zeitalter des Kugelschreibers als Massenprodukt ein.
In mehreren Ländern wird der Kugelschreiber nach seinem Erfinder genannt, so z. B. biro in England und birome in Argentinien. In Frankreich stellte Baron Bich große Mengen billiger Einweg-Kugelschreiber unter dem Markennamen BIC her, wodurch bic ein Synonym für Kugelschreiber wurde. In Argentinien wird der Tag des Erfinders jährlich am Geburtstag László Birós (29. September) gefeiert.
Die ersten Kugelschreiber wurden 1945 für 8,50 Dollar verkauft. In Deutschland kosteten die ersten Modelle 1950 etwa 20 DM.
Im Saarländischen nennt man den Kugelschreiber auch Dauerschreiber.
Schreibgerät | Büromaterial | Moderne Sage
Kuglepen | Ballpoint pen | Globkrajono | Bolígrafo | Pastapliiats | Stylo à bille | Bolígrafo | עט כדורי | Pulpen | Penna a sfera | ボールペン | Balpen | Długopis | Kulspetspenna | 圓珠筆
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