Wälzlager sind Lager, bei denen zwei zueinander bewegliche Komponenten, der sogenannte Innenring sowie der Außenring durch rollende Körper getrennt sind. Zwischen den drei Hauptkomponenten Innenring, Außenring und Wälzkörper tritt hauptsächlich Rollreibung auf. Da die Wälzkörper im Innen- und Außenring auf gehärteten Stahlflächen mit optimierter Schmierung abrollen, ist die Rollreibung dieser Lager relativ gering.
Bei modernen Wälzlagern werden die Wälzkörper (Kugeln, Rollen, Nadeln, Tonnen oder Kegel) durch einen Käfig in gleichem Abstand gehalten. Ältere Wälzlagertypen und Sonderausführungen kommen ohne Käfig aus. Vor allem Wälzlager in Steuerungssystemen von Flugzeugen haben keinen Käfig. Dadurch können mehr Wälzkörper pro Lager eingesetzt werden, was die Belastbarkeit deutlich erhöht. Jedoch eignen sie sich nicht für Drehzahlen größer als ca. 300 Umdrehungen pro Minute.
Käfigwerkstoff war früher Messing, wegen erhöhter Laufruhe. Heute wird der Käfig aus Kosten- und Gewichtsgründen aus Kunststoff (Polyamid) gefertigt. Messingkäfige gibt es weiterhin für Sonderanwendungen.
Üblicherweise werden Wälzlager auf Wellen oder Achsen montiert. Zum Schutz vor Verschmutzungen werden Lager in ein Lagergehäuse eingebaut.
Bei Sonderbauformen (unter Verzicht auf einen getrennten Innen- und Außenring) können die geschliffenen bzw. gerollten und gehärteten Laufflächen direkt auf die Welle bzw. Achse und/oder in das Lagergehäuse eingebracht und das Wälzlager somit in diese Komponenten integriert werden.
Die Lagerlebensdauer hängt von zahlreichen Faktoren ab. Einige Einflussgrößen sind mess- oder berechenbar (wie etwa Lagerbelastung oder Oberflächengüte der Komponenten). Andere können nicht numerisch bestimmt werden (Verschmutzung oder genauer Schmierzustand). Einfache Berechnungstools gibt es auf den Seiten der Hersteller (siehe Weblinks).
Geschichte
Die Geschichte des Wälzlagers reicht über 2700 Jahre zurück. Bei Ausgrabungen eines keltischen Streitwagens wurden kleine zylinderförmige Buchenholzstücke in der Nähe der Rad
naben gefunden. Forscher schließen daraus, dass die Kelten bereits gegen 700 v.Chr. das Zylinderrollenlager kannten. Dieses ist dann wieder in Vergessenheit geraten, wie viele Erfindungen in der Geschichte.
Im Zuge der Industrialisierung entstand der Bedarf nach einer Lagerung, die sich bei niedriger Drehzahl besser verhielt als Gleitlager. Das Gleitlager verschleißt bei niedriger Drehzahl und oder bei unzureichender Schmierung sehr schnell. In alten Dampfloks etwa wurden die Radlager ständig neu gegossen.
L-Rollenlager.png
- 1490 "erfand" Leonardo da Vinci das erste Kugellager.
- 1794 erhielt der Engländer Vaughan das erste Patent für Achsen, hier kann man die ersten Rillenkugellager finden.
- 1850 erfand F. Fischer aus Schweinfurt das Kugellager. Daraus entstand der Konzern FAG.
- 1869 erhielt SURIRAY ein Patent für Kugellager am Fahrrad.
- 1883 erfand F. Fischer die Kugelschleifmaschine. Mit ihr war es erstmals möglich, Stahlkugeln absolut rund zu schleifen. Er legte damit den Grundstein für die gesamte Wälzlagerindustrie.
- 1890 erhielt F. Fischer ein Patent für seine Kugelschleifmaschine.
- 1898 meldete Henry Timken in den USA ein Patent für das Kegelrollenlager an. Heute Timken.
Im Laufe der Zeit kamen zahlreiche weitere Varianten hinzu. Besonders entwickelte sich die Fertigungsgenauigkeit und die Schmierstoffentwicklung weiter. Heute werden Lager mit integrierten Sensoren wie elektronischer Kraft- und Verschleißermittlung angeboten.
Anwendung
Wälzlager werden in den Anwendungsgebieten bevorzugt verwendet, wo Lagerungen bei kleinen Drehzahlen und hohen Lasten reibungsarm arbeiten sollen und dort, wo sich Drehzahlen häufig ändern. Ein weiteres Kriterium kann der geringe Schmierungsbedarf von Wälzlagern sein.
| Vorteile
| Nachteile
|
|
| - kaum Reibung (Anlaufmoment kaum größer als das Betriebsmoment), deshalb geringe Wärmeentwicklung
- kein Stick-Slip-Effekt
- kaum Schmierstoffverbrauch
- kaum Pflege und Wartung
- gute Normung und Bemessungsgrundlagen, deswegen gut austauschbar
|
|
- Bei Stillstand und geringer Drehzahl empfindlich gegen Stöße und Erschütterungen
- begrenzte Höchstdrehzahl und Lebensdauer
- Verschmutzungsempfindlich
- aufwändige Bauweise im Vergleich zu Gleitlagern
Bauformen
Roulbille-3c.jpg
Es wird zwischen
Radial- und
Axiallagern unterschieden. Zur Einordnung in diese beiden Kategorien wird der
Druckwinkel zur Hilfe genommen. Druckwinkel ist der Winkel zwischen der
Radialebene und der
Drucklinie, wobei die Lage der Drucklinie stark von verwendeten Wälzkörpern und Rollbahnen abhängig ist.
- Radiallager:
- Axiallager:
Es gibt sechs Grundformen von Wälzlagern:
- Kugellager
- Zylinderrollenlager
- Nadellager
- Kegelrollenlager
- Tonnenlager
- Carblager (SKF)
Kugellager sind die häufigsten verwendeten Wälzlager. Hier gibt es die breiteste Auswahl unterschiedlicher Abmessungen. Da sie kostengünstig sind, sollten sie bevorzugt verwendet werden.
Kugellager.jpg
Radiallager
Rillenkugellager (DIN 625)
Der bekannteste Typ ist das
Rillenkugellager, es ist dafür ausgelegt, überwiegend radiale Kräfte aufzunehmen. Da die Kugeln eng an den relativ tiefen Laufrillen anliegen, kann dieses Lager auch geringe axiale Kräfte aufnehmen. Eine Faustregel besagt, dass die axiale Belastbarkeit ungefähr 10% der radialen Belastbarkeit beträgt. Laut SKF-Katalog 2005 soll die axiale Belastung im Allgemeinen den Wert 0,5 C0, bei kleinen und leichten Lagern 0,25 C0 nicht übersteigen.
Druckwinkel
Rillenkugellager gibt es als Miniaturkugellager bereits ab der Abmessung von 1x3x1 mm (d x D x B )
Schrägkugellager (DIN 628)
= Einreihig
=
Das Schrägkugellager kann axiale Kräfte in einer Richtung und radiale Kräfte aufnehmen. Sie werden meist paarweise eingebaut und vorgespannt. Der paarweise Einbau kann in Form von Tandem-, O- oder X-Ausführung erfolgen. Je nach Einbauart verändern sich die axial aufnehmbaren Kräfte. Durch Rollbahnneigung entsteht auch bei rein radialer Belastung eine nicht zu ignorierende (innere) Axialkraft.
Druckwinkel
= Zweireihig
=
Das zweireihige Schrägkugellager entspricht 2 einreihigen Schrägkugellagern in O-Anordnung. Es ist radial und axial in beide Richtungen hoch belastbar.
Druckwinkel
Vierpunktlager (DIN 628)
Dieses Wälzlager ist eine Sonderform des
Schrägkugellagers mit einem Druckwinkel von
.
Es gibt 4 Berührpunkte der Wälzkörper mit den Laufbahnen. Durch den geteilten Innenring können mehr Kugeln bei einer geringeren Abmessung verwendet werden. Aus diesem Grund erhöhen sich sowohl die aufnehmbaren axialen als auch radialen Kräfte in beide Richtungen.
Schulterkugellager (DIN 625)
Das Schulterkugellager ist eine spezielle und zerlegbare Form des Rillenkugellagers. Es hat nur eine geringe Tragfähigkeit in radialer und in einseitig axialer Richtung und wird für Geräte mit geringen Belastungen verwendet, wie zum Beispiel Messgeräte und Haushaltsgeräte.
Druckwinkel
Pendelkugellager (DIN 630)
Das Pendelkugellager besitzt zwei Kugelreihen. Die Rollenlaufbahn des Außenrings hat eine Hohlkugelform. Innenring, Käfig und Kugeln lassen sich um wenige Winkelgrade aus der Mittelstellung schwenken. So können Fluchtfehler oder Durchbiegungen der Welle durch das Pendellager ausgeglichen werden. Die Belastung kann sowohl axial als auch radial in beide Richtungen erfolgen.
Zylinderrollenlager (DIN 5412)
Das Zylinderrollenlager hat eine große radiale Tragfähigkeit, allerdings ist es in axialer Richtung nicht bzw. nur sehr wenig belastbar.
Wälzkörper von Zylinderrollenlagern sind Kreiszylinder. Sie werden in unterschiedlichen Bauformen gefertigt. Abhängig von der Bauform können sie ausschließlich radiale, oder radiale und axiale Kräfte aufnehmen. Diese unterscheiden sich durch Anordnung der "Borde" am Innen- und Außenring. Bei fehlenden Borden kann der Innenring abgezogen werden, bei der Variante NU sogar von beiden Seiten. Daher eignen sich Zylinderrollenlager für Fest-/Loslagerungen, denn Axialverschiebungen sind in gewissen Grenzen möglich.
Standard-Bauformen einreihiger Zylinderrollenlager:
- NU: 2 feste Borde am Außenring, kein Bord am Innenring
- N: kein Bord am Außenring, 2 Borde am Innenring
- NJ: 2 Borde am Außenring, 1 Bord am Innenring
- NUP: 2 Borde am Außenring, 1 Bord am Innenring + 1 lose Bordscheibe am Innenring
Kegelrollenlager (DIN 720)
Dieses Lager ist sowohl in radialer als auch in axialer Richtung sehr hoch belastbar und wird in der Regel paarweise eingebaut.
Die Rollkörper haben die Form eines Kegelstumpfes, außerdem sind sie etwas gegen die Wellenachse geneigt. Diese Art von Lagern kann sowohl radiale als auch größere axiale Belastung aufnehmen, z.Bsp. Radlager von
Kraftfahrzeugen. Sie besitzen den Vorteil, dass man das
Spiel einstellen kann. Die Kegelachsen von Innenring, Außenring und Kegelrollen treffen sich in einem Punkt auf der Drehachse, denn nur dann können die Kegelrollen ohne
Schlupf abrollen.
Tonnen- und Pendelrollenlager (DIN 635)
= Tonnenrollenlager
=
Diese Ausführung eines Wälzlagers ist für hohe stoßartige Radialkräfte ausgelegt, allerdings in Axialrichtung nur gering belastbar. Es eignet sich gut zum Ausgleichen von Fluchtfehlern.
Diese sind winkeleinstellbar (bis zu 4° aus der Mittellage), da der Außenring eine kugelförmige Lauffläche hat. Die Rollkörper, die sog. Tonnenrollen, sind
fassförmig. Tonnenlager sind einreihig, d.h. sie besitzen eine Reihe von Tonnenrollen in einem Käfig.
= Pendelrollenlager
=
Das Pendelrollenlager hält höchsten axialen und radialen Belastungen stand und eignet sich gut um Fluchtfehler auszugleichen.
Pendelrollenlager sind, wie die Tonnenlager, winkeleinstellbar (bis zu 2° bei geringer Belastung, sonst bis 0,5°), jedoch zweireihig. Sie sind für schwerste Belastungen geeignet, weisen also hohe Tragzahlen auf.
Die kreiszylindrischen Wälzkörper haben eine große Länge im Verhältnis zum Wälzkörperdurchmesser. Dadurch haben sie eine sehr geringe Baugröße und werden daher häufig in
Getrieben verwendet. Gerade bei Nadellagern wird häufig auf einen Innenring verzichtet.
Ein Nadellager ohne Innenring bezeichnet man als Nadelhülse, ist der Außenring aus tiefgezogenen, gehärtetem Stahlblech einseitig geschlossen, bezeichnet man dies als Nadelbüchse. Für besonders platzsparende Lagerungen wird auch auf den Außenring verzichtet und nur ein Nadelkäfig eingesetzt.
Neben Radial-Nadellagern werden ebenfalls Axiallager gefertigt, wobei hier Schlupf zwischen Wälzkörpern und Anlaufscheiben in Kauf genommen wird.
Axiallager ("Drucklager")
L-Rollenlager3.png
Axial-Rillenkugellager
Beim Axial-Rillenkugellager laufen die Kugeln zwischen zwei oder drei Scheiben, abhängig davon, ob die Axialkraft in beiden Richtungen auftritt oder nur in einer. Bei beidseitiger Krafteinwirkung wird die mittlere Scheibe auf der Welle festgehalten, die beiden äußeren im Gehäuse.
Diese Lager können ausschließlich Axialkräfte aufnehmen.
Zylindrische Rollendrucklager
Dieser Lagertyp ist aufgebaut aus einer Wellenscheibe, einer Gehäusescheibe und einer Einheit mit zylindrischen Rollen und Käfig. Er eignet sich besonders bei schweren Axiallasten.
Werkstoffe
Üblicherweise werden Wälzlager aus Chromstahl gefertigt, sehr hart,
aber leicht rostend, in der Stahlsorte 100Cr6 (Werkstoff-Nr. 1.3505), ein Stahl mit einem Gehalt von ca. 1% Kohlenstoff und 1,5% Chrom.
Für besondere Betriebsbedingungen gibt es Lager aus rostfreiem Stahl, Keramik (in der Regel aus Siliziumnitrid) und Hybridlager, bei denen die Lagerringe aus Stahl, die Wälzkörper jedoch aus Keramik (Siliziumnitrid oder Zirkondioxid) bestehen.
Für einen besonders geräuscharmen Lauf werden auch häufig Kunststoffe als Werkstoffe für die Wälzkörper verwendet.
Auswahl des passenden Lagers
Wälzlager werden fast nur nach
Tabellenbüchern oder Online-Katalogen (Links unten) ausgewählt. Die Bezeichnungen bestehen aus Kombinationen von Buchstaben und Zahlen, die nach einem logischen, in DIN 623 genormten Prinzip aufgebaut sind. So können Lager der gleichen Bezeichnung unabhängig vom Hersteller eingesetzt werden.
Das Bezeichnungsschema umfasst Vorsetzzeichen, Basiskennzeichen und Nachsetzzeichen. Ein S608 2RS ist so aufgeschlüsselt ein Edelstahllager (Vorsatz "S"), mit den Hauptabmessungen 8 x 22 x 7 mm (Basiskennzeichen "608"), das beidseitig abgedichtet ist (Nachsatz "2RS").
Bemessung
Werte, die notwendig sind, ein Lager zu bemessen, sind:
Lebensdauer (DIN ISO 281 Teil 2)
in Millionen Umdrehungen bei 10% Ausfallwahrscheinlichkeit
in Stunden bei 10% Ausfallwahrscheinlichkeit
- = Dynamische Tragzahl in kN
- = Dynamische äquivalente Belastung in kN
- = 3 (für Kugellager), =10/3 (für Rollenlager)
- = Drehzahl in 1/min
Die Lebensdauer für andere Ausfallwahrscheinlichkeiten wird durch Multiplikation von mit einem Faktor berechnet.
in Millionen Umdrehungen bei 5% Ausfallwahrscheinlichkeit
in Millionen Umdrehungen bei 4% Ausfallwahrscheinlichkeit
in Millionen Umdrehungen bei 3% Ausfallwahrscheinlichkeit
in Millionen Umdrehungen bei 2% Ausfallwahrscheinlichkeit
in Millionen Umdrehungen bei 1% Ausfallwahrscheinlichkeit
Zur Abschätzung der Belastung der Lager können folgende Richtwerte herangezogen werden:
niedrige Belastung
mittlere Belastung
hohe Belastung
sehr hohe Belastung des Lagers
Bei der Auslegung des Lagers sollten unbedingt, selbst bei niedrigen Drehzahlen, sehr hohe Belastungen vermieden werden. Ebenso sollten niedrige Belastungen vermieden werden, da dann kein rollen der Wälzkörper sondern gleiten stattfindet, was den Verschleiß erhöht und damit die Lebensdauer verringert.
Befestigung
Je nachdem, ob es sich um ein
Festlager oder ein
Loslager handelt, werden Außenring und Innenring mit dem Gehäuse, bzw. mit der Welle fest verbunden.
Die einfachste Art ist, beide Ringe ein- bzw. aufzupressen. Dazu müssen Welle und Gehäuse eine bestimmte Maßtoleranz aufweisen.
Auf der Welle kann der Innenring aber zwischen einem Anlaufbund und einer Spannschraube oder einer Mutter eingespannt sein oder mit einer Spannhülse gepresst werden.
Im Gehäuse wird meist der Außenring mit dem Deckel gegen einen Anlaufbund gepresst oder mit einem Seegerring gehalten. Bei Loslagern gewährt man dem Außenring ein gewisses Längsspiel, der Ring muss aber so eingepresst sein, dass er sich nicht mitdreht.
Lagereinheiten
Lagereinheiten bilden eine besonders einfache Möglichkeit für die Lagerung von Wellen. Sie werden hauptsächlich im Sondermaschinenbau und in landwirtschaftlichen Maschinen eingesetzt. Sie bestehen aus einem Radial-Rillenkugellager mit balligem (kugelförmigem) Außenring und einem Lagergehäuse.
In dem Gehäuse kann das Lager um einige Winkelgrade verstellt werden, um Fluchtungsfehler auszugleichen. Die Lagergehäuse werden je nach Einsatzzweck aus Grauguss, Leichtmetallguss, Kunststoff oder Stahlblech gefertigt und können sehr einfach am Maschinenträger befestigt werden.
Gängige Gehäuseformen sind:
- UCP = Stehlager,
- UCF = Quadratische Flanschlager, 4 Befestigungslöcher,
- UCFL = Flanschlager, 2 Befestigungslöcher,
- UCT = Spannlager.
darüber hinaus sind weitere Bauformen verfügbar, wie z. B. spannbare Flanschlager usw.
Die Befestigung der Welle erfolgt entweder mit Gewindestiften in einem einseitig verlängertem Innenring oder mit Hilfe eines Klemmrings. Hierzu hat der Innenring der Lagereinheit und der Klemmring jeweils eine exzentrisch-kegelige Eindrehung.
Lageranordnung
Bei der Anordnung von Wälzlagern auf z. B. einer Welle oder Achse wird die Anordnung der Lager unterschieden in Fest-Los-Lagerung und Stützlagerung. Die Stützlagerung wird wiederum in schwimmende Lagerung und angestellte Lagerung unterschieden.
Es ist unbedingt notwendig, dass eine der genannten Lageranordnungen gewählt wird, da sich das zu lagernde Element (z. B. Welle, Achse, ...) aufgrund von Erwärmung ausdehnt und diese Ausdehnung kompensiert werden muss. Des Weiteren können die bei der Fertigung entstandenen und unvermeidbaren Maßabweichungen aufgefangen werden.
Fest-Los-Lagerung
Bei dieser klassischen Art der Lagerung ist das
Festlager so auf dem zu lagernden Element montiert, dass es sich nicht in axialer Richtung verschieben kann. Das
Festlager nimmt also sowohl Radialkräfte als auch Axialkräfte auf. Wie groß die maximal aufnehmbare Axialkraft sein kann, hängt von der Ausführung dieses Lagers ab.
Das Loslager kann im Gegensatz zum Festlager in axialer Richtung wandern. Es können also keinerlei Axialkräfte von dem Loslager kompensiert werden.
Stützlagerung
Bei dieser Art der Lagerung teilt sich die Axialkraft auf beide Lager auf. Jedes der beiden Lager kann axiale Kräfte in eine Richtung aufnehmen, so dass beide Lager zusammen alle axialen Kräfte auffangen können.
Axialluft
Axialluft wird wie folgt beschrieben:
Das Maß bei nicht eingebauten Lagern, um das sich die Lagerringe in axialer Richtung von einer Endlage in die andere bis zur spannungsfreien Anlage gegeneinander verschieben lassen.
Abdichtung
Viele Wälzlager sind als abgedichtete Ausführung erhältlich.
Folgende Dichtungen sind üblich:
- Z = einseitige Blechdeckscheibe mit Spaltdichtung
- ZZ = wie oben, beidseitig
- RS = einseitige, schleifende Gummidichtung
- 2RS = wie oben, beidseitig
- RU = einseitige, berührungslose Gummidichtung
- 2RU = wie oben, beidseitig
Abmessungen
Wälzlager sind sowohl in den Abmessungen (Bohrung, Außendurchmesser, Breite) als auch in den Belastbarkeiten weitgehend genormt.
Außerdem gibt es diese Lager auch in fertigen Lagerböcken (siehe Lagereinheiten, Gehäuselager), die ggf. schwenkbar sind oder Gummipuffer zur Stoßdämpfung haben.
Manche Bauformen werden auch mit Dichtscheiben und Dauerschmierung oder Abdeckscheiben geliefert (Nachsetzzeichen 2RS bzw. je nach Hersteller 2Z oder ZZ), so dass die Laufflächen vor Schmutz oder Staub geschützt sind.
Eine einfache Zuordnung der Lagerbezeichnung zu den Hauptabmessungen: Wellendurchmesser (d) und Außenring-Durchmesser (D) können für Lager mit einem Wellendurchmesser von 10 bis 80 mm aus folgender Tabelle entnommen werden. Einige Lagerbauarten werden zusätzlich in unterschiedlichen Breiten gebaut und sind daher in Lagerkatalogen (s. Weblink) nachzuschlagen.
Die Bezeichnung der unterschiedlichen Lagertypen ist wie folgt: wobei "xxx" aus der Tabelle zu entnehmen ist. Hiermit lässt sich jedes noch so verrostete Lager auf einfache Weise identifizieren. Hierzu identifiziert man zuerst die Lagerbauform und dann den Innenring-Innendurchmesser, sowie den Außenring-Außendurchmesser.
Jetzt folgt man in der Tabelle der Innendurchmesser-Spalte nach unten und der Außendurchmesserspalte nach rechts bis zum Schnittpunkt. Mit der hier stehenden Ziffer ergänzt man die Typenbezeichnung.
Beispiel: Ein einreihiges Rillenkugellager, Typenbezeichnung beginnt also mit 6, hat d = 25 mm und D = 52 mm, im Schnittpunkt befindet sich die Ziffer 205. Das passende Ersatzlager ist also ein Typ 6205 mit möglicherweise noch Nachsetzzeichen für Deck- oder Dichtscheiben.
- 1xxx = Pendelkugellager, zweireihig, schmale Bauform
- 2xxx = Pendelkugellager, zweireihig, breite Bauform
- 3xxx = Schrägkugellager, zweireihig
- 4xxx = Rillenkugellager, zweireihig
- 5xxx = Zylinderrollenlager
- 6xxx = Rillenkugellager, einreihig
- 7xxx = Schrägkugellager, einreihig
- 11xxx = Pendelkugellager mit breitem Innenring
- 20xxx = Tonnenlager
- 21xxx bis
- 24xxx = Pendelrollenlager (unterschiedliche Breite)
- 30xxx bis
- 33xxx = Kegelrollenlager (unterschiedliche Breite)
- Nxxx = Zylinderrollenlager (auch Bauformen NU, NJ, NUP - s. unten)
- QJxxx = 4-Punkt-Lager
| | d | 10 | 12 | 15 | 17 | 20 | 25 | 30 | 35 | 40 | 45 | 50 | 55 | 60 | 65 | 70 | 75 | 80
|
| D | xxx | | | | | | | | | | | | | | | | |
|
| 26 | | 000 | | | | | | | | | | | | | | | |
|
| 28 | | | 001 | | | | | | | | | | | | | | |
|
| 30 | | 200 | | | | | | | | | | | | | | | |
|
| 32 | | | 201 | 002 | | | | | | | | | | | | | |
|
| 35 | | 300 | | 202 | 003 | | | | | | | | | | | | |
|
| 37 | | | 301 | | | | | | | | | | | | | | |
|
| 40 | | | | | 203 | | | | | | | | | | | | |
|
| 42 | | | | 302 | | 004 | | | | | | | | | | | |
|
| 47 | | | | | 303 | 204 | 005 | | | | | | | | | | |
|
| 52 | | | | | | 304 | 205 | | | | | | | | | | |
|
| 55 | | | | | | | | 006 | | | | | | | | | |
|
| 62 | | | | | 403 | | 305 | 206 | 007 | | | | | | | | |
|
| 68 | | | | | | | | | | 008 | | | | | | | |
|
| 72 | | | | | | 404 | | 306 | 207 | | | | | | | | |
|
| 75 | | | | | | | | | | | 009 | | | | | | |
|
| 80 | | | | | | | 405 | | 307 | 208 | | 010 | | | | | |
|
| 85 | | | | | | | | | | | 209 | | | | | | |
|
| 90 | | | | | | | | 406 | | 308 | | 210 | 011 | | | | |
|
| 95 | | | | | | | | | | | | | | 012 | | | |
|
| 100 | | | | | | | | | 407 | | 309 | | 211 | | 013 | | |
|
| 110 | | | | | | | | | | 408 | | 310 | | 212 | | 014 | |
|
| 115 | | | | | | | | | | | | | | | | | 015 |
|
| 120 | | | | | | | | | | | 409 | | 311 | | 213 | | |
|
| 125 | | | | | | | | | | | | | | | | 214 | | 016
|
| 130 | | | | | | | | | | | | 410 | | 312 | | | 215 |
|
| 140 | | | | | | | | | | | | | 411 | | | | | 216
|
| 150 | | | | | | | | | | | | | | 412 | 313 | 314 | |
|
| 160 | | | | | | | | | | | | | | | | | 215 |
|
| 170 | | | | | | | | | | | | | | | 413 | | | 316
|
Siehe auch:
Weblinks
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