Kugelblitz nennt man schwebende Lichtkugeln, die plötzlich und auch in geschlossenen Räumen auftreten. Es gibt neben Augenzeugenberichten nur wenige fotografische Belege, so im Brockhaus (18. Ausgabe).
Bis heute haben die Naturwissenschaften keine allgemein akzeptierte oder nachgewiesene Erklärung für dieses Phänomen liefern können. Kugelblitze werden oft mit Gewittern und „echten“ Blitzen in Verbindung gebracht.
Am schlüssigsten ist daher die Vermutung, dass es sich um Plasmen handelt, die durch interferierende Mikrowellen gebildet werden. Y. H. Ohtsuki und H. Ofuruton gelang es 1991 erstmals, unter Laborbedingungen Kugelblitzen ähnelnde Plasmagebilde reproduzierbar zu erzeugen, deren Eigenschaften dem von Augenzeugen berichteten Verhalten ähnelten. Dabei verwendeten sie ein Magnetron mit 2,45 GHz und 5 kW Dauerleistung Ohtsuki, Y.H. und Ofuruton, H.: Plasma fireballs formed by microwave interference in air. In: Nature. 350/1991. S. 139–141.
Kugelblitze sind extrem seltene Erscheinungen und darüber hinaus unterscheiden sich die Einzelheiten von Augenzeugenberichten teilweise etwas. Viele der Eigenschaften der Beobachtungen von Kugelblitzen widersprechen einander, weshalb es auch möglich ist, dass mehrere verschiedene Phänomene fälschlicherweise zusammengefasst werden.
Kugelblitze treten sehr selten und zufällig auch im Zusammenhang mit Gewittern und atmosphärischen Entladungen überwiegend in Bodennähe auf. Sie wurden als schwebende, glühende Objekte beschrieben. Im Gegensatz zur kurzlebigen Lichtbogenbildung zwischen zwei Punkten eines gewöhnlichen Blitzes haben sie eine Lebensdauer von bis zu dreißig, typischerweise aber zwei bis acht Sekunden. Die Form kann sphärisch (kugelförmig), eiförmig oder stabähnlich sein, wobei die Erscheinung in keiner Dimension viel größer als in den anderen ist. Die größte beobachtete Ausdehnung lag zwischen fünfzehn und vierzig Zentimetern. Sie sind selbstleuchtend, meist orange bis hellgelb und undurchsichtig. Manchmal versprühen sie Funken und sind von Geräuschen begleitet. Manchmal wird die Erscheinung von einem bestimmten Objekt angezogen, manchmal bewegt sie sich eher zufällig oder bleibt teilweise sogar stehen. Nach mehreren Sekunden verschwindet die Erscheinung, zerstreut sich, wird von etwas absorbiert oder verschwindet in seltenen Fällen sogar in einer Explosion. Manchen Berichten zufolge können sie in Gebäude eindringen, scheinbar wirkungslos durch Mauern, Türen und Fenster dringen oder aber auch bei Berührung explodieren und Verletzungen verursachen.
Manche Beschreibungen ähneln sehr stark denen von anderen Phänomenen wie zum Beispiel von UFOs oder Foo-Fightern.
Entstehung und Aufbau des Phänomens sind trotz erfolgreicher japanischer Experimente mit interferierenden Mikrowellen, die Plasmakugeln erzeugten, die Kugelblitzen in Größe und Erscheinungsbild ähnelten, nicht gänzlich geklärt. Experten verschiedener Fachrichtungen wie Meteorologen, Elektrotechniker, aber auch viele Laien sammeln deshalb seit langem alle Augenzeugenberichte, werten sie aus und versuchen auf dieser Grundlage, dem Phänomen auf die Spur zu kommen. Besonders begehrt sind zufällig gelungene Fotos oder Filmaufnahmen. Oft werden allerdings auch leicht erkennbare Fälschungen als Kugelblitze ausgegeben, so dass es schwer ist, echte Fotos zu finden.
Nikola Tesla spricht in seinen Aufzeichnungen von der erfolgreichen Erzeugung von Kugelblitzen in seinem Labor, spätere Versuche haben aber keine Anhaltspunkte finden können, ob diese Kugelblitze etwas mit dem beobachteten Naturphänomen zu tun haben, oder ob es sich nur um eine andere Art elektrisches Phänomen handelt.
Die Entstehung und die Bewegung der Kugelblitze ist damit an den Ort der Energieabgabe gebunden; deshalb steigen sie im Gegensatz zum gewöhnlichen Plasma nicht auf und sind sie gegen Wind unempfindlich. Sofern Baustoffe von Gebäuden für Mikrowellen durchlässig sind, was zumeist der Fall ist, können Kugelblitze diese durchaus durchdringen.
Die von Ohtsuki und Ofuruton durchgeführten Experimente konnten dies bestätigen; die Plasmabälle hatten vergleichbare Dimensionen und Lebensdauern, sie konnten sich gegen Wind bewegen und eine 3 cm dicke Keramikplatte durchdringen.
Wissenschaftler der gemeinsamen Arbeitsgruppe Plasmaphysik des Garchinger Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) und der Berliner Humboldt-Universität (HUB) haben 2006 kugelblitzähnliche Plasmawolken erzeugt. Die Physiker produzierten über einer Wasseroberfläche leuchtende Plasmabälle, die Lebensdauern von knapp einer halben Sekunde und Durchmesser von 10 cm bis 20 cm besitzen. Dabei ragen in ein mit Salzwasser gefülltes Becherglas zwei Elektroden, wobei eine Elektrode durch ein Tonröhrchen, das etwas aus der Wasseroberfläche herausschaut, vom umgebenden Wasser isoliert ist. Wird über eine Kondensatorbatterie von 0,5 mF eine Hochspannung von 5 kV angelegt, so fließt für 0,15 Sekunden ein bis zu 60 Ampere starker Strom durch das Wasser. Durch einen Überschlag vom Wasser aus gelangt der Strom in das Tonröhrchen, wobei das dort enthaltene Wasser verdampft. Nach dem Stromimpuls zeigt sich ein leuchtendes Plasmoid aus ionisierten Wassermolekülen. Kugelblitze im Labor; Bericht der IPP-Arbeitsgruppe Plasmaphysik.Kugelblitze im Labor bei der Langen Nacht der Wissenschaften 2006
Eine andere Theorie geht davon aus, dass Kugelblitze keine elektrische Natur haben, jedoch durch Blitzeinschlag ins Erdreich entstehen. Dabei werde Siliziumdioxid (Sand) in Silizium und Sauerstoff zerlegt. Während der Sauerstoff im Erdreich mit Kohlenstoff (organisches Material) reagiere, trete das Silizium als Dampf bzw. Aerosol aus dem Blitzkanal aus und werde durch Luftsauerstoff langsam oxidiert. Die Siliziumpartikel-Wolke sei durch Selbstorganisation in der Lage, eine kugelähnliche Form anzunehmen und es sei daher auch möglich, dass sie sich nach Durchdringen einer kleinen Öffnung wieder zusammenfindet. wissenschaft.de zur Theorie von Abrahamson und Dinniss
Die Theorie von A.F. Ranada (Madrid) geht von einem topologischen Modell, einem so genannten elektromagnetischen Knoten aus. Ein elektromagnetischer Knoten ist definiert als Vakuum-Lösung der Maxwellgleichungen mit der Eigenschaft, daß alle elektrischen und magnetischen Feldlinien geschlossen sind. Entsprechend dieser Theorie besteht das Volumen des Kugelblitzes nicht vollständig aus Plasma, sondern aus ineinander hängenden Plasma-Schläuchen, die sich gegenseitig magnetisch und hydrodynamisch stabilisieren, und Eigenschaften von etwa 10 s Lebensdauer, eine Netto-Abstrahlung von etwa 100 W bei einer Gesamtenergie von etwa 20 kJ ohne externe Energiezufuhr zulassen, wie durch entsprechende elektrodynamische Modellrechnungen auf der Grundlage der von Alfven- und Maxwellgleichungen gezeigt werden konnte. Dabei werde der Hauptteil der Energie nicht durch das Plasma der Blitzentladung, sondern in Form der magnetischen Feldenergie gespeichert, wobei magnetische Feldstärken von 0,5 T bis 2 T angenommen werden. Antonio F. Ranada, Mario Soler, José L. Trueba, Ball lightning as a force-free magnetic knot, Phys. Rev. E 62, 7181–7190 (2000)
Es gibt viele weitere Theorien: Hochstromentladungen, bei denen kleine (< 1 cm) hüpfende Feuerbälle entstehen, die Bildung anderer zündfähiger Gase oder Aerosole (so genannte diffusive Verbrennung), oder Zuhilfenahme esoterischer Energiequellen.
Keine dieser Theorien mit Ausnahme der ersten konnte jedoch experimentell bestätigt werden oder weist sämtliche Eigenschaften auf, die durch Augenzeugen von Kugelblitzen beschrieben werden. Sollten Kugelblitze stabil brennende Plasmen sein, wäre ihr genaueres physikalisches Verständnis von größter Wichtigkeit für die Realisierung der friedlichen Kernfusion auf der Erde zwecks Stromerzeugung in sogenannten Tokamaks.
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