Als Kubanische Musik werden verschiedenste Musikstile bezeichnet, die ihren Ursprung auf der Karibik-Insel Kuba haben und vom 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit großen Einfluss auf die Entwicklung verschiedenster Musikstile in der ganzen Welt nahmen.
Die Wurzeln der meisten musikalischen Elemente kubanischer Musik liegen in den Cabildos, einer Art von sozialen Vereinigungen, die mit den farbigen-sklaven aus Afrika nach Kuba kamen. Diese Cabildos bewahrten afrikanische Kulturtraditionen, auch nach der Abschaffung der Sklaverei 1886. Der Zwang zum Synkretismus der afrikanischen Religionen mit dem römisch-katholischen Christentum führte zum Entstehen der Santería, die sich bald über die ganze Insel ausdehnte und auch die Nachbarinseln erfasste (z. B. Haiti). Die Santería beeinflusste mit ihrer religiös motivierten Betonung der Schlaginstrumente die kubanische Musik. Jeder der Santería-Götter (Orishas) wird verbunden mit speziellen Farben, Gefühlen, katholischen Heiligen und Rhythmen. Seit dem 20. Jahrhundert fanden Elemente der Santería-Musik auch Eingang in die Populär- und Folkmusik.
Genealogie Musik Kuba.gif
Entwicklung der kubanischen Musik
Kubanische Musik hat ihre wichtigsten Wurzeln in
Spanien und
Westafrika, aber im Verlaufe der Zeit sind auch Einflüsse anderer Länder hinzugekommen, etwa aus
Frankreich, den
USA und
Jamaika. Umgekehrt hatte die kubanische Musik aber auch entscheidenden Einfluss auf die Musik in anderen Ländern, nicht nur auf die Entwicklung des
Jazz und der
Salsa (Musik), sondern auch auf den argentinischen
Tango, die Ghanaische
High-Life, den Westafrikanischen
Afrobeat und den spanischen "
Flamenco Nuevo".
Einflüsse auf die kubanische Musik
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Die Ureinwohner Kubas waren die
Taíno, die
Arawak und die
Ciboney, deren Musikstil
Areito (heute der Name eines kubanischen Plattenlabels) genannt wurde. Die spanischen Eroberer rotteten die indianische Urbevölkerung Kubas in wenigen Jahrzehnten restlos aus. Zahlreiche Sklaven, die als Ersatz für die ermordeten Indios als Arbeitskräfte nach Kuba gebracht wurden, trugen mit sich ihre Musik auf die Insel. Auch die europäischen Einwanderer brachten ihre Musik und Tänze aus ihren Heimatländern mit: den
Zapateo, den
Fandango, den
Zampado, den
Retambico. Später kamen der nordeuropäische
Walzer, das
Menuett, die
Gavotte und die
Mazurka nach Kuba, die sich besonders unter der städtischen weißen Bevölkerung verbreiteten.
Fernando Ortíz Fernández, ein kubanischer
Anthropologe und
Musikethnologe beschrieb die neu entstandene kubanische Musik als eine Kreation von Sklaven der großen Zuckerplantagen und den Spaniern oder
Kanaren mit ihren kleinen
Tabakfarmen. Die Sklaven bauten
Perkussions-Instrumente ihrer afrikanischen Heimat nach und erzeugten so die dazugehörigen
Rhythmen. Zu den wichtigsten Instrumenten dieser Art gehören die
Clave, die
Conga und die
Batá-Trommeln.
Chinesische Kontraktarbeiter des 19. Jahrhundert fügten das
Cornetín Chino, ein chinesisches
Blasinstrument hinzu, das auch heute noch von den
Comparsas, den aktiven Teilnehmern und Tänzern der
Karneval-Gruppen in
Santiago de Cuba verwendet wird.
Guajíra
Die ursprüngliche
Guajira-Musik entstand in den ländlichen kubanischen Gebieten als Bauernmusik und verfügt möglicherweise über Verbindungen zu dem
Jibaro aus
Puerto Rico. Sie entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Typisch ist die Verwendung einer 6-saitigen kubanischen
Gitarre,
Tres genannt, die auf eine sehr spezielle Weise gestimmt ist.
Música campesina
Música campesina (bäuerliche Musik) ist eine ländliche Form improvisierter
Décimas (zehnversige Strophen), wobei die Verse selbst
Punto genannt werden. Diese Musikrichtung wurde durch Künstler wie
Celina Gonzáles auch außerhalb Kubas bekannt und beeinflusste den modernen
Son (s.u.).
Während die ursprüngliche Música campesina ihre traditionelle Form beibehielt und dadurch zunehmend das Interesse der kubanischen Jugend verlor, haben einige Musiker versucht, diesen Stil durch neue Arrangements, Texte und Themen zu modernisieren, wobei sie zunächst einmal auf die Kritik der Puristen dieser Stilrichtung stießen. Liuba María Hevia
Das kubanische TV-Programm Palmas y Cañas widmet sich der Pflege der Música campesina.
Kunstmusik
Im
19. Jahrhundert gab es einige bedeutende Komponisten Kunstmusik in Kuba. Dazu gehörte
Robredo Manuel, der den
Contradanza in verschiedene spätere Musikstile transformierte,
Laureano Fuentes, der die immer noch bekannte Oper
Celia schrieb, und
Gaspar Villete, der auch in Europa Erfolg hatte.
Ignacio Cervantes gehörte zu den Schöpfern einer eigenständigen kubanischen Nationalmusik. Er studierte am Pariser Konservatorium sowie bei Marmontel, Ruiz Espadero und Gottschalk. In seinen Kompositionen verwendete er afrokubanische Elemente und Guajiro-Techniken. Zu seinen Nachfolgern gehören Alejandro Caturla und Amadeo Roldán.
Nach der kubanischen Revolution von 1959 entstand eine neue Generation von klassischen Musikern, zu denen auch Leo Brouwer gehört, der wichtige Impulse in der Verwendung der klassischen Gitarre setzte und gegenwärtig der Direktor des Symphonie-Orchester von Havanna ist. In den frühen 1970er Jahren war er Leiter der Musikabteilung des kubanischen Filminstitutes ICAIC und trug dort zur Entstehung und Förderung der Nueva Trova-Bewegung bei.
Danzón
Der europäische Einfluss auf die kubanische Musik im 19. und 20. Jahrhundert ist am deutlichsten im Danzón zu erkennen, einer elegante Tanzform, die sich von Kuba aus über ganz Lateinamerika und besonders in Mexiko ausbreitete. Ihre Wurzeln liegen in den europäischen Ballsälen. Es sind Verbindungen zum englischen
Country Dance, zum französischen
Contredanse und zum spanischen
Contradanza zu erkennen.
Der Danzón entwickelte sich in den 1870ern in der Region der kubanischen Stadt Matanzas unter dem Einfluss afrikanischer Musiktradition und der Habanera. Er wird von einem typischen Orchester, z.B. einer Militärband, gespielt. Mit dem Danzón verbinden sich Namen wie der Miguel Faildes. Failde fügte Elemente des französischen Contredanse hinzu. Von ihm ausgehend entwickelten Künstler wie José Urfe, Enrique Jorrín und Antonio María Romeu den Musikstil weiter.
Haitianer in Kuba: Charanga
Eine andere Form kubanischer Folk-Musik ist der
Bolero. Es handelt sich dabei um
Balladen aus
Santiago de Cuba,die von kleinen französisch-kreolischen Bands,
Charangas gespielt werden.
Charangas sind unter den kubanischen Haitianern mit französisch-kreolischen Hintergrund entstanden. Bereits
1791 kamen
Haitianische Flüchtlinge während des dortigen Sklavenaufstandes nach Kuba. Bis heute gibt es immer wieder Gruppen von haitianischen Flüchtlingen, die sich auf Kuba ansiedeln, besonders in der Ortschaft
Caibarién. Ihre Form des
Cabildo heißt
Tumba Francesa und wurde bekannt durch eine eigene Form des Danzón, die
Comparsas, den
Mambo, den
Cha Cha Cha und andere Arten von
Folk-Musik.
Changuí
Changuí ist eine schnelle Form des
Son aus den Ostprovinzen Kubas
Santiago de Cuba und
Guantánamo (z.B.
Elio Revé). Es ist nicht ganz klar, wo der
Changuí her kommt und ob es sich dabei um einen Vorläufer des
Son handelt. Es scheint eher so zu sein, dass sich beide Formen parallel zueinander entwickelt haben.
Changuí ist durch seine starke Betonung des
Downbeat gekennzeichnet. Er ist schnell und verfügt über eine starke Betonung des Schlagzeugs. Elio Revé modernisierte den
Changuí,
Candido Fabré und kürzlich
Los Dan Den gaben ihm seine aktuelle Ausformumg.
Los Van Van, geführt durch
Juan Formell, fügten
Trombones,
Synthesizers und mehr
Perkussion hinzu, wodurch der
Songo entstand.
Son
Son ist eine Hauptrichtung in der Kubanischen Musik und hat die Grundlage für viele nach ihm kommende Stilrichtungen gelegt. Er entstand im Osten der Insel unter Bauern spanischer Abstammung. Es wird vermutet, dass er vom
Changuí abgeleitet ist, der ebenfalls die spanische Gitarre und afrikanische Rhythmen miteinander verband.
Die Charakteristiken des Son variieren heute sehr stark, wobei ein Grundelement der Bass-Impuls ist, der vor dem Downbeat kommt (vorweggenommener Bass). Dadurch erhalten der Son und die von ihm abgeleiteten Richtungen (auch der Salsa-Rhythmus) ihre typische Form.
Traditionell hat der Son Themen wie Liebe und Patriotismus. Moderne Künstler sind sozial und politisch orientiert. Typisch ist die Verwendung der Décima, mit zehnversigen Strophen, achtsilbigen Versen und 2/4-Takt. Der Son (Clave) verfügt über einen Vorwärts- und einen Rückwärtsschlag. Der Vorwärtsschlag Tresillo wird gefolgt von zwei Schlägen, während der Rückwärtsschlag die Reihenfolge umkehrt.
Batá- und Yuka-Trommeln
Einer der einflussreichsten
Cabildos war der
Lucumí, bekannt für seine
Batá-Trommeln, die traditionell bei
Initiationsriten erklingen. Die
Gourd-Ensembles werden
Abwe genannt.
In den 1950ern brachten
Batá-Trommler, genannt
Santeros, den
Lucumí-Stil in die
Mainstream-Musik. Musiker wie
Mezcla und
Lázaro Ros verbanden diesen Stil mit anderen Formen, einschließlich des
Zouk.
Der Kongo-Cabildo ist bekannt für seine Verwendung der Yuka-Trommeln, die Gallos (eine Art Sängerwettstreit), Makuta- und Mani-Tänze, wobei letzterer enge Verbindung zur brasilianischen Capoeira aufweist. Die Yuka-Trommel hat möglicherweise zur Entstehung der Rumba geführt, die in aller Welt verbreitet ist. Rumba-Bands verwenden traditionell verschiedene Trommeln, Palitos, Claves und den Wechselgesang.
Rumba
Außerhalb Kubas wird
Rumba gemeinhein als Gesellschaftstanz der Ballsäle gesehen, aber seine Wurzeln liegen in dem spontanen, improvisierten und lebendigen Tanz der Hafenarbeiter von
Havanna und
Matanzas. Schlaginstrumente wie das
Quinto, die
Tumbadora-Trommeln und die
Palitos (Stöcke) werden mit dem
Cáscara-Rhythmus und Gesangseinlagen (Sänger und Chor) zu einer tanzbaren und populären Form der Musik vereint.
Das Wort Rumba ist abgeleitet von dem Verb rumbear (eine gute Zeit haben, Party machen). Der Rhythmus ist das entscheidende Element der Rumba, die in erster Linie Tanzmusik ist.
Es gibt drei Arten des Rumba-Rhythmus mit den dazugehörigen Tänzen:
- Columbia im 6/8-Takt, getanzt von einem Mann ist sehr fließend, mit aggressiven und akrobatischen Bewegungen
- Guaguancó im 2/4-Takt ist ein Partnertanz mit erotischer Komponente
- Yambú, auch bekannt als "Rumba der alten Leute" ist ein Vorläufer des Guaguancó und sehr langsam. Yambú wird kaum noch getanzt und heute nur noch von wenigen Folklore-Ensembles gespielt.
Ausbreitung und Ausformung kubanischer Musikstile
1920-1940
Der
Son kam um
1920 durch legendäre Musikgruppen wie das
Trío Matamoros nach
Havanna. Der urbanisierte
Son erhielt Trompeten und andere neue Instrumente und beeinflusste die meisten späteren Formen kubanischer Musik. In Havanna wurden auch Elemente der populären US-Musik und des
Jazz in den
Son mit aufgenommen, die besonders über das
Radio nach Kuba gelangten.
Die Son-Trios erweiterten sich zum Teil zu Septetts mit Gitarre oder Tres, Marímbulas oder Doppelbass, Bongos, Claves und Maracas. Die Trompete kam 1926 hinzu. Sänger improvisierten Texte, während der Clave-Rhythmus die Grundlage für die Melodie schuf.
Im Laufe der Zeit wurde der Son immer "weißer" wegen des zunehmenden Tourismus in den Nachtclubs von Havanna: die Touristen hatten Probleme mit den komplexen afrikanischen Rhythmen.
Der Einfluss kubanischer Musik in den USA
In den 1930er Jahren machten die
Lecuona Cuban Boys und
Desi Arnaz die
Conga in den
USA populär.
Don Aspiazu machte dasselbe mit den
Son Montuno, während
Arsenio Rodríguez die
Conjunto-Band entwickelte. Die Popularität der
Rumba wuchs.
Conjunto Son,
Mambo,
Cha Cha Cha,
Rumba und
Conga hatten den wichtigsten Einfluss auf die Entstehung der
Salsa (Musik)-Musik.
Der Mambo kam zum ersten Mal in den 1940ern in die USA. Der erste Mambo wurde von Orestes Lopez (Cachao) 1938 geschrieben. Fünf Jahre später führte Perez Prado den Tanz im Nachtclub Tropicana in Havanna vor. Der Mambo unterschied sich von seinem unmittelbaren Vorgänger, dem Danzón, durch die neuen Elemente des Son Montuno und des Jazz. 1947 wurde der Mambo überall in den USA getanzt, aber das Fieber hielt nur wenige Jahre an.
Andere einflussreiche Musiker des vorrevolutionären Kuba waren Chano Pozo, Bola de Nieve und Mario Bauza, der zusammen mit den "Nuyoricans" Ray Barreto und Tito Puente Innovationen in den Mambo brachten, so dass aus ihm allmählich der Latin Jazz und später die Salsa (Musik) wurde. Viele Musiker verließen Kuba zwischen 1966 und 1968, als die revolutionäre kubanische Regierung die Nachtclubs und die Plattenindustrie nationalisierte. Unter diesen Musikern war Celia Cruz, eine Guarache-Sängerin, die der Salsa (Musik) starke Impulse gab. Später waren Kubaner sehr aktiv in der Latin Jazz- und der frühen Salsa-Szene, so wie der Schlagzeuger Patato Valdés der kubanisch ausgerichteten Tipica '73 mit Verbindungen zu den Fania All Stars. Ehemalige Mitglieder der Irakere hatten ebenfalls großen Erfolg in den USA, unter ihnen Paquito d'Rivera und Arturo Sandoval.
Habanera
Die
Habanera entstand im späten 19. Jahrhundert aus der
Contradanza, die Ende des 18. Jahrhunderts aus
Haiti nach Kuba gekommen war. Die wesentliche Innovation bestand im Rhythmus, da die Habanera spanische und afrikanische Einflüsse aufwies.
In den 1930er Jahren nahm der Habanera-Musiker Arcano y sus Maravillos Einflüsse des Conga und des Montuno (wie im Son) in seine Musik auf. Damit machte er den Weg frei verschiedene lateinamerikanische Musiken zu mischen einschließlich Guarache, gespielt von einem Charanga-Orchester. Guaracha (manchmal einfach Charanga genannt) mit seinen gleichfalls haitianischen Wurzeln blieb bis heute sehr populär.
Trotzdem dauerte es bis 1995, dass ein kubanischer Künstler eine ganze Platte mit Habanera-Musik bespielte: Es war Liuba Maria Hevia, die einige Lieder aufnahm, die von der Musikethnologin Maria Teresa Linares, der Direktorin des Kubanischen Museums für Musik, recherchiert worden waren. Der Grund bestand darin, Tondokumente für das Museum zu produzieren, die dieses Genre repräsentieren sollten. Hevia war unzufrieden mit den Aufnahmen, die unter den schlechten materiellen Bedingungen der kubanischen Wirtschaftskrise von 1993 entstanden waren und machte 2005 Neuaufnahmen der meisten Lieder.
Der Umstand, dass die CD Habaneras nach 1995 hauptsächlich in Barcelona verkauft wurde, zeigt das geringe Interesse an dieser Musik auf Kuba selbst, besonders wenn man die ungeheure Verbreitung der Habanera an der spanischen Mittelmeerküste bedenkt.
1940-1960
Arsenio Rodríguez, einer der wichtigsten kubanischen
Soneros, brachte in den 1940ern den
Son zurück zu seinen afrikanischen Wurzeln, indem der den
Guaguancó-Stil adaptierte und
Kuhglocken sowie die
Conga im Rhythmusbereich einführte. Außerdem erweiterte er die Rolle des
Tres, so dass es jetzt auch als
Solo-Instrument erschien. Rodríguez führte in den
Son den
Montuno (oder Mambo-Teil) als melodische Solos ein. Sein neuer Stil wurde als
Son Montuno bekannt.
In den 1940ern war es Chano Pozo, der an der Bebop-Revolution des Jazz teilnahm, indem er Conga und andere afrokubanische Trommeln spielte. Conga wurde zum wichtigen Bestandteil des Latin Jazz, der seit 1940 unter den Kubanern in New York City begann.
Kubanische Musik in den USA
Eine
Charanga-Gruppe namens
Orquesta America, geführt von dem
Violinisten
Enrique Jorrín half dabei, den
Cha Cha Cha zu erfinden, der in den 1950er Jahren internationalen Erfolg hatte.
Cha Cha Cha wurde bekannt durch die Bands von
Tito Puente,
Perez Prado und anderen Superstars. Viele von diesen Künstlern adaptierten auch den
Mambo für das moderne Publikum.
1960-1980
Die moderne kubanische Musik ist bekannt für ihre hemmungslose Mischung verschiedener musikalischer
Genres. So verwendeten z.B.
Los Irakere in den 1970ern die
Batá-Trommeln in einer
Big Band, bekannt als
Son-Batá oder
Batá-Rock. Spätere Künstler schufen den
Mozambique, der
Conga und
Mambo vermischt und die
Batá-Rumba, bei der
Rumba und die
Batá-Trommelmusik vermischt werden. Mischungen einschließlich der Verwendung von
Hip-Hop-Elementen,
Jazz und
Rock ’n’ Roll sind ebenfalls üblich wie in dem
Rockoson von
Habana Abierta.
Kubanische Musik in Kuba und außerhalb
Die Wirkung der kubanischen Revolution von 1959 auf die Musik hat zwei wichtige Aspekte:
- Es gab es eine Auswanderungswelle besonders von Mitgliedern der kubanischen Oberschicht nach Puerto Rico, Florida und New York.
- Der revolutionäre Staat förderte die Kultur und Musik und schuf die staatliche Plattenfirma EGREM.
Die Liedermacher-Bewegung der Nueva Trova (u.a. Pablo Milanés, Silvio Rodríguez, Sara Gonzales) formulierte in ihrer Musik und in ihren Texten die politische Stimmung in der kubanischen Jugend, durchaus politisch, aber auch sehr lyrisch und individuell.
Junge Kubaner bekamen die Möglichkeit in einem flächendeckenden System von Musik- und Kunstschulen zu lernen, sowohl mit dem Ziel einer künstlerischen Karriere als auch für den Freizeit-Bereich.
Das verstaatlichte Cabaret Tropicana, bisher ein Treffpunkt der kubanischen Oberschicht und der Touristen, stand nun der ganzen Bevölkerung offen. Erst mit dem Beginn des Massentourismus Mitte der 80er Jahre reduzierte sich der Besuch wieder weitgehend auf Touristen.
In allen Städten wurden Casas de la Trova eingerichtet, Treffpunkte für meist nicht-professionelle Musiker, die hier kubanische Musiktraditionen pflegten. Auch gut informierte Touristen suchten hier die Wurzeln kubanischer Musik.
Musiker bekamen nun nach dem Abschluss des Konservatoriums ein festes Gehalt, Deviseneinkommen wurden mit 90% zugunsten des Kultusministeriums besteuert, das sich über eine eigene Agentur auch um das Management kümmerte. Einige der wenigen Erfolgreichen empfanden das als unangenehm und blieben bei Tourneen im Ausland, wie z.B. Arturo Sandoval und Paquito D'Rivera.
Im Verlauf der Wirtschaftskrise um 1993, verursacht durch den Zusammenbruch des COMECON, gerieten, wie die übrige Bevölkerung, auch die Kulturschaffenden in eine schwierige ökonomische Lage, die besonders dadurch erschwert wurde, dass Nebenverdienste für sie kaum in Frage kamen. Der kubanische Staat lockerte daher die Bestimmungen, so dass Künstler nun die Möglichkeit bekamen, ihre Werke im Inland wie im Ausland selbst zu vermarkten.
Bekannte kubanische Künstler außerhalb Kubas sind bzw. waren La Lupe, Willy Chirino Gloria Estefan und Celia Cruz, wobei letztere auch politisch eng mit den Exilkubanern von Miami verbunden war.
Salsa
Seit den 1970er Jahren wurde der
Son Montuno mit anderen
Latin Music-Formen kombiniert, wie dem
Mambo und der
Rumba, woraus die gegenwärtige
Salsa (Musik) entstand, die in
Lateinamerika und der spanischsprachigen Welt ungeheure Popularität genießt.
Nueva Trova
Parallel zu der Bewegung der
Nueva Canción in
Chile und
Argentinien entstand auch in Kuba in den 1960er und 1970er Jahren eine sozial und politisch wache Form der Liedproduktion unter dem Namen
Nueva Trova.
Silvio Rodríguez und
Pablo Milanés wurden die auch international bekanntesten Vertreter dieser Richtung. Der Ursprung waren die
Trovadores, die
Troubadoure des frühen 20. Jahrhunderts wie
Sindo Garay,
Nico Saquito,
Carlos Puebla and
Joseíto Fernández (bekannt durch die Vertonung des Gedichtes "
Guántanamera" von
José Martí).
Die
Nueva Trova unterstützte immer die kubanische Revolution, wobei ihre Themen und Texte aber häufig sehr lyrisch und auch sozialkritisch waren.
Außerhalb Kubas hatte die Nueva Trova ihre größten Erfolge immer in Lateinamerika und Spanien, wo die Worte ihrer Lieder auch verstanden werden konnten. Die Lyrik, auch mit Themen wie Liebe und Einsamkeit, steht auf hohem dichterischem Niveau. Liuba María Hevia steht für eine junge, nicht-politische Spielart der Nueva Trova, während Carlos Varela eine kritische Haltung zum kubanischen Staat einnimmt.
1980-2000
Son und
Nueva Trova bilden heute die populärsten Formen moderner kubanischer Musik und nahezu alle kubanischen Musiker spielen Musik, die von einem dieser beiden
Genres abgeleitet sind.
Traditioneller
Son wird durch folgende Gruppen gespielt:
Mischung des
Son mit anderen Genres findet sich bei:
Außerdem gibt es noch viele, die den traditionellen Son Montuno spielen wie Eliades Ochoa, der seit Mitte der 1990er Jahre viele Aufnahmen und Tourneen mit dieser Richtung gemacht hat.
Seit den 1990er Jahren kubanische Musik wieder in das Scheinwerferlicht der Weltmusikszene, besonders das Interesse an traditionellen Formen wie dem Son Montuno wuchs stark. Diese Entwicklung ging einher mit dem Ansteigen des Massentourismus nach Kuba.
Orquesta Aragon, Charanga Habanera, Cándido Fabré y su Banda sind seit vielen Jahren in der Charanga-Szene und halfen dabei, die populäre Timba-Szene der späten 1990er Jahre zu formen.
Der wichtigste kubanische Musikpreis ist der Benny Moré-Preis.
Aufgrund der zum Teil terroristischen Methoden der antikommunistischen Exilkubaner in Miami mussten die Feierlichkeiten für den Grammy Latino von Miami nach Los Angeles verlegt werden.
Timba
Seit seinem Erscheinen in den frühen 1990er Jahren wurde
Timba zu der populärsten Tanzmusik in Kuba, gefolgt von dem
Reggaeton, der kubanischen Version des
Raggamuffin aus
Jamaica. Trotz seiner engen Beziehung zur
Salsa (Musik) hat
Timba seine eigenen Charakteristika und seine eigene Geschichte und ist eng verbunden mit dem Leben und der Kultur Kubas, besonders
Havannas.
Timba ist für Havanna, was der
Tango für
Buenos Aires und der
Pagode für
Rio de Janeiro ist.
Buena Vista Social Club
Einen Einschnitt in die weltweite Rezeption kubanischer Musik brachten 1997 das Album und der Film
Buena Vista Social Club, Aufnahmen von Veteranen der kubanischen Musik, die von dem US-amerikanischen Musiker und Produzenten
Ry Cooder gemacht wurden, während der Film von dem deutschen Filmemacher
Wim Wenders stammt. Album wie Film wurden internationale Hits mit Millionen verkaufter Exemplare und machten die achtzigjährigen kubanischen Musiker
Ibrahim Ferrer,
Joseíto Fernández und
Compay Segundo, deren Karrieren seit den 1950er Jahren stagnierten, zu Weltstars.
Das weltweite Interesse an dieser nostalgischen Musik aus dem vorrevolutionären Kuba stieß bei jungen kubanischen Musikern auf Vorbehalte, da sie den Eindruck bekamen, dass die Musikentwicklung der letzten vierzig Jahre nun ignoriert würde.
Der seit einigen Jahren in Lateinamerika (und auch in den USA und Europa) zunehmend verbreitete Musikstil des 'Reggaetón' hat auch vor den Grenzen Kubas nicht haltgemacht. Die Texte des kubanischen Reggaetón unterscheiden sich jedoch von denen der Provenienzen Panamá, Puerto Rico und Dominikanische Republik. Näheres (besonders zu den Textinhalten) im Kapitel
Reggaeton.
Literatur
- Eßer, Torsten/ Patrick Frölicher (Hrsg.): "Alles in meinem Dasein ist Musik"... Kubanische Musik von Rumba bis Tecno. 2004, 642 S., ISBN 3-86527-164-2
- Maya Roy: Musiques cubaines. 1998, französisch
- Jan Fairley: Troubadors Old and New. In: Simon Broughton, Mark Ellingham , James McConnachie, Orla Duane (Eds.): World Music, Vol. 2: Latin & North America, Caribbean, India, Asia and Pacific, 2000, ISBN 1-85828-636-0, S. 408-413
- Jan Fairley: ¡Que Rico Bailo Yo! How Well I Dance. In: Simon Broughton, Mark Ellingham , James McConnachie, Orla Duane (Eds.): World Music, Vol. 2: Latin & North America, Caribbean, India, Asia and Pacific, 2000, ISBN 1-85828-636-0, S. 386-407
Siehe auch
Weblinks
- http://www.cubamusic.com Cubamusic, englisch
Kultur (Kuba) | Kubanische Musik
Music of Cuba | Kuba muziko | Música de Cuba | מוזיקה קובנית | Cubaanse muziek | Música de Cuba | 古巴音乐