Die (neue) Kronen Zeitung, allgemein nur kurz Krone genannt, ist die auflagenstärkste österreichische Boulevard-Tageszeitung und im Vergleich zur österreichischen Bevölkerungszahl eine der erfolgreichsten weltweit.
Die Zeitung dümpelte drei Jahre vor sich hin, bis sie durch die Berichterstattung vom Königsmord zu Belgrad den Volltreffer landete und riesige Popularität erlangte. Bekannt war die Krone für ihre schlichten Zeitungsromane. Sie galt auch als Erfinder der Leser-Blatt-Bindung durch Schatzgräber-Spiele. 1906 knackte das Blatt die Auflagenhöhe von 100.000 Exemplaren. Franz Lehár schrieb zur 10.000 Kronen-Nummer am 27. November 1927 einen Walzer. Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten und die Schließung zum 31. August 1944 besiegelten das Schicksal der Kronen Zeitung.
1959 kaufte der österreichische Journalist Hans Dichand, der bis dahin Chefredakteur der Zeitung Kurier gewesen war, die Rechte am Titel Kronen Zeitung und ließ das Blatt als Neue Kronen Zeitung wiederauferstehen. Anfang der sechziger Jahre beabsichtigte Fritz Molden die Krone zu kaufen. Die Creditanstalt gewährte Molden jedoch den zum Kauf notwendigen Kredit nicht, wie Hans Dichand in seinen Memoiren schreibt.
Bis heute ist die damalige Finanzierung der Übernahme und des Betriebs der Zeitung nicht restlos geklärt. Der höchst einflussreiche SPÖ-Politiker Franz Olah, damaliger Vizepräsident des ÖGB (Österreichischer Gewerkschaftsbund), vermittelte den deutschen Geschäftsmann Ferdinand Karpik an Dichand, der sich mit 50% an der Zeitung beteiligen wollte. Zur Seite gestellt wurde Dichand von dem deutschen Anleger ein Werbefachmann namens Kurt Falk (ehemaliger Herausgeber der reichweitenstärksten Wochenzeitung Österreichs, Die ganze Woche ). Die Krone, wie sie umgangssprachlich genannt wird, entwickelte sich bald zur meistgelesenen österreichischen Zeitung.
Mitte der sechziger Jahre stellte der ÖGB plötzlich Besitzansprüche an die Krone. Der inzwischen gestürzte Franz Olah habe Bürgschaftsgelder des ÖGB zur Gründung der Krone verwendet, und den deutschen Investor nur scheinhalber vorgeschoben. Die darauf folgende Hetzkampagne der Krone gegen die sozialdemokratische Partei SPÖ gilt als erste erfolgreiche Kampagne der Krone. Ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen der Zeitung und dem Gewerkschaftsbund war die Folge. Der ÖGB wurde schließlich mit 11 Millionen Schilling abgefunden, und Kurt Falk übernahm die 50% des Deutschen Karpik.
In den achtziger Jahren stieg Kurt Falk nach einem längeren Streit mit Hans Dichand aus der Zeitung aus und verkaufte seine Anteile an die deutsche SPD-nahe WAZ-Verlagsgruppe. Ab 1989 übernahm Hans Mahr die Geschäftsführung der Krone. Dieser hatte Herausgeber Hans Dichand seit 1983 als Berater zur Seite gestanden.
Die Krone erscheint täglich, durchgängig farbig, in einem Umfang von etwa 80 Seiten. Die traditionell kleinformatige Zeitung (etwa Papierformat DIN A4) kostet an der Trafik (Kiosk) 90 Cent. Die Zeitung erscheint in zahlreichen regionalen Mutationen, für jedes österreichische Bundesland mit Ausnahme Vorarlbergs gibt es mindestens eine eigene Ausgabe der Krone, bei denen jeweils der Lokalteil variiert.
Chefredakteur ist Christoph Dichand, Sohn von Gründer und Herausgeber Hans Dichand. Die Ernennung seines Sohnes führte zum Streit mit der WAZ, die neben Dichand noch 50% an der Zeitung hält, und bei Personalentscheidungen ein Mitspracherecht verlangt. Der Streit wird derzeit an einem Schweizer Schiedsgericht entschieden.
Geschäftsführender Chefredakteur ist der von der WAZ eingesetzte Michael Kuhn, Verleger die Mediaprint Zeitungsdruckereigesellschaft Ges.m.b.H & Co KG.
Am 13. März 2006 wurde der Chefredakteur Michael Kuhn ohne Zustimmung des Miteigentümers WAZ entlassen. Die WAZ sieht die Kündigung als unwirksam an. Bis Ende April wird nun das Schweizer Schiedsgericht über die Entlassung von Kuhn entscheiden.
"Die Vielfalt der Meinungen des Herausgebers und der Redakteure" (Quelle:Impressum)
Die Kronen Zeitung ist heute die einflussreichste Zeitung Österreichs. Im Jahr 2004 erreichte sie laut Österreichischer Media-Analyse täglich im Durchschnitt 2,97 Millionen Menschen (14 Jahre oder älter), das entspricht einer Reichweite von 43,7%. Ihre tägliche Durchschnittsauflage lag im ersten Halbjahr 2004 bei 1.006.134 Stück laut ÖAK. Mit knapp drei Millionen Lesern bei einer Bevölkerungszahl von etwa acht Millionen ist die Neue Kronen Zeitung somit die erfolgreichste (und wohl auch einflussreichste) Zeitung der Welt, zumindest aber Europas2. Die Krone hat demnach fast dreimal so viele Leser wie ihre stärkste Konkurrenzzeitung, die Kleine Zeitung (12,4 %).
Den Unterschied zwischen Ost- und West-Österreich bei den Zeitungslesern bekommt auch die Krone zu spüren. In den östlichen Bundesländer (z.B.Burgenland) schafft sie knapp 60% Reichweite, in den westlichen Bundesländern Tirol und Vorarlberg ist die Kronen Zeitung nicht stark verbreitet. Während in Vorarlberg die Krone aber völlig bedeutungslos ist, hat sie in den letzten Jahren in Tirol stark aufgeholt, so dass die Tiroler Tageszeitung fürchten muss, in Zukunft aus den nationalen Buchungsplänen der Medienplaner herauszufallen. Als Gegenstrategie hat der Verlag der Tiroler Tageszeitung im Jahr 2004 eine eigene Boulevardzeitung für Tirol namens Die Neue gegründet.
Die Krone gründete gemeinsam mit der zweitstärksten Zeitung in Ostösterreich, dem Kurier in den Neunziger Jahren die Verlags- und Vertriebsgesellschaft Mediaprint, die den Druck, Vertrieb und Verkauf der beiden Zeitungen übernahm. Viele Beobachter sprachen schon zu diesem Zeitpunkt von einem Marktmonopol der Gesellschaft. Im Jahr 2000 schloss sich noch zusätzlich die erfolgreichste Magazin
Am 20. April 1994, dem Geburtstag Adolf Hitlers schrieb der Kolumnist Wolf Martin, der täglich eine Kolumne in Gedichtform auf der Seite 2 der Zeitung verfasst, er feiere "wenn man mich lässt, heut jenes Adolfs Wiegenfest, der einst in unserm schönen Land an allererster Stelle stand.". Gemeint habe Martin damit (wie aus dem für viele überraschenden Ende des Gedichts hervorgeht) den Österreicher Adolf Schärf, der exakt ein Jahr nach Hitler geboren wurde (20. April 1890). Diese Kolumne gab Anlass zu einer großen Kontroverse. Die Diskussion wurde noch heftiger, als Martin am 20. April 2001 seine Kolumne mit den Worten "Fürwahr, ein großer Tag ist heut, ich hab mich lang auf ihn gefreut" begann, und mit "Ihm sei's zur Ehre, uns zum Heil!" beendete, um wiederum am Schluss des Gedichts aufzulösen, dass es darin nicht um Hitler, sondern um etwas anderes ging: in dem Fall um die zweite Staffel der ORF-Containershow Taxi Orange.
Weiters wird der Krone oft vorgeworfen, tendenziös und subjektiv zu berichten. Einige Beispiele, an denen sich die Öffentlichkeit stieß:
Solche und ähnliche pauschalen Verurteilungen brachten der Krone zahlreiche Rügen vom österreichischen Presserat ein. Im Jahr 1999 wurden auch alle führenden Mitglieder des Presserates als Privatpersonen von der Krone mit Millionenklagen wegen Kreditschädigung eingedeckt. Schließlich war es auch die Krone, die maßgeblich an der Auflösung des Presserats, den sie als "Anti-Krone-Syndikat" bezeichnete, beteiligt war.
Ein Beispiel, wie die Krone mit tendenziöser Berichterstattung aber exakt den Nerv (und die österreichische Ausformung von Nationalstolz) der Leser traf, war die Schlagzeile nach dem ersten BSE-Fall: "Mei Moidl hot koa BSE nit.". Tatsächlich stellte sich später heraus, dass durch betrügerische Machenschaften im Schlachthof die Proben vertauscht wurden.
Diese und weitere Kritikpunkte wurden in der kritischen Dokumentation Kronen Zeitung - Tag für Tag ein Boulevardstück eingearbeitet; nach der Ausstrahlung durch den Kultursender ARTE wurde dieser aus dem Fernsehprogramm der Krone genommen. Die Tatsache, dass der ORF diese Dokumentation nie ausgestrahlt hat, wird von Kritikern als ein Beweis für die sinistre Macht der Kronenzeitung angesehen. Allerdings wurde der Film im März 2005 vom privaten österreichischen Fernsehsender ATVplus gezeigt. Eine weitere Änderung im Fernsehprogramm der Krone erfolgte dann jedoch nicht.
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