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Eine Punktgruppe ist ein spezieller Typus einer Symmetriegruppe der dreidimensionalen euklidischen Geometrie, der die Symmetrie eines Körpers beschreibt.

In der Kristallographie stellt jede der 32 möglichen Kristallklassen eine Punktgruppe dar. Deren Bestimmung ist somit ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Bestimmung der Raumgruppe, die die Symmetrie eines Kristalls beschreibt.

In der Molekülphysik sind Punktgruppen unentbehrlich, um aus spektroskopischen Daten auf die Symmetrie eines Moleküls zu schließen, oder um anhand der bekannten Symmetrie physikalische Eigenschaften vorherzusagen.

Mathematische Grundlagen


Die Symmetriegruppe eines Körpers wird mathematisch als Menge aller möglichen Symmetrieoperationen beschrieben.

Mögliche Symmetrieoperationen in Punktgruppen sind Punktspiegelung an einem Inversionszentrum, Spiegelung an einer Spiegelebene, Drehung um eine Drehachse, sowie als Kombination daraus eine Drehspiegelung. Wenn man das Hintereinanderausführen von Symmetrieoperationen als additive Verknüpfung auffasst, erkennt man, dass eine Menge von Symmetrieoperationen eine (in der Regel nicht kommutative) Gruppe ist. Punktgruppen enthalten mindestens einen Punkt, der Fixpunkt aller Symmetrieoperationen ist. Dies ist genau dann der Fall, wenn die Symmetriegruppe keine Translationen enthält.

Internationale Nomenklatur


Es finden zwei Symbolsysteme breite Anwendung: In der Kristallographie hat sich das von Carl Hermann und Charles-Victor Mauguin abgeleitete System durchgesetzt, das die Zähligkeit der Symmetrie in den Vordergrund setzt. In der Molekülphysik ist die Symbolik von Schoenflies weit verbreitet, die auf den zugrundeliegenden Symmetrieelementen beruht.

System von Hermann-Mauguin

Zähligkeit der Achse: im Kristall nur 1, 2, 3, 4 oder 6, sonst auch 5, 7, ... Drehinversionsachse: - (über der Zahl) Symmetrieebene: m Kombination Drehachse/Ebene: /

Dabei wird in der internationalen Form nicht für alle Achsen eine Angabe gemacht, sondern verkürzt dargestellt. Z.B. mmm statt 2/m 2/m 2/m

System von Schoenflies

Drehgruppen: C Drehspiegelgruppen: S Diedergruppen: D Tetraedergruppen: T Oktaedergruppen: O Ikosaedergruppen: I Kugelgruppen: K

horizontale Symmetrieebene: h vertikale Symmetrieebene: v diagonale Symmetrieebene: d Inversionszentrum: i Spiegelebene: s

Dabei wird dem Gruppensymbol je nach Bedarf die Zähligkeit der Achse und/oder ein Symbol für andere Symmetrieelemente als Index angehängt, z.B. D2h

Kristallographische Bedeutung / Kristallklassen


Nicht alle Symmetrien eines Moleküls sind mit der Symmetrie eines Kristalls vereinbar: wie Pierre Curie erkannte, sind in einem Kristall nur 6-, 4-, 3-, 2-zählige Drehachsen möglich (Drehungen um 60, 90, 120 bzw. 180 und jeweils Vielfache davon). Die Angabe einer 1-zähligen Drehachse bedeutet, dass ein Körper keine Drehsymmetrie besitzt. Eine 5-, 7- oder höherzählige Drehachse gibt es in Kristallen nicht, weil damit keine vollständige Raumausfüllung möglich wäre.

Es gibt im endlichdimensionalen Raum nur endlich viele mit Kristallsymmetrie verträgliche Punktgruppen. Speziell im dreidimensionalen euklidischen Raum gibt es 32 davon.

Die möglichen Symmetrien eines Kristalls werden mit den 230 kristallographischen Raumgruppen beschrieben. Können die Rotationsteile der Symmetrieoperationen zweier Raumgruppen bei beliebiger Basenwahl zur Übereinstimmung gebracht werden, so werden sie der selben geometrischen Kristallklasse, entsprechend einer der 32 kristallographischen Punktgruppen, zugeordnet. Fordert man, dass es sich dabei um eine primitive Basis handelt, so erhält man 73 arithmetische Kristallklassen, die den geometrischen Kristallklassen entsprechen, aber zusätzlich Gitterzentrierung besitzen. So entsprechen z.B. der geometrischen Kristallklasse 2 die arithmetischen Kristallklassen P2 und C2.

Weil das Beugungsbild von Kristallen in der Röntgenbeugung bei Abwesenheit anomaler Streuung immer ein Inversionszentrum enthält, werden Kristalle einer von 11 zentrosymmetrischen kristallographischen Punktgruppen zugeordnet, die auch als Lauegruppen bezeichnet werden.

Wichtige Punktgruppen (Tabellen)


Punktgruppen und Kristallklassen


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Kristallsystem Kristallklasse Schönflies Hermann / Mauguin Hermann/Mauguin Kurzsymbol
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Triklin triklin-pedial C1 1\ 1\
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triklin-pinakoidal Ci \bar{1} \bar{1}
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Monoklin monoklin-sphenoidisch C2 2\ 2\
-
monoklin-domatisch Cs m\ m\
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monoklin-prismatisch C2h 2/m\ 2/m\
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Orthorhombisch rhombisch-disphenoidisch D2 222\ 222\
-
rhombisch-pyramidal C2v mm2\ mm2\
-
rhombisch-dipyramidal D2h 2/m\ 2/m\ 2/m m\ m\ m
-
Tetragonal tetragonal-pyramidal C4 4\ 4\
-
tetragonal-disphenoidisch S4 \bar{4} \bar{4}
-
tetragonal-dipyramidal C4h 4/m\ 4/m\
-
tetragonal-trapezoedrisch D4 422\ 422\
-
ditetragonal-pyramidal C4v 4mm\ 4mm\
-
tetragonal-skalenoedrisch D2d \bar{4}2m\ oder \bar{4}m2 \bar{4}2m\
-
ditetragonal-dipyramidal D4h 4/m\ 2/m\ 2/m 4/m\ m\ m
-
Trigonal trigonal-pyramidal C3 3 \! 3 \!
-
rhomboedrisch C3i \bar{3} \bar{3}
-
trigonal-trapezoedrisch D3 32\ oder 321\ oder 312\ 32\
-
ditrigonal-pyramidal C3v 3m\ oder 3m1\ oder 31m\ 3m\
-
ditrigonal-skalenoedrisch D3d \bar{3} 2/moder \bar{3} 2/m 1oder \bar{3} 1 2/m \bar{3} m
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Hexagonal hexagonal-pyramidal C6 6\ 6\
-
trigonal-dipyramidal C3h \bar{6} \bar{6}
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hexagonal-dipyramidal C6h 6/m\ 6/m\
-
hexagonal-trapezoedrisch D6 622\ 622\
-
dihexagonal-pyramidal C6v 6mm\ 6mm\
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ditrigonal-dipyramidal D3h \bar{6}m2oder \bar{6}2m \bar{6}m2
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dihexagonal-dipyramidal D6h 6/m\ 2/m\ 2/m\ 6/m\ m\ m\
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Kubisch tetraedrischpentagondodekaedrisch T 23\ 23\
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disdodekaedrisch Th 2/m\ \bar{3} m\ 3
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pentagonikositetraedrisch O 432\ 432\
-
hexakistetraedrisch Td \bar{4}3m \bar{4}3m
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hexakisoktaedrisch Oh 4/m\ \bar{3}\ 2/m m\bar{3}m

Punktgruppen und Molekülsymmetrie


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Schönflies H. / M. Symmetrieelemente Molekülbeispiele
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Punktgruppen geringer Symmetrie
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C1 1\ C1 CHFClBr
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Cs ≡ S1 m\ σ ≡ S1 BFClBr, SOCl2
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Ci ≡ S2 \bar{1} i ≡ S2 1,2-Dibrom-1,2-Dichlorethan, meso-Weinsäure
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reine Drehgruppen
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C2 2\ C2 H2O2, S2Cl2
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C3 3\ C3 Triphenylmethan, N(GeH3)3
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C4 4\ C4 12-Krone-4
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C5 5\ C5 15-Krone-5
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C6 6\ C6 18-Krone-6
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Drehgruppen mit vertikalen Spiegelebenen
-
C2v ≡ D1h 2mm\ C2, 2σv H2O, SO2Cl2, o-/m-Dichlorbenzol
-
C3v 3m\ C3, 3σv NH3, CHCl3, CH3Cl, POCl3
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C4v 4mm\ C4, 4σv SF5Cl, XeOF4
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C5v - C5, 5σv Corannulen, C5H5In
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C6v 6mm\ C6, 6σv Benzol-hexamethylbenzol-chrom(0)
-
C∞v - C, ∞σv lineare Moleküle wie HCN, COS
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Drehgruppen mit horizontalen Spiegelebenen
-
C2h ≡ D1d ≡ S2v 2/m\ C2, σh, i Oxalsäure
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C3h ≡ S3 3/m\ C3, σh Borsäure
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C4h 4/m\ C4, σh, i Polycycloalkan C12H20
-
C6h 6/m\ C6, σh, i Hexa-2-propenyl-benzol
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Drehspiegelgruppen
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S4 \bar{4} S4 Tetraphenylmethan, Si(OCH3)4
-
S6 ≡ C3i \bar{3} S6 Hexacyclopropylethan
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Diedergruppen
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D2 ≡ S1v 222\ 3C2 Twistan
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D3 32\ C3, 3C2 Tris-chelatkomplexe
-
D4 422\ C4, 4C2 -
-
D6 622\ C6, 6C2 Hexaphenylbenzol
-
Diedergruppen mit horizontalen Spiegelebenen
-
D2h mmm\ S2, 3C2, 2σv, σh, i Ethen, p-Dichlorbenzol
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D3h \bar{6}2m S2, C3, 3C2, 3σv, σh BF3, PCl5
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D4h 4/mmm\ S2, C4, 4C2, 4σv, σh, i Re2(CO)10
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D5h - S2, C5, 5C2, 5σv, σh IF7
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D6h 6mmm\ S2, C6, 6C2, 6σv, σh, i Benzol
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D∞h - S, C, ∞σv lineare Moleküle wie Kohlendioxid, Ethin
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Diedergruppen mit diagonalen Spiegelebenen
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D2d ≡ S4v \bar{4}2m\ S4, 3C2, 2σd Propadien, Cyclooctatetraen, B2Cl4
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D3d ≡ S6v \bar{3}m\ S6, C3, 3C2, 3σd, i Cyclohexan
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D4d ≡ S8v - S8, C4, 4C2, 4σd Cyclo-Schwefel (S8)
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D5d ≡ S10v - S10, C5, 5C2, 5σd Ferrocen
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Tetraedergruppen
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T 23\ 3S4, 4C3, 3C2 Pt(PF3)4
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Th m\bar{3} 4S6, 4C3, 3C2, 3σh, i Fe(C6H5)6
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Td \bar{4}3m 3S4, 4C3, 3C2, 6σd Methan, Phosphor (P4)
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Oktaedergruppen
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O 432\ 3C4, 4C3, 6C2 -
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Oh m3m\ 4S6, 3S4, 3C4, 4C3, 6C2, 3σh, 6σd, i SF6, Cuban
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Ikosaedergruppen
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Ih - 12S10, 10S6, 6C5, 10C3, 15C2, 15σv, i Fulleren-C60
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Kugelgruppen
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Kh - ∞C, ∞σ, i einatomige Moleküle wie Helium, Elementarteilchen

Gruppentheorie | Kristallographie | Mineralogie | Chemie

Crystallographic point group | 결정학적 점군

 

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