Kristallisationskeime oder -kerne sind feindisperse oder makroskopische, feste Partikel in einer fluiden Phase. Sie erleichtern die Kristallisation, also die Bildung von Kristallen, die sonst nur aus übersättigten Medien möglich wäre. Dabei kann zwischen Erstarrungs-, Resublimations- oder Ausfällungsvorgängen unterschieden werden.
Kristallisation aus Lösungen
Die Kristallisation aus
Lösungen sollte beginnen, sobald das
Löslichkeitsprodukt der gelösten Substanzen überschritten ist. Dies wird meistens jedoch nicht beobachtet. Beim Aufbau einer neuen
Phase muss nämlich beachtet werden, dass sich die dazu gehörige
Freie Enthalpie aus zwei konkurrierenden Termen zusammen setzt. Dem thermodynamisch begünstigten Volumenanteil, den man sich bildlich als Zunahme
chemischer Bindungen vorstellen kann, steht die Arbeit gegenüber, die aufgebracht werden muss, um eine neue
Oberfläche zu bilden. Für sehr kleine Kristalle überwiegt der Oberflächenterm, weshalb man hierbei von
kinetisch gehemmtem Kristallwachstum spricht. Bei grösseren Kristallen überwiegt der Volumenanteil. Die Anwesenheit von Kristallisationskeimen umgeht diese kinetische Hemmung.
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Kristallisation aus Schmelzen
In
Schmelzen entstehen Kristallisationskeime am Beginn eines Erstarrungsvorgangs von kristallin aufgebauten
Elementen,
Legierungen und
Verbindungen. Sie bilden Ausgangspunkte für deren weitere Kristallisation. Eine Gruppe von Atomen, die beim Erreichen der Erstarrungstemperatur zufällig eine Anordnung im
Kristallsystem des betreffenden Stoffes eingenommen hat, verbleibt in dieser Position unter Abgabe von
thermischer Energie.
Kristallographie