Die Krise (alt- und gelehrtes Griechisch κρίσις, krísis - heute κρήση, krísi - ursprünglich „die Meinung“, „Beurteilung“, „Entscheidung“, später mehr im Sinne von „die Zuspitzung“) bezeichnet eine problematische, mit einem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation. „Krise“ ist sowohl in der Medizin und Psychologie, in der (v. a. Marxschen) Wirtschaftstheorie und Soziologie sowie teilweise in der Ökologie und Systemtheorie ein Fachbegriff.
Ins Deutsche wurde das Wort von der lateinischen crisis etlehnt und ist seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, erst in medizinischen Zusammenhängen v. a. fieberhafter Erkrankungen, wo es die sensibelste Krankheitsphase bezeichnete, der bei glücklichem Verlauf der Infektion (ohne Möglichkeit der Antibiotika
Das zugehörige Verb kriseln ist dagegen informell und nicht Teil der offiziellen Hoch- und Schriftsprache.
Das chinesische Wort für „Krise“ bedeutet interessanterweise zum einen „Gefahr“, zum anderen aber auch „Gelegenheit“ (Individual and Group Learning in Crisis Simulations, E. Borodzicz, 2002). Andere Interpretationen der chinesischen Schriftzeichenkombination sind „gefährliche Gelegenheit“ (kein Gegensatz zwischen Gefahr und Gelegenheit) bzw. „gefährliche Situation“ (siehe hierzu auch Krise).
Auch Fink sieht die Krise nicht als etwas notwendigerweise Negatives. Er definiert Vorläufer der Krise aus dem Blickwinkel der Wirtschaft als jede „prodromal situation" (also eine Phase, die Warnsignale für das Auftreten einer Krise beinhaltet), welche die Gefahr birgt,
Charakteristika einer Krise sind nach Norbert Wiener und Herman Kahn (1962 nach Gredler, 1992) eine dringende Notwendigkeit von Handlungsentscheidungen, ein durch die Entscheidungsträger wahrgenommenes Gefühl der Bedrohung, ein Anstieg an Unsicherheit, Dringlichkeit und Zeitdruck und das Gefühl, das Ergebnis sei von prägendem Einfluss auf die Zukunft. Außerdem haben es die Entscheidungsträger oft mit unvollständiger oder verfälschter Information zu tun (Gredler, 1992).
Im Konzept der „kritischen Situation“ darf nicht jede kritische Situation mit einer Krise gleichgesetzt werden. Krisen bestehen im allgemeinen aber aus einer Ansammlung kritischer Situationen. Kritisch meint hierbei, dass es sich um für den weiteren Verlauf des Gesamtprozesses entscheidende Phasen handelt. Kritische Situationen können dabei geplant sein, vorhersehbar sein oder völlig unerwartet eintreten.
Eine Krise in diesem Sinne äußert sich als plötzliche oder fortschreitende Verengung der Wahrnehmung, der Wertesysteme sowie der Handlungs- und Problemlösungsfähigkeiten. Eine Krise stellt bisherige Erfahrungen, Normen, Ziele und Werte in Frage und hat oft für die Person einen bedrohlichen Charakter. Sie ist zeitlich begrenzt. Die Psychoanalytikerin Verena Kast stellte ein Krisenmodell vor, das die kreativen Potentiale des Krisenprozesses in den Vordergrund stellt. Sie führte aus, dass es bei den verschiedenartigsten Krisentypen (Wachstumskrisen, Reifungskrisen usw.) einen typischen Verlauf gibt. Dieser lässt sich in einigen Phasen darstellen und ermöglicht dem Helfer/Berater/Therapeuten eine schnelle diagnostische Beurteilung (Verena Kast, Der schöpferische Sprung, München 1987).
Wie bei allen Phasenmodellen muss der Behandelnde/Begleiter der Indexperson sich darüber im Klaren sein, dass Phasenmodelle immer nur eine theoretische Annäherung an die beobachtete Situation ermöglichen. Der Betroffene wird hier die Phasen in seinem Krisenprozess nicht linear durchlaufen, sondern auch Rückschritte erleben.
In Krisensituationen ist es hilfreich, sich Unterstützung zu holen. Das kann das Gespräch mit Vertrauten und Freunden sein oder das Aufsuchen eines professionellen Helfers. Letzteres ist unabdingbar, wenn der Betroffene keinen Ausweg aus seiner Situation findet und er keinerlei neue Strategie zur Problemlösung entwickeln kann. Hier droht Gefahr für Seele und Leib.
Ein Krisendienst, der Tag und Nacht zur Verfügung steht, ist z. B. die Telefonseelsorge. Dort können auch Adressen von Beratungsstellen vor Ort erfragt werden. Eine mögliche Folgereaktion kann bei einer nicht angemessen bewältigten Krise die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sein.
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