article

Der Krimi (Kriminalroman oder Kriminalfilm) ist eine Gattung der Literatur und der Filmkunst.

Ein Krimi beschreibt ein Verbrechen und seine Verfolgung und Aufklärung durch die Staatsgewalt oder eine Privatperson. Der Kriminalroman teilt sich in zwei verschiedene Subgattungen auf, die Detektivgeschichte und den Thriller.

Kriminalgeschichte


Entwicklung der Kriminalgeschichte

Geschichten und Berichte über Verbrechen haben Menschen schon immer fasziniert. Das Thema der Schuld und ihrer Sühne und auch die Frage nach den Ursachen des Bösen im Menschen sind grundlegende Archetypen seit der Geschichte von Kain und Abel.

Der erste gelungene Versuch in der Neuzeit, einen Kriminalfall sachlich zu beschreiben, unternahm Friedrich Schiller (1759-1805) mit seiner Erzählung „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ (1786). Nach einer wahren Begebenheit berichtet Schiller, wie ein Mensch zum Verbrecher wird.

Ausschlaggebend waren für Schiller auch die Werke des französischen Anwaltes Francois Gayot de Pitaval (1673 - 1743), der zwischen 1734 und 1743 unter dem Titel "Causes célèbres et intéressantes" eine Sammlung von insgesamt zweiundzwanzig Büchern veröffentlichte, in denen er interessante, aber auch aufsehen erregende Rechtsfälle für die breite Masse verständlich darstellte. Dabei kam es ihm nicht nur auf die Hintergründe der Tat an, sondern vor allem auf die Psychologie der Täter an.

Dramaturgie des Kriminalfilms

Kriminalfilme waren die ersten Publikumsmagneten der Filmgeschichte. „Das Kabinett des Dr. Caligari“ (Regie: Robert Wiene, Drehbuch: Hans Janowitz und Carl Meyer) dreht sich um eine – wenn auch im Film fiktive – Mordgeschichte und mit „M“ setzt Fritz Lang auch als Drehbuchautor (zusammen mit Thea von Harbou) 1931 einen Meilenstein der Filmgeschichte. Wie bei Schiller ist ein authentischer Kriminalfall die Basis – der 1931 geköpfte Düsseldorfer Serienmörder Peter Kürten (*1883).

Nicht nur die pathologische Persönlichkeit des Täters Hans Beckert (Peter Lorre) steht in „M“ im Mittelpunkt, sondern auch die Frage nach Sühne für eine solche Tat und Selbstjustiz durch die aufgebrachte Unterwelt sind Themen des Films. Dramaturgisch finden wir gleich am Anfang die Tat von Hans Beckert: die Ermordung der kleinen Elsie Beckmann. Danach werden die Konfliktlinien aufgezeigt: auf der einen Seite der Täter, auf der anderen die Unterwelt und die Gesetzesmacht. Beide verbünden sich und treiben den Täter in die Enge.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, die Tat an das Ende des zweiten Aktes zu legen und diesen Akt dramaturgisch so zu gestalten, dass er auf die Tat zuläuft.

Oder die Tat findet am Ende des Films statt – wie in „Heavenly Creatures“ (1980, R: Peter Jackson, D: Fran Walsh und Peter Jackson). Beginnt die Geschichte als Teenagerdrama, steuert sie gegen Ende unweigerlich auf den Mord zu.

Auch ist es nicht zwingend, dass der Täter am Ende des Films gefasst wird – manchen haben die Autoren schon entkommen lassen, wenn sein Motiv in einem allgemeingültigen Sinn „edel“ war. Und es ist auch nicht immer ein Mord, der die Kriminalgeschichte prägt, sondern manchmal auch nur ein Sachschaden, der allerdings ein tiefer liegendes menschliches Drama enthüllt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Kriminalgeschichte in ihrer dramatischen Gestaltung weitaus freier ist und weniger Vorgaben zu erfüllen hat. Sie ist auf die Psychologie des Täters und sein Motiv fokussiert, die Spannung besteht in der Steigerung der Annäherung des Täters an das Opfer. Die Mordmethode und die Aufklärung der Tat sind beiläufige Elemente.

Die Zuschauer identifizieren sich also eher mit dem Täter, nehmen ihn oft als eine tragische Figur wahr und erfahren Katharsis durch Mitleiden.

Eine andere Dramatik findet sich im Spiel zwischen Täter und Detektiv, in dem der Zuschauer über das Tun des anderen aufgeklärt sind und sich die Spannung aus dem fast schon sportlich zu nennenden Spiel der beiden Parteien ergibt.

Die soziale Haltung eines Kriminalfilms ist häufig von Kritik an den herrschenden Zuständen, der Gesetze oder der Rechtsprechung geprägt.

Bei der Variante der offenen Täterführung ist dem Zuschauer früh, vor dem Ermittler, bekannt, wer der Täter ist. Sie ermöglicht eine besonders detailierte Schilderung der Umstände, die zur Tat geführt haben, wobei der Täter und seine Motive besonders deutlich dargestellt werden können. Dagegen steht die klassische Variante der verdeckten Täterführung, bei der im Rahmen des Ermittlungskrimis der Zuschauer keinen oder nur einen geringen Informationsvorsprung vor den Ermittlern hat. Im Vordergrund steht dabei die Suche nach dem Täter - der Schwerpunkt der Darstellung liegt hier meist bei den Ermittlern.

Detektivgeschichten und Genreentwicklung bis heute


Paget holmes.png, Held einer Detektivserie von Arthur Conan Doyle, bespricht sich mit Dr. Watson. Beide sind typische Vertreter der Gattung.]]

Die Bezeichnung Detektivgeschichte kommt aus dem Lateinischen (detegere „aufdecken“). Die klassische Detektivgeschichte geht von einem zu Beginn der Geschichte berichteten Verbrechen aus, oft ein Kapitalverbrechen, etwa ein Mord, das der handelnde Detektiv im Verlauf der Handlung aufklärt.

Die eigentliche Verbrechensgeschichte (also wie es zu dem Verbrechen kam) ist mit Beginn der Handlung in der Regel abgeschlossen, während die Ermittlungsgeschichte im Detail geschildert wird. Der Detektiv dringt bei der Aufklärung des Verbrechens meist tief in die persönliche Vergangenheit der Verdächtigen und Opfer ein und untersucht zudem ihre privaten Verflechtungen untereinander.

Viele Detektivgeschichten lassen den Leser im Unklaren darüber, wer das Verbrechen verübt hat. Der Reiz für den Leser oder Betrachter liegt unter anderem darin, dass er im Wettstreit mit dem Helden mitfiebern, mitraten kann. Diesen speziellen Typus bezeichnet man auch als Whodunit, eine Verballhornung der Frage: „Who’s done it?“ (dt: „Wer hat es getan?“).

Häufig wird der Detektiv bei seinen Ermittlungen von einer so genannten „Watsonfigur“ begleitet, die als Vermittler zwischen dem „genialen“ Ermittler und dem Leser auftritt. Durch Dialoge mit diesem und anderen Begleitern kann der Detektiv beziehungsweise Erzähler seine Schlussfolgerungen und Gedankengänge darlegen, Spuren aufzeigen und Indizien einbringen, aber auch bei Bedarf für weitere Verwirrung sorgen. Der Bypart kann auf verschiedenste Arten besetzt werden, er reicht vom bekannten Freund bei der Polizei, der hinreißenden Sekretärin und dem Spitzel an der Ecke über Liebhaber, Kollegen und Freunde bis hin zum intelligenten Computer in neueren Krimis.

Neben dem klassischen Whodunit entstanden beim Krimi nach und nach weitere Erzähl- und Handlungsschemata, Umfelder und Subgenres. Zu nennen wären hier etwa die Spionage- und Agententhriller (007, Nikita), der Polizeifilm mitsamt dem oft gebrauchten Kommissariatsthema (Maigret,Die purpurenen Flüsse) sowie die Schwarze Serie mitsamt dem ausgebauten Typ des Hardboiled Detectives. Auch das umgedrehte Vorzeichen, das wie auch immer angelegte Gaunerstück als Gegensatz zur Ermittlung, darf als Thema nicht vergessen werden. Zu nennen wären exemplarisch etwa Arsène Lupin, Die Gentlemen bitten zur Kasse als Verfilmung des großen englischen Postraubs, Leon als Geschichte eines Killers sowie im Hörfunk die Reihe Dickie Dick Dickens.

Seltener, zugleich nicht weniger spannend sind Fälle, die sich außerhalb der (mittlerweile) gewohnten Bereiche bewegen, etwa im Mittelalter (Der Name der Rose von Umberto Eco, Bruder Cadfael von Ellis Peters), im alten China (Richter Di von Robert van Gulik) oder in der Zukunft (Jonas, der letzte Detektiv als Hörspiel, Stahlhöhlen von Isaac Asimov, Minority Report im Film und Buch). Jüngste Genreerweiterungen des Krimis sind vor allem im Ermittlungsbereich der Pathologie (Samantha Ryan) angesiedelt, während im Film seit den 70er/80er Jahren, als Typfilm könnte hier Dirty Harry mit Clint Eastwood genannt werden, vermehrt das Actiongenre besetzt war. Die Spannweite reicht vom Jugendbereich (Die drei Fragezeichen, Die Schwarze Hand, Nick Knatterton) bis hin zum Erwachsenenbereich des Rotlichtviertels und Erotikmangas.

Lagen die Ursprünge im Roman und Groschenheft, sind Krimis mittlerweile in allen Medien zu finden, vom Fernsehen über den Film bis hin zum Manga und Comic (beispielsweise BlackSad als „Remake“ der Schwarzen Serie, Dick Tracy). Sie sind als etabliertes Genre medienübergreifend zu werten. Als Beispiel sei hier etwa die Reihe Nestor Burma von Léo Malet zu nennen, für Fernsehen und Hörfunk bearbeitet, von Jacques Tardi gekonnt im Bande Dessinée, im Comic umgesetzt.

Literatur


Eine kleine Literatur- und Leseliste

Bekannte Detektive des klassischen Detektivromans:

Auguste Dupin (E.A. Poe), Sherlock Holmes (Arthur Conan Doyle), Hercule Poirot und Miss Marple (beide Agatha Christie), Lord Peter Wimsey (Dorothy L. Sayers), Father Brown (G. K. Chesterton), Nero Wolfe (Rex Stout).

Bekannte literarische und cinematographische Vertreter im Polizei- und Geheimdienstbereich:

Kommissar Maigret (Georges Simenon), Frankreich, Wachtmeister Studer (Friedrich Glauser), Schweiz, Inspektor „Dirty“ Harry Callahan, gespielt von Clint Eastwood, San Francisco, Jerry Cotton und Phil Decker, FBI, Krimiheftreihe Deutschland, James Bond, Agent 007 des englischen Secret Service, von Ian Fleming, Pierre Niemans und Max Kerkerian in Jean-Christophe Grangés purpurene Flüsse, Frankreich.

Schwarze Serie

Zum eigenen Genre des Hardboiled detective zählen unter anderem Philip Marlowe (Raymond Chandler), Sam Spade (Dashiell Hammett) und Lew Archer (Ross Macdonald), aber auch Mike Hammer (Mickey Spillane) kann und soll als (lesenswertes) Typbeispiel dienen. Das Subgenre ist nicht zuletzt durch das Kino der Schwarzen Serie/Film Noir weit verbreitet worden, wie uns filmische Klassiker mit Humphrey Bogart (Das unbekannte Gesicht), Elliott Gould, Robert Mitchum, Alain Delon (Le Samurai) und Jean-Paul Belmondo (Der Teufel mit der weißen Weste) beweisen.

Kriminalisten neuerer Zeit sind Inspector Richard Jury (Martha Grimes), Inspektor Lynley (Elizabeth George,) Kommissar Kurt Wallander (Henning Mankell), Commissario Guido Brunetti (Donna Leon), John Rebus (Ian Rankin), Simon Brenner (Wolf Haas), Markus Cheng (Heinrich Steinfest), Vic Warshawski (Sara Paretsky), Irene Huss (Helene Tursten), die Tigerkatze Mrs. Murphy (Rita Mae Brown), Privatdetektiv Max Winter (Felix Thijssen).

weiteres:

Krimis in Film und Fernsehen

Die Popularität des Genres hat Krimis zu einer festen Gattung in Film und Fernsehen werden lassen. Neben den Verfilmungen erfolgreicher Kriminalromane sind auch etliche Krimis und Thriller direkt für die Leinwand oder die Mattscheibe produziert worden.

Erfolgreiche deutsche Kriminalserien im Fernsehen sind:

Zu den älteren „importierten“ Serien zählen unter anderem: Zu den neueren, meist US-amerikanischen, Krimiserien zählen:

Krimis im Hörspiel

  • Dickie Dick Dickens von Rolf und Alexandra Becker. Klassisch Mischung von Capone und Chicago, abgewürzt mit sehr viel Humor. Hörspielreihe.
  • Jonas, der letzte Detektiv. Hörspielreihe.
  • Professor van Dusen, die Denkmaschine eine Hörspielserie von Michael Koser.
  • Selb’s Justiz, teils rabenschwarzer Krimi als Hörspielbearbeitung. Einzelsendung
  • Tassilo S. Grübel sechsteilige Hörspielreihe von Martin Walser, teils mit Bruno Ganz in der Hauptrolle verfilmt
  • Cleopatra, WDR-Hörspielumsetzung des preisgekrönten ersten Romanes aus der Max-Winter-Serie von Altmeister Felix Thijssen (unter anderem Miterfinder des Originals der Fernsehserie Die Wache), erschienen auf Deutsch im Grafit Verlag, Dortmund

Krimis im Comic

Literatur zum Kriminalfilm

  • Knut Hickethier (Hrsg.), Katja Schumann et al.: Filmgenres: Kriminalfilm. Universal-Bibliothek Nr. 18408. Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 3-15-018408-8
  • Georg Seeßlen: Detektive. Mord im Kino. Grundlagen des populären Films. Schüren, Marburg 1998, ISBN 3-89472-425-0
  • Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms. Mit mehr als 400 Filmen von 1900 bis heute. Heyne, München 1993, ISBN 3-453-05210-2
  • Hans-G. Kellner, J. M. Thie, Meinolf Zurhorst, Georg Seeßlen: Der Gangster-Film. Regisseure, Stars, Autoren, Spezialisten, Themen und Filme von A - Z. Enzyklopädie des populären Films, Band 8. Roloff und Seeßlen, München 1977, ISBN 3-88144-118-2 und ISBN 3-88144-128-X
  • Alain Charlot: Die 100 besten Kriminal-Filme (OT: Les 100 chefs-d'oeuvre du suspense). Heyne Film- und -Fernsehbibliothek Nr. 155. Heyne, München 1991, ISBN 3-453-04930-6
  • John Gabree: Der klassische Gangster-Film (OT: Gangsters). Heyne-Filmbibliothek Band 22. Heyne, München 1981, ISBN 3-453-86022-5
  • Marianne Engels-Weber * et. al.: Quotenfänger Krimi. Das populärste Genre im deutschen Fernsehen. Katholisches Institut für Medieninformation, Köln 1999, ISBN 3-934311-05-9
  • Hans Gerhold: Kino der Blicke. Der französische Kriminalfilm - eine Sozialgeschichte. Fischer-Cinema. Fischer, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-596-24484-6

Stichwörter


Thriller

Beim Thriller (von engl. to thrill „mitreißen, fesseln“) steht statt des Rätsels um den gesuchten Täter die Gefährdung des Helden im Mittelpunkt. Im Gegensatz zur klassischen Detektivgeschichte wird der Ermittler im Thriller zum Ziel des Täters. Stellt er im Detektivroman eine unantastbare Person dar, muss er im Thriller um sein Leben fürchten und sich nicht selten handgreiflich gegen seine Widersacher durchsetzen. Es wird zusätzliche Spannung erzeugt. Der Thriller wird dementsprechend weit mehr von Action- und Horror-Elementen des Filmgenres geprägt als der klassische Detektivroman. Ein Happy End ist nicht mehr garantiert.

Es gibt auch sogenannte Mischformen des Detektivroman und Thrillers.

Ursprung des Krimis

Als erster Autor von Detektivromanen wird Edgar Allan Poe angesehen (The Murders in the Rue Morgue, 1841), obwohl dieser auf Vorläufer (beispielsweise E. T. A. Hoffmann) zurückgreifen konnte. Kriminalliterarische Züge finden sich jedoch schon in der antiken Literatur, so beispielsweise in König Ödipus von Sophokles. Als Begründer der deutschsprachigen Kriminalerzählung ist August Gottlieb Meißner zu sehen. Als erster bedeutender deutschsprachiger Detektivromanautor jüngerer Zeit gilt Friedrich Glauser. Als einer der wichtigsten Begründer des Thrillers gilt der schottische Autor John Buchan, bedeutende Thriller schrieb auch Eric Ambler.

Literarische Einordnung

Traditionell galten Krimis im Literaturbetrieb als geringgeschätzte Kolportage/Trivialliteratur. Die Möglichkeiten, psychologische Momente zu schildern, die den Verbrecher antreiben, Milieubeschreibungen zu liefern oder den Ermittler in eigene Gewissensnöte zu stürzen, bieten aber durchaus Gelegenheit für anspruchsvolle Literatur. So kann man durchaus Fjodor Dostojewskis Roman Verbrechen und Strafe oder Wilhelm Raabes Stopfkuchen als Krimi auffassen. Auch Friedrich Dürrenmatt hat literarisch anspruchsvolle Kriminalromane geschrieben, ebenfalls Theodor FontaneUnterm Birnbaum.

Mittlerweile ist der Krimi eine anerkannte Literaturgattung. Zahlreiche Literaturpreise werden für diese Gattung vergeben. Dazu zählen in Amerika der Grand Master Award und die Edgar Allan Poe Awards, in Großbritannien die CWA Dagger Awards, in Frankreich der Grand Prix de la Littérature Policière, in Deutschland der Deutsche Krimi Preis und der Glauser, in Australien der Ned Kelly Award.

Whodunit

Verballhornung des englisches "Who Done It", Wer-Hats-getan. Bezeichnung des klassischen Ablaufs einer Detektivgeschichte mit der Ermittlung des Täters und der meist nur fiktiv möglichen, gedachten Rätselmöglichkeit für den Leser oder Zuschauer. Das Wort ist vorallem im Gegensatz zu einem in der Handlung anders aufgebauten Krimi zu sehen und zu verstehen, bei dem die Tat und die Täter selbst bereits vor der Aufklärung dem Leser bekannt und verständlich ist oder die Tat selbst die Handlung darstellt. Nicht jede Detektiv- oder Polizeigeschichte ist daher ein Whodunnit, manche gleichen etwa im dramaturgischen Ablauf neuerdings z.B. auch einem Roadmovies.

Klassische englische Whodunnits wären etwa Sherlock Holmes oder Miss Marple, während bereits bei Hercule Poirot ein schon stärker durchzeichnender, scheinbar formal vorgegebener Handlungsfaden als Grundgerüst erkennbar scheint. Whodunits sind bis zum heutigen Tage insbesondere in der Literatur auffindbar, wobei Rätselkrimis für Erwachsene und Kinder ein besonderes Genre darstellen. In Film- und Fernsehen sind sie oftmals und notwendigerweise stärker formalisiert als in der Literatur. Insbesondere bei Fernsehserien ist meist bei etwas Abstand ein vorgegebenes Handlungsmuster erkennbar, wobei dies bei guten Krimis entweder durch Beiwerk wirksam überdeckt wird oder wiederum von der starren Vorgabe abgewichen wird.

Schwarze Serie

Romane und oft schwarz-weiße Filme um den einsamen Großstadtdetektiv, unabhängig, unbeugsam, zynisch inmitten einer meist korrupten Umgebung. Er steckt im Laufe der Ermittlung einige Schläge ein und verteilt andere, an der Welt kann oder will er nichts ändern. Alkohol bekämpft er auf seine Art, Waffen und Tod sind Handwerkszeug, die Lebenshaltung drückt sich auch in der Sprache aus. Auch als Lone Wolf, Lone Eye bzw. Private Eye bezeichnet. Weitere Hinweise in der Leseliste (s.o.). Ein Übergang etwa zum Polizei- und Gangsterfilm kann im Einzelfall bestehen, der fiktive Schwerpunkt liegt jedoch im und beim Lone-Eye-Motiv.

Film Noir

Die französische schwarze Serie, der Film Noir, behandelt oft anstelle des Detektivthemas das Gangsterthema, mit dem gleichen, negativen Vorzeichen. Das Ende ist oft tragisch und zum Teil durch den Film hindurch vorhersehbar. Zu nennen wären etwa Der Teufel mit der weißen Weste mit Jean-Paul Belmondo und Le Samourai bzw. Der eiskalte Engel mit Alain Delon.

Action

Filme und seltener Romane, in der die eigentliche, eher minder wichtige Handlung durch reichlich wagemutige, oft laute und sehr sportliche Betätigung illustriert wird. Neben Schlägereien und Schießereien zählen Verfolgungsjagten (Auto) und Karambolagen zu den häufigsten Ausprägungen.

Gangsterballaden

Häufiger Ausgangspunkt von Gangsterballaden ist bzw. war das Chicago rund um die Prohibition. Al Capone und andere reale Namen dienen hierbei im Krimi als Aufhänger. Auch der mittlere Westen und die "Dust Bowl" in Zeiten der Depression und des New Deal dient(en) seit Bonnie & Clyde als beliebtes Motiv. Zugleich ist er auch Ausgangspunkt für Polizei und FBI-Geschichten, analog etwa New York, San Francisco und anderen bekannten amerikanischen Großstädte.

Im Gegensatz zum früheren Genre kann gelten das heute jedes größere oder bekanntere Verbrechen eine filmische und eventuell auch literarische, z.T. biographische Aufarbeitung aus Opfer-, Täter- oder Ermittlersicht erfährt. Im neueren Kino findet sich auch zunehmend wieder das Komödienthema, zum Teil in Richtung Galgenhumor bzw. schwarze Serie / Film Noir abgewandelt. Namhafte Subgenres sind weiter der Gefängnisfilm und der auch mit Topkapi bekanntgewordene Plot der Planung, Durchführung und des Scheiterns bzw. Erfolgs.

Pathologie und Begleitwissenschaften

In der neueren Zeit häufen sich Fälle, in denen die begleitende Wissenschaft, allen voran die Pathologie ("Hier helfen die Toten den Lebendigen", Wandinschrift der Pathologie Leipzig) und Psychologie, den Schwerpunkt des jeweiligen Krimi bilden. Während bereits früh und vielfach Zusammenfassungen der kriminalistischen Techniken (etwa der von Vidoq und Bertillon in Paris, im Jahrhundert der Detektive) insbesondere als literarisch bearbeitete Fallbeispiele auffindbar sind und sich bis heute in Buchform finden, ist heute die Grenze zu den übrigen Arbeitsgebieten, bis hin zu den allgemeinen juristischen Themen fließend ("Nero Wolfe", "CSI")), finden sich Teile des Themas in vielen Krimis.

Beispiele wären etwa:

  • "Quincy", ermittelnder Arzt und Gerichtsmediziner, gutmütiger Urtyp des Subgenres
  • "Für alle Fälle Fitz", schwergewichtiger englischer Psychologe, TV-Serie
  • Samantha Ryan, englische Pathologin, TV-Serie
  • Kay Scarpetta, Pathologin, geschrieben von Patricia D. Cornwell
  • "Citizen X", Fallschilderung eines russischen Serienmörders und der Aufklärung nach zehnjähriger Jagd, Spielfilm mit Donald Sutherland
  • "Hautnah, die Methode Hill", englischer Psychologe mit Spezialisierung auf Serienmorde, TV-Reihe an der Grenze zum Horrorfilm, nach Romanen von Val McDermid
  • "Der letzte Zeuge", Pathologie als Krimi-Thema im deutschen Fernsehen
  • der "Tatort" aus Münster mit dem Forensiker Dr. Boerne und dem Kriminaler Thiel.

Auch die prinzipielle Umkehr des pathologischen Krimi-Themas ist mittlerweile nachweisbar. Zum einen den am lebenden Objekt Krankheiten "ermittelnden" Mediziner "Dr. House" der gleichnamigen Fernsehreihe, zum anderen etwa in der Einzelsendung "Tod eines Keilers" der mordende Pathologe.

Polizeifilm

Fasst man den Begriff Begleitwissenschaften noch weiter, kommt man unweigerlich zum Polizeifilm. Oft gebraucht und daher qualitativ recht unterschiedlich, in Film und Fernsehen wie auch in der Literatur vorhanden, ergeben sich Schnittmengen mit dem übrigen Subgenres und Themen, von alters her auch der Gaunerballada in beliebiger Form. Bekannte Beispiele in kleine Auswahl sind:

Kriminalkomödie

Humor findet sich durchaus häufiger als vermutet im Krimi wieder. Zum Teil ist der ernsthafte Aspekt des jeweilige Krimis durch lustige oder zumindest erfreuliche Teile aufgelockert, zum Teil sind einzelne Werke gänzlich und primär auf Humor ausgerichtet. Als Indikator zumindest beim Film kann zumeist die unterlegte Musik dienen.

Einige Beispiele:

Die Grenzen sind wie üblich fließend. Wie groß die Möglichkeiten sind sieht man auszugs- und beispielsweise an der (stillen) Kombination von Humor / Komödie und Tragödie / Drama im Film "Max, der Taschendieb" mit Heinz Rühmann.

Siehe auch


Liste der Krimiserien, Liste der Krimi-Autoren, Frauenkrimi, Deutsche Krimi-Straße, Krimispiel

Literatur


  • Ladenthin, Volker: Aufklärung vor der Aufklärung: Literarische Detektive im deutschen Mittelalter, in: Arnim Arnold, Hrsg., Sherlock Holmes auf der Hintertreppe. Aufsätze zur Kriminalliteratur, Bonn 1981 (= Studien zur Germanistik, Anglistik und Komperatistik, Bd.106), S.82 - 113

Weblinks


Kriminalliteratur | Literaturgattung | Kriminalfilm

Novel·la detectivesca | Crime fiction | Krimliteraturo | Roman policier | ספרות בלשית | Letteratura gialla | 推理小説 | Detektyvas | Detectiveverhaal

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Krimi".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld