Als Kriegskommunismus bezeichnete die bolschewistische Regierung ihre Wirtschaftspolitik im Zeitraum 1918-1920. Der Begriff selbst wurde erstmals nach Einführung der NEP 1921 verwendet, um die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Bolschewiki zu rechtfertigen, die laut Enzyklopädie der Sowjetunion (Ausgabe 1925) "ihre Ursachen im Bürgerkrieg und in der wirtschaftlichen Verwüstung hatten".
Um ihre ideologischen Prämissen durchzusetzen, verabschiedeten die Bolschewiki ab Oktober 1917 zahlreiche Gesetze und Dekrete, mit denen das Privateigentum abgeschafft werden sollte. Hierbei wurden u.a. der private Grundbesitz und das Erbrecht abgeschafft und städtischer Grundbesitz enteignet. Seinen vollen Umfang erreichte der Kriegskommunismus im Jahre 1920/21. Ziel war es, die gesamte Wirtschaft unter eine zentrale Verwaltung zu bringen. Zu den dafür notwendigen Maßnahmen gehörten die Verstaatlichung der Produktionsmittel und der Unternehmen. Der private Handel sollte komplett unterbunden werden und durch ein staatliches Verteilungssystem ersetzt werden. Ebenso sollte das Geld als Tauschmittel abgeschafft werden und eine allgemeine Arbeitspflicht eingeführt werden.
Als Ergebnis der Bodenreform vom November 1917, bei der das Agrarland bedingungslos unter den Kleinbauern verteilt wurde, reichte die landwirtschaftliche Produktion nicht aus, um den Bedarf der Städte zu decken. Die Beschlagnahmungspolitik und Repressionen gegen oppositionelle Kräfte taten ihr übriges, um Teile der Bevölkerung zu der Überzeugung zu bringen, die Bolschewiki hätten die Prinzipien der Revolution verraten. Dies signalisierte am 23. Februar 1921 der Aufstand der Matrosen von Kronstadt, welche noch wenige Jahre zuvor die treuesten Anhänger der Bolschewiki gewesen waren, und die unter anderem auch Sowjets ohne Beteiligung der Bolschewiki forderten.
Der Aufstand wurde unter dem Kommando Trotzkis niedergeschlagen. Als Antwort wurde kurz darauf von Lenin die NEP (Neue Ökonomische Politik) entwickelt, die eine teilweise Dezentralisierung der Wirtschaft und kulturelle Liberalisierung brachte, aber auch von einem noch härteren Vorgehen gegen die Opposition geprägt war.
Der "Kriegskommunismus" war in seiner praktischen Umsetzung durch Zwangsmaßnahmen mit katastrophalen wirtschaftlichen Folgen gekennzeichnet. Statistiken zufolge soll das Bruttosozialprodukt im Jahre 1920 nur noch 33% des Vorkriegsniveaus betragen haben, ebenso war der Lebensstandard, insbesondere derjenige der Arbeiter, auf ein Drittel von 1913 abgesunken.
Kritzman, Leo: Die heroische Periode und die grosse russische Revolution, Wien 1971 (Nachdruck von 1929)
Siehe auch: Überproduktionskrise oder Weltwirtschaftskrise
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