Ein Kriegerdenkmal oder Ehrenmal ist ein Denkmal, das zur Erinnerung an gefallene Soldaten errichtet wurde. Kriegerdenkmal-Dieburg.jpg]]
Kriegerdenkmale, die nicht nur an Feldherren oder Offiziere erinnern, sondern auch an einfache Soldaten, entstanden erst in der Neuzeit, genauer seit der französischen Revolution und den Koalitionskriegen. Damals wurde die Kriegführung durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht radikalisiert und gleichzeitig vergesellschaftet. Erstmals war die breite Masse der Völker vom Krieg betroffen; für die sich über mehr als 15 Jahre hinziehenden Koalitionskriege wurde eine bislang unvorstellbare Zahl von Soldaten mobilisiert. Das Wehrpflichtsystem begünstigte eine rücksichtslose Kriegführung mit riesigen Verlusten, bis zur Erschöpfung aller Beteiligten. Die Ideale der französischen Revolution spiegelten sich also auch in der erstmaligen Erwähnung der Namen einfacher Soldaten auf Gedenktafeln und Denkmälern wider; der „Bürger“ war „Soldat“ geworden. Schmalenberg-SWP.JPG Südwestpfalz - vor der ev. Kirche]] Die Funktion eines Kriegerdenkmals ist vielfältig. Es soll die Angehörigen trösten, indem es dem Tod ihrer Verwandten einen Sinn verleiht, es soll die Überlebenden auf das Vorbild der Opfer verpflichten und den Staat und seine Ideale repräsentieren. Burgalben-SWP.JPG Ortsteil Burgalben Südwestpfalz]] Deshalb gab es um die Aufstellung von Kriegerdenkmalen auch häufig Konflikte. Verschiedene gesellschaftliche Gruppen versuchten mit dem Denkmal, ihre Deutung des Krieges oder der Gesellschaft durchzusetzen. Etwa, ob nun die Trauer um die Toten oder eher Heldenverehrung (bisweilen mit Ausdruck des künftigen Willens zur Revanche) im Vordergrund stehen sollte. Rückschlüsse darauf sind bisweilen aus dem Widmungstext des Denkmals zu ersehen, der z. B. lauten kann „Die Gemeinde X gedenkt in Trauer ihrer Toten des Krieges ...“ oder auch „Unseren tapferen Helden des Weltkrieges ... / erweise dich ihres Opfers würdig“, u. ä.
In Frankreich gab es nach dem Ersten Weltkrieg häufig Streit, ob man das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof oder auf dem Rathausplatz errichten sollte. Dies war eine Fortsetzung der Konflikte zwischen Kirche und Staat in der Dritten Republik.
Kriegerdenkmal.jpg In Deutschland findet man vor allem Kriegerdenkmale für den Ersten (1914–18) oder für den Zweiten Weltkrieg (1939–45), wobei sehr oft ein Denkmal des Ersten Weltkrieges durch zusätzliche Tafeln zu einem Erinnerungsort an den Zweiten Weltkrieg erweitert wurde. Deutlich seltener sind Kriegerdenkmale für den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Die ältesten Kriegerdenkmale im heutigen Sinn dürften einige Gedenktafeln aus den 1830er Jahren für in den napoleonischen Kriegen gefallene Einwohner darstellen. Man findet diese z. B. in bayerischen Kirchen. Dahn-SWP.JPG Südwestpfalz - Ortsmitte]] Auf vielen Kriegerdenkmälern werden die Gefallenen und Vermissten eines Ortes oder der politischen Gemeinde namentlich genannt – das sind die Kriegerdenkmäler im Wortsinn. Dagegen stellt ein Obelisk, Findling usw. eigentlich kein Kriegerdenkmal dar, wenn darauf lediglich ein Widmungstext ohne Namensnennung der Gefallenen zu finden ist.
Hierbei ist zu beobachten, dass mit zunehmender Größe der Gemeinde (Stadt) die Wahrscheinlichkeit sinkt, daß ein solches Namens-Denkmal vorhanden ist: während fast in jedem Dorf in Deutschland heute noch an die Gefallenen der Weltkriege erinnert wird, findet man in praktisch keiner Großstadt ein derartiges Gesamt-Denkmal (anstelle von Denkmälern wurden für einige wenige, vor allem süddeutsche Städte wie Nürnberg, Stuttgart oder Würzburg „1914-1918-Gedenkbücher“ herausgegeben; das wohl umfangreichste deutsche Großstadt-Gesamtdenkmal war das im zweiten Weltkrieg beschädigte und nicht mehr im Ursprungszustand hergestellte Münchener Kriegerdenkmal mit 13.000 Namen. Das Bremer Ehrenmal „Altmannshöhe“ dürfte das größte noch bestehende Namensdenkmal in Deutschland sein).
Abgesehen von politischen Vorbehalten bereits in den 1920er Jahren stand in größeren Gemeinden der Errichtung von Denkmälern die Kostenfrage entgegen und/oder man scheute den Arbeitsaufwand für die Ermittlung der vielen Namen. Dies gilt umso mehr für Denkmäler der Gefallenen des 2. Weltkrieges. Denkmäler für Gefallene dieses letzten Krieges sind in deutschen Gemeinden ab ca. 10.000 Einwohnern nur selten anzutreffen, bzw. ist nur ein Teil der in Frage kommenden Namen auf einigen kirchlichen Denkmälern festgehalten.
Clausen/Südwestpfalz (D)
Image:Poplar_1917_bombing_memorial_1.jpg|Bombenopfer-Denkmal, Poplar, London (GB)
Image:Quaregnon JPG03.jpg|Turm der alten St.Quentin-Kirche
als Kriegsopfer-Denkmal, Quaregnon (B)
Heute noch sind den Denkmalsbeschriftungen viele Informationen zu entnehmen. Hier ist vor allem die Sammlung von Indizien (Familiennamen, weitere Daten wie Sterbetage etc.) für genealogische, heimatkundliche und ähnliche Zwecke zu nennen. Dazu können Denkmalsabschriften dienen, denn viele Denkmäler sind vom Zahn der Zeit stark angegriffen und werden bald unlesbar sein.
In dieser Breite sind Denkmäler für den zweiten Weltkrieg nicht mehr zu finden. Was verschiedene Gründe hat: etwa die noch viel stärkere Politisierung und Radikalisierung im und nach dem zweiten Weltkrieg. Die Zahl der zivilen Opfer überstieg die der militärischen erstmals bei weitem (siehe Tote im Zweiten Weltkrieg). EhrenmalKO.JPG - Festung Ehrenbreitstein]]Pirmasens_SWP.JPG Südwestpfalz - Skulpturenpark Alter Friedhof]] Politischen Umwälzungen konnten die Errichtung bestimmter Erinnerungsmale verhindern (Beispiel: SBZ/DDR) Abgesehen davon wurden nach 1945 unzählige ältere Denkmäler geschleift oder umgewidmet, z. B. in den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach der Flucht und Vertreibung der Deutschen). Vor allem aber hatten die brutalen und verbrecherischen Dimensionen dieses zweiten Weltkrieges eine weitgehende Erschöpfung und Abstumpfung der Gesellschaften zur Folge – der Nationalismus und politische Fanatismus hatten Europa beinahe völlig zugrundegerichtet. Die größten Ehrenmale für die Gefallenen des zweiten Weltkrieges sind das Marine-Ehrenmal in Laboe bei Kiel (allerdings bereits für den WK I errichtet und dann in seinem Bedeutungsgehalt erweitert) und das Sowjetische Ehrenmal in Berlin-Treptower Park. Das dagegen bescheidene Ehrenmal des Heeres befindet sich auf der Festung Ehrenbreitstein über Koblenz am Rhein, der größten Garnison Deutschlands. Es entspricht aber ganz dem Stil der Denkmäler nach dem Ersten Weltkrieg. Das zentrale Ehrenmal der Luftwaffe befindet sich am Standort der Offizierschule der Luftwaffe auf dem Fliegerhorst der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck.
Die sowjetische Monumentalplastik "Mutter Heimat" in Wolgograd erinnert an die verlustreiche Schlacht von Stalingrad 1942/43.
Schon in der Kaiserzeit provozierte der Denkmalkult Satrie und Kritik. So forderte "Der Zwickauer" im Simplicissimus 1906 Denkmäler für die Niederlagen:
Das Motiv der Iwo Jima Soldatengruppe des Denkmals von Arlington wurde 1968 von dem US-amerikanischen Künstler Edward Kienholz kritisch zu einem "transportablen Kriegerdenkmal" weiterverarbeitet, dass den Gedanken von Heldendenkmäler ad absurdum führt.
Der Krieg als „Mittel der Politik“ war schon nach dem ersten Weltkrieg stark diskreditiert; ein übriges tat nach 1945 die weitere technologische und politische Entwicklung einerseits hin zum drohenden atomaren Krieg. Die militärische Konfliktaustragung zwischen den wie nie zuvor hochgerüsteten Hauptmächten begann zunehmend unvorstellbar zu werden. Die Unterscheidung zwischen „Soldat“ und „Zivilist“ verlor langsam jede Bedeutung. In einer großen Auseinandersetzung wäre absehbar nur mehr ein kleiner Bruchteil aller Opfer Soldaten. Als Folge davon dominieren andererseits seit 1945 sogenannte low intensity conflicts an der Peripherie, „asymmetrische“ Formen kriegerischer Auseinandersetzung mit fließenden Übergängen zu Terrorismus und regellosem Verbrechen.
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