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Die Kreuzzüge der christlichen Völker des Abendlands waren religiös und wirtschaftlich motivierte Kriege. Sie sollten ursprünglich der Befreiung Jerusalems und des Heiligen Landes Palästina aus der Hand der Ungläubigen dienen, nachdem die Muslime unter dem Kalifen al-Hakim die Grabeskirche zerstört hatten. Vorangegangen war die jahrhundertelange islamische Expansion, die militärische Unterwerfung ehemals christlicher Gebiete durch arabisch-muslimische Eroberer im Nahen Osten, in Nordafrika und Spanien. Insofern wurde die Zurückeroberung des heiligen Landes und die Zurückdrängung der Sarazenen als ein Akt der Verteidigung des Christentums betrachtet, welcher durch offiziellen Beistand und die Unterstützung der Kirche bekräftigt wurde.

Die Kreuzzüge wurden nach kurzer Zeit allerdings auch zu rein weltlichen Machtinteressen genutzt, insbesondere gegen das Byzantinische Reich. Schon bald wurde der Begriff Kreuzzug nicht nur auf Kriege gegen Nichtchristen anderer Länder ausgeweitet, sondern auch gegen von der Kirche als Ketzer betrachtete Menschen (siehe Albigenser). Dieser Umstand gab dem Papsttum eine starke politische Waffe in die Hände. Gleichwohl darf der religiöse Aspekt, besonders bei den Kreuzzügen in den Osten, trotzdem nicht unterschätzt werden. So waren nach der Einnahme Jerusalems im Jahre 1099 nach Christus die Gefallenen als Märtyrer gefeiert worden.

Wie so oft bei Kriegen, lagen die Interessen der kriegsführenden Parteien und die der kämpfenden Truppen weit auseinander. Die beiderseitigen Machthaber verfolgten unter anderem machtpolitische Interessen. Die Kreuzfahrer selbst glaubten zumeist an einen ehrenvollen, ja heiligen Kampf für die Kirche und Gott.

Bereits vor dem Aufruf zum Kreuzzug zur Befreiung Jerusalems hatte die Katholische Kirche damit begonnen, Kriegszüge zu unterstützen. Beispielsweise wurden im Rahmen der Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer geweihte Fahnen an den Kriegsherren übersandt, die ihn und sein Heer im Kampf stärken sollten. Dieses gilt im allgemeinen als erstes historisches Ereignis, an welchem die katholische Lehre beginnt, Kriegszüge dogmatisch zu stärken und zu rechtfertigen.

Ein Kreuzzug war zugleich Bußgang und Kriegszug, der nach Auffassung der (nicht orthodoxen, katholisch christlichen) Zeitgenossen direkt von Gott durch das Wort des Papstes verkündet wurde. Die Teilnehmer legten ein rechtsverbindliches Gelübde ab, ähnlich wie bei einer Pilgerfahrt. Als Folge der göttlichen und päpstlichen Verkündung waren die Kreuzzüge sehr populär. Dies erklärt auch die große Teilnehmerzahl und die fast nicht vorhandene Kritik von christlicher Seite an diesen Kriegen.

Die offiziell verkündeten Kreuzzüge (darunter fallen beispielsweise nicht die Abwehrkämpfe der Kreuzfahrerstaaten im Outremer) wurden als Angelegenheit der gesamten abendländisch-katholischen Christenheit begriffen. Die Kreuzfahrerheere bestanden daher in der Regel aus "Rittern" aus ganz Europa.

Grundlage für die Kreuzzüge war aus christlicher Sicht der Gedanke des "gerechten Krieges" (lat.bellum iustum), wie er von Augustinus von Hippo vertreten worden war. Dies bedeutete später, dass der "gottgefällige Krieg" nur von einer rechtmäßigen Autorität verkündet werden konnte (wie dem Papst). Es musste ein gerechter Kriegsgrund vorliegen (wie die ungerechte Behandlung von Gläubigen) und der Krieg musste für gute Absichten (wie der göttlichen Liebe) geführt werden.

Nach dem katastrophalen Ausgang des Zweiten Kreuzzugs mehrten sich aber auch Stimmen von Theologen, die sich gegen die Idee bewaffneter Kreuzzüge wandten (Hannes Möhring: König der Könige, Königstein i. Ts. 2004, S. 53ff.). Dazu zählen in Deutschland der Annalist von Würzburg und Gerhoch von Reichersberg sowie der Verfasser des Schauspiels Ludus de Antichristo, in Frankreich der Abt von Cluny Petrus Venerabilis in seinen späteren Schriften, der englische Zisterzienser Isaac (später Abt in Frankreich), Walter Map (ein Höfling König Heinrichs II. von England) und der Engländer Radulphus Niger. Sie beriefen sich u.a. auf Matthäus 26,52, demzufolge durch das Schwert sterben solle, wer das Schwert zieht, aber auch auf die Offenbarung des Johannes 19,11-16, wo der wiederkehrende Messias als König der Könige die Feinde des Christentums mit dem Hauch seines Mundes - also nur mit Gottes Wort - vernichtet. Um 1200 traten auch die Kanonisten, Kirchenrechtler wie Alanus Anglicus, dafür ein, die Muslime zu tolerieren.

Motive der Kreuzritter und Situation vor den Kreuzzügen


Die Motive der Kreuzfahrer reduzierten sich keineswegs nur auf religiösen Eifer; vielmehr handelten sie aus vielschichtigen Gründen, die sich zudem im Laufe der Zeit wandelten. Es handelte sich dabei um:

Religiöse Motive

Aufbauend auf den Kreuzzugsaufruf Papst Urbans II. auf der Synode von Clermont im Jahr 1095 (begleitet von dem Zuruf „Deus lo vult“ - Gott will es) waren viele Kreuzfahrer überzeugt, durch die Vertreibung der Nichtchristen aus dem Heiligen Land Gottes Willen zu erfüllen und die Erlassung aller ihrer Sünden zu erreichen. Dies muss vor dem Hintergrund christlicher Berichte über Greueltaten der islamischen Machthaber gegen die christliche Bevölkerung des heiligen Landes gesehen werden und der Verwüstung christlicher Stätten, beispielsweise der Grabeskirche 1009 in Jerusalem. Die religiösen Motive traten im Laufe der Zeit in den Hintergrund - besonders deutlich wird das bei der Eroberung und Plünderung der christlichen Stadt Konstantinopel im Vierten Kreuzzug. Bezüglich der Kreuzzüge in den Orient verschwanden sie jedoch nie ganz.

Verhältnis zum Islam und zur Orthodoxie

Ein wesentliches außenpolitisches Problem für die christliche Welt stellte der Islam dar, der in seinem Streben westwärts zunächst in der Mitte des 7. Jahrhundert das christliche Byzantinische Reich angriff. Ostrom/Byzanz verlor die seit dem monophysitischen Schisma in religiösem Gegensatz zu den griechischen und lateinischen Reichsgebieten stehenden semitischen Provinzen Syrien und Ägypten binnen weniger Jahre an die Araber, die dort als Befreier begrüßt wurden, behauptete jedoch das griechisch geprägte Kleinasien. Das westliche Nordafrika leistete bis zum Ende des 7. Jahrhunderts gegen die Araber Widerstand, während das spanische Westgotenreich dann um 700 binnen weniger Monate unter dem Arabersturm zusammenbrach, so dass der Arabersturm im Westen erst durch das Frankenreich gebrochen wurde.

Nachdem das Byzantinische Reich durch die Langobarden 751 schon aus Mittelitalien verdrängt worden war (Fall des Exarchats Ravenna) war das Byzantinische Reich Anfang des 8. Jahrhunderts hauptsächlich auf das orthodoxe Kernland Kleinasien, die Küsten des Balkans und Süditalien beschränkt. In der Folgezeit fand das Reich im 9. und 10. Jahrhundert zu einem modus vivendi mit den Arabern, der sogar in militärische Bündnisse mit einzelnen arabischen Staaten mündete. Dem militärischen Wiederaufstieg um das Jahr 1000 folgte ein innerer Niedergang. Mit dem islamischen Turkvolk der Seldschuken betrat gleichzeitig aber eine neue, expansive Macht die politische Bühne des Nahen Ostens, die sich auf Kosten der Araber und Byzantiner ausdehnte. Dies führte 1071 für die Byzantiner zur militärischen Katastrophe in der Schlacht von Manzikert gegen die Seldschuken, die den Beginn der türkischen Landnahme in Anatolien markiert.

Kleinasien überließ der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos wegen der Abwehr der normannischen Invasion von Epiros und Makedonien (mit dem Ziel der Eroberung von Konstantinopel) schließlich 1085 gegen einen Lehnseid bis auf wenige Stützpunkte vollständig den Seldschuken, um nicht zwischen zwei Gegnern aufgerieben zu werden. Nach dem Sieg über die Normannen bat Alexios dann den Papst um Unterstützung zur Rückeroberung des kleinasiatischen Reichsgebiets, das inzwischen in mehrere türkische Emirate zersplittert war, die die byzantinische Diplomatie gegeneinander ausspielte.

Der große militärischen Aufwand aller christlichen Mächte der damaligen Zeit ist damit zu erklären, dass der Islam als eine große Gefahr - nicht nur für das Byzantinische Reich - gesehen wurde. Schließlich grenzte das islamisch-arabische Machtgebiet an den Pyrenäen an Frankreich und fast alle Mittelmeerinseln und Teile Süditaliens waren zeitweise von Arabern besetzt. Letztere wurden auch nach Rückeroberung immer wieder von ihnen angegriffen. Das byzantinische Sizilien wurde ab 827 von den Arabern erobert, dann von den Normannen, bis es 1189 an Heinrich VI. fiel, wodurch das Reich der Staufer ebenfalls direkt an den islamischen Machtbereich grenzte.

Das morgenländische Schisma von 1054 belastete von Beginn der Kreuzzüge an das Verhältnis zwischen orthodoxen und katholischen Christen. Der Anblick einer Moschee in Konstantinopel durch das Heer des ersten Kreuzzugs trug auch nicht zur Vertrauensbildung bei.

Ein weiterer Aspekt ist das politische Verhältnis der beiden führenden Mächte der katholischen bzw. orthodoxen Staatenwelt. Die Eigenbezeichnung des deutschen wie des byzantinischen Kaiserreiches war "Römisches Reich" und der jeweilige Kaiser leitete daraus einen Führungsanspruch über die gesamte christliche Staatenwelt ab. Byzanz betrieb dabei im 12. Jahrhundert eine expansive Westpolitik. Dynastische Heiraten mit dem ungarischen und deutschen Herrscherhaus, aber auch militärische Interventionen in Italien mit dem Ziel, auch die (west)römische Kaiserkrone zu erringen, waren dabei eine Grundkonstante der Außenpolitik der byzantinischen Komnenendynastie. Um den Einfluss Venedigs im Byzantinischen Reich zurückzudrängen, verfolgte man in Konstantinopel in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine scharfe, anti-venezianische Politik. Dies blieb in Westeuropa natürlich nicht ohne Reaktion. Die Kreuzzüge richteten sich daher zunehmend nicht nur gegen den Islam, sondern gleichzeitig auch immer mehr gegen das orthodoxe, griechisch geprägte Byzanz.

Dennoch blieb der religiös motivierte Kreuzzugsgedanke auch in der Folgezeit eine immer wiederkehrende Komponente der europäischen Politik. Allerdings darf man ihre Bedeutung nach 1450 nicht mehr allzu hoch ansetzen. So wurde zwar im Jahr 1453 eine Militärexpedition erwogen, um Konstantinopel gegen Sultan Mehmed II. zu verteidigen. Doch startete diese halbherzige Expedition reichlich spät, nämlich erst im April 1453. Der Sultan hatte aber bereits im Frühjahr 1452 mit den baulichen Vorbereitungen für ein mögliche Belagerung begonnen und machte daraus keinerlei Geheimnis.

Ob man die konzertierte militärische Hilfe christlicher Mächte wie z.B. des Deutschen Reiches und Polens bei der Verteidigung Wiens 1683 gegen die Türken in die Kreuzzugstradition stellen darf, ist fraglich. 1544 kam es nämlich zu einem wenige Jahrzehnte zuvor noch unvorstellbaren Ereignis: Frankreich, der Papst und das Osmanische Reich schlossen ein Bündnis gegen das Habsburgerreich. Damit vermochte jedermann klar zu erkennen, dass es mit dem Kreuzfahrergeist zu Ende war (Steven Runciman in Die Eroberung von Konstantinopel 1453).

Als Kreuzzug im weiteren Sinn werden jedoch ohnehin nur militärische Expeditionen nach Palästina bezeichnet.

Wirtschaftliche Faktoren und Spannungsfeld zwischen Rom und Konstantinopel

Syrien-krak_de_chevalier.jpg in Syrien]]

Der abendländische Adel erhoffte sich durch die Eroberung neue Besitztümer. Auch und gerade traf das auf die jüngeren Söhne des Adels zu, die nicht erbberechtigt waren und nun die Chance sahen, doch über ein eigenes Gebiet zu herrschen. Dies war genauso auch ein Ziel der Kirche, da der Kirchenfrieden (eine päpstliche Regel, die streng vorschrieb, wann und wie gekämpft werden durfte; Weihnachten und andere hohe Feiertage waren beispielsweise tabu) immer wieder durch Konflikte, die sich in erster Linie um Gebietsstreitigkeiten drehten, gestört wurde. So boten die Kreuzzüge auch eine willkommene Beschäftigung für die überzähligen Söhne, die nicht im Kloster oder im Klerus untergebracht werden konnten oder wollten. Wirtschaftlich profitierten auch die italienischen Seerepubliken (Genua, Pisa, Venedig und andere) vom Handel mit dem Orient. So wurde auch kurzzeitig überlegt, einen Kreuzzug zur Sicherung der Gewürzstraße durchzuführen. Diese Idee wurde allerdings recht bald wieder fallengelassen.

Das Papsttum versprach sich von der Kontrolle über das Heilige Land eine massive Stärkung seiner Machtposition. Letztlich haben die Päpste wohl auch auf die Wiedervereinigung mit der bzw. auf die Kontrolle über die Ostkirche gehofft. Daneben dominierten mit Beginn des 4. Kreuzzuges auch wirtschaftliche Interessen. Das beste Beispiel für dieses Motiv ist wohl der vierte Kreuzzug selbst, der von der Handelsmetropole Venedig nach Konstantinopel umgeleitet wurde und in der Plünderung durch das Kreuzfahrerheer mit Abtransport der Beute nach Venedig mündete, um den Handelskonkurrenten auszuschalten. Hier zeigt sich die vollständige Pervertierung des ursprünglichen, religiösen Kreuzzugsgedankens einerseits, andererseits auch ein Grund für die immer geringere Wirkung der Kreuzzüge in der Verteidigung des oströmischen Reichs..

Überblick: Begriff und Zeitachse


Im engeren Sinne versteht man unter Kreuzzügen nur die Orientkreuzzüge. Daneben gab es folgende Arten von Kreuzzügen:

Der Kreuzzug in seiner ursprünglichen Form hatte die Befreiung Jerusalems zum Ziel und war ein gesamteuropäisches Unternehmen, das auch passagia generalia genannt wird. Aus dieser entwickelte sich die passagia particularia, die sich gegen jeden anderen Ort wenden konnte.

Der Begriff „Kreuzzug“ wurde erst im 13. Jahrhundert geprägt, davor finden sich lediglich die Begriffe „bewaffnete Pilgerfahrt“ und „bewaffnete Wallfahrt“.

Neben den eigentlichen Kreuzzügen gab es noch den Katharer- oder auch Albigenserkreuzzug, der in Südfrankreich stattfand, den Kinderkreuzzug, der für die meisten Beteiligten in der Sklaverei endete, den Feldzug der Deutschordensritter ins Baltikum 1225 und diverse andere Feldzüge, z. B. gegen nicht-christliche Völker wie Türken oder Mongolen, die zum Teil bis ins 15. Jahrhundert dauerten.

Auch Kriege gegen machtpolitische Gegner wurden von mittelalterlichen Herrschern mitunter als Kreuzzug propagiert, um eine Infragestellung der Notwendigkeit des Kriegs zu verhindern, um Verbündete zu gewinnen und um Plünderungen und Übergriffe auf Zivilisten zu legitimieren.

Für manche Herrscher war der Aufruf zu einem Kreuzzug außerdem ein Mittel, um für sie problematische Gesellschaftsgruppen loszuwerden. So folgten zahlreiche Obdachlose, verarmte oder in der Erbfolge nicht berücksichtigte Adlige und auch Gesetzlose diesen Aufrufen, weil sie sich in Palästina ein neues Leben, religiöse Erfüllung oder Beute erhofften.

Ein bleibendes Erbe der Kreuzzüge waren die Ritterorden, eine Art kämpfender Mönchsorden.

Zeitleiste

Erster Kreuzzug: 10961099, Ziel: Jerusalem
Volkskreuzzug
Deutscher Kreuzzug
Kreuzzug von 1101
Zweiter Kreuzzug: 11471149, Ziel: Jerusalem
Wendenkreuzzug: 1147
Dritter Kreuzzug: 11891192, Ziel: Jerusalem
Vierter Kreuzzug: 12021204, Ziel: Konstantinopel
Kinderkreuzzug: 1212
(Fünfter) Kreuzzug: 12171221, Ziel: Ägypten
Albigenserkreuzzug: 12091229, Ziel: Südfrankreich
Fünfter (Sechster) Kreuzzug: 12281229
Sechster (Siebter) Kreuzzug: 12481254, Ziel: Ägypten
Siebter (Achter) Kreuzzug: 1270, Ziel: Tunis
Aragonesischer Kreuzzug: 12841285
Kreuzzug gegen Alexandria: 1365 unter König Peter I. von Zypern
Kreuzzug von Nikopolis: 1396

Im 14. Jahrhundert fanden über 50 Kreuzzüge gegen die damals heidnischen Pruzzen und Litauer statt. Diese vom Deutschen Orden organisierten Feldzüge wurden auch als „Reisen“ bezeichnet.

Im 15. Jahrhundert fanden vier Kreuzzüge gegen die Hussiten statt.

Von 1443 bis 1444 fand ein meist als letzter Kreuzzug eingestufter Feldzug gegen das Osmanische Reich statt, der in der Schlacht bei Warna scheiterte.

Geschichte


Barbarossa.jpg als Kreuzfahrer – Miniatur aus einer Handschrift von 1188]]

Zu einer detaillierteren Beschreibung siehe die jeweiligen Kreuzzüge.

Aufgrund der Bedrängung des Byzantinischen Reiches durch die muslimischen Seldschuken infolge der byzantinischen Niederlage in der Schlacht von Mantzikert 1071, hatte der byzantinische Basileus Alexios I. Komnenos im Westen um Hilfe angefragt. Papst Urban II. hatte 1095 denn auch auf der Synode von Clermont zum ersten Kreuzzug aufgerufen, um die heiligen Stätten der Christenheit zu befreien. Eine religiöse Begeisterung wurde hervorgerufen, die teils aber auch erschreckende Züge annahm: So wurden im Rheinland mehrere jüdische Gemeinden von Christen regelrecht vernichtet, und sogar einfache Leute machten sich mit Peter dem Einsiedler auf ins Heilige Land (so genannter Volkskreuzzug) – sie sollten es jedoch nie erreichen.

Als die verschiedenen Kreuzfahrerheere Ende 1096 Konstantinopel erreichten, traten weitere Probleme auf: Obwohl die Byzantiner mitnichten beabsichtigt hatten, einen Kreuzzug hervorzurufen (sie hatten vielmehr auf Söldner aus Europa gehofft) und den Kreuzfahrern auch teils misstrauten – manche von ihnen, wie die unteritalienischen Normannen, hatten zuvor gegen Byzanz gekämpft – , unterstützte Alexios sie zunächst, zumal sie ihm einen Treueeid geschworen hatten und die Kreuzfahrer ebenfalls auf den Kaiser angewiesen waren. Im Frühjahr 1097 machte sich das Heer auf dem Weg, und bald schon stellten sich erste Erfolge ein, wie die Eroberung von Nikaia, welches vertragsgemäß an die Byzantiner übergeben wurde. Nach schweren Kämpfen, unter anderem bei der Einnahme Antiochias, endete dieser Kreuzzug mit der Eroberung Jerusalems im Juli 1099, bei der es zu blutigen Massakern an den verbliebenden Bewohnern kam – ungeachtet der Religionszugehörigkeit. Es folgte die Entstehung christlicher Reiche im so genannten Outremer. Byzanz hatte zwar Teile Kleinasiens zurückgewonnen, stand dieser Entwicklung im Heiligen Land jedoch mit Misstrauen gegenüber, was bald auch zu Kämpfen mit dem Fürstentum Antiochia führte.

Diese so genannten Kreuzfahrerstaaten erwiesen sich jedoch als auf die Dauer dem moslemischen Druck nicht gewachsen: Die meisten Adligen waren bereits nach dem Fall Jerusalems wieder abgereist, und zurückgeblieben war keineswegs nur die Elite. Die Kreuzfahrerstaaten waren denn aufgrund der geringen katholisch-christlichen Bevölkerungsanzahl (wo die Mehrheit der Bevölkerung christlich, aber nicht katholisch war, etwa in Syrien) auch auf Nachschub aus Europa angewiesen, was diesen Staaten einen gewissen „kolonialen“ Charakter verlieh. Andererseits kam es zu einem durchaus bemerkenswerten Wandel im Verhältnis zwischen Christen und Moslems: Fortan lebten sie in der Regel durchaus friedlich zusammen, den Moslems wurde in Grenzen eine freie Religionsausübung gestattet, ebenso eine gesonderte Gerichtsbarkeit zugestanden. Auch gegenüber den anderen christlichen Konfessionen verhielten sich die katholischen „Franken“ (so wurden die Kreuzritter vor allem in arabischen Quellen genannt) durchaus tolerant. Diese Entwicklung war ebenfalls eine direkte Konsequenz der zu geringen Zahl der zurückgebliebenen Kreuzfahrer, die ansonsten den eroberten Raum nicht zu kontrollieren vermocht hätten – was aber ohnehin nur in gewissen Grenzen möglich war. Auch die Juden hatten in den Kreuzfahrerstaaten eine wesentlich bessere Stellung als in Europa und wurden im Outremer, wieder anders als in Europa, nach der Eroberung Jerusalems auch nie das Opfer von Pogromen.

Auch wenn es den Kreuzfahrern teils sogar gelang, die verfeindeten moslemischen Reiche, die sie umgaben, gegeneinander auszuspielen (die Fatimiden in Ägypten waren den Türken beispielsweise feindlich gesonnen), so war die militärische Situation doch immer äußerst schwierig. Der letztendlich erfolglose zweite Kreuzzug (1147-1149) hatte bereits das Ziel, die bedrängten Kreuzfahrerstaaten (nach dem Fall der Grafschaft Edessa) zu entlasten. Nach der Schlacht von Hattin 1187, in der faktisch das gesamte militärische Aufgebot des Königreichs Jerusalem geschlagen worden war, fiel gar Jerusalem wieder in moslemische Hände. Die nachfolgenden Kreuzzüge, die diese Entwicklung umkehren sollten, hatten wenig Erfolg, teils aufgrund unzureichender Planung oder strategischer Fehler, teils aufgrund der Uneinigkeit bei der Führung des Oberkommandos: Wie etwa beim dritten Kreuzzug, wo der Hauptteil des Heeres aus Franzosen und Engländern bestand, die einander feindlich gesonnen waren.

Der vierte Kreuzzug endete gar mit der Eroberung und Plünderung Konstantinopels, der damals größten christlichen Stadt der Welt, durch Kreuzritter, die damit den Schiffstransport durch die Flotte Venedigs „bezahlten“; der Papst, der sich angesichts der Gräueltaten der Kreuzfahrer darüber im Klaren war, dass damit eine Kirchenunion mit der Orthodoxie praktisch unmöglich wurde, verurteilte denn diese Aktion auch auf das Schärfste, was jedoch faktisch ohne Wirkung blieb.

Die Republik Venedig hatte somit ihren größten Konkurrenten im Orienthandel dauerhaft geschwächt, der Nimbus der Kreuzzüge nahm damit jedoch dauerhaft Schaden, zumal in diesem Zusammenhang das Byzantinische Reich von einer intakten Großmacht zu einer (nach der Rückeroberung Konstantinopels 1261) Regionalmacht degradiert wurde. Außerdem wurde das Verhältnis der orthodoxen Völker zu Westeuropa für Jahrhunderte schwer belastet. So wandten sich die Russen auf Jahrhunderte fast vollständig von Europa ab.

Die Kreuzzüge hatten damit jedoch auch endgültig ihren ursprünglichen Charakter, der in der Rückeroberung des Heiligen Landes lag, verloren. Allerdings verlor man dieses Ziel nie ganz aus den Augen, auch wenn alle weiteren Versuche – vom diplomatischen Erfolg des Stauferkaisers Friedrich II. während des fünften (bzw. nach anderer Zählung sechsten) Kreuzzugs abgesehen – keinen Erfolg hatten oder sogar in militärischen Katastrophen endeten.

Der Albigenserkreuzzug (1209–1229) und andere ähnlich geartete Unternehmen gegen Christen trugen aber mit dazu bei, dass die Kreuzzüge auch oft nur als eine politische Waffe des Papsttums begriffen wurden. Demgegenüber trugen die „Kreuzzüge“ der Reconquista auf der iberischen Halbinsel bereits quasi-nationale Züge.

Die Kreuzzüge in die Levante endeten 1291 mit dem Fall von Akkon, der letzten Kreuzfahrerbastion. Die Kreuzzüge in das Baltikum (die vor allem der Missionierung dienten und dabei aber auch von den teilnehmenden Adligen als „gesellschaftliches Ereignis“ begriffen wurden) gingen jedoch bis ins 14. Jahrhundert weiter.

Auch nach dem Ende des Mittelalters wurden immer wieder Militäraktionen als Kreuzzüge deklariert (so der Versuch einer Invasion Englands durch den katholischen König von Spanien, Philipp II., und auch die Schlacht von Lepanto wurde von einer so genannten „Kreuzzugsliga“ geführt). Das Papsttum unternahm noch im 17. Jahrhundert ähnliche Anläufe, denen aber bestenfalls nur vorübergehende Erfolge beschieden waren.

Aber schon der Perserkrieg des Herakleios im 7. Jahrhundert trug in gewisser Weise Charakterzüge eines christlichen Religionskrieges, wobei der Kaiser später zu einem Musterbeispiel eines christlichen Kämpfers stilisiert wurde: Das Geschichtswerk des Wilhelm von Tyrus war denn auch in der altfranzösischen Übersetzung unter dem Titel Livre d'Eracles bekannt.

Moderne Kreuzzüge

Der Begriff „Kreuzzug“ beschränkt sich nicht nur auf die historischen Kreuzzüge, sondern wird auch heute noch im übertragenem Sinn verwendet. Seine politische Verwendung ist heute hoch umstritten und wird in Europa zumeist als Entgleisung betrachtet.

Allgemeine Begriffsverwendung
Kreuzzug“ wird im Deutschen wie im Englischen auch im Sinne von "Kampagne" verwendet. So führen Pharmazeutiker einen Kreuzzug gegen Aids, und Globalisierungsgegner führen einen Kreuzzug gegen Globalisierung und Internationalisierung. Es gibt Kreuzzüge gegen Sextourismus, gegen Krankheiten, Seuchen und zahllose andere Themen. In der Umgangssprache und auch in der Politik hat das Wort nichts mit Krieg zu tun, wenn etwa ein Abgeordneter einen „Kreuzzug gegen die Internet-Infrastruktur“ ausruft.

Politische Verwendung des Begriffes
  • In den USA wurde die Beteiligung an der Befreiung Europas von der Herrschaft des Nationalsozialismus häufig als „Kreuzzug“ verstanden, so betitelte etwa der US-Oberbehehlshaber und spätere US-Präsident Dwight D. Eisenhower etwa sein Kriegstagebuch Crusade in Europe.

  • Im Zwanzigsten Jahrhundert bezeichnete der evangelikale Massenprediger Billy Graham seine Großveranstaltungen, u. a. zur Truppenbetreuung im Vietnamkrieg, als Crusades, engl. für Kreuzzüge.

  • Der US-Präsident George W. Bush bezeichnete den dritten Irakkrieg wiederholt als Kreuzzug gegen Terroristen, obwohl bis dato kein Zusammenhang zwischen den Terroristen vom 11. September 2001 und dem irakischen Regime hergestellt werden konnte. Auf Drängen seiner Berater verzichtete Bush jedoch relativ bald auf diesen Begriff, vornehmlich wegen seiner historisch-inhaltlichen Bedeutung. Umgekehrt werden die westlichen Staaten, insbesondere soweit sie sich an der Eroberung und Besatzung des Irak beteiligen, in arabischen Ländern häufig als „Kreuzritter“ oder „Kreuzzügler“ bezeichnet, denen der gesammelte Widerstand der Muslime zu gelten habe.

  • Der italienische Reformenminister Roberto Calderoli aus der rechten Regierungspartei Lega Nord rief als Reaktion auf die Proteste in der islamischen Welt im Karikaturenstreit den Papst dazu auf, sich an die Spitze eines neuen Kreuzzugs gegen die Muslime zu stellen.

Wichtige Persönlichkeiten


Papst Urban II., Bernhard von Clairvaux, Gottfried von Bouillon, Balduin von Boulogne, Friedrich I. Barbarossa, Richard I. Löwenherz, Konrad von Montferrat, David IV. der Erbauer, Zengi, Nur ad-Din, Saladin (Salah ad-Din).

Siehe auch


Quellen


Die Chronisten des Ersten Kreuzzugs auf christlicher Seite

Die Chronisten auf muslimischer Seite

Literatur


Weiterführende Informationen zu diesem Thema: Kreuzzug/Bibliografie

  • Peter Milger: Die Kreuzzüge. Krieg im Namen Gottes, München 52000. ISBN 3-572-01169-8
    Das Buch wendet sich an den interessierten Laien, der eine reichlich illustrierte und flüssig geschriebene Übersicht möchte. Es ist das Begleitbuch zu einer Fernsehserie des Hessischen Rundfunks.
  • Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge, München 32001. ISBN 3-423-30175-9
    Standardwerk aus den 50er Jahren, auf hohem literarischen Niveau verfasst. Teils jedoch romantisierend.
  • Hans Eberhard Mayer: Geschichte der Kreuzzüge, 10. Aufl., Stuttgart 2005. ISBN 3-170-18679-5
    Bewährtes Standardwerk.
  • Emmanuel Sivan: L'Islam et la Croisade. Idéologie et propagande dans les réactions musulmanes aux Croisades, Paris 1968.
  • Peter Thorau: Die Kreuzzüge, München 2004. ISBN 3-406-50838-3
    Knappe und günstige Einführung.
  • Amin Maalouf: Der Heilige Krieg der Barbaren. Die Kreuzzüge aus der Sicht der Araber, München 2003 (dtv 34018).

Weblinks


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