Kreuzlingen (bis 1874 offiziell Egelshofen) ist der Hauptort des gleichnamigen Bezirkes des Kantons Thurgau. Es ist mit 17'441 Einwohner die zweitgrösste Stadt des Kantons. Zusammen mit der Nachbarstadt Konstanz bildet die Grenzstadt eine Agglomeration von rund 100'000 Einwohnern. Gleichzeitig ist Kreuzlingen die grösste Schweizer Stadt am Bodensee.
StUlrich.JPG, Klosterkirche des ehemaligen Augustinerstifts Kreuzlingen]]
__TOC__
Geographie
Kreuzlingen liegt im Norden des Kantons Thurgau am Ufer des Bodensees, südöstlich der deutschen Stadt
Konstanz. Die Lage der Stadt gleich ausserhalb des stattlichen mittelalterlichen Konstanzer Kerns, mit Zeugnissen kleinörtlicher Struktur an einst rebenbewachsenen Hanglagen, umgeben von Wäldern auf den Kuppen im Süden und dahinter stark ländlich geprägten Gebieten, mit dem offenen, weiten Bodensee gegen Osten und den Gebieten um
Seerhein und Untersee im Westen ist sehr reizvoll.
Die nördliche Grenze bildet die Staatsgrenze zu Deutschland und verläuft mitten durch heute dichtbebautes Gebiet. In den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg wurde die südliche Grenze der Stadt zur Verteidigung gegen einen Angriff aus Deutschland mit dem Festungsgürtel Kreuzlingen gesichert und das Gebiet zwischen den beiden Städten 1942 (und bis heute) durch einen Grenzzaun zerschnitten. Im Westen grenzt Kreuzlingen an das Tägermoos und Tägerwilen, im Osten ist die Gemeinde Bottighofen, dicht angebaut an Kreuzlingen. Zudem besteht ein Autobahnanschluss in Richtung Zürich (A7) und in Richtung Konstanz über die grosse GZA (Gemeinschaftszollanlage) auf die B33. Mehrere in Richtung Süden führende Hauptstrassen führen Richtung Weinfelden, Gossau, Wil, St. Gallen und Frauenfeld.
Wappen
KreuzlingerFahne.JPG |
Beschreibung: Gespalten in Silber, belegt mit einem Kreuz, und Rot, belegt mit einem rechtsgekehrten Abtstab in gewechselten Farben.
Geschichte
Im Jahre
1874 wurde die Gemeinde
Egelshofen in
Kreuzlingen umbenannt.
Die heutige Grösse erhielt das Gebiet Kreuzlingens durch den Zusammenschluss von Kreuzlingen-Egelshofen mit
Kurzrickenbach im Jahre 1927 und
Emmishofen im Jahre 1928. Bereits 1947 wurde Kreuzlingen zur Stadt als es die Schwelle von 10'000 Einwohnern überschritt.
Der Name stammt vom Augustinerstift «crucelin». Es wurde 1125 vom Konstanzer Bischof Ulrich I. gegründet und stand ursprünglich ein Kilometer nordwestlich des heutigen Standortes. Im Schwabenkrieg und während des Dreissigjährigen Krieges nach der Belagerung von Konstanz durch die Schweden wurde das Augustinerstift durch Konstanzer niedergebrannt, die dem Kloster vorwarfen, Stützpunkt für den Feind gewesen zu sein. 1650 wurde das Kloster am heutigen Ort wiederaufgebaut. Nach der Säkularisierung 1848 bezog das thurgauische Lehrerseminar die Räume, heute Pädagogische Maturitätsschule am Seminar Kreuzlingen (PMS). Die ehemalige Klosterkirche ist heute katholische Pfarrkirche.
Das Gebiet von Kreuzlingen war schon zur Bronzezeit besiedelt. Keltische Münzen und Funde aus der Römerzeit bezeugen eine kontinuierliche Besiedlung bis zur Siedlungsgründungen der Alemannen. Kurzrickenbach wurde als Rihinbah erstmals im Jahr 830 erwähnt, Egelshofen 1125 als Eigolteshoven und Emmishofen 1159 als Eminshoven. Das Gebiet der heutigen Stadt war mit Ausnahme des Augustinerstiftes Eigentum des Konstanzer Bischofs (Bischofshöri). Mit der Eroberung des Thurgaus durch die Eidgenossen 1460 und durch die Reformation lockerten sich die Bindungen zur Nachbarstadt.
Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das heutige Zentrum Kreuzlingens weitgehend Ackerfläche, Wies- und Rebland. Um das Kloster standen 13 Häuser. Egelshofen zählte etwa 50, Emmishofen und Kurzrickenbach je etwa 90 Häuser. Mit er Neuordnung Europas wurde Kreuzlingen zu einer Grenzregion. 1818 entstand das erste Zollhaus. Die ersten Dampfschiffe, die auf dem Bodensee ab 1824 verkehrten und der Bau der Bahnlinien nach Romanshorn (1871) und Etzwilen (1875) lockten Gewerbe und Industrie an. 1874 wurde Kreuzlingen anstelle von Gottlieben Bezirkshauptort. Doch bis zum Ersten Weltkrieg war der Ort eine Art Vorstadt von Konstanz, auch die Kreuzlinger Industrie war fast ausschliesslich in den Händen deutscher Unternehmer. Erst die geschlossene Grenze im Krieg liess Kreuzlingen eigenständiger werden.
Kreuzlingenum1840.jpg, in der Mitte das Kloster, rechts das Sallmannsche Haus und der Gasthof Löwen, im Vordergrund das Dampfschiff Helvetia.]]
In der Kulturgeschichte Kreuzlingen spielt das Sanatorium Bellevue (1857-1980) eine herausragende Rolle: Auf dem kaum überbauten Gebiet des alten Klosters Kreuzlingen kaufte 1842 Ignaz Vanotti aus Konstanz ein grosses Grundstück und baute darauf 1843 ein Wohn- und Geschäftshaus für die Emigranten-Druckerei Bellevue, die bisher in der Römerburg eingerichtet war. 1857 erwarb Ludwig Binswanger (1820-1880), seit 1850 Psychiater in Münsterlingen, die Liegenschaft und eröffnete eine „Privatanstalt für heilfähige Kranke und Pfleglinge aus den besseren Ständen der Schweiz und des Auslandes“. Die modern geführte Klinik blieb unter Führung der Binswanger während fast 120 Jahren eine Heil- und Forschungsstätte, in der wichtige Kapitel der Psychiatrie gelebt und geschrieben wurden. Im Jahr 1980 stellte sie ihren Betrieb ein. Von den zahlreichen Bauten des Sanatoriums sind heute nur noch wenige vorhanden. Das Areal wird seit den 90er Jahren von einer Wohnüberbauung genutzt.
Weinbau
Während Jahrhunderten lebten die Bewohner der Gemeinden Emmishofen, Egelshofen und Kurzrickenbach hauptsächlich vom Weinbau. Der Grossteil des produzierten Weins wurde über den See nach Deutschland ausgeführt. Das Gebiet der heutigen Stadt Kreuzlingen bestand während fast eines halben Jahrtausends aus einem einzigen Rebberg der sich von Bottighofen bis nach Tägerwilen und vom Hörnli am See bis in die Alp hinauf erstreckte. Besitzer der Rebberge waren die verschiedenen Freisitze der Gegend, Klöster aus dem benachbarten Deutschland und das Augustinerstift Kreuzlingen. Es allein besass 1579 16 Torkel (Weinkelter) samt Trotten. Auf dem heutigen Gemeindegebiet gab es 1648 41 Torkel. Ende des 19. Jahrhunderts führten Missernten, Krankheiten und die fortschreitende Industriealisierung zum raschen Rückgang der Rebberge. Die letzten Reben wuchsen in Emmishofen 1920 auf Schloss
Girsberg. In Kreuzlingen wurden die letzten Reben an der Schelmenhalde 1938 ausgerodet.
Bevölkerung
Der Ausländeranteil liegt bei 44.3 %. Kreuzlingen hat die zweithöchste
Scheidungsrate (1. Platz
Genf) der Schweiz.
Politik
Die Stadt ist mit
Cisternino (
Italien) und
Wolfach (
Schwarzwald) Städtepartnerschaften eingegangen.
Kultur
SeemuseumKreuzlingen.JPG
In der ehemaligen Kornschütte des Augustinerstiftes Kreuzlingen, nahe der Seeburg, ist das Seemuseum untergebracht. Es hat den Bodensee, seine Schifffahrt und Fischerei sowie die engere Region zum Thema.
Schlösser, Burgen, Herrensitze
Auf dem Gemeindegebiet gibt es heute noch neun Gebäude, die als Schloss oder Burg bezeichnet werden. Das Wasserschloss
Geissberg wurde Anfang des 20. Jahrhunderts abgebrochen.
Schloss Ebersberg
Schloss Ebersberg hiess früher Ober-Girsberg. Es ist urkundlich seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar. Im 17. und 18. Jahrhundert im Eigentum der
Familie Kunz und deshalb auch Kunzenhof genannt.
1816 kaufte der bekannte Chirurg
Johann Nepomuk Sauter-Huber das Haus, welches er zu einer herrschaftlichen Villa umbaute. 1848 brannte das Gebäude ab und wurde neu errichtet, Eigentümer war Graf Eberhard Zeppelin, der Bruder von
Ferdinand Graf von Zeppelin. 1928 folgte ein erneuter Umbau. In den 50er Jahren wurde das Schloss von deutschen Industriellen
von Fink renoviert.
Schloss Brunegg
SchlossBrunegg.JPG
Auch
Schloss Brunegg liegt auf
Emmishofer Boden. Es ist nicht zu verwechseln mit dem viel älteren
Schloss Brunegg im Kanton Aargau. Früher hiess das Emmishofer Schloss
Unterer Girsberg. Sein Vorgängerbau wurde um 1300 erbaut.
1679 kaufte es das Kloster
Obermarchtal an der
Donau und errichtete an seiner Stelle das heutige Gebäude.
1874 kaufte der Psychiater
Ludwig Binswanger (1820-1880) das Schloss und gab ihm den Namen Brunnegg. Er beauftragte den Architekten
Otto Tafel aus
Stuttgart, der das benachbarte
Schloss Castell in
Tägerwilen umgestaltet hatte, das Schloss umzubauen. Heute beherbergt die Brunegg ein Restaurant.
Schloss Girsberg wurde in seiner heutigen Form
1790 erbaut. Es war fast während seines ganzen Lebens Wohnsitz von
Ferdinand Graf von Zeppelin (1840 – 1917). Auch heute befindet es sich noch in Privatbesitz.
Römerburg
Römerburg.JPG
Die Römerburg war früher unter dem Namen
Rempsberg bekannt. Früheste Zeugnisse des Hauses stammen aus dem späten 16. Jahrhundert, als
Hans Kaspar Morell das Schloss besass. Anfangs des 19. Jahrhunderts gab ihm der damalige Besitzer
Hieronymus Girtanner den Namen Bellevue, bevor es ab ca. 1880 Römerburg genannt wurde.
Wasserschloss Geissberg
Es stand oberhalb der Römerburg und war das älteste Gebäude in Kreuzlingen. Es wurde von seiner letzten Besitzerin,
Freifrau von Pagenhardt, geborene Salis abgebrochen, als sie in ein modernes Einfamilienhaus umzog.
TorSeeburg.JPG |
1598 baute der Konstanzer
Jakob Atzenholz ein Schlösschen, das später den Äbten des Kreuzlingern Augustinerstiftes als Sommerresidenz diente. Es brannte
1633 vollständig aus und wurde
1664 wieder hergestellt. Seit
1833 beherbergte es das Thurgauer Lehrerseminar, gehörte ab Mitte der 50er Jahre
Gottfried Ferdinand Amman, der es
1870 im Stil des Historismus zum Schloss im heutigen Aussehen umbaute. Seit 1958 im Besitz der Stadt Kreuzlingen wurde es 1982-1984 umfassend renoviert. Bis zur Seeaufschüttung in den sechziger Jahren stand die Seeburg direkt am Ufer des Bodensees.
Schlösschen Bernegg
Das Gut Bernegg in Emmishofen wird in einer Konstanzer Urkunde bereits 1292 erwähnt. Als ältester Besitzer dieses Bauernhofes ist das Geschlecht der Gottschalk nachgewiesen. Deshalb stammte auch der Name Gottschalkhof. 1543 erscheint Jakob Ammann als Eigentümer. 1623 heisst das Gut wieder Bernegg und ist im Besitz von Hans Jakob von Bernau von Chur. Unter ihm wird das Gut Freisitz und ging ins Eigentum der Freiherren von Rassler über. Seit 1702 ist das Schlösschen im Besitz der Familie von Merhart.
Schlösschen Irsee
Irsee.JPG
Das Schlösschen Irsee wurde
1683 vom Reichsabtei
Irsee bei
Kaufbeuren am Pilgerweg errichtet. Es diente als Sommerresidenz und als Gästehaus.
1842 erwarb es der deutsche Journalist und Verleger
Johann Georg August Wirth (1798-1848). Er plante, darin seine vorher in der Römerburg gegründete Druckerei fortzuführen. Wegen finanziellen Problemen musster er
1844 das Gut versteigern lassen. Es wurde in den Jahren
1943 und
1944 stark umgebaut und
1981 restauriert.
Felsenburg und Felsenschlössli
Der Bau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts steht an der Gaissbergstrasse. Seit einer Renovation im Jahr
1847 Felsenburg genannt. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Felschenschlössli an der Wasenstrasse. Es wurde noch vor dem Bau des Klosters (
1650) errichtet, kam später in das Eigentum des Stiftes, der darin
1811 eine Schule einrichtete.
Schloss Rosegg
Rosegg.JPG
Das Haus Zur Rosenegg wurde zwischen
1774 und
1784 von
Johann Jakob Bächler (1733-1801) im Stil des Klassizismus erbaut.
1885 wird das Schloss zur Primarschule
Egelshofen.
Persönlichkeiten
- Ludwig Binswanger (1881-1966), Psychiater, geboren in Kreuzlingen
- Fritz Blanke (1900-1967), Kirchenhistoriker, geboren in Kreuzlingen
- Urs Kliby (*1950), Unterhaltungskünstler, lebt in Kreuzlingen
- Emil Staiger (1908-1987), Germanist, geboren in Kreuzlingen
- Jossi Wieler (*1951), Theater- und Opernregisseur, geboren in Kreuzlingen
- Ferdinand Graf von Zeppelin (1838-1917), Luftschiffkonstrukteur, hatte seinen Lebensmittelpunkt in Emmishofen
Literatur
- Kreuzlingen - Kinder, Konsum und Karrieren, 1874-2000 von Eva Büchi, Michael Bürgi, Diane Fischer, Monica Rüthers, Astrid Wüthrich (Herausgeber). Weinfelden 2001.
- Kreuzlingen TG. Alfons Raimann, Albert Knoepfli, Alfred Hungerbühler. Herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 1986.
Weblinks
Ort in der Schweiz | Ort im Kanton Thurgau | Schweizer Gemeinde
Kreuzlingen | Kreuzlingen | Kreuzlingen | Kreuzlingen | Kreuzlingen