bgcolor="#FFFFFF" | Saaremaawappen.gif | Saaremaa-pos.jpg |
|---|
Auf Saaremaa leben etwa 36.000 Einwohner (13,5 je km²), das sind nur etwa 3% der estnischen Bevölkerung. Die isolierende Lage westlich des Festlandes ließ die Insel relativ unberührt von der immensen Russifizierungspolitik der sowjetischen Besatzungszeit, 98% sind Esten, nur etwa 1,2% sind russischer Abstammung, jeweils nur 0,2% sind Ukrainer und Finnen.
Das Verkehrsnetz der Insel ist sehr gut ausgebaut, insgesamt beträgt die Straßenlänge etwa 3.100 km, wobei nur ein Teil der Strecke asphaltiert ist. In den dünn besiedelten Gebieten im Südwesten und Nordosten, sowie im Inselinneren finden sich überwiegend Straßen mit Kiesdecke. Über die Bundesstraße 10 bestehen von Kuressaare aus mehrmals täglich Busverbindungen in die Hauptstadt Tallinn, sowie nach Pärnu und Tartu, die durch den Transport der Reise- und Linienbusse auf der Fähre zwischen Kuivastu und Virtsu aufrechterhalten werden. Schiffsverbindungen zu umliegenden Inseln und zum Festland bestehen über die Häfen in Mõntu (nach Ventspils in Lettland), in Roomassaare (nach Abruka und Ruhnu) und Triigi (nach Sõru auf Hiiumaa). Bei Roomassaare befindet sich der einzige Flughafen der Insel. Die 1.300 Kilometer lange Küste Saaremaas ist weitgehend durch große Halbinseln und vorgelagerte kleinere Inseln (ca. 600) geprägt, die Halbinsel Sõrve (Sworbe) erstreckt sich gar bis zu 30 Kilometer in den Rigaischen Meerbusen und endet im südlichsten Punkt des Archipels im Dorf Sääre, markiert durch einen 52 Meter hohen Leuchtturm aus dem Jahre 1960 (ursprünglich von 1646).
| Saaretuletorn.jpg |
| Ohessaare.jpg |
Saaremaa ist weitgehend durch eine auffallend flache Topografie geprägt, die höchste Erhebung, der Viidu Raunamägi liegt bei Kihelkonna (Kielkond) im Westen der Insel im 1957 gegründeten Naturreservat Viidumäe und erreicht nur etwa 54 m. Wie auch große Teile des Festlandes ist auch Saaremaa dicht bewaldet, etwa 40% der Insel sind von Wäldern bedeckt. Größere Seen sind die Suur Laht (dt. Große Bucht), die Mullutu Laht bei Kuressaare und der Karujärv (dt. Bärensee) bei Kärla (Kergel). Von geologischem Interesse ist der in Steinbrüchen bei Kaarma (Kermel) abgebaute und zu Kunsthandwerk verarbeitete Dolomit.
Der Archipel war noch in der letzten Eiszeit von dichten Eismassen bedeckt, welche unter enormem Druck die Erdkruste unterhalb der Inseln senkten. Mit dem Abschmelzen des Eises hoben sich die Landmassen unter dem geringer werdenden Druck, ein erdgeschichtlicher Vorgang der bis in die Gegenwart andauert, denn Saaremaa gewinnt ca. 2 mm jährlich an Höhe dazu. Die durchschnittliche Höhe der Insel beträgt etwa 15 m über dem Meeresspiegel.
bgcolor="#E8E8E8" | Gemeinde | Fläche | Einwohner | Bevölkerungsdichte | bgcolor="#FFFFFF" | 1 | Kaarma | 400 km² | 4.225 | 10,5 / km² | bgcolor="#FFFFFF" | 2 | Kärla | 218 km² | 1.995 | 9,2 / km² | bgcolor="#FFFFFF" | 3 | Kihelkonna | 246 km² | 1.097 | 4,5 / km² | bgcolor="#FFE7BA" | 4 | Kuressaare | 15 km² | 16.111 | 1.074 / km² | bgcolor="#FFFFFF" | 5 | Laimjala | 116 km² | 934 | 8,0 / km² | bgcolor="#FFFFFF" | 6 | Leisi | 348 km² | 2.521 | 7,2 / km² | bgcolor="#FFFFFF" | 7 | Lümanda | 199 km² | 995 | 5,0 / km² | bgcolor="#FFFFFF" | 8 | Muhu | 206 km² | 2.169 | 10,5 / km² | bgcolor="#FFFFFF" | 9 | Mustjala | 236 km² | 926 | 3,9 / km² | bgcolor="#FFFFFF" | 10 | Orissaare | 136 km² | 2.391 | 17,6 / km² | bgcolor="#FFFFFF" | 11 | Pihtla | 228 km² | 1.616 | 7,1 / km² | bgcolor="#FFFFFF" | 12 | Pöide | 123 km² | 1.134 | 9,2 / km² | bgcolor="#FFFFFF" | 13 | Ruhnu | 11,5 km² | 72 | 6,3 / km² | bgcolor="#FFFFFF" | 14 | Salme | 115 km² | 1.371 | 11,9 / km² | bgcolor="FFFFFF" | 15 | Torgu | 126 km² | 468 | 3,7 / km² | bgcolor="FFFFFF" | 16 | Valjala | 180 km² | 1.653 | 9,2 / km² |
|---|
| Klimadiagr_Vilsandi.jpg |
| Halichoerus grypus male.jpg (Halichoerus grypus)]] |
Im Juli und August erreichen die Temperaturen durchschnittlich Werte um 16-20 °C, teils auch bis 25 °C. Der Februar ist mit einem Durchschnittswert von ca. -4 °C der kälteste Monat auf Saaremaa.
Der wahrscheinlich vor 4000 Jahren eingeschlagene Meteorit wurde zwar in keinen einheimischen Schriften erwähnt, doch hinterließ der Einschlag Spuren in finnischen und skandinavischen Überlieferungen und soll auch vom griechischen Autor Pytheas in seinen Aufzeichnungen erwähnt worden sein. Jedoch haben sich bis heute Mythen in der Bevölkerung Saaremaas erhalten. So soll die Erde hier aus Entsetzen über eine Geschwisterheirat die Traukirche verschlungen haben. Eine andere Sage berichtet von einem Gutsherren, der nach einer zügellosen Orgie samt Gutshof und Feiergesellschaft vom Erdboden verschlungen sein soll.
Dolomite rocks at Kaali main crater.1.jpgfelsen schräg aufgeworfen]]Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden zweifelhafte Theorien über einen Vulkanausbruch und ein vorzeitliches Wasserreservoir. Schließlich konnte der Geologe I. Rheinwald im Jahre 1937 nach Funden verkohlter Holzreste und Meteoritenbruchstücke mit einem Nickelgehalt von 8,3% eindeutig den Einschlag eines Eisenmeteoriten nachweisen.
Weitere Nachforschungen vervollständigten das heute anerkannte Gesamtbild. So wird vermutet, dass ein ursprünglich 400 bis 10.000 Tonnen schwerer Meteorit aus nordöstlicher Richtung mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 45 km/s in die Erdatmosphäre eintrat, durch die auftretende Reibung stetig Masse verlor und schließlich in einer Höhe von etwa 5 bis 10 km in mehrere Fragmente auseinanderbrach. Das größte dieser Fragmente schlug mit einem Gewicht von 20 bis 80 Tonnen und einer Aufprallgeschwindigkeit von 10 bis 20 km/s auf und hinterließ den besagten Krater. Weitere kleinere Bruchstücke verursachten die acht Nebenkrater.
Mit Beginn der Expansionspolitik des Deutschen Ordens im 13. Jahrhundert geriet auch Saaremaa unter Fremdherrschaft, wobei es dem etwa 20.000 Mann starken deutschen Heer erst 1227 gelang, die Inselbevölkerung zu unterwerfen. Jedoch musste der deutsche Orden Teile der Insel bald dem Bistum Ösel-Wiek überlassen, was ständige bewaffnete Auseinandersetzungen beschwor. Der Machtfestigung des Ordens diente vor allem die Errichtung großer Burgen in Kuressaare und Maasi im Nordosten der Insel, von letzterer zeugen allerdings nur noch die Mauerreste. Trotz zahlreicher Erhebungen gegen die Besatzungsmacht gelang es dem Orden, die Oberhoheit über die Insel bis 1559 aufrecht zu erhalten. 1343 gelang den Aufständischen mit der Zerstörung der Ritterburg in Pöide (Peude) einmal die vorübergehende Vertreibung der Deutschen von der Insel. Kuressaarekirik.jpg Im Dreikronenkrieg (1563-1570) zwischen Polen, Schweden und Dänemark fiel Saaremaa schließlich unter dänische Herrschaft. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts wechselten die Machtverhältnisse auf Saaremaa ständig zwischen Dänen, Schweden und den 1710 im Großen Nordischen Krieg die Insel übernehmenden Russen. Die die schwedischen Machthaber erheblich schwächende Pestepidemie, die der Krieg mit sich brachte, dezimierte die Bevölkerung der Insel enorm. In der Stadt Kuressaare überlebten, so wird berichtet, nur elf Menschen die Seuche. Die russische Herrschaft auf Saaremaa währte noch bis zum Ende des Zarenreiches im Jahre 1917.
Die wirtschaftliche Erschließung und Entwicklung Saaremaas wurde vor allem 1858 mit der Eröffnung von Schiffsverbindungen nach Rīga und Sankt Petersburg und 1888 mit der Aufnahme von Fährverbindungen nach Muhu und dem estnischen Festland vorangetrieben. 1894 erfolgte der Bau des Hafens von Roomassaare und zwei Jahre später schließlich mit der Errichtung einer Landbrücke über den Väike Väin (Kleiner Sund) der Anschluss Saaremaas an Muhu. 1912 wurde die selbstständige Energieversorgung mit dem Bau eines Elektrizitätswerkes ermöglicht.
Im Ersten Weltkrieg übernahmen die Deutschen erneut die Bestimmung über die Ostseeinsel, die aber nach der Kapitulation von 1918 wieder abzogen. Mit Erlangung der Unabhängigkeit am 24. Februar 1918 wurde die Insel Teil des neu entstandenen estnischen Staates. Der Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion von 1939 zwang die baltischen Staaten zur Stationierung russischen Militärs auf eigenem Territorium und führte zu einer erneuten Besetzung Estlands. Tehumardi.jpg | 1941-1944 besetzten deutsche Truppen die Insel, zahlreiche Bewohner der Halbinsel Sõrve (Sworbe) wurden deportiert. Während des Zweiten Weltkrieges ereignete sich am 8. Oktober 1944 auf Sõrve eine der erbittertsten Schlachten des Krieges in Estland zwischen den sich von Saaremaa zurückziehenden Deutschen und den von Osten nachrückenden Russen. Heute erinnert bei Tehumardi ein 21 m hohes Mahnmal in Form eines abgebrochenen Schwertes an diese verlustreiche Auseinandersetzung, der Tausende zum Opfer fielen. Dabei wurde nahezu die gesamte Halbinsel dem Erdboden gleichgemacht, alte Geschützstände und verfallene Befestigungsanlagen finden sich noch heute an der Südspitze Sõrves. Die Verwüstungen des Krieges und die Deportationen nach Deutschland und Russland reduzierten die Inselbevölkerung um mehr als 30%.
In der Nachkriegszeit war Saaremaa, bedingt durch die strategisch wichtige Lage an der Westgrenze der UdSSR und durch die massive Präsenz des dort stationierten sowjetischen Militärs (ca. 4000 ha Sperrgebiet), nahezu isoliert vom Festland - selbst Esten benötigten eine Genehmigung, um die Insel zu betreten.
1991, mit der erneuten estnischen Unabhängigkeitserklärung erlangte auch Saaremaa das Recht der Selbstbestimmung und –entwicklung.
Insel (Estland) | Landkreis in Estland | Einschlagkrater (Erde)
Saaremaa | Saaremaa | Saaremaa | Saaremaa | Saaremaa | Saarenmaa | Saaremaa | סארמאה | Saaremaa | Saaremaa | Sarema | Ösel | Saaremaa | Saaremaa | Sarema | Saaremaa | Saaremaa | Ösel | Saaremaa
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Saaremaa".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world