Eiderstedt (dänisch: Ejdersted, friesisch: Ääderstää) ist eine Halbinsel im Kreis Nordfriesland (Schleswig-Holstein) mit circa 30 km Länge und 15 km Breite, die ab ca. 1000 nach Chr. durch Eindeichung (Koog) und Landgewinnung aus den drei Inseln Utholm bei Tating, der Insel Eiderstedt bei Tönning und der Insel Everschop bei Garding gewachsen ist. Westerheversand.jpg Da diese drei Inseln Harden, d.h. eigenständige Verwaltungsbezirke waren, wurde das Gebiet der Halbinsel Eiderstedt ursprünglich auch Dreilande genannt. Die aus dem Schwemmland gewonnenen Böden ermöglichten nicht nur in der Vergangenheit eine überaus einträgliche Landwirtschaft. Heute ist der Tourismus dominierend. Wichtige Orte auf Eiderstedt sind Sankt Peter-Ording, Garding und Tönning. Wahrzeichen der Halbinsel Eiderstedt ist der Leuchtturm Westerheversand. Weitere touristische Attraktionen sind das Katinger Watt, das Eidersperrwerk oder die Seehundsbänke im Wattenmeer.
Die ältesten Funde Eiderstedts stammen von der langgezogenen Garding-Tatinger Nehrung sowie den Sandwällen von Brösum. Diese gehören in die jüngere Steinzeit und Bronzezeit. Hier befinden sich auch Siedlungen und Gräberfelder der Eisenzeit und der Wikingerzeit.
Eine Landnahme der Marschen entlang der Eider erfolgte erstmals im 1./2. Jahrhundert n. Chr. In dieser Zeit entstand die Dorfwarft Tofting, die bis in das 5./6. Jahrhundert besiedelt blieb. Erneute Gründungen von Wurtendörfern setzten im Zusammenhang mit der historisch nicht genau überlieferten Einwanderung von Friesen im 8. Jahrhundert ein. Beispiele dieser Siedlungen sind die Dorfwarften Elisenhof bei Tönning, Olversum und Welt (Eiderstedt).
Im Unterschied zu den hohen Marschen an der Eider bot der mittlere und nördliche Teil der heutigen Halbinsel keine Siedlungsmöglichkeiten, da sich hier seit etwa 500 v. Chr. Moore ausdehnten. Erst nachdem das nördliche Eiderstedt vom Meer überflutet worden war, wuchs um 1000 n. Chr. eine vielfach von Prielen durchzogene Seemarsch auf. Seit dem 12. Jahrhundert entstanden hier Warften im Gebiet von Poppenbüll, Osterhever und Westerhever. Das Wirtschaftsland der Siedler sicherten niedrige Deiche. Den Bereich des mittleren Eiderstedt schützte ebenfalls ein Deich. Dieser umfassende Deichbau erlaubte eine Entwässerung des Sietlandes und damit einen Landesausbau. Hier entstanden Marschhufensiedlungen in Form langgezogener Hofwurtenreihen wie Oldenswort, Uelvesbüll und Witzwort. Ebenfalls die im Erdbuch des dänischen Königs Waldemar II. genannten Inseln Utholm und Westerhever waren bedeicht. Diese Inseln wurden nach dem 13. Jahrhundert an das übrige Eiderstedt angedeicht. Aufgrund der ständigen Bedrohung durch das Meer bildete sich auf Eiderstedt schon früh eine besondere Form der Selbstverwaltung. Die Bedeichung des Landes konnte nur in übergreifender Zusammenarbeit gewährleistet werden. Bereits im Mittelalter standen die Dreilande (eine vierte Insel Hever war nach starken Landverlusten mit dem ebenfalls reduzierten Utholm vereinigt worden) als gemeinsame Einheit da, die ihr eigenes Landschaftsrecht entwickelte. Ursprünglich friesisch besiedelt, war Eiderstedt ein Teil der Uthlande, war aber ab dem 14. Jahrhundert ein fester Bestandteil des Herzogtums Schleswig. Es gab eine gemeinsame Landschaftsversammlung, die von einem landesherrlichen Staller geleitet wurde, und eine weit entwickelte Kirchspielsverwaltung.
Bei den Landesteilungen Schleswigs und Holsteins kam Eiderstedt immer an die Gottorfer Linie, wo es bis 1713 blieb. 1572 wurden Utholm und Everschop zum Westteil mit gemeinsamen Untergericht vereinigt, während das eigentliche Eiderstedt mit Tönning fortan den Ostteil bildete. 1590 wurden Tönning und Garding als Städte formal aus der Landschaft ausgegliedert, blieben jedoch in vielerlei Hinsicht administrativ mit ihr verbunden. Tönning wurde zur Festung ausgebaut.
Das eigene Landschaftsrecht blieb bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches 1900 formal erhalten. 1864 erlebte Eiderstedt jedoch einen tiefen Einschnitt in seiner Geschichte, als das ganze Herzogtum Schleswig preußisch wurde. Obwohl eigentlich zu klein für einen Kreis, beließ die preußische Verwaltung den Eiderstedtern ihre Selbständigkeit auf Kreisebene. Auch wurden im Gegensatz zum übrigen Land keine Kleingemeinden gebildet, sondern die Kirchspiels- und Koogsgemeinden erhalten.
1905 bestand der Kreis, der seinerzeit 332,25 km² und 15.760 Einwohner umfasste, aus den folgenden Einheiten:
1932 wurden die benachbarten Kreise Eiderstedt und Husum zusammengefasst, aus Gründen der Kostenersparnis. Diese Maßnahme wurde, genau wie die Zusammenlegung Norder- und Süderdithmarschens, im folgenden Jahr wieder rückgängig gemacht, während die Auflösung des Kreises Bordesholm und die Verteilung des Gebietes auf die Nachbarkreise bestehen blieb.
1970 wurde Eiderstedt im Zuge der Kreisreform mit dem Kreis Husum und dem Kreis Südtondern zum Kreis Nordfriesland vereinigt.
Siehe auch: Tourismus in Schleswig-Holstein - Amt Eiderstedt
Region in Schleswig-Holstein | Nordfriesland | Halbinsel (Schleswig-Holstein) | Ehemaliger Landkreis in Schleswig-Holstein
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