Kreationismus (von lat. creare = erschaffen) bezeichnet in abrahamitischen Religionen den Glauben, dass die Menschen, das Leben, die Erde und das Universum wörtlich nach der jeweiligen Heiligen Schrift durch den direkten übernatürlichen Eingriff eines Gottes erschaffen wurden. Dies kann sich entweder auf die Schöpfung aus dem Nichts beziehen (ex nihilo) oder die Entstehung von Ordnung aus zuvor existierendem Chaos (Tohuwabohu).
Solche Standpunkte werden zwar manchmal in eine breitere Definition des Begriffs Kreationismus aufgenommen, im allgemeinen jedoch beschränkt er sich auf Auffassungen, welche beanspruchen, dass wissenschaftliche Aspekte für eine solche Schöpfung sprechen (und im allgemeinen gegen die Evolutionstheorie). Im engeren Sinn bezieht sich das auf den Standpunkt, dass die wörtliche Interpretation des im Buch Genesis (bei Christen und Juden) oder im Koran (bei Muslimen) beschriebenen Schöpfungsberichts Ereignisse beschreibt, die so tatsächlich stattgefunden haben. Dies findet sich vorrangig in evangelikalen und in fundamentalistischen Bewegungen des Christentums (oft Freikirchen, auch Teile der Adventisten) und bezieht sich dort auf die Auffassung der Irrtumslosigkeit der Bibel (Fundamentalistische Hermeneutik).
Obwohl der hebräische Urtext so ausgelegt werden kann, dass er die Schöpfung aus dem Nichts (creatio ex nihilo) implizit bestreitet und gemäß einiger Schriftgelehrter sogar widersprüchliche Angaben enthalten kann, sehen einige Juden und Christen die Genesis als Stütze für den Absolutheitsanspruch ihres Schöpfungsglaubens. Sie gehen davon aus, dass die Schrift faktisch zutreffende Aussagen aus der Perspektive Gottes macht, sehen das als 'Augenzeugenbericht' über den Ursprung der Dinge an und versuchen, die Wissenschaft in Einklang damit zu bringen. Jedoch werden die wissenschaftlichen Fakten als eine empirische Informationsquelle über die Naturgeschichte normalerweise im Widerspruch zur Bibel gedeutet, wenn die Bibel so verstanden wird, wie die Kreationisten sie interpretieren. Einige sind auch der Auffassung, dass die Wissenschaft und der empirische Rationalismus grundsätzlich unvereinbar mit dem religiösen Glauben sind und sich diesem deshalb unterordnen sollten.
Der Kreationismus begründet sich im allgemeinen auf religiöser Basis, es gibt darin jedoch eine große Bandbreite von verschiedenen Meinungen dazu, wie die Bibel wörtlich auszulegen ist. Deshalb wird mit dem Kreationismus weitläufig auf eine religiöse, politische und soziale Kampagne hingedeutet, welche eine allgemeine spirituelle Sicht auf die Menschheit vertritt und andere Standpunkte als materialistisch und unterlegen bezeichnet. In dieser Hinsicht und im jeweiligen konkreten Zusammenhang behaupten einige Kritiker, dass der Kreationismus lediglich ein Mittel zur Befürwortung des fundamentalistischen und evangelikalen Christentums und der Abschaffung jeder faktischen Trennung von Kirche und Staat sei. Dieser Konflikt ist am weitesten in den USA verbreitet.
Kreationisten lehnen oft die Sichtweise der Naturwissenschaft im Allgemeinen und bestimmte wissenschaftliche Theorien im Besonderen ab. Dies bezieht sich vor allem auf die Evolutionstheorie und ihre Implikationen für die moderne Evolutionsbiologie. Während die natürliche Selektion vereinbar mit einzelnen kreationistischen Sichtweisen ist, bereitet ihnen die gemeinsame Abstammung – dass Menschen aus Tieren hervorgegangen sind – größere Probleme. Die meisten Kreationisten bestreiten auch die Theorien über den Ursprung des Lebens und der menschlichen Spezies, die geologische Erdgeschichte, die Entwicklung des Sonnensystems und den Ursprung des Universums.
Einige wenige Vertreter einer wörtlichen Auslegung der Schrift betrachten die wissenschaftlichen Mechanismen lediglich als geschaffene Aspekte der Schöpfung und versuchen sie auf ihren Wortlaut zurückzuführen. Sie erkennen die Evolution durch natürliche Auslese an. Auch die wissenschaftlichen Erklärungen für die Ursprünge und Entwicklung des Universums, der Erde und des Lebens werden dabei mehr oder weniger akzeptiert. Diese Richtung wird als Evolutionistischer Kreationismus bezeichnet. Ob und wie weit das noch unter Kreationismus fällt, ist umstritten.
Kreationismus im weiten Sinn bezieht sich auf die gesamte Religionsgeschichte. Im allgemeinen jedoch wird damit Bezug genommen auf die Zeit ab den ersten Widersprüchen zwischen modernen Erkenntnissen der Naturforscher und Vertretern einer wörtlichen Bibelauslegung. Diese ergaben sich vereinzelt ab der Datierung der Größenordnung des Erdalters, in deutlicher Form dann mit der Aufstellung der Evolutionstheorie durch Charles Darwin. Andere Definitionen beziehen sich dagegen auf die Einführung der Evolutionstheorie im Schulunterricht.
Befürworter des Kreationismus beanspruchen, dass ihre Wurzeln in den seit antiken Zeiten aufgeschriebenen Geschichten liegen. Diese Schriften wurden insbesondere in den Religionsbüchern der Thora, der Bibel und im Koran gesammelt, konzentriert und damit weitgehend fixiert. Alle drei Werke verarbeiten die Ansichten der abrahamitischen Religion zu Kosmologie, Welt-, und Naturgeschichte. Arabische bzw. muslimische Gelehrte ergänzten ihre Ansichten zur Schöpfung weiterhin durch Verwendung von griechischen Texten.
Im Mittelalter (ca. 600 n. Chr. bis 1500 n. Chr.) war die Lehre von Juden, Christen und Muslimen stark auf ihre jeweilige Glaubensschrift fixiert, wobei deren Korrektheit nicht zur Diskussion stand. Die meisten Menschen in Europa und dem Nahen Osten sowie anderen Gebieten der islamischen Welt glaubten an ein ewiges göttliches Wesen (bekannt als Gott, JHWH oder Allah), das das gesamte Universum erschaffen habe. Dieser Glaube fußte vor allem auf der Autorität des Buchs Genesis (Thora, Bibel), des Korans und anderen frühen Beschreibungen der Geschichte, die als historisch verlässlich betrachtet wurden. Kreationismus war im weitesten Sinne die vorherrschende Volksmeinung. Hinterfragung galt als Ketzerei oder Gotteslästerung und wurde streng bestraft, so dass sich kein größeres Konfliktpotential entfalten konnte.
Die Renaissance (ca. 15. und 16. Jahrhundert) brachte eine erste qualitative Hinterfragung der biblischen Kosmologie. Mit der Aufklärung kam eine Vielzahl von wissenschaftlichen und philosophischen Bewegungen auf, welche die christlich-traditionellen Ansichten in Europa und Amerika herausforderten. Die Gebiete der Naturgeschichte wurden mit dem Ziel vorangetrieben, den Plan Gottes zu verstehen. Man fand aber Widersprüche, die im revolutionären Frankreich als im Einklang mit der Evolution interpretiert wurden, während anderswo, besonders in England, klerikale Naturforscher nach Erklärungswegen suchten, die im Einklang mit dem biblischen Text standen und damit viele spätere kreationistische Argumente vorwegnahmen. Wissenschaftliche Theorien zum heliozentrischen Weltbild (ca. 16. Jahrhundert) führten in Europa zwar durchaus auch zu Konflikten mit der Kirchenobrigkeit, jedoch stand hierbei vor allem die grundsätzliche inhaltliche Glaubwürdigkeit des Bibeltextes selbst im Fokus. Der kreationistisch relevante Aspekt, ob und wie zu Weltbeginn oder später ein Schöpfergott tätig war, war davon nur indirekt betroffen.
Im 18. und 19. Jahrhundert zogen Naturforscher durch ihre Thesen die biblische Schöpfungsgeschichte immer mehr in Zweifel; sie sahen zunehmend Inhalte dieser Geschichte im Konflikt mit ihren empirischen Beobachtungen, die sie bei der wissenschaftlichen Hinterfragung der Naturgeschichte machten. Als Reaktion auf diese Anfechtung kam mit dem Kreationismus eine Gegenströmung unter den Anhängern der Schöpfungsgeschichte auf, die darauf abzielte, die wörtliche Korrektheit der religiösen Schriften zu rechtfertigen und wieder geltend zu machen, insbesondere die Worte des Buchs Genesis.
Während sich die Ansichten über ein sehr hohes Erdalter gerade weitläufig durch zu setzen begannen, stellte insbesondere Charles Darwins Theorie der natürlichen Selektion (ab 1842) die Beteiligung eines Gottes bei der Erschaffung der Arten in Frage. Sie bildet bis heute einen der wesentlichen Eckpfeiler der Biologie und Mikrobiologie. Vielfach wurde der Versuch unternommen, die Verbreitung von Darwins Theorie zu beschränken oder zu unterbinden, da die mit der Lehre verknüpfte Aufklärungseffekt den entsprechenden Schriften widersprachen. Die jeweiligen Gesetzgeber (wobei Gewaltenteilung und die Trennung Kirche-Staat damals nur bedingt realisiert waren) stellten sich dabei oft auf die Seite der Kreationisten. Dennoch war für die Kreationisten die eigenständige Entwicklung hin zur allgemeinen Etablierung von Darwins Theorie langfristig nicht mehr auf zu halten.
Den letzten Höhepunkt des aufgeworfenen Konflikts bildete der Scopes-Prozess aus dem Jahr 1925 in Dayton, Tennessee, USA bei dem ein Lehrer stellvertretend für aufklärerische Gruppen einen Musterprozess gegen den US-Bundesstaat zum kurz zuvor beschlossenen Bann gegen Darwins Lehre führte. Im Prozess wurde im Ergebnis gegen den Lehrer entschieden, das Urteil jedoch aufgrund von Formfehlern wieder aufgehoben. Beobachter werten die Inhalte das Verfahren selbst als Niederlage für die Anliegen des Kreationismus. In der Folgezeit kam es in den USA meist zu Entscheidungen, die den Verfassungsgrundsatz der Meinungs- und Redefreiheit in den Vordergrund stellten. Darwins Evolutionstheorie wurde in den öffentlichen Schulen der USA dominierend in der Frage des Ursprungs des Lebens.
Der Kurzzeitkreationismus (auch Junge-Erde-Kreationismus oder 24-Stunden-Tag-Theorie) ist der hauptsächlich von evangelikalen und fundamentalistischen Christen, aber auch von ultraorthodoxen Juden vertretene Glaube, dass die Erde von Gott vor wenigen tausend Jahren erschaffen wurde. Anhänger vertreten eine wörtliche Auslegung der Bibel allgemein und des Buchs Genesis im speziellen und interpretieren den Schöpfungsbericht in der Bibel als Tatsachenschilderung. Dabei beziehen sie sich auf den ungefähren Zeitrahmen des Ussher–Lightfood-Kalenders. Dieser wurde vom englischen Erzbischof James Ussher (1581–1656) aufgrund von Lebensläufen und Stammbäumen berechnet, die in der Bibel erwähnt sind. Der Zeitpunkt der Schöpfung ist demnach der 23. Oktober 4004 vor Christi Geburt, was einem Erdalter von rund 6.000 Jahren entspricht. In der Regel gehen Junge-Erde-Kreationisten davon aus, dass die Erde bis etwa 10.000 Jahre alt ist. (Die Auffassungen darüber, ob das Universum das gleiche Alter hat, sind unterschiedlich.) Deshalb werden von ihnen nicht nur radiometrische Altersbestimmung und Isochronmethode abgelehnt mit der Behauptung, sie basierten auf umstrittenen Annahmen, sondern auch Ansätze wie Eiskerndatierung und Dendrochronologie (siehe auch Altersbestimmung (Archäologie)). Stattdessen werden die geologischen Belege hauptsächlich als das Resultat einer globalen Flut erklärt. Manchmal werden auch gängige Thesen wie die Kontinuität der Naturgesetze über historische Zeiträume in Frage gestellt; damit werden alternative Datierungen geologischer und astronomischer Ereignisse erzielt.
In den USA wird diese Sichtweise vom Institute for Creation Research und der Creation Research Society befürwortet, in Deutschland von der Studiengemeinschaft Wort und Wissen, in der Schweiz von ProGenesis. Ein amerikanischer Hauptvertreter ist Kent Hovind.
Es gibt verschiedene Richtungen, welche das Erdalter unterschiedlich erklären:
Die Richtung stimmt einigen Positionen des Langzeitkreationismus zu (wie die Konkordanzhypothese oder Lückentheorie), unterscheidet sich ansonsten aber deutlich von den übrigen Richtungen des Kreationismus, da ihre Vertreter im Allgemeinen die Ergebnisse der modernen Naturwissenschaften akzeptieren. Deshalb wird sie manchmal nicht als Kreationismus eingeordnet, obwohl sich einige ihrer Vertreter so verstehen. Andererseits bestehen deutliche Unterschiede zur Auffassung der großen Konfessionen. Diese lehren, dass die Wissenschaft in gewissem Sinne unabhängig vom Glauben ist. Solche Position vertritt insbesondere die evangelische bzw. protestantischen Kirchen. Nach Auffassung der katholischen Lehre (vgl. Scholastik) übersteigt der Glaube die Naturwissenschaft, kann ihr jedoch nicht widersprechen, da beide auf Gott zurückgehen. Während von außen betrachtet nur wenige Unterschiede dazu zu bestehen scheinen, unterscheidet sich der Evolutionistische Kreationismus inhaltlich dadurch, dass er eine wörtliche Auslegung der Bibel vertritt. Die Aussagen der Evolutionstheorie werden dabei aus dem Bibeltext hergeleitet. Wegen der hauptsächlich rein theologischen Unterschiede ist die Trennung aber manchmal sehr unscharf und es gibt mehrere Zwischenpositionen, die gelegentlich unter dem Oberbegriff Theistische Evolution zusammengefasst werden.
Neo-Kreationisten distanzieren sich selbst betont von anderen Arten des Kreationismus und wollen als eine vollständig vom Kreationismus getrennte Lehre betrachtet werden. Ihr Ziel ist es, den Kreationismus in Begriffen neu zu formulieren, die von der Öffentlichkeit, Bildungspolitik und Wissenschaftsgemeinde besser angenommen werden. Sie zielen darauf ab, ohne religiöse Worte und ohne Bezug auf die jeweilige Heilige Schrift eine Debatte über den Ursprung des Lebens in Gang zu setzen und unter die Menschen zu tragen.
Eine ihrer prinzipiellen Behauptungen ist, dass die in ihren Augen nur scheinbar objektive herkömmliche Wissenschaft in Wirklichkeit eine dogmatische atheistische Religion ist. Sie argumentieren, dass die wissenschaftliche Methodik bestimmte Erklärungen von Phänomenen ausschließt, ihrer Meinung nach insbesondere, wenn übernatürliche Elemente eine Rolle spielen. Dies würde im Ergebnis religiöse Aspekte beim Verständnis des Universums ausschließen. Neo-Kreationisten behaupten auch, dass die Naturwissenschaft ein atheistisches Unterfangen ist und der Grund für viele gegenwärtige soziale Missstände sei (wie soziale Unruhen und das Zerbrechen von Familien).
Im Gegensatz zu den vorangegangenen Kreationisten machen Neo-Kreationisten keine Aussagen über das Erdalter oder die wörtliche Auslegung der Bibel. Allen Arten des Neo-Kreationismus gemeinsam ist die Ablehnung des Naturalismus, normalerweise zusammen mit dem stillschweigenden Eingeständnis des Übernatürlichen, sowie eine offene und oft feindlich ausgerichtete Opposition gegen den von ihnen so bezeichneten Darwinismus, womit sie im allgemeinen die Evolutionstheorie meinen.
Es gibt zwei verbreitete Formen des Neo-Kreationismus.
In den USA, mehr als in der übrigen Welt, ist der Kreationismus zentral in einer politischen Kontroverse zur Unterrichtung des Kreationismus in öffentlichen Schulen verankert, die sich um die staatliche Bildung dreht und um die Frage, ob die Unterrichtung der Evolutionstheorie in unfairer Weise mit der kreationistischen Weltanschauung in Konflikt steht. In den letzten Jahren tritt die Kontroverse in Form der Frage in Erscheinung, ob die Unterstützer der Intelligent-Design-Bewegung, die in naturwissenschaftlichen Fächern „Die Kontroverse unterrichten“ wollen, die Grenzen der Trennung von Staat und Kirche überschritten haben.
Die wortgemäße biblische Schöpfungslehre soll nach Ansicht von Kreationisten gleichberechtigt zur naturwissenschaftlichen Urknalltheorie und Evolutionstheorie im Schulunterricht behandelt werden. Bislang haben Kreationisten ihre stärksten politischen Erfolge in den USA verbucht; sporadisch sind jedoch auch in Europa kreationistische Tendenzen in der Politik zu finden.
US-Präsident George W. Bush hat sich im August 2005 dafür ausgesprochen, dass die Lehre vom „Intelligent Design“ als gleichwertig mit der Evolutionstheorie in den Schulen im Fach Biologie gelehrt werden sollte, da es in öffentlichen Schulen der USA keinen Religionsunterricht gibt. Im US-Bundesstaat Kansas hat die Schulbehörde angeordnet, „Intelligent Design“ gleichberechtigt neben der Evolutionslehre in den Schulen zu unterrichten. Daraufhin haben zwei bedeutende Wissenschaftsverbände, die Nationale Wissenschaftsakademie und der Nationale Verband der Lehrer von Naturwissenschaften das Urheberrecht für ihre Materialien zur Evolutionstheorie den Behörden in Kansas für die Verwendung in Schulbüchern entzogen.
In Italien scheiterte im April 2004 nach Protesten ein Versuch, die Evolutionstheorie aus dem Lehrplan der Mittelstufe zu streichen. Kritiker brachten dies damit in Zusammenhang, dass in den Reihen der Regierungspartei Alleanza Nazionale gegen den Darwinismus als angebliche Grundlage linker Ideologie polemisiert wird. Kritiker sahen darin eine Förderung kreationistischen Gedankenguts. Die Regierung begründete ihren Vorstoß mit einer Straffung des Lehrplans und wies darauf hin, dass die Evolutionstheorie nach wie vor auf dem Lehrplan der Oberschulen stehe. Daneben sind es in Westeuropa vor allem junge Muslime oder muslimische Organisationen, welche die Evolution mit Augenmerk auf das Bildungswesen in Frage stellen. Dabei unterscheidet sich ihre Argumentation allerdings nicht wesentlich von der christlichen.
Die Schöpfungswissenschaft bezieht sich auf Bemühungen von sich selbst als Schöpfungswissenschaftler bezeichnenden Leuten, welche die Wissenschaft nutzen wollen, um die kreationistische Weltanschauung zu stützen. Die Schöpfungswissenschaft wird nahezu von der gesamten Wissenschaftsgemeinde als Pseudowissenschaft beanstandet, da sie mit der gewünschten Antwort anfängt und alle Fakten versucht, in diese vorherbestimmte Schlussfolgerung einzupassen. Nach der Wissenschaftsphilosophie benutzt die Forschung die wissenschaftliche Methodik um nur solche Theorien und Hypothesen zu bilden, die prinzipiell durch Beobachtungen widerlegt werden könnten. Der Wortlaut der Bibel wird jedoch von den Vertretern der Schöpfungswissenschaft als unfehlbar und damit prinzipiell unwiderlegbar angesehen.
Laut einer Umfrage des Pew Forum on Religion and Public Life (2005) glauben etwa 26 Prozent der Bevölkerung, dass sich das Leben über Jahrmillionen durch natürliche Auslese entwickelt habe. Dass ein höheres Wesen die Entwicklung der Lebewesen gesteuert hat, stimmen 18 Prozent zu. Während insgesamt 48 Prozent an eine Entwicklung der Lebewesen glauben, sind 42 Prozent der Ansicht, dass „die Lebewesen seit Anbeginn der Zeit in ihrer heutigen Form existierten“. Außerdem befürwortet die Mehrheit der US-Amerikaner, dass in den Schulen beides nebeneinander gelehrt werden soll.Divided Over Evolution Umfrage in den USA von Pew Forum on Religion & Public Life (en)
Insbesondere die Faktoren Alter und Ausbildung bestimmen dabei die Einstellung der US-Amerikaner. So akzeptieren von den College-Absolventen etwa 40 Prozent die natürliche Auslese im Gegensatz zu 18 Prozent bei den Amerikanern ohne College-Ausbildung. Die Hälfte der Amerikaner mit einem Alter über 65 akzeptiert den Kreationismus, verglichen mit 37 Prozent bei den unter 30-Jährigen.
Die evangelikalen Gruppen betreiben seit geraumer Zeit gezielte politische Lobbyarbeit, um zu erreichen, dass der Kreationismus an den Schulen als gleichberechtigte Alternative zur Evolutionstheorie unterrichtet wird. Es gelang ihnen sogar, den US-Präsident George W. Bush für diese Forderung zu gewinnen.
In den USA dürfen religiöse Lehren in öffentlichen Schulen nicht unterrichtet werden, da dies dort im Konflikt zur Verfassung steht. Daher formulieren viele Kreationisten ihre Sichtweise in Form einer teleologischen Argumentation, setzen dies in Kontrast zu einer eigenen Erklärung auf Basis eines Schöpfers und erheben dafür den Anspruch wissenschaftlicher Aussagekraft. Dabei greifen sie auf ein ideologisches Wissenschaftsverständnis zurück, das mit der wissenschaftlichen Methodik nicht vereinbar und somit pseudowissenschaftlich ist. Kreationisten, die diesen Anspruch erheben, bestreiten diesen Status. Mit der Schöpfungswissenschaft und später Intelligent Design sind vor Gerichten bereits zwei Versuche von Kreationisten gescheitert, diese in den USA an öffentlichen Schulen im Biologieunterricht zu verankern. Zwei führende Wissenschaftsorganisationen in den USA, die National Academy of Sciences und die American Association for the Advancement of Science, bestätigten, dass es keine wissenschaftliche Basis dafür gebe. Die American Civil Liberties Union begrüßte die Entscheidung im Fall Kitzmiller vs. Dover, dass Intelligent Design keine wissenschaftliche Theorie und dessen Unterrichtung in öffentlichen Schulen verfassungswidrig ist.
Wichtige kreationistische Organisationen haben ihren Sitz in den USA, darunter die Creation Research Society.
Im deutschsprachigen Raum gibt es einige kleinere Gruppierungen, die sich an der evangelikalen Bewegung in den USA orientieren. Im Zusammenhang mit ihrem Buch Evolution – ein kritisches Lehrbuch und dem vom evangelikalen Verein „Lernen für die Deutsche und Europäische Zukunft“ dafür vergebenen Deutschen Schulbuchpreis ist der Verein Studiengemeinschaft Wort und Wissen bekannt geworden, der hauptsächlich Positionen des Junge-Erde-Kreationismus vertritt. Kritik erlangte die dabei die nicht erfolgte klare Distanzierung, dass es sich nicht um ein für den Schulunterricht zugelassenes und dafür auch nicht in Erwägung gezogenes Buch handelte. In diesem Kontext erntete auch der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus (der selber römisch-katholisch ist) Kritik, unter anderem von der Opposition im Thüringischen Landtag. Er zeigt sich am Dialog mit Kreationisten interessiert und lud im Herbst 2005 Siegfried Scherer, einen der Autoren des Buchs, zum so genannten „Erfurter Dialog“ in der Thüringer Staatskanzlei ein. Nach kritischen Berichten in regionalen und überregionalen Medien wurde die Einladung Scherers schließlich wieder zurückgezogen.
2003 wurde Wolf-Ekkehard Lönnig, Biologe am Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtung Köln und Zeuge Jehovas, untersagt, von der offiziellen Institutshomepage aus die Intelligent-Design-Idee zu bewerben, nachdem vor allem der Ameisenforscher Bert Hölldobler sowie der profilierte Pflanzenphysiologe und Vorsitzende der AG Evolutionsbiologie des Verbands deutscher Biologen (VdBiol), Ulrich Kutschera, gegen dieses Vorgehen protestierten. Den USA vergleichbare politische Forderungen nach Gleichstellung des Kreationismus mit der Evolutionstheorie an öffentlichen Schulen werden in Deutschland bisher quasi nicht vertreten. Unter den politischen Parteien wird diese Forderung nur von der Partei Bibeltreuer Christen erhoben.
Nach einer vom Factum-Magazin und ProGenesis in Auftrag gegebenen Umfrage des Schweizer Meinungsforschungsinstituts IHA-Gfk nimmt die Interpretation der Bibel, wonach das Universum, die Erde und das Leben vor etwa sechstausend Jahren von Gott erschaffen wurden, jeder Fünfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz wörtlich. Etwa genauso viele stimmen der Ansicht zu, dass es zwar die Evolution gebe, dass sie aber von Gott gesteuert werde. Eine Evolution, wie Darwin sie beschrieb, bei der Gott keine Rolle spielt, erkennt in Deutschland mit 46 Prozent fast jeder Zweite an, in Österreich knapp 41 Prozent, in der Schweiz jeder Dritte (33 Prozent).Gott hat die Hand im Spiel Umfrage von progenesis.ch
Eine von der Giordano Bruno Stiftung in Auftrag gegebene Umfrage spricht in Deutschland von 12,5 % für eine wörtliche Interpretation der Schöpfungsgeschichte und 60,9 % für die reine Evolutionstheorie.Evolution Kreationismus Deutschland 2005 (PDF) Umfrage der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland Die Studie setzt Theistische Evolution und Intelligent Design gleich und gibt für beides zusammen einen Anteil von 25,2 % an.
Er wird heute vor allem in der Türkei im Umfeld der Anhängerschaft von Said Nursi (1876?-1960) gepflegt (siehe auch Nurculuk). Said Nursi machte schon Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Artikel Abhandlung über die Natur einen Versuch, die Evolution zu widerlegen und die Schöpfung zu beweisen. Die Hauptvertreter sind zur Zeit Fethullah Gülen (geb. 1941) und Harun Yahya (eigentlich Adnan Oktar, geb. 1956). Letzterer organisiert mit dem Bilim Araştırma Vakfı (Stiftung für wissenschaftliche Forschung) Konferenzen mit führenden westlichen Kreationisten. Islamische Kreationisten orientieren sich an Intelligent Design, da es keinen der Genesis vergleichbaren Schöpfungsbericht im Koran gibt. Durch das Internet finden ihre Thesen weite Verbreitung, vor allem in Indonesien und Malaysia sowie in der westlichen Diaspora.
In den arabischen Ländern und in Iran ist das Interesse eher gering. Wie im westlichen Kontext wird die Evolutionstheorie in Teilen der islamischen Welt für eine materialistische Lebenseinstellung sowie deren soziale und politische Folgen verantwortlich gemacht.
Viele orthodoxe Juden hingegen hinterfragen die Ansicht, dass man die Wissenschaft und die Bibel durch wissenschaftliche Mittel miteinander in Einklang bringen könne. Für diese Gruppen kann Wissenschaft nur so wahr sein wie die Tora, und wenn sich daraus ein anscheinend unauflöslicher Widerspruch ergibt, dann liege es an dem begrenzten menschlichen Wissen oder Verstehen. Sie verweisen auf diverse Diskrepanzen zwischen dem, was man erwarten würde und dem, was man wissenschaftlich vorfindet, um zu zeigen, dass Dinge nicht immer so sind, wie sie scheinen. Sie weisen darauf hin, dass sogar die Wurzel des hebräischen Wortes für Welt (עולם – olam) verborgen bedeutet. Sie glauben, dass Gott den Menschen, die Pflanzen und das Licht der Sterne in ihrem „erwachsenen Zustand“ geschaffen hat, und dass es keine physikalischen Wege gibt, dies zu verifizieren.
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