Die Krawatte (franz. cravate) oder Schlips, umgangssprachlich auch Kulturstrick und im Zusammenhang mit Uniformen auch noch immer Langbinder genannt, ist ein längliches Stück Stoff, das um den Hals mit einem speziellen Knoten gebunden zu einem Hemd getragen wird. Sie entwickelte sich ursprünglich aus der Krawattenschleife (Fliege), indem ihre Enden immer länger bis zum heutigen Langbinder geschnitten wurden. Sie wird in der Regel über dem Hemdkragen getragen, wobei sie die Knopfleiste auf der Brust verdeckt und daher auch als Schmuckstück und willkommener Farbkontrast zum meist dunklen einfarbigen Anzug angesehen wird.
Eine Sonderform ist der breite Krawattenschal, der – einmal locker geknotet – im offenen Hemdkragen getragen wird und das elegant-legere Markenzeichen vieler Dandys ist. Eine spezielle breite Krawatte zum Cutaway ist der Plastron'', getragen zum Hemd mit Kläppchenkragen. Meist aus grauer Seide und stilecht von einer Plastronnadel mit eingesetzter Perle in Position gehalten.
Neben Stoff (Gewebe aus Seide, Schurwolle, Baumwolle oder Polyester) gibt es Krawatten aus den unterschiedlichsten Materialien, beispielsweise aus Leder, Hanf oder Holz und sogar aus Metall, Glas oder festen Kunststoffen. Die Breite ist modeabhängig, ebenso die endlos vielen Farbkombinationen und Dessins aus Streifen (in England bestimmten Regimentern, Schulen und Clubs zugeordnet), freien Mustern wie zum Beispiel Paisley oder unifarben. Traditionell gehört die Krawatte zur Herrengarderobe, wird heute aber vereinzelt auch von Frauen getragen. Hauptsächlich werden Krawatten zusammen mit einem Business-Anzug im Berufsleben getragen sowie zu besonders feierlichen oder formellen Anlässen (z. B. Hochzeit u. a. Familienfeiern). Krawatten aus Wollstoffen, Leder- und Strickkrawatten werden überwiegend in weniger formeller ländlicher Umgebung getragen.
Eine Krawatte ist etwa 140 cm lang, an ihrem unteren Ende etwa zwei- bis dreimal so breit wie an ihrem oberen Ende, das nach dem Knoten hinter das sichtbare breite Ende gesteckt wird. Dem Knoten der Krawatte kommt neben ihrer Farbe und Form die wichtigste Rolle zu. Es gibt ihn in genau 85 Varianten, die bekanntesten sind der Four-in-Hand, halber/ voller Windsor-Knoten (siehe auch Weblink) und der Manhattan-Knoten. Die Krawatte sollte in der Länge so gebunden werden, dass die Spitze auf Höhe des Hosenbundes oder der Gürtelschnalle zu liegen kommt. Für besonders große Männer gibt es in Spezialgeschäften eigene Größen. Für eine lange Lebensdauer sollte die Krawatte vor jedem Tragen neu gebunden werden und nach dem Tragen sofort wieder geöffnet werden, damit sich der Stoff wieder glätten kann, daher sollte man auch nicht jeden Tag dieselbe Krawatte tragen. Je dicker der Seidenstoff ist, desto einfacher und sicherer läßt sich eine Krawatte binden. Die bei manchen Krawatten am schmalen Ende sichtbare kleine Garnschlinge ist kein Verarbeitungsfehler, sondern ein Zeichen besonders sorgfältiger Verarbeitung.
Seit den 1920er Jahren wird, begründet durch den New Yorker Schneider Jesse Langsdorf, der Stoff diagonal zur Längslinie verarbeitet, weil auf diese Weise der durch Binden und Lösen ausgeübte Zug besser vom Seidenstoff aufgenommen werden kann. Bei den meisten Krawatten wird heute der Oberstoff um eine Einlage, die die Form vorgibt, gefaltet und dann auf der Rückseite geheftet. Selten und besonders arbeitsaufwändig sind die sogenannten „siebengefalteten Krawatten“. Sie bestehen nur aus einem quadratischen Seidentuch, dessen Diagonale die Länge der Krawatte bestimmt. Dieses Tuch wird dann siebenfach gefaltet, bis es so schmal ist, dass man es als Krawatte binden kann und die Faltung auf der Rückseite geheftet.
Hochwertige Geschäfts-Krawatten bestehen meist aus 100 % Seidenstoff und werden heutzutage überwiegend von italienischen Manufakturen in Heimarbeit gefertigt. Bekannte spezialisierte Hersteller sind Edsor Kronen, Charvet und Windsor. Außerdem werden Krawatten unter den Namen aller bekannten Herrenmodeanbieter hergestellt. Exklusive Krawattenhersteller in Deutschland ist die Manufaktur Laco in Hamburg.
Die Krawatte und der Knoten müssen zum Hemdkragen passen. Das heißt: zu einem schmalen Kragen ein kleiner Knoten und zu einem modisch breiten Haifischkragen ein dicker Windsorknoten.
Erste Spuren der Krawatte reichen zwar bis in das alte Ägypten, Griechenland oder auch ins römische Reich zurück. So sind auf der Trajan-Säule in Rom Krieger der Kohorten von Marcus Ulpius Trajanus (53-117), römischer Kaiser von 98 bis zu seinem Tode im Jahr 117, zu sehen, die ein geknotetes Tuch um den Hals tragen. Dies wäre die älteste Darstellung einer Krawatte, hätten nicht im Jahr 1974 chinesische Bauern ganz in der Nähe der alten Kaiserstadt Xi'an beim Brunnenbau eine sensationelle Entdeckung gemacht: sie fanden die inzwischen weltberühmte Terrakotta-Armee des ersten Kaisers von China Qin Shihuangdi (etwa 220 v. Chr.). Die Tonsoldaten sind so lebensecht nachgebildet, dass sogar der Faltenwurf ihrer um den Hals geschlungenen Tücher sichtbar ist.
Die moderne Krawatte aber verdankt ihre Popularität einer Truppenparade im Jahr 1663 vor dem noch im Bau befindlichen Schloss Versailles, an dem der gerade erst 25-jährige, aber schon allem Schönen zugewandte König Ludwig XIV. Frankreich regiert.
Zu dieser Parade war auch ein kroatisches Reiterregiment aufmarschiert, das erst kurz zuvor gemeinsam mit österreichischen Truppen die vordrängenden Osmanen erfolgreich abgewehrt hatte.
Diese kroatischen Reiter trugen der Überlieferung nach ein Stück Stoff („hravatska“), das am Kragen in Form einer Rosette (oder Schleife) befestigt wurde und deren Enden über der Brust hingen. Die Tücher waren aus unterschiedlichen Stoffen: Während Offiziere und Adelige Tücher aus Seide oder feiner Baumwolle trugen, banden sich die einfachen Soldaten Krawatten aus einfacheren, groberen Stoffen um.
Dieser traditionelle, auf charakteristische Weise gebundene Bestandteil der Uniform der Kroaten zog schnell die Aufmerksamkeit des jungen Königs und des gesamten Hofadels auf sich. Ludwig XIV. beschäftigte schon kurz darauf einen eigenen „Cravatier“, dem ausschließlich die Pflege des königlichen Halsschmucks oblag. Mehr noch, der Sonnenkönig machte die „Cravate“ zum Zeichen des Adels und sich selbst damit zum Ahnherren der Krawatte.
Das Wort „Krawatte“ geht auf französisch „cravate“ bzw. „a la croate“ zurück. Dieses wiederum auf das Wort französische „croate“, von deutsch (vor allem Österreich) „Krawåt“ einer mundartlichen Bezeichnung von „Kroate“. Sie wurde auch „croatta“ genannt.
Die Kultur der Krawatte breitete sich im weiteren in England und in ganz Europa aus. Heute hat sie weltweite Verbreitung und entwickelt sich in ihren Ausführungen immer noch weiter.
Zu Weltruhm kam die Stadt Krefeld am Niederrhein mit ihrer Krawattenindustrie. Als Samt- und Seidenstadt beherbergt sie heute noch viele Firmen, die direkt oder indirekt mit der Produktion von Krawatten und Krawattenstoffen zu tun haben, meist hochwertige Modelle. 80 % aller in Deutschland gefertigten Krawatten kommen aus Krefeld. Neben Exclusiv-, Spezial- und Maßschneidereien, kleinen Ateliers und Großfabrikanten produzieren unter anderem diese mehr oder weniger bekannten Marken und Hersteller in Krefeld:
| AC Accessoires | Adamant | Alpi |
| Ambiance | Ascot Karl Moese | Atlas Krawatten Hitschler |
| Metallkrawatten | Starties | Metallkrawatte |
| Club Crawatte Crefeld | Cravatex | Crenova |
| „der flotte boy“ Braune | Feld | Flöhr |
| Güsken | Haucke | HEMLEY Moese & Schwartz |
| Hülbusch | Höhnen | Lord-Krawatte J.Lankes |
| Mainz | Meister-Krawatten | Micro Krawattenfabrik |
| Nolte, Jens | Nolte, Wolfgang | Pantleon & Rixen |
| Pfau-Krawattenfabrik Jochum | Hans Ploenes | Römer |
| Schaefer & te Neues | Schmidt | Schwartz & Co. |
| Seidenfalter-Krawattenfabrik | Seidenweber Krawatten | J.Sieker |
| Tieworker | Carl van Megen | United Silk Mills |
Seit 1965 ehrt das ebenfalls in Krefeld ansässige Krawatteninstitut, zusammen mit dem Deutschen Institut für Herrenmode und der KölnMesse, jedes Jahr eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die durch ihr Erscheinungsbild die Krawatte stilvoll in Szene setzt, mit dem Titel Krawattenmann des Jahres.
Schon im 19. Jahrhundert und dann in den 1920er und 1960er zeigt die Frau den Mut, eine Krawatte zu tragen.
Obwohl sich die Hose schon in Ersten Weltkrieg in der Arbeitskleidung durchgesetzt hatte, bedurfte es erst einer Frau wie Marlene Dietrich, um den Anspruch der Männermode für Frauen zu verkörpern.
In den 1970er und 1980er Jahren wurde die Damenkrawatte als Uniformstück bei einigen deutschen Polizeien eingeführt, wovon aber wieder abgerückt wurde. Wirklich durchsetzen konnte sich die Krawatte für Frauen aber nie. Damenkrawatten werden heute äußerst selten getragen.
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