Im Christentum zählt die Krankenpflege zu den sieben Werken der Barmherzigkeit. Mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10, 25-37) wurde sie jedem Christen zur Pflicht gemacht. Vor allem sorgte man sich um kranke Pilger und baute an fast jeder Station der Pilgerwege ein Hospital. Als mit den Kreuzzügen die Lepra in Europa eingeschleppt wurde, wurden für diese Kranken, Aussätzige genannt, besondere Hospitäler erbaut, ebenso um 1349 für die Opfer der Pest. Viele Heilige wurden durch ihre Leistungen in der Krankenpflege bekannt. Die Vinzentinerinnen setzten sich hauptsächlich zur organisierten Krankenpflege ein. Die erste Krankenpflegeschule im Protestantismus gründete Pastor Theodor Fliedner in Kaiserswerth (Diakonissenhaus).
Die englische Krankenschwester Florence Nightingale erhielt dort in den Jahren 1850/51 eine Ausbildung und richtete nach ihrer Rückkehr vom Krimkrieg 1860 in London die erste konfessionell unabhängige Krankenpflegeschule ein.
Der Schweizer Philantrop Henri Dunant, Ideengeber für das Internationale Rote Kreuz, ließ sich von Nightingales Vorbild inspirieren und richtete ebenfalls Krankenpflegeschulen ein, die weltanschaulich und konfessionell unabhängig waren.
In den letzten Jahrzehnten wurde die Pflege immer mehr auf wissenschaftliche Grundlagen gestellt. Die deutschsprachigen Länder bauen mit großer Verspätung gegenüber den angelsächsischen Ländern die Pflegewissenschaft auf. Gesellschaftlich genießen die Krankenpflegeberufe in Deutschland hohes Ansehen (s. unten im Kapitel Berufsprestige). Die Ausbildung gehört zu den anspruchsvollsten der Nichthochschul-Berufe.
Wichtige Vertreter/innen des Berufes
zur Berufsausbildung in der Schweiz: Dipl. Pflegefachfrau/Dipl.Pflegefachmann
zur Berufsausbildung in Italien: Laureatsstudiengang in Krankenpflege an der Fakultät für Medizin und Chirurgie
Die Aufteilung der Pflege in Fachrichtungen wie Gesundh.- und Krankenpflege, Kinderkranken- oder Altenpflege ist eine deutsche Besonderheit. In anderen Ländern gibt es zunächst eine Praxisdiziplin, die Pflege (vgl: frz: Soin infirmier, engl: nursing).
Fortbildung ist die regelmäßige Auffrischung von Wissen und Kenntnissen, die in der Grund-Ausbildung erlernt wurden und meist direkt das eigene Arbeitsfeld betreffen. Gerade im Gesundheitswesen sind Fortbildungen aufgrund ständig neuer Erkenntnisse in Medizin, und neuerdings auch der Pflegeforschung, sehr wichtig. Durch Fortbildung werden keine neuen Abschlüsse erworben, es wird meist nur erfolgreiche Teilnahme bescheinigt.
Weiterbildung in der Pflege hat das Ziel einer Zusatz-Qualifizierung, um sich beruflich weiterzuentwickeln und/oder um aufzusteigen. Die Weiterbildung endet meist mit einer Prüfung und führt zu einer neuen Berufsbezeichnung.
Nach den Grundausbildungen in Krankenpflege (GuK) oder Kinderkrankenpflege (KGuK) etc. existieren als weiterführende Ausbildungsmöglichkeiten die so genannten Fachweiterbildungen z.B. "Geprüfte Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege". Inzwischen gibt es für nahezu jede spezialisierte Richtung im Krankenhaus Fachweiterbildungen. Aber auch im ambulanten Bereich schreitet die Differenzierung voran. Die bekanntesten sind die für die Bereiche Kinderkrankenpflege, Onkologie, Chirurgie, Schmerztherapie, Anästhesie, Intensivpflege und Psychiatrie. Dies wird hier exemplarisch an der Fachweiterbildung für Psychiatrie dargestellt:
Zugangsvoraussetzungen sind die erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum/r Gesundheits- und Krankenpfleger/-in sowie der Nachweis über zwei Jahre Berufserfahrung in einer psychiatrischen Einrichtung. Die Weiterbildung selbst dauert zwei Jahre und findet berufsbegleitend statt. In diesen zwei Jahren muss man vier Bereiche in der Psychiatrie (z. B. Aufnahmestation, Institutsambulanz, Gerontopsychiatrie und stationäre Suchtbehandlung) absolviert haben. Die Bereiche können mit der jeweiligen Weiterbildungsstätte ausgehandelt werden. Für jeden Bereich bekommt man eine spezielle Aufgabe (Praxisberichte) von seiten der Weiterbildungsstätte zur Bearbeitung gestellt (examensrelevant). Die Weiterbildung schließt mit mündlichen, schriftlichen und praktischen Prüfungen ab. Anschließend darf man je nach landesrechtlicher Ordnung den Titel "Fachkrankenschwester/-pfleger für Psychiatrie" führen.
Neben diesen fachbereichsbezogenen Weiterbildungen gibt es noch weitere Möglichkeiten. Wer außerhalb der praktischen Pflege im Krankenhaus mit seiner Ausbildung weiterarbeiten möchte, kann sich z. B. zur Hygienefachkraft oder zum Case-Manager fortbilden.
Weiterqualifizierungsmöglichkeit sind auch die akademischen Studiengänge der Pflegewissenschaft, Pflegepädagogik und des Pflegemanagers/Pflegewirtes. Tätigkeiten in Pflegeforschungseinrichtungen, Pflegedienstleitungen oder Ausbildungseinrichtungen (z. B. Krankenpflegeschulen) setzen immer häufiger ein abgeschlossenes Studium voraus.
Die hohen ethischen Anforderungen und die in manchen Bereichen von Mangel und kalter Kosteneffizienz geprägte Berufswirklichkeit erzeugen für viele in diesem Beruf eine schwer auszuhaltende Spannung. Das Ideal des Helfers führt oft dazu, dass Pflegepersonal materielle und organisatorische Mängel durch erhöhtes Engagement auszugleichen versucht. Langfristig führt dies aber zusammen mit einer oft hohen körperlichen Belastung nicht selten in eine Berufsunzufriedenheit und letztlich Berufsflucht. In wenigen anderen Berufen ist die Verweildauer ausgelernter Kräfte im Beruf so gering, wie in Pflegeberufen, besonders in der Altenpflege.
Die Bezahlung in den Pflegeberufen wird im Verhältnis zur physischen und psychischen Beanspruchung oft als eher gering empfunden; durch verschiedene Zulagen wird zwar das Arbeitseinkommen aufgebessert, meist wirken sich solche Zulagen aber später beim Rentenanspruch nicht aus.
Seit Jahren gibt es eine öffentliche Diskussion, ob die tägliche Belastung der in den Pflegeberufen Tätigen dauerhaft das zumutbare Maß überschreite. Scheinbare oder wirkliche Pflegefehler werden angesichts solcher Diskussion gelegentlich als "Pflegeskandal" in die Schlagzeilen gebracht.
In der Tat kann übermäßig hohe Beanspruchung des Pflegepersonals erfahrungsgemäß zu Pflegefehlern führen. Ebenso kann der Verzicht auf eine (noch oder ergänzend) mögliche natürliche Nahrungsaufnahme zugunsten einer automatischen maschinellen Nahrungszufuhr wegen mangelnder Pflegekapazität die Frage nach einer menschenwürdigen Behandlung der Patienten auslösen.
Die Top-10-Reihenfolge in der Allensbacher Berufsprestige-Skala 2005Institut für Demoskopie Allensbach: Allensbacher Berichte. Nr. 12/2005:
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