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Das Kraftwerk Kaprun oder Kraftwerk Glockner-Kaprun ist ein Gruppe von Wasserkraftwerken in den Hohen Tauern im Bundesland Salzburg in Österreich. Errichtet und betrieben wurde es von der Tauernkraftwerke AG. Seit 1999 gehört es zur Austrian Hydro Power AG

Funktionsweise


Das Elektrizitätswerk Kaprun ist ein Speicherkraftwerk mit der Möglichkeit des Pumpbetriebes und erzeugt elektrischen Strom zur Abdeckung der Spitzenlast. Die Kraftwerksgruppe besteht aus:

Sie verfügt derzeit über eine installierte Leistung von 330 MW zur Stromerzeugung und 130 MW für den Pumpbetrieb. Das Regelarbeitsvermögen beträgt jährlich 742 Millionen kWh (einschließlich Pumpwälzbetrieb). Das Wasser, das in den Kraftwerken zur Stromerzeugung genutzt wird, ist großteils Schmelzwasser des Pasterzengletschers des Großglockners, des höchsten Berges Österreichs. Dieses Wasser wird im Stausee Margaritze gesammelt und in den Stausee Mooserboden übergeleitet, zuerst in der Oberstufe abgearbeitet, im Stausee Wasserfallboden gespeichert und nochmals in der Hauptstufe abgearbeitet.
Die Elektrizitätswerke werden von der Zentralwarte in Kaprun aus überwacht und fernbedient.

Oberstufe

Limberg

Das Krafthaus Limberg steht direkt am Fuße der Limbergsperre und benutzt das Wasser aus dem Stausee Mooserboden zur Erzeugung von elektrischem Strom. Im Pumpbetrieb wird Wasser vom Stausee Wasserfallboden in den Stausee Mooserboden gepumpt.

Kraftwerkstyp: Pumpspeicherwerk

Regelarbeitsvermögen: 166,1 Mio kWh
Max. Leistung: 112.800 kW
Maschinensätze: 2 mit horizontaler Welle
Turbinen: Francis-Turbinen
Mittlere Rohfallhöhe: 365 m
Durchfluss: 36 m³/s
Speicherpumpen: 2 Radialpumpen
Inbetriebnahme: 1954/1955

Limberg II

Das Pumpspeicherkraftwerk Limberg II wird ab 2007 parallel zum bestehendem Kraftwerk Limberg errichtet. Die Anlagen werden komplett unterirdisch in Kavernen untergebracht.

Kraftwerkstyp: Pumpspeicherwerk

Max. Leistung Turbinenbetrieb: 480.000 kW
Max. Leistung Pumpbetrieb: 480.000 kW
Maschinensätze: 2 Pumptubinen mit vertikaler Welle un Motorgenerator
Mittlere Rohfallhöhe: 365 m
Durchfluss: 144 m³/s
Inbetriebnahme: 2011/2012

Hauptstufe

Das Wasser des Speichers Wasserfallboden strömt durch 7,7 km lange Stollen und weiter durch eine 1.200 Meter lange, viersträngige Druckrohrleitung zum Krafthaus, wo 4 Maschinen Strom produzieren.

Kraftwerkstyp: Speicherkraftwerk
Regelarbeitsvermögen: 499,0 Mio kWh
Max. Leistung: 220.000 kW
Maschinensätze: 4 mit horizontaler Welle
Turbinen: Doppel-Pelton-Turbinen
Mittlere Rohfallhöhe: 858 m
Ausbaudurchfluß: 32,5 m³/s
Inbetriebnahme: 1952

Kraftwerk Klammsee

Das Kraftwerk Klammsee dient der Eigenbedarfsversorgung der Kraftwerksgruppe Kaprun.

Kraftwerkstyp: Laufkraftwerk
Regelarbeitsvermögen: 3,4 Mio kWh
Max. Leistung: 500 kW
Maschinensätze: 2 mit horizontaler Welle
Turbinen: Francis-Spiralturbinen
Mittlere Rohfallhöhe: 65 m
Durchfluß: 1 m³/s

Geschichte


Aufbauend auf Plänen aus den 1920er Jahren, begann der Bau in Kaprun 1938, unmittelbar nach der Machtübernahme durch das NS-Regime. Mit der Leitung und Planung wurde der überzeugte Nationalsozialist und Parteimitglied der ersten Stunde Dipl.-Ing. Dr. Hermann Grengg betraut, der dem Projekt bis zu seiner Internierung im Zuge der Entnazifizierung 1946 treu blieb.

Kaprun_powerplant_03.JPG Durch den massiven Einsatz von insgesamt mehr als 10.000 Zwangs- und Fremdarbeitern, von denen 56 an der Großbaustelle ihr Leben ließen, konnte bis Kriegsende bereits ein Drittel des Gesamtprojekts fertiggestellt werden.

In der Nachkriegszeit herrschte extreme Stromknappheit weshalb der Strom häufig abgeschaltet werden musste. Der Weiterbau des Tauernkraftwerks wurde daher gleich zu Beginn des Europäischen Wiederaufbau-Programms als besonders dringlich anerkannt. Die Pläne wurden 1:1 übernommen, das Projekt von Kaprun-Großglockner in Großglockner-Kaprun umbenannt. Anfänglich litten die Bauarbeiten unter einem Mangel an Arbeitern. Schließlich wurden Kriegs- und Strafgefangene sowie mittels eigener Kampagnen angeworbene Arbeiter eingesetzt und die Arbeiten konnten fortgesetzt werden. 161 von ihnen kamen während der Bauarbeiten zwischen 1947 und 1955 ums Leben.

Ab 1947 wurde das Projekt mit enormen Mitteln aus dem ERP-Fond gefördert (1,43 Mrd. Schilling). Beim Bau des Oberstufenkraftwerks (Mooserboden) bremsten die US-Experten zunächst die Vergabe weiterer ERP-Kredite, weil sie die Wirtschaftlichkeit des Projekts anzweifelten. Sie forderten stattdessen den Bau einer Hochspannungsleitung über den Arlberg, um die Energie der Vorarlberger Illwerke AG im eigenen Land zu nutzen. Für Österreich war Kaprun aber zu einer so wichtigen Prestigefrage geworden, dass sich die amerikanischen Partner umstimmen ließen. Am 24. September 1955 wurde das Kraftwerk feierlich eröffnet.

Schon in der NS-Zeit propagandistisch unterstützt, entwickelte sich Kaprun in den Nachkriegsjahren, vielmehr aber noch nach seiner Eröffnung, zu einem Sinnbild des Österreichischen Wiederaufbaus, das sich durch bestimmte Faktoren auszeichnete:

  • In Kaprun arbeiteten alle zusammen, alle waren Kameraden, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrer Aufgabe auf der Baustelle. Ob Minenarbeiter oder führender Ingenieur, sie kämpften Seite an Seite für die gemeinsame Sache
  • Kaprun wurde als Krieg inszeniert. Der Mensch kämpfte gegen die Natur, die schließlich mit Hilfe der Technik erfolgreich bezwungen wurde. Den zahlreichen Opfern wurde wie Gefallenen gedacht, die im Kampf für die gemeinsame Sache ihr Leben gelassen hatten. Auf dem Denkmal für die verunglückten Bauarbeiter ist zu lesen: „Aus Arbeit und Opfer ein Werk“

Die Kriegsmetaphern boten für die im Krieg sozialisierte Bevölkerung, ähnlich der Opferthese, ein breitenwirksames Identifikationspotential, die Erzählung von den geeinten Arbeitern erinnern in ihrer Rhetorik stark an die Nationalsozialistische Volksgemeinschaft, hatte aber auf die neu zu schaffende Identität eine einigende Wirkung. Vor der Kulisse der Alpen konnte so der Sieg eines geeinten Volkes über einen scheinbar übermächtigen, naturgegebenen Gegner inszeniert werden, ein Sieg, der sowohl 1938 als auch 1945 verwehrt blieb.

In den 1970ern ist eine Transformation des Mythos festzustellen, die Technik (die riesigen Staumauern und das Krafthaus) tritt auf den Photographien immer weiter in den Hintergrund, die Aufmerksamkeit richtet sich fast ausschließlich auf die Landschaft. Der Sieg des Menschen über die Natur ist nicht mehr erstrebenswert (vgl. Besetzung der Hainburger Au), die Alpen und die dort geschaffene "Gedächtnislandschaft" kann aber nach wie vor ihre Wirkung entfalten.

Siehe auch


Weblinks


Speicherkraftwerk | Pumpspeicherkraftwerk

 

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