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Ein Kouros (auch: Kuros; Plural Kouroi) ist in der griechischen Kunst der Archaik die Statue eines jungen Mannes, das männliche Pendant zur Kore. Während die Kore in der Regel mit einem Peplos bekleidet ist, war der Kouros in der Regel unbekleidet. Kourosfiguren gab es seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. bis zum Einsetzen des Strengen Stils um 480 v. Chr., der die Klassik einleitete.
Sowohl die archaische Kore als auch der Kouros zeichnen sich durch eine strenge Symmetrie und Frontalität aus, dem Achsensystem des so genannten Dipylon-Meisters entsprechend. Die Kopfhaltung ist auf den Betrachter gerichtet. Seitliche Drehungen des Kopfes, die sich vom Betrachter abwenden, finden wir weder bei den Kouroi noch bei den Koren. Die Extremitäten sind wenig bewegt. Oft finden wir eine vorgetäuschte Schreithaltung vor wie bei der Kolossalstatue des so genannten Sunion-Kriegers. Die Gesichter der archaischen Kouroi erscheinen uns als relativ stereotyp. Es gibt auch männliche reife Gestalten, die ebenfalls in Marmor dargestellt wurden. Von den Kouroi unterscheiden sie sich im Gesicht durch den Bart, der bei diesen wiederum nicht vorhanden ist. Vermutlich waren die Statuen bemalt. Dafür könnte der so genannte Kritios-Knabe ein Hinweis sein, an dessen Haaransatz sich Farbreste befinden. Die Kouroi finden sich zum einen in Heiligtümern als Votive, zum anderen wurden sie auf Gräbern aufgestellt.
Bild:Samoskouros Statue.JPG|Samoskouros Statue aus dem Samos Archaeological Museum in Griechenland
Bild:Kouros Statue in Athen.jpg|Kouros Statue aus dem National Archaeological Museum in Athen
Bild:Kouros Statue Seitenansicht.jpg|Seitenansicht der Kouros Statue aus dem Thebes Archaeological Museum
Abweichende Formen
Im der
mittelalterlichen Architektur Nordeuropas finden sich in Kirchen
Säulen, wo die Mannsgestalt gewissermaßen scheinbar aus der Säule heraustritt. Sie ist eigentlich nicht mehr in den Tragevorgang des lastenden Architekturteiles einbezogen und läßt sich somit nicht unter die
Atlanten rechnen. Die Last wird über das
Kapitell auf die gesamte Säule übertragen. Sie hat hier nur rein dekorative Bedeutung der Säule, aus der sie herausgearbeitet worden ist. Nur in dieser Eigenschaft besitzt sie eine raumgliedernde Funktion. Die Bekleidung der Frauenfiguren ist nordisch und nicht
mediterran. Am Beispiel der Domkirche von
Lund in
Schweden ist an einer Säulenbasis eine hockende Frauengestalt zu sehen mit einem neugeborenen Kind im Arm, die sich um den Säulenschaft klammert. Als Kouros beziehungsweise
Kore im Sinne der reinen griechischen Tradition lassen sich solche Darstellungen auch nicht bezeichnen.
Image:Jätten Finn i Lunds domkyrka.jpg|Säule aus dem Innern der Domkirche in Lund (Detailansicht)
Image:Lund7.jpg|Säule aus dem Innern der Domkirche (Frontalansicht)
Image:Lund8.jpg|Säulenbasis mit hockender Frau mit Kind
Bild:Lunds domkyrka.jpg|Aussenansicht der Domkirche in Lund
Dass sie aus der Tradition der griechischen oder römischen Architektur dort Eingang fanden, ist zwar denkbar, jedoch unwahrscheinlich. Die Wahrheit sieht in diesem Falle so aus: Im Jahr 1103/04 errichtete
Paschalis II. (Papst) auf dänische Initiative das Erzbistum Lund. Daher entstand der Dom zu Lund, der auch der älteste von
Skandinavien ist. Es gibt eine sogenannte "Finn"-Skulptur in der
Krypta. Es handelt sich dabei um einen
Riesen, mit dem
St. Laurentius einen Pakt zum Bau der Kirche abgeschlossen haben soll, infolgedessen er seine Augen verlöre, wenn er des Riesen Namen nicht bis zur Fertigstellung errate. Er belauschte die Frau im Gespräch mit ihrem Sohn und hörte den Namen "Finn". Er rief den Riesen beim Namen, worauf er und seine Familie in die Krypta sprangen und dort zu Stein erstarrten.
Literatur
- Gisela M. A. Richter: Kouroi. Archaic Greek youths. A study of the development of the kouros type in Greek sculpture. 3. ed. Phaidon, London 1970. Nachdr. Hacker, New York 1988. ISBN 0-87817-317-X
- Helmut Kyrieleis: Der große Kuros von Samos. Habelt, Bonn 1996. (Samos, Bd. 10) ISBN 3-7749-2771-5
Weblinks
- http://viamus.uni-goettingen.de/fr/sammlung/ab_rundgang/q/02 -- „Kurossaal“ der Gipsabgusssammlung Göttingen
Archäologischer Fachbegriff | Bildende Kunst
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