Ein Korrespondent (v. frz.: correspondre; urspr. lat.: cor-respondere, korrespondieren, in Verbindung stehen) ist ein Journalist, der fest angestellt oder als Freier Mitarbeiter, für Printmedien, Hörfunk, Fernsehen, Nachrichtenagenturen oder Online-Redaktionen außerhalb einer Redaktion dauerhaft oder für einen bestimmten Zeitraum über ein Land, eine Region oder über besondere Ereignisse berichtet. Es gibt Korrespondenten im In- und im Ausland, wobei die fest angestellten im Allgemeinen über ein eigenes Büro und Mitarbeiter verfügen.
Die großen überregionalen Printmedien sowie Fernsehsender mit eigenen Nachrichtensendungen haben eigene Korrespondenten in der Bundeshauptstadt. In den Landeshauptstädten sind nur die regionalen Medien ständig vertreten. Außerdem gibt es eine große Zahl freier Journalisten.
Über diese Problematik hat der Spiegel-Korrespondent Jürgen Leinemann 1995 (damals noch über Bonn) kritisch und selbstkritisch geschrieben: "Mit dieser hehren Vorstellung ging ich nach Bonn: Man müßte Auslandskorrespondent im eigenen Land sein. Distanz halten. Als Anwalt der Bürger den Mächtigen auf die Finger gucken. (...) Am Anfang sei es ja auch noch gegangen, sagen meine Freunde draußen im Lande. (...) Aber schon bald hätte ich geklungen, als sei Bonn meine Mannschaft. (...) Die offizielle Arena für diese kurzgeschlossene politische Kommunikation ist die Bundespressekonferenz. Das ist die Bühne, die etwa 800 in Bonn akkreditierte deutsche Journalisten geschaffen haben, um dreimal die Woche Politiker zu ritualisierter Befragung einladen zu können. (...) Halboffiziell verdichtet sich der intime Dialog in knapp hundert 'Kreisen' und 'Zirkeln', in denen Politiker auf Einladung schwätzen, ohne etwas gesagt haben zu wollen." (Jürgen Leinemann: Ritchie und Rita und ich, in: Spiegel special, Die Journalisten, 1995)
Hans-Ulrich Jörges, stellvertretender Chefredakteur des Stern und Leiter des Hauptstadtbüros, spricht von "Kumpanei" zwischen Politikern und Journalisten. Er legt Wert auf die Feststellung, dass er keinen Politiker duze und auch keinem Hintergrundzirkel angehöre. In einem taz-Artikel erinnert er sich, dass Anfang der 1980er Jahre "aufstrebende Politiker mit aufstrebenden Journalisten" in einer Bonner Kneipe zusammengesessen und "den Wahlsieg 1998 dann als gemeinsamen Aufstieg an die Macht" erlebt hätten. (Quelle: Jens König: Große Populisten & kleine Eliten, taz vom 2. April 2004)
Das größte Netz von Auslandsstudios unterhält in Deutschland die ARD. Überregionale Zeitungen und größere Fernsehsender haben eigene Auslandskorrespondenten in für wichtig gehaltenen Ländern und Regionen, während kleinere Verlage sich häufig an "Korrespondenten-Pools" beteiligen, wobei ein Korrespondent alle Zeitungen eines Pools beliefert. Außerdem gibt es sehr viele freie Korrespondenten, die ihre Artikel anbieten und Aufträge annehmen. Die festen Korrespondenten sind häufig nicht nur für ein Land zuständig, sondern für eine ganze Region oder sogar einen Kontinent. So gibt es Auslandsbüros für Osteuropa, Nahost oder Lateinamerika. In diesen Fällen sind die Korrespondenten auf verlässliche einheimische Mitarbeiter und Informanten angewiesen. Sie recherchieren Themen, stellen Kontakte her und bereiten Fernsehproduktionen vor.
Die meisten festen Auslandskorrespondenten arbeiten drei bis sieben Jahre an einem Standort und kehren dann in die Heimatredaktion zurück oder wechseln in ein anderes Land. Das soll eine zu feste Einbindung in Strukturen des Berichtslandes und zu große Routine verhindern.
Auslandskorrespondenten beklagen häufig, dass sich das Interesse der Medien auf wenige Themenkomplexe beschränkt, die man für publikumswirksam hält, und andere Themenangebote abgelehnt werden. Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild über die Realität der Berichtsländer. Die Berichterstattung über Afrika beschränkt sich so häufig auf Kriege, Katastrophen und Hungersnöte. Matthias Matussek schreibt: "Jeder weiß, daß Afrika mehr ist als Hunger und Seuchen, Fernost mehr als Fleiß und Uniformen, Russland mehr als Ikonen und Armut, Amerika mehr als Glamour und Verfall. Doch jeder weiß ebenso, daß es diese Geschichten sind, die in den vergröbernden Sortierungen des heimischen Marktes hängen bleiben: Nichts liest man zu Hause lieber als das, was man sich schon immer gedacht hat. Und nichts, so läßt sich mit einiger Sicherheit vermuten, landet schneller im Heft oder auf einem Sendeplatz als die Bestätigung eines Vorurteils." (Matthias Matussek: Die Wahrheit über Amerika, Spiegel special, Die Journalisten, 1995)
Ein nicht zu unterschätzendes Problem stellt die Tatsache dar, dass ein Korrespondent oft für mehr als ein Dutzend Länder zuständig ist und er seine wesentlichen Informationen aus den dortigen Medien erhält. Diese werden häufig lediglich übersetzt und ohne weitere Recherche in die Heimat übermittelt. Die Auslandskorrespondentin Susanne Gelhard war im ZDF-Studio Wien ab 1992 für die Berichterstattung über zwölf Länder in Mittel- und Südosteuropa verantwortlich. Der Korrespondent Peter Puhlmann äußerte in einem Interview: "Wir betreuen mehr als 20 Länder, darunter Mexiko, Zentralamerika, die Karibik und das nördliche Südamerika. Eigentlich sind wir eher ein Reisebüro, weil wir immer unterwegs sind". (Quelle siehe Weblinks)
So bleibt die gründliche Recherche fast zwangsläufig auf der Strecke. "Besonders problematisch ist der journalistische Jet-Set, der aus ökonomischen Gründen (niedrigere Personalkosten) den Ausladskorrespondenten alter Prägung immer mehr zu verdrängen scheint. Diese Journalisten, die von einer Krise zur nächsten und von Hauptstadt zu Hauptstadt hetzen, haben gar nicht die Zeit für tiefschürfende Recherche", moniert Michael Kunczik in seinem Aufsatz über Auslandsberichterstattung im Fernsehen (Quelle siehe Weblinks).
Die zunehmende Geschwindigkeit der Nachrichtenübermittlung und der Aktualitätsdruck durch die Konkurrenz der Medien - vor allem der Fernsehsender - kommen als weitere Faktoren hinzu. "Mittlerweile vergehen oft nur wenige Minuten zwischen einem Ereignis und den ersten Bildern. Oder das Ereignis wird gleich live präsentiert. (...) Bei ZDF und ARD und dauert die 'nachrichtenfreie' Zeit nachts nur noch etwa fünf Stunden", kritisiert Susanne Gelhard (Quelle siehe Weblinks).
Als erster Kriegsreporter gilt William Howard Russell, der 1854 für die Times vom Krimkrieg berichtete. Vorher waren Offiziere mit der Aufgabe betraut worden, schriftliche Berichte für die Presse zu verfassen, die mit der Post geschickt wurden. Eine Folge dieser neuen realistischen Schilderungen war, dass der britische Oberkommandierende, General William John Codrington, im Februar 1856 die Zensur einführte.
Im Vietnamkrieg unterlagen die amerikanischen Reporter keiner Zensur, und die Berichterstattung führte letztlich zu erheblichem Druck der Öffentlichkeit auf die amerikanische Regierung; noch heute gibt es die Auffassung, der Krieg sei an der "Heimatfront" verloren worden. Diese Erfahrung führte dazu, dass die US-Regierung bereits in den 1980er Jahren strikte Regeln für die Berichterstattung im Kriegsfall aufstellte und das so genannte Pool-System entwickelte. Es wurde in dieser Form erstmals im Golfkrieg angewandt, und zwar auf alle westlichen Journalisten.
Zu Beginn des Irak-Kriegs 2003 erweiterte die USA dieses Pool-System und erlaubte einer begrenzten Zahl von Journalisten, die alliierten Streitkräfte als so genannte Embedded Journalists direkt im Einsatz zu begleiten, quasi als nicht bewaffneter Teil der Truppe.
Die embedded journalists waren zwar unbewaffnet, aber uniformiert, und daher für Dritte nicht von den Soldaten der Alliierten zu unterscheiden. Die Eingliederung in die Truppe erschwert - unabhängig von der Zensur - eine objektive Berichterstattung eher als dass sie sie fördert.
Die Zensurpraxis der Alliierten und der Umgang mit den Berichterstattern ist nach dem Golfkrieg in Europa öffentlich diskutiert und auch heftig kritisiert worden. Es wurde bekannt, dass das Militär teilweise auch gezielt falsche Informationen verbreitet hatte (ebenso wie die irakische Seite). Den Journalisten wurde vorgeworfen, zu unkritisch berichtet und dazu beigetragen zu haben, Krieg als "Medienspektakel" zu inszenieren. Der Golfkrieg war weltweit der erste Krieg, dessen erste Bombenangriffe live im Fernsehen übertragen wurden, in den USA zu besten Sendezeit. Dabei soll der ABC-Reporter Gary Shephard gesagt haben: "Es ist das größte Feuerwerk, das ich je sah. Das ist wie Silvester, es ist phantastisch." (Zitat nach Stefan Storz: Schöner neuer Krieg, Spiegel special, Die Journalisten, 1995)
Kritische Worte zur eigenen Rolle gab es von einer ganzen Reihe von Journalisten. In einer Erklärung der Grimme-Preisträger 2003 hieß es: "Wir düfen uns nicht zu Waffenerklärern und Amateurstrategen instumentalisieren lassen. (...) Die wahren Bilder des Krieges sind nicht startende Jets, grün phosphorisierende Nachtsichten, Militärkarten oder die letzten Videobilder ferngesteuerter Waffen vor ihrem zerstörerischen Einschlag. (...) Lasst uns nicht die Wahrheit mit Worthülsen verdecken. Hinter den 'Kollateralschäden' liegen tote Zivilisten, ein 'Militärschlag' ist ein zerstörerischer Bombenangriff und 'chirurgische Operationen' zerfetzen und verstümmeln Menschen. Es gibt keine 'intelligenten' Waffen. (...)" (zitiert nach epd-Entwicklungspolitik 7/2003, S. 36)
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