Die kornische Sprache (auch: Kernewek, Kernowek oder Kernuak) ist eine dem Walisischen und Bretonischen nahe verwandte keltische Sprache, die bis ins späte 18. Jahrhundert in Cornwall gesprochen und im 20. Jahrhundert wiederbelebt wurde. Der Name der Sprache Kernowek bzw. Kernewek (< britann. *kornobiaka) leitet sich, wie auch der Landesname, von den spätantiken Bewohnern Cornwalls, den Cornovii, ab.
Die letzte bekannte Muttersprachlerin des Kornischen, Dolly Pentreath aus Mousehole (korn. Porthenys), starb im Jahre 1777. Sie wurde lange Zeit als „die letzte Sprecherin“ gehandelt, weil sie in einem Reisebericht des englischen Antiquars Daines Barrington aufgetaucht war. Dieser hatte „die letzten“ Sprecher des Kornischen gesucht, war an sie verwiesen worden, und auf die Frage, ob sie ihre Muttersprache noch beherrsche, überschüttete sie ihn mit kornischen Schimpfworten. Allerdings ist Dolly Pentreath die letzte namentlich bekannte Muttersprachlerin des traditionellen Kornisch; sie gab selbst an, das Englische erst im Alter von 12 Jahren erlernt zu haben.
1891 starb John Davey, dessen Verwandte von ihm behaupteten, er sei die letzte Person gewesen, die Kornisch flüssig beherrschte. Das dürfte nicht den Tatsachen entsprochen haben; Davey verdanken wir allerdings die Überlieferung einiger verballhornter Fragmente des Spätkornischen. Einzelne Sprachelemente hatten sich jedoch in einigen Berufszweigen noch deutlich länger im Sprachgebrauch erhalten, etwa der Brauch, gefangene Fische auf Kornisch zu zählen.
Das heutige „Neokornisch“ ist eine Rekonstruktion der ausgestorbenen Sprache mit Hilfe der Überlieferungen und schriftlichen Zeugnissen, aus denen ein großer Teil des neokornischen Lexikons (70%) rekonstruiert wurde. Da das erhaltene mittelkornische Korpus wesentlich umfangreicher ist als das des Spätkornischen, entstammen ihm auch die meisten Wörter. Auch innerhalb des aus dem traditionellen Kornischen überlieferten Lexikon finden sich neben britannischen Erbworten je ca. 10% vulgärlateinischer und englischer Lehnwortanteil. Ein bedeutender Teil (25%) des neokornischen Lexikons wurde den verwandten Sprachen Kymrisch und Bretonisch entlehnt bzw. analog konstruiert. 5% kommen aus dem Englischen, daneben existieren auch kornische Entlehnungen internationaler Termini v.a. lateinischen und griechischen Ursprungs. Die Sprache ist bei weitem nicht so reich dokumentiert wie das biblische Hebräisch, das im Gegensatz zum Kornischen nie gänzlich außer Verkehr kam. Puristen unter Keltologen und Sprachwissenschaftlern stehen dem heutigen Kornischen sehr kritisch gegenüber, da sie es für unauthentisch halten, wobei ähnliches natürlich auch über das heutige israelische Ivrith gesagt werden kann. Eine Sprachbewegung bemüht sich derzeit um die Wiederbelebung, hat sich aber in den 1980er Jahren in mehrere konkurrierende Gruppen aufgespalten, die verschiedene Orthographien benutzen (s.u.). Eine von der britischen Regierung in Auftrag gegebene Studie (s.u.) kam auf etwa 250 Personen, die die Sprache fließend beherrschten, weitere ca. 3.000 (< 0,7% der Bevölkerung Cornwalls) haben teils nur minimale Grundkenntnisse erworben. Da vor der erwähnten Studie nie Sprecherzahlen erhoben wurden, finden sich in älterer Literatur meist Phantasieannahmen, denen deutlich das Wunschdenken der Nationalisten anzumerken ist. Die Anzahl der Familien, in denen Kinder mit kornischer Muttersprache aufwachsen, belief sich 2000 auf gezählte 13.
Ein massives Problem der Sprachbewegung besteht in ihrer Zersplitterung: Eine von der britischen Regierung in Auftrag gegebene Studie (MacKinnon-Report 2000) ergab ca. 250 flüssige Sprecher, die sich auf drei verfeindete Gruppen aufteilten, die jede ihre eigene Variante des Neokornischen verwendete. Derzeit sind folgende Varianten (und Orthographien) in Gebrauch:
Abgesehen von zweisprachigen Orts- und Straßenschildern gibt es von offizieller Seite derzeit kaum Bemühungen zur Verbreitung dieser Sprache. Allerdings ist das Kornische mittlerweile von der britischen Regierung als Minderheitensprache anerkannt worden.
Kornisch darf auf freiwilliger Basis an Schulen unterrichtet werden, vorausgesetzt, dass sich ein entsprechender Lehrer findet. Außerdem können offizielle Prüfungen in dieser Sprache verfasst werden.
In den Medien ist Kornisch lediglich durch ein fünfminütiges wöchentliches Radioprogramm vertreten. (*)
Kleine Sprechergemeinden existieren unter Nachfahren kornischer Auswanderer in London, Australien und den USA.
Um ca. 600 wurden die Sprachgebiete des Kornischen und des Walisischen durch den angelsächsischen Vormarsch nach Westen räumlich getrennt. Die erste Entwicklungsstufe in der Geschichte des Kornischen als eigener Sprache, die bis ca. 900 angesetzt wird, bezeichnet man als Frühkornisch.
Das Kornische bildet gemeinsam mit dem Bretonischen die südwestbritannische Gruppe der inselkeltischen Sprachen. Mit dem Bretonischen hat es vor allem den Vokal /ø/ gemeinsam, der sich aus dem britannischen langen /a:/ entwickelt hat. Vom Bretonischen unterscheidet es sich wiederum zunächst vor allem durch die Entwicklung von auslautendem /t/ > /s/ und /d/ > /z/. Beispiel: bret. tad (dt. „Vater“) vs. korn. tas /ta:z/.
Als Altkornisch wird die Periode von 900 bis 1200 bezeichnet. Sie ist vor allem durch Glossen sowie das Vocabularium Cornicum belegt, ein lateinisch-altkornisches Wörterbuch.
Die mittelkornische Periode wird von 1200 bis ca. 1600 angesetzt. In dieser Zeit begann zwar schon der schnelle Rückzug der kornischen Sprachgrenze nach Westen, es handelt sich aber um die literarisch produktivste Phase, in auch von der höchsten Sprecherzahl ausgegangen werden kann. Ken George setzt diese bei einem Maximum von ca. 35.000 Personen im Spätmittelalter an – zuvor war das Land zu dünn besiedelt, danach wechselten immer mehr Familien ihre Sprache, und das Englische begann, das Kornische zu verdrängen. Die wichtigsten Primärquellen für das Mittelkornische sind Dramen, und zwar fast ausschließlich Mysterienspiele, die aus dem Umfeld einer konkret bestimmbaren Schule stammen – des Kollegiums von Glasney (die kornischen Titel im folgenden Absatz sind in der Kemmyn-Orthographie gehalten):
Nach der Reformation wurde das Kollegium von Glasney geschlossen, und die Tradition der Mysterienspiele verfiel. Das Sprachgebiet umfasste im 17. Jahrhundert nur noch den westlichsten Teil Cornwalls, und in vielen Quellen aus dieser Zeit zeigen sich für Halbsprecher (Personen, die die Sprache nicht vollständig erlernt haben) typische Verfallserscheinungen in Lexikon, Phonologie und Morphologie. Diese Phase des Aussterbens der Sprache wird als spätkornische Periode bezeichnet. Kennzeichnend für das Spätkornische sind außer der geringen Kompetenz vieler Sprecher die Umstellung der Morphologie in Richtung analytischer Bildungen (konjugierte Präpositionen werden durch Präposition + Personalpronomen ersetzt) und charakteristische Wandel im phonologischen System. Am auffälligsten sind wohl die präokkludierten Nasalkonsonanten:
mittelkorn. pen > spätkorn. pedn (dt. „Kopf“), mam > mabm (dt. „Mutter“)
Die orthographische Tradition des Mittelkornischen wurde nicht mehr weitergegeben, weswegen sich die Schreiber des Spätkornischen mit einer englischen Hilfsrechtschreibung behelfen mussten. Der walisische Sprachwissenschafter Edward Lhuyd, der Cornwall in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts bereiste, entwarf eine phonetische Umschrift für das Spätkornische, die in Teilen von einigen Enthusiasten aufgegriffen wurde. Diese Gruppe von Autoren hat spätkornische Texte aus verschiedenen Genres hinterlassen – vor allem jedoch Prosa. Das bedeutet, dass Sprachebene und Vokabular der spätkornischen Texte sich stärker von denen der mittelkornischen Quellen unterscheiden, als dies rein durch Sprachwandelphänomene der Fall wäre, da die meisten der spätkornischen Autoren keine Muttersprachler waren und das Kornische nur unvollkommen beherrschten. Das ist für die verschiedenen neokornischen Rekonstruktionsmodelle insofern von Belang, als sie sich an verschiedenen Sprachstufen orientieren und nur im Kernowek Unys Amendys versucht wird, alle belegten Phasen in der Geschichte des Kornischen gleichermaßen einzubeziehen.
Die letzten Muttersprachler, welche die Sprache noch einwandfrei beherrschten, dürften vor 1800 gestorben sein, die letzten Halbsprecher im Laufe des 19. Jahrhunderts. Die letzte bekannte erwachsene monoglotte Sprecherin, Cheston Marchant, starb im Jahr 1676.
Die verschiedenen Varianten des heute gesprochenen, wiederbelebten Kornischen werden unter den Begriffen Neukornisch oder Neokornisch (s. o.) zusammengefasst. Alle Varianten des Neokornischen mit Ausnahme des Nowedga orientieren sich morphologisch primär am Mittelkornischen. Um fehlende – da nicht überlieferte – Vokabeln zu ersetzen bzw. neue Konzepte zu benennen, werden je nach Variante verschiedene Methoden angewandt: Puristen orientieren sich am Walisischen und Bretonischen, während Pragmatiker eher Worte aus dem Englischen entlehnen (was die Sprecher des traditionellen Kornischen auch getan haben).
Die Aufsplitterung in verschiedene Gruppen ist allerdings insofern weniger problematisch, als es zunächst vielleicht aussieht, als in der gesprochenen Sprache sehr wohl gegenseitige Verständigung möglich ist, was nicht zuletzt daran liegt, dass alle heutigen Sprecher Kornisch mit starkem englischen Akzent sprechen: iw statt /y:/ und * statt /ø:/ sind beispielsweise auch in den Varianten üblich, die sich am Mittelkornischen orientieren und eigentlich die Verwendung gerundeter Vokale vorsehen. Es gibt also einige Argumente dafür, nicht von verschiedenen wiederbelebten Sprachen zu sprechen, sondern von Dialekten bzw. Soziolekten derselben Sprache. Auch lassen sich mittlerweile Harmonisierungstendenzen beobachten, indem etwa die mittelkornische Form als „literarisch“, die entsprechende spätkornische Form als „umgangssprachlich“ bezeichnet und beide nebeneinander unterrichtet werden. Dieser Tendenz folgt auch das erste deutschsprachige Lehrbuch des wiederbelebten Kornischen, Kornisch - Wort für Wort von Daniel Ryan-Prohaska, das 2006 erscheinen soll. In diesem Buch wird eine auf dem mittelkornischen basierende Orthographie (UCR) neben einer spätkornisch beeinflußten neokornischen Aussprache unterrichtet.
Die folgende Darstellung gibt das in N.J.A. Williams' englisch-kornischem Wörterbuch (2000) abgebildete System wieder und bezieht sich auf Kernowek Unys Amendys (UCR). Zur tatsächlichen phonetischen Realisation aller Varianten im Alltag ist anzumerken, dass die Aussprache der allermeisten Sprecher des Neokornischen starke englische Interferenzen aufweist.
Konsonanten
UCR kennt keine Geminaten, aber Fortis-Varianten N, R, L mit der Realisation dn, rh, lh auf der Allophonebene.
| Bilabial | Labiodental | Dental / Alveolar | Palatal | Velar | Labiovelar | Glottal | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Plosiv | p b | t d | k g | ||||
| Nasal | m | n | ŋ | ||||
| Frikativ | f v | θ ð / s z / ʃ ʒ | x | h | |||
| Approximant | ɹ | j | ʍ w | ||||
| Lateralapproximant | l | ||||||
Vokale
Im UCR werden zwei Vokallängen unterschieden (im Kemmyn drei: kurz, halblang, lang bzw. /V, V', V:/). Unbetonte Kurzvokale werden meistens als * realisiert, das daneben aber auch Phonemstatus hat.
| Vokale | ||
|---|---|---|
| i(:) y(:) | u(:) | |
| ε(:) œ (:( | ə | ɔ(:) |
| æ(:) | ||
| aw, ɔw, iw, əj, ɔj, i:ə | ||
Kernewek Kemmyn ist generell archaischer als UCR und unterscheidet drei statt zwei Vokallängen, zwei verschiedene o-Phoneme /o, ɔ/ sowie geminierte von einfachen Konsonanten.
| Konsonanten | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| p b | t d | k g (kʷ gʷ) | |||
| tʃ dʒ | |||||
| f v | θ ð | s (z) | ʃ | x (ʍ) | h |
| m | n | ||||
| r l | j | w |
| Vokale | ||
|---|---|---|
| i(:) y(:) | u(:) | |
| ɪ(:) | o: ɤ | |
| ε(:) œ(:) | ɔ(:) | |
| a(:) | ||
| iw ɪw εw aw ɔw εj aj ɔj | ||
Iwan Wmffre (in: Late Cornish, München 1998) hat das Phonemsystem des Spätkornischen folgendermaßen rekonstruiert:
| Konsonanten | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| p b | t d | k g (kʷ gʷ) | |||
| tʃ dʒ | |||||
| f v | θ ð | s z | ʃ ʒ | (ħ) (ʍ) | h |
| m | n | ||||
| r l | j | w |
| Vokale | ||
|---|---|---|
| i(:) | u(:) | |
| ε(:) | ə | ɔ(:) |
| a(:) | ||
| iw εw ɔw aw əj (oj) | ||
Wmffre ist sich nicht sicher, ob es sich bei um ein Allophon von /s/ oder ein eigenes Phonem /z/ handelt. Außerdem dürfte /ħ/ (der Reflex des Altkornischen /x/) mit /h/ [h, Ø zusammengefallen sein.
Einzelsprache | Keltische Sprache
Kornies | Kornisch | Córnicu | Корнская мова | Kerneveureg | Còrnic | Kornština | Cernyweg | Kornisk | Pow Sows | Cornish language | Kornvala lingvo | Idioma córnico | Kornuallesera | Kornin kieli | Cornique | Coirnis | קורנית (שפה) | Lingua cornica | コーンウォール語 | 콘월어 | Kernewek | Lingua Cornovica | Cornish | Cornisch | Kornisk språk | Cornic | Język kornijski | Língua córnica | Pow Sows | Корнский язык | Cornish language | Korniska | 康瓦爾語
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