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Albrecht_Duerer_Kopftuch.jpg Ein Kopftuch ist ein Stück Stoff, mit dem der Kopf bedeckt wird. Ein Kopftuch kann aus vielfältigen Gründen getragen werden: zum Beispiel zum Schutz vor der Witterung (Kälte, Hitze, Wüstenwind) oder damit die Haare nicht bei der Arbeit stören, aber auch als Zierde oder als modisches Accessoire. In manchen Kulturen besitzt das Kopftuch religiöse Bedeutung. Das Kopftuch kann auch ein Kleidercode sein, das der Identitätsbildung dient.

Vorrangig werden Kopftücher von Frauen und Kindern getragen, aber es gibt auch Kopftücher für Männer. Besonders für kleine Kinder ist die Schutzfunktion eines Kopftuches oder einer anderen Kopfbedeckung wichtig.

Kopftücher für Frauen


Das Tragen von Kopftüchern war bis in die 1970er und 1980er Jahre zumindest regional üblich und entsprach der Mode. Später verdrängten andere Kleidungsstücke wie zum Beispiel Hüte oder Mützen das Kopftuch weitgehend. Weiterhin werden Kopftücher heute vorrangig aus religiösen und traditionellen Gründen getragen.

Zum Verdrängen des Kopftuches trug bei, dass viele aus modischen Gründen auf Kopfbedeckungen jeglicher Art selbst bei starker Sonne oder großer Kälte verzichteten.

Christliche Religion

Im heutigen Christentum kennt man das Kopftuch als Teil der katholischen Ordenskleidung bei Ordensschwestern.

Kopftücher finden sich daneben nur bei Kirchbesuchen von Frauen in einigen wenigen protestantischen evangelikalen Freikirchen in Deutschland; werden aber ansonsten im Alltag, Berufs- und Privatleben selbst von Frauen in Freikirchen nur selten mehr aus religiösen Gründen getragen.

Das Bedecken des Kopfes während des Gebets wurde bis vor ca. 100 Jahren noch in vielen christlichen Kirchen praktiziert. In vereinzelten Brüdergemeinden und Apostolischen Pfingstgemeinden und in den Gemeinden der baptistischen Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion bedecken viele Frauen bis heute ihren Kopf beim Gebet und beziehen sich hierbei auf die Bibelstelle aus 1. Korinther 11:5 "Ein Weib aber, das da betet oder weissagt mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt." In manchen orthodoxen Kirchen tragen Frauen und Ordensschwestern beim Besuch der Kirche ein Habit mit einer Kopfbedeckung.

Moslemische Religion

Kopftuch.jpgViele konservative oder traditionell verbundene oder aus traditionellen Familien stammende muslimische Frauen tragen ein Kopftuch nicht nur beim Moscheebesuch sondern auch im Alltag, einen so genannten Tschador (persisch) oder Hidschab bzw. Hijab (arabisch), als Teil der Glaubenspraxis.

Die Begründung für das Tragen eines Kopftuchs durch Frauen ergibt sich für konservative und traditionell verbundene Muslime aus dem Koran, Sure 24:31, der Frauen dazu aufruft, ihre Reize – soweit sie nicht normalerweise sichtbar sind – vor Männern, die nicht mit ihnen verwandt oder verheiratet sind, zu verbergen. Der Koran spricht hier davon, dass "sie ihr Gewand über ihre Brust ziehen sollen und ihr Haupt bedecken sollen".

Demgegenüber interpretieren liberal geprägte oder politisch linksorientierte Muslime diese Stelle im Koran nicht als Pflicht, ein Kopftuch zu tragen. Insbesondere in der jüngeren Generation der islamischen Frauen in Europa wird das Kopftuch zunehmend nicht als eine Pflicht angesehen, die sich aus dem Koran ergibt.

Das islamische Kopftuch ist auch nicht in allen muslimischen Ländern verbreitet: in Zentralasien bzw. den ehemaligen Sowjetrepubliken wird es nur begrenzt getragen, ebendso in Indonesien und in Westafrika ist das Kopftuch in islamischen Ländern seltener anzutreffen.

Das im Koran bezeichnete Gewand benutzten Frauen damals für den Ausgang, es bezeichnet aber auch eine Kopfbedeckung. Es werden zusätzlich Berichte über das Leben des Propheten Mohammed hinzugezogen. Die Mehrheit der Korangelehrten bezieht sich auch auf Ibn Abbas, einen Wegbegleiter Mohammeds, der gesagt haben soll, dass „was normalerweise sichtbar ist“ sich auf „Gesicht und Hände“ bezieht, diese daher nicht bedeckt werden müssen. Eine kleinere Anzahl von Muslimen lehrt jedoch, dass die Frauen sich komplett verhüllen müssen, was eben auch das Gesicht und die Hände mit einschließt.

Bei den Aleviten, einer eigenständigen Glaubensgemeinschaft, tragen die Frauen kein Kopftuch. In der laizistisch und muslimisch geprägten Türkei besteht für Lehrer, Schüler und Studenten sogar ein Kopftuchverbot in öffentlichen Institutionen und an der Universität. Dieses staatliche Verbot in der Türkei ist höchstgerichtlich bestätigt worden. Am 17.05.2006 wurde in Ankara ein Richter erschossen, der diesem Gericht angehörte.

Eine besonders extreme Form des verschleiernden Kopftuchs für Frauen ist die Burka bzw. Burqa, die sogar die Augen hinter einem Netz versteckt. Dies war üblich in Afghanistan unter dem Taliban-Regime gewesen. Eine weitere häufig verbreitete Version im Nahen Osten ist die Kombination aus Kopftuch (Hidschab) und Niqab, wobei hier ein zusätzlicher Gesichtsschleier getragen wird oder das Kopftuch über das Gesicht gelegt wird. Die Augen der Trägerin bleiben frei bzw. werden nur durch leichte Stoffschichten verhüllt.

Das Kopftuchgebot soll laut konservativer/traditioneller Auslegung des Korans, die Würde der muslimischen Frauen schützen. Es soll zum gegenseitigen respektvollem Umgang der Männer und Frauen beitragen. Ihm steht das gegenseitige Senken des Blicks zwischen Männern und Frauen gegenüber (Sure 24:30). Kritiker sehen dieses Senken des Blicks jedoch oft mit weit weniger Nachdruck befolgt als das Kopftuchgebot.

Das Kopftuch und sein Symbolgehalt bei muslimischen Frauen ist zentraler Bestandteil des Kopftuchstreits.

In Deutschland urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen an Schulen nur seitens der einzelnen Bundesländer erlassen werden könne. Von dieser Möglichkeit machen einige Bundesländer mittlerweile Gebrauch.

Jüdische Religion

Im orthodoxen Judentum bedecken verheiratete Frauen ihr Haar aus religiösen Gründen mit einem Tuch oder einer Perücke.

Hinduistische Religion

Frauen aus dem indischen Raum (Hindus) tragen oft einen Sari, wobei ebenfalls die Haare mit einem langen Stück Stoff bedeckt werden.

Kritik

  • das Kopftuch stelle heute oftmals ein Mittel zu religiöser Repression dar oder
  • das Kopftuch der Frauen stehe im Gegensatz zur individuellen Selbstbestimmung
  • das Kopftuch verhindere die Gleichberechtigung von Frauen
  • das Kopftuch fördere das Patriarchat des Mannes
  • das Kopftuch behindere die Entfaltungsfreiheit der Frauen in Mode und offener Haargestaltung
  • das Kopftuch sei eine psychologische Barriere bei der Kontaktaufnahme mit fremden Menschen
  • das Kopftuch sei generell nicht religiös begründbar
  • das Kopftuch sei in gemäßigten Breiten der Erde wenig sinnvoll und sei nur eine Folge des Schutzes vor Sonneneinstrahlung und Sand in Wüstengebieten
  • das Kopftuch sei nur Mittel in einem angeblichen Kuturkampf der Zivilisationen
  • das Kopftuch sei ein Hindernis beim Hören, falls es so getragen wird, daß auch die Ohren verhüllt sind
  • das Kopfuch provoziere Nichtmuslime
  • das Kopftuch führe zu Gruppendruck und Einordnung in eine Gruppe
  • das Kopftuch behindere Kreativität der Frauen
  • das Kopftuch sei nur Ausdruck einer rechtskonservativen Haltung und sei nur politisch motiviert
  • das Kopftuch sei das "Zeichen, das Frauen zu Menschen zweiter Klasse mache" (Alice Schwarzer)
  • das Kopftuch sei das "Zeichen des Islamismus"

Kopftücher für Männer


Männer der Saharavölker wie der Tuareg, Peul, Tukulor und Mauretanier, bedecken den Kopf mit Tuch und Gesichtsschleier – oft in Turbanform. Der Turban der Tuareg, die als Berbervolk nomadisch in den Staaten Algerien, Libyen, Niger, Mali, Burkina Faso und Nigeria leben, wird Schesch genannt. Er besteht aus einer rechteckigen Stoffbahn, die zwischen vier und zehn Metern lang ist. Im Gegensatz zu den weiblichen Verschleierungen durch Burka und Tschador, ist in der traditionell matriarchalisch geprägten Gesellschaft der Tuareg das Gesicht des Mannes vermummt. Kunstvoll wird der Gesichtsschleier um den Kopf gewickelt – lediglich die Augen bleiben frei. Die Kopfbedeckung schützt vor Sonne, Wind und Sand, hat jedoch auch die Funktion, den Mund als unreine Körperöffnung zu verdecken. Im arabischen Raum tragen Männer als übliche Kopfbedeckungen die Kufiya in rotweiß oder schwarzweiß gemusterter oder einfarbiger Art und Weise.

In westlichen Ländern findet sich gelegentlich das Bandana oder Bandanna (von Hindi bandhana, dt. "binden") als modisches Accessoire oder als Schutz vor Sonnenstrahlung, das in der Art eines Piraten-Kopftuchs getragen wird.

Kopftuch und Kultur


Es sind hauptsächlich kulturelle (zum Beispiel auf dem Klima beruhende) und religiöse Hintergründe, die als Motivation für das Tragen eines Kopftuches sprechen, aus unterschiedlichen Motiven, aber als Teil der Identität der Träger und Trägerinnen. Ähnliches kennt man von den männlichen Sikhs und ihrem obligatorischen Turban.

In Deutschland trugen bis vor kurzer Zeit viele Frauen das Kopftuch aus Tradition. Ein Kopftuch, schwarz, farbig, oft auch prachtvoll bestickt, gehörte zu vielen traditionellen Trachten. Heute sieht man jedoch nur noch sehr selten eine elegante Dame, die ein edles Seidentuch als Kopftuch trägt.

Kulturell war die Bedeutung des Kopftuchs bzw. des Schleiers in allen Teilen der Welt einem starken Wandel unterlegen. Neben dem praktischen Nutzen diente es auch der Abgrenzung zwischen Gesellschaftsschichten und der Darstellung der Lebenssituation. Derzeit wird versucht, das Kopftuch als politisches Symbol zu instrumentalisieren, siehe dazu den Artikel Kopftuchstreit.

Herkunft


Das Kopftuch (bandana) wurde ebenso wie der Pyjama oder der Kummerbund von Europa aus Indien übernommen und erfreute sich großer Beliebtheit.

Literatur


  • Mag. Monika Höglinger (Ethnologin); Verschleierte Lebenswelten, http://www.hoeglinger.com/kopftuch/buch.htm 2002, 2.Auflage 2003, ISBN 3-902300-03-5

Weblinks


Islamische Tradition, politische, kulturelle und religiöse Aspekte

Das Acessoire des Islam - Frankfurter Allgemeine Zeitung]
  • http://www.epd.de/index_43656.html (Alice Schwarzer gegen Kopftuch an Schulen)

Frankfurt a.M. (epd). Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hat sich dafür ausgesprochen, das Kopftuch für muslimische Schülerinnen und Lehrerinnen in Deutschland zu verbieten. Darin sollte sich Deutschland an Ländern wie Frankreich ein Beispiel nehmen, sagte die Gründerin der Frauenzeitschrift "Emma" in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagsausgabe). Schwarzer: "Das Kopftuch ist die Flagge des Islamismus."

Das Kopftuch sei das Zeichen, dass die Frauen "zu Menschen zweiter Klasse macht", fügte Schwarzer hinzu: "Als Symbol ist es eine Art "Branding', vergleichbar mit dem Judenstern." Real seien Kopftuch und Ganzkörperschleier eine schwere Behinderung und Einschränkung für die Bewegung und die Kommunikation. (07904/4.7.2006)

Trachten

Siehe auch: Kopftuchstreit, Liste der Kleidungsstücke, Kopftuchurteil

Kopfbedeckung | Religiöse Kleidung | Headscarf

 

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