Karte oranienburg in deutschland.png | KZ Sachsenhausen-Turm A.jpg KZ Sachsenhausen war der Name eines ab 1936 eingerichteten nationalsozialistischen Konzentrationslagers im Oranienburger Ortsteil Sandhausen (heute Sachsenhausen).
Es ist weder örtlich noch zeitlich identisch mit dem KZ Oranienburg, das bereits 1933/34 mitten in Oranienburg als Lager für politische Gefangene errichtet wurde.
Das Konzentrationslager Sachsenhausen wurde 1936/37 auf Befehl der SS durch Häftlinge erbaut und nahm eine Sonderrolle unter den nationalsozialistischen Konzentrationslagern ein. In diesem Musterlager erfolgte die Ausbildung von SS-Wachmannschaften, die später in anderen Konzentrationslagern eingesetzt wurden.
In etwa 100 Außenlagern leisteten die Häftlinge Zwangsarbeit, vor allem in der Rüstungsindustrie. Im Sommer 1945 diente das Revier des ehemaligen KZ Sachsenhausen als Übergangs-Lazarett für ehemalige Häftlinge und andere Opfer des Krieges, die auf Grund ihres Gesundheitszustandes nicht in die Heimat zurückkehren konnten. Im August 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das KZ Sachsenhausen von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) bis 1950 als Internierungslager (Speziallager Nr. 7) verwendet.
Unter den etwa 60.000 inhaftierten Menschen befanden sich NS-Funktionäre der unteren und mittleren Ebene, Wehrmachtsangehörige, Jugendliche unter "Werwolf-Verdacht", Gegner der neuen politischen Ordnung und völlig willkürlich Verhaftete. Nach bisherigen Erkenntnissen starben dort mindestens 12.000 Häftlinge an Unterernährung, Krankheiten, psychischer und physischer Entkräftung. Das Speziallager Nr. 1 wurde als letztes 1950 geschlossen. Die Kasernierte Volkspolizei übernahm 1950 das Gelände als Kaserne.
1955 kamen durch einen Spendenmarkenverkauf des Kuratoriums für den Aufbau nationaler Gedenkstätten in kurzer Zeit zwei Millionen Mark zusammen. Es wurden Aufträge für die Gestaltung einer Gedenkstätte in Sachsenhausen vergeben. Beteiligt waren der Landschafts- und Gartenarchitekt Reinhold Lingner und die Architekten Ludwig Deiters, Horst Kutzat und Kurt Tausendschön. Renè Graetz schuf die Plastik "Befreiung". 1961 wurde die Plastik "Die Anklagende" von Fritz Cremer am Schloss Oranienburg aufgestellt. 1961 wurde die nationale Mahn- und Gedenkstätte feierlich eröffnet. Seit 1993 gehören die Gedenkstätte und das Museum zur Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.
Die von SS-Architekten am Reißbrett als idealtypisches KZ konzipierte Anlage sollte dem Weltbild der SS architektonisch Ausdruck geben und die Häftlinge auch symbolisch der absoluten Macht der SS unterwerfen. Das Häftlingslager wurde in Form eines gleichschenkligen Dreiecks angelegt. Alle Gebäude waren symmetrisch um die Mittelachse gruppiert und auf den Turm A, den Sitz der SS-Lagerleitung, auf der Mitte der Grundlinie des Dreiecks bezogen. Vor diesem Turm lag der halbkreisförmige Appellplatz, der wiederum von vier Ringen fächerförmig angeordneter Baracken umschlossen wurde. Um die Fortsetzung der Mittelachse über den Turm A und die Lagerstraße hinaus wurde das SS-Truppenlager angelegt, in dem die Axialität und Symmetrie des Häftlingslagers und der Kommandanturbereichs sich weitgehend fortsetzte. Zum 388 Hektar umfassenden SS-Komplex in Oranienburg gehörten darüber hinaus umfangreiche Wohnsiedlungen für die höheren SS-Dienstgrade und ihre Familien sowie das ab 1938 an der Lehnitzschleuse errichtete Außenlager Klinkerwerk.
Zwischen 1936 und 1945 waren im KZ Sachsenhausen mehr als 200.000 Menschen aus ca. 40 Nationen inhaftiert. Häftlingen waren zunächst politische Gegner des NS-Regimes, dann in immer größerer Zahl Angehörige der von den Nationalsozialisten als rassisch und biologisch minderwertig erklärten Gruppen (Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma sowie geistig Behinderte) und ab 1939 zunehmend Bürger der besetzten Staaten Europas. Zehntausende kamen durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Misshandlungen um oder wurden Opfer von systematischen Vernichtungsaktionen der SS oder medizinischer Experimente. Häftlinge wurden unter anderem schwere Wundinfektionen zugefügt, um die Wirkung von Medikamenten zu testen - Kinder wurden mit Hepatitis infiziert, um Erkenntnisse über die Veränderungen an der Leber zu gewinnen.
Der Zellenbau wurde 1936 als T-förmiges Gebäude errichtet, das mit 80 Zellen für Einzelhaft, Dunkelarrest und Massenunterbringung als Lagergefängnis und Sondergefängnis der Gestapo diente. Im vom übrigen Lager isolierten Hof des Zellenbaus dienten ein Erdbunker und Vorrichtungen zum "Pfahlhängen" dem Vollzug besonders brutaler Strafen.
Sachsenhausen14.JPG Das Krematorium befand sich auf dem durch die Lagermauer vom Häftlingslager abgetrennten Industriehof und war ab Herbst 1939 Schauplatz von Vernichtungsaktionen. Im Herbst 1941 wurden hier mindestens 12.000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet. 1942 wurde das provisorische Krematorium durch einen Neubau mit Krematorium und Genickschussanlage ersetzt, in dem 1943 auch eine Gaskammer eingerichtet wurde.
Um neue Opfergruppen unterbringen zu können, wurde in Abweichung vom „Idealplan“ im Sommer 1938 das "kleine Lager" als Barackenkomplex errichtet, in dem bis zu ihrer Deportation nach Auschwitz im Oktober 1942 die meisten der jüdischen Häftlinge untergebracht waren.
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Auf der 1940 auf dem Appellplatz angelegten Schuh
Häftlinge wurden zunächst in SS-eigenen Werkstätten und Betrieben auf dem dem Häftlingslager benachbarten Industriehof zur Arbeit eingesetzt, wo sich u.a. eine Schneiderei, Tischler-, Schlosser- und Elektrikerwerkstätten befanden. Vor allem im Zuge des massenhaften Einsatzes der Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen in der Rüstungsindustrie ab 1942 entstanden mehr als 100 Außenlager und Außenkommandos des KZ Sachsenhausen in der Nähe der Rüstungsbetriebe und bei Berliner Industriebetrieben wie Siemens, DEMAG-Panzer, Henschel Berlin, Daimler-Benz, IG Farben und AEG.
Von März 1936 bis Mai 1936 wurden die Heinkelwerke in Germendorf/Oranienburg errichtet, da das Stammwerk in Rostock-Marienehe ausgelastet war. In diesem Werk bestand ebenfalls ein Außenlager, in dem bis zu 5.000 Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen arbeiten mussten. Im Klinkerwerk, einem Großziegelwerk mit eigenem Hafen an der Lehnitzschleuse, wurden Ziegel für Albert Speers Großbauvorhaben in Berlin produziert. Am 22. April 1945 wurden etwa 3.000 Kranke, Ärzte und Pfleger, die im Lager nach der Evakuierung zurückgelassen wurden, von russischen und polnischen Einheiten der Roten Armee befreit. In den folgenden Wochen starben noch mindestens 300 ehemalige Häftlinge an den Folgen der KZ-Haft. Sie wurden in sechs Massengräbern an der Lagermauer im Bereich des Krankenreviers bestattet.
Von 1942 bis 1945 mussten im KZ Sachsenhausen 144 jüdische Häftlinge unter Zwang ausländische Währungen, vor allem englische Pfundnoten in Milliardenhöhe für die Aktion Bernhard fälschen, um den Feind zu destabilisieren.
Im Belower Wald nördlich von Wittstock wurden ab dem 23. April 1945 in einem großen Lager mehr als 16.000 Häftlinge zusammengezogen. Für die auf dem bisherigen Marsch Umgekommenen ist hier eine Gedenkstätte errichtet worden. Ab dem 29. April wurde das Waldlager aufgelöst, und die Häftlinge erreichten auf unterschiedlichen Wegen den Raum zwischen Parchim und Schwerin, wo sie, inzwischen von ihren SS-Bewachern verlassen, auf Einheiten der Roten Armee und der US Army trafen.
Die befreiten Häftlinge wurden mit Gefangenen aus dem Frauen-KZ Ravensbrück und dem Außenlager Wöbbelin des KZ Neuengamme in zwei Kasernen in Schwerin untergebracht. Im Mai konnten die meisten westeuropäischen Häftlinge in ihre Heimatländer zurückkehren, während Häftlinge aus Osteuropa nicht selten zunächst eine Überprüfung in Repatriierungslagern über sich ergehen lassen mussten.
Als Modell- und Schulungslager der SS und Konzentrationslager in unmittelbarer Nähe der Reichshauptstadt nahm Sachsenhausen eine Sonderstellung im System der nationalsozialistischen Konzentrationslager ein. Diese wurde unterstrichen, als 1938 die Inspektion der Konzentrationslager, die Verwaltungszentrale für alle Konzentrationslager im deutschen Machtbereich, von Berlin nach Oranienburg verlegt wurde. Die Inspektion der Konzentrationslager und die Führung der SS-Totenkopfverbände zogen im August 1938 in ein großes Stabsgebäude südlich des KZ Sachsenhausen, das wegen seiner charakteristischen dreiflügeligen Form "T-Gebäude" genannt wird. Die Inspektion war für die Lebensbedingungen der Häftlinge im Lager verantwortlich. Sie legte grundsätzlich und in Einzelfällen fest, in welches Lager die Häftlinge kamen, welche Zwangsarbeit sie zu leisten hatten und welche Hungerration sie erhielten.
Das als "Zone I" bezeichnete ehemalige Schutzhaftlager war für internierte deutsche Zivilisten ohne rechtskräftige Verurteilung vorgesehen. In dem "Zone II" genannten ehemaligen Sonderlager für alliierte Kriegsgefangene befanden sich zunächst Sowjetbürger, die auf ihre Rückführung in die Sowjetunion warteten. Das Lager war kein Arbeitslager. Die Häftlinge litten unter der erzwungenen Untätigkeit, unter ständigem Hunger, Kälte, Ungeziefer und medizinisch nicht behandelten Folgeerkrankungen. Sie starben zu Tausenden und wurden in Massengräbern verscharrt. Von den in den Jahren 1945 bis 1950 etwa 60.000 Inhaftierten starben schätzungsweise 12.000, darunter auch der Schauspieler Heinrich George. Ab 1948 waren dann wenigstens Brettspiele, Sport sowie zwischenzeitlich auch Zeitungen und die Übertragung von Radiosendungen erlaubt. Das Speziallager war von der Außenwelt fast völlig isoliert. Angehörige wurden nicht über den Verbleib und das Schicksal der Festgehaltenen informiert. Nach dem offiziellen Abschluss der Entnazifizierung in der Sowjetischen Besatzungszone wurden im Sommer 1948 etwa 5.000 Häftlinge aus dem Speziallager Nr. 7 entlassen. Bei den Inhaftierten hatte es sich jedoch nicht nur um Mitglieder der NSDAP gehandelt, sondern auch um Sozialdemokraten, viele Jugendliche und um willkürlich Denunzierte, sowie um politisch Missliebige, von denen Opposition gegen das sozialistisch-kommunistische Gesellschaftssystem befürchtet wurde.
Ab 1948 war Sachsenhausen als Speziallager Nr. 1 das größte von drei Speziallagern in der sowjetischen Besatzungszone. Im Frühjahr 1950 wurden auch die letzten Lager aufgelöst, aus dem Speziallager Nr. 1 wurden ca. 8.000 Häftlinge entlassen. Eine kleinere Gruppe wurde in die Sowjetunion transportiert. 5.500 Häftlinge überstellte der sowjetische Geheimdienst an die Behörden der DDR. Das Unrecht der Weiternutzung der Nazi-KZ-Lager durch die sowjetische Besatzungsmacht und das damit verbundene erneute qualvolle Sterben Tausender Menschen wurde durch das SED-Regime vertuscht oder verharmlost. Manche Überlebende wurden noch viele Jahre in DDR-Zuchthäusern wie Waldheim und Bautzen festgehalten. Mit dem Betreiben von Speziallagern durch die sowjetische Besatzungsmacht hatte sich das Prinzip des Gulag-Lagersystems der Sowjetunion auf dem Boden des besetzten Nachkriegsdeutschlands manifestiert.
Sie beschränkte sich auf den Bereich des ehemaligen Häftlingslagers und umfasste lediglich etwa 5 % der Fläche des ehemaligen Konzentrationslagers. Lediglich die "Station Z" sowie der Erschießungsgraben, ursprünglich Teil des Industriehofes, wurden durch Versetzung der Lagermauer in die Gedenkstätte integriert. Um den Appellplatz wurde eine Ringmauer aus kreuzförmigen Betonelementen angelegt, in der die Giebel des ersten Barackenringes angedeutet sind.
1976 wurden 200 einheitliche Tafeln an den vier Hauptstrecken des Todesmarsches zwischen Oranienburg und Raben-Steinfeld aufgestellt.
Sie dokumentieren zentrale Aspekte des Haftalltags im Speziallager: Mangelernährung und massenhaftes Verhungern, aber auch menschliche Isolation und erzwungene Untätigkeit. Einige Zuckerdosen tragen die eingravierten Namenszüge ihrer Besitzer. Die Ausstellung erzählt die Lebensgeschichten von 16 ehemaligen Häftlingen des Speziallagers, deren Dosen nach über 50 Jahren wieder ans Tageslicht gekommen sind. Die Biografien mit ihren unterschiedlichen historischen und politischen Hintergründen deuten die Heterogenität der Häftlingsgesellschaft an. Insgesamt hielt der sowjetische Geheimdienst in Sachsenhausen 60.000 Menschen gefangen: Internierte, Verurteilte durch SMT (Sowjetisches Militär-Tribunal), ehemalige deutsche Wehrmachtsoffiziere und Ausländer. Über 12.000 von ihnen starben. Die Verfahren vor den SMT waren nicht rechtsstaatlich strukturiert, sondern verliefen nach sowjetischem, stalinistischem Rechtsverständnis, demzufolge es nicht auf Feststellung individueller Schuld ankam, sondern darauf, dass vor allem als Gegner des sowjetischen Systems Verdächtigte aus dem Verkehr gezogen werden sollten. Überdies wurde sowjetisches Recht rückwirkend angewandt. In den Schnell-Verfahren von 15-20 Minuten Dauer waren 25 Jahre Zwangsarbeit die Regelstrafe. Verteidiger waren nicht zugelassen, ebenso keine Entlastungszeugen, und es gab keine Berufungsmöglichkeit. Eine Schuld musste nicht nachgewiesen werden, es genügte das Votum des Tribunals, um ins Lager eingewiesen, in die UdSSR deportiert oder sofort erschossen zu werden.
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