gilt. Beide Folgen konvergieren somit; die Existenz eines Grenzwerts ist damit bewiesen, ohne dass der Grenzwert bekannt sein muss.
Gilt (wie in diesem Beispiel) zusätzlich, dass eine Nullfolge bildet, so liegt eine Intervallschachtelung vor und es gilt
- .
Zweites Hauptkriterium
Das zweite Hauptkriterium[Konrad Knopp. Theorie und Anwendung der unendlichen Reihen. 5. Auflage, Springer Verlag 1964, ISBN 3-540-03138-3. S 85, Satz 47] beruht auf dem Begriff der Cauchy-Folge: Eine Folge heißt Cauchy-Folge, wenn gilt:
- .
Das zweite Hauptkriterium besagt nun, dass eine Folge in den reellen Zahlen genau dann konvergiert, wenn sie eine Cauchy-Folge ist. Dieses Kriterium spielt insbesondere bei der Konstruktion der reellen Zahlen aus den rationalen Zahlen und bei der Erweiterung des Grenzwertbegriffs auf metrische Räume eine wichtige Rolle.
Konvergenz von unendlichen Reihen
Der Grenzwert einer unendlichen Reihe, der auch als Summe der unendlichen Reihe bezeichnet wird, ist als der Grenzwert der Partialsummen definiert. Im Prinzip bringt das nichts Neues, für die Untersuchung der Konvergenz einer unendlichen Reihe stehen aber eine Fülle zusätzlicher Konvergenzkriterien zur Verfügung.
Bestimmte Divergenz
In den reellen Zahlen unterscheidet man zwischen bestimmter Divergenz und unbestimmter Divergenz:
Bestimmte Divergenz gegen (bzw. ) liegt vor, wenn eine Folge xn jede reelle Zahl irgendwann überschreitet und dann darüber bleibt (bzw. jede Zahl unterschreitet). Das heißt,
-
bzw.
Man schreibt dann
-
bzw.
-
und sagt, die Folge divergiert bestimmt gegen bzw. gegen . Die Werte und werden in diesem Zusammenhang oft auch uneigentliche Grenzwerte genannt. Dass diese Werte ebenfalls als Grenzwert in einen etwas weiteren Sinne angesehen werden, ist insofern gerechtfertigt, als die uneigentlichen Grenzwerte in den erweiterten reellen Zahlen , versehen mit einer passenden Topologie, echte Grenzwerte im Sinne des weiter unten beschriebenen allgemeinen topologischen Grenzwertbegriffs sind.
Unbestimmte Divergenz liegt vor, wenn die Folge weder konvergiert noch bestimmt divergiert.
Beispiele
- Die Folge (n) der natürlichen Zahlen divergiert bestimmt gegen .
- Die Folge (+1,-1,+1,-1,...) divergiert unbestimmt.
- Die Folge (1,-2,3,-4,5,-6,...) divergiert unbestimmt.
Grenzwert und Häufungspunkt
Ein mit dem Grenzwert einer Folge eng verwandter Begriff ist der Häufungspunkt einer Folge. Die formalen Definitionen unterscheiden sich lediglich in der Position der Existenz- bzw. Allquantoren:
Während der Grenzwert als
-
definiert ist, gilt für den Häufungspunkt
- ist Häufungspunkt von .
Die Definition des Grenzwertes verlangt also, dass in jeder Umgebung des Grenzwertes ab einem gewissen Index alle Folgenglieder liegen; die Definition des Häufungspunktes verlangt lediglich, dass in jeder Umgebung unendlich viele Folgenglieder liegen.
Analog zu den uneigentlichen Grenzwerten werden gelegentlich die uneigentlichen Häufungspunkte definiert:
- ist uneigentlicher Häufungspunkt von ,
- ist uneigentlicher Häufungspunkt von
Auch die Definition der uneigentlichen Häufungspunkte unterscheidet sich von der Definition der uneigentlichen Grenzwerte nur duch die Position der Existenz- bzw. Allquantoren.
Wenn eine Folge einen eigentlichen (bzw. uneigentlichen) Grenzwert hat, so ist dieser Grenzwert auch eigentlicher (bzw. uneigentlicher) Häufungspunkt. Während eine Folge aber höchstens einen Grenzwert hat, kann sie mehrere Häufungspunkte haben. Für jeden eigentlichen (bzw. uneigentlichen) Häufungspunkt gibt es eine Teilfoge, die gegen diesen Häufungspunkt konvergiert (bzw. bestimmt divergiert). Enthält umgekehrt eine Folge eine konvergente (bzw. bestimmt divergente) Teilfolge, so ist der (eigentliche bzw. uneigentliche) Grenzwert dieser Folge ein (eigentlicher bzw. uneigentlicher) Häufungspunkt der Folge.
Nach dem Satz von Bolzano-Weierstraß enthält jede beschränkte reelle Folge eine konvergente Teilfolge. Ist die Folge nach oben unbeschränkt, enthält sie eine gegen bestimmt divergente Teilfolge, ist sie nach unten unbeschränkt, so enthält sie eine gegen bestimmt divergente Teilfolge. Jede reelle Folge hat somit mindestens einen eigentlichen oder uneigentlichen Häufungspunkt. Der größte dieser Häufungspunkte wird als Limes superior bezeichnet, der kleineste als Limes inferior. Eine formale Definition dazu findet sich im Artikel Limes superior und Limes inferior. Stimmen der Limes superior und der Limes inferior überein, so ist dieser Wert auch eigentlicher oder uneigentlicher Grenzwert und die Folge ist konvergent bzw. bestimmt divergent. Sind Limes superior und der Limes inferior unterschiedlich, so ist die Folge unbestimmt divergent.
Grenzwert einer rationalen Zahlenfolge
Der Grenzwert einer Folge rationaler Zahlen wird formal wie der Grenzwert einer Folge reeller Zahlen definiert:
-
Während das bei und keine besondere Einschränkung ist, wirkt sich das beim Grenzwert wesentlich aus. So gibt es keine rationale Zahl, gegen welche die oben angegebene Folge (1, 1.4, 1.41, 1.414, 1.4142, 1.41421, ...) der abbrechenden Dezimalbruchentwicklungen von √2 konvergiert. Die Folge ist also in den rationalen Zahlen divergent, obwohl sie sowohl monoton wachsend und beschränkt ist, also das erste Hauptkriterium erfüllt, also auch eine Cauchy-Folge ist, also auch das zweite Hauptkriterium erfüllt. Die rationalen Zahlen weisen somit "Lücken" auf.
Diese "Lücken" waren bereits Euklid in der Antike bekannt; es gelang aber erst im 19. Jahrhundert diese "Lücken" durch die systematische Einführung der reellen Zahlen zu schließen. Ein häufig verwendeter Weg der systematischen Einführung der reellen Zahlen besteht darin, zuerst Cauchy-Folgen rationaler Zahlen zu betrachten, jene Cauchy-Folgen als äquivalent zu betrachten, deren Differenz eine Nullfolge bildet und darauf aufbauend die reellen Zahlen als eine solche Äquivalenzklasse zu definieren. In dieser Zahlbereichserweiterung gelten dann das oben angegebene erste und zweite Hauptkriterium; insbesondere dass nun jede Cauchy-Folge konvergent ist.
Für die Aussage, ob eine Folge konvergiert, ist es also wichtig zu wissen, welcher Zahlenbereich betrachtet wird; eine Folge, die in den reellen Zahlen konvergent ist, kann in den rationalen Zahlen divergent sein. Wenn nichts anderes dazugesagt wird, werden aber üblicherweise Grenzwerte über den reellen Zahlen betrachtet, da diese für die meisten Anwendungen das besser geeignetere Modell sind.
Grenzwert einer komplexen Zahlenfolge
Die Grenzwert einer Folge komplexer Zahlen wird formal ebenfalls wie die Grenzwert einer Folge reeller Zahlen definiert:
-
und bezeichnen dabei komplexe Zahlen, ist weiterhin eine reelle Zahl.
Eine Schreibweise der Art
In der Praxis tauchen Folgen komplexer Zahlen vor allem als Reihen, insbesondere als Potenzreihen oder als Laurent-Reihen auf. Das wichtigste Konvergenzkriterium dabei, das häufig anwendbar ist und das die Untersuchung komplexer Reihen auf den einfacheren Fall reeller Reihen zurückführt, ist das Kriterium der absoluten Konvergenz: Eine Reihe komplexer Zahlen konvergiert zumindest dann, wenn sie absolut konvergiert, wenn also die Reihe der Absolutbeträge konvergiert. Viele Konvergenzkriterien für Reihen, insbesondere das Wurzelkriterium und das Quotientenkriterium, beweisen die absolute Konvergenz und sind daher insbesondere auch für den Fall komplexer Reihen gültig.
Grenzwert einer Folge von Elementen eines metrischen Raumes
Der Abstand zwischen den Folgengliedern und dem Grenzwert wurde als Betrag der Differenz angegeben. Sind die Folgenglieder keine reellen Zahlen, sondern z.B. Punkte in einem dreidimensionalen Raum, so wird der Betrag der Differenz durch eine Norm der Differenz oder noch allgemeiner durch eine Metrik ersetzt. Eine Folge wird dann als konvergent gegen einen Grenzwert a definiert, wenn in jeder ε-Umgebung von a fast alle Folgenglieder liegen.
Definition der Konvergenz
Sei (X, d) ein metrischer Raum. Eine Folge (an) in X heißt konvergent gegen den Grenzwert a wenn gilt:
-
In Worten: Es gibt für jedes beliebige (noch so kleine) ε einen Index N (i.A. abhängig von ), derart, dass für alle Indizes n > N (alle weiteren Folgenglieder) gilt: der Abstand d(a, an) ist kleiner als ε (d(a, an) < ε).
Dies entspricht der oben angegebenen Definition der Konvergenz einer Folge reeller Zahlen, es wird lediglich durch ersetzt.
Auch hier ist neben der Schreibweise auch die Schreibweise , ebenfalls gelesen als konvergiert gegen , üblich.
Cauchy-Folgen und Vollständigkeit
Analog zu den reellen Zahlen spielt der Begriff der Cauchy-Folge in metrischen Räumen eine wichtige Rolle. Eine Folge heißt Cauchy-Folge, wenn
- .
Hat jede Cauchy-Folge einen Grenzwert, so wird der metrische Raum als vollständig bezeichnet. Insbesondere sind die reellen und die komplexen Zahlen vollständig, die rationalen Zahlen aber nicht. Ist der metrische Raum nicht vollständig, dann lässt er sich analog zur Konstruktion der reellen Zahlen aus den rationalen Zahlen in dem vollständigen metrischen Raum einbetten, der durch die Äquivalenzklassen von Cauchy-Folgen bezüglich der Äquivalenzrelation
-
gebildet wird.
Absolute Konvergenz
Der Begriff der absoluten Konvergenz lässt sich zwar nicht unmittelbar auf metrische Räume übertragen, für vollständige metrische Räume gibt es aber ein eng verwandtes Resultat: Eine Folge ist zumindest dann konvergent, wenn die Summe
-
konvergiert. Aus der Konvergenz dieser Summe folgt nämlich, dass für jedes eine existiert, sodass für die Beziehung
-
gilt. Durch mehrfache Anwendung der Dreiecksungleichung folgt
- ,
ist somit eine Cauchyfolge und damit in einem vollständigen Raum konvergent.
Grenzwert einer Folge von Elementen eines topologischen Raumes
Definition
Der Grenzwertbegriff wird in der Topologie verallgemeinert. Ist eine topologischer Raum , also eine Menge mit der Menge der in diesem topologischen Raum offenen Teilmengen gegeben, so wird der Grenzwert einer Folge von Elementen gegen einen Grenzwert folgendermaßen definiert:
- .
sind dabei die sogenannten Umgebungen von , das sind die Mengen , für die eine Menge mit existiert.
Anstelle alle Umgebungen von zu betrachten, ist es für den Nachweis der Konvergenz oft zweckmäßiger, sich auf eine Umgebungsbasis zu beschränken, also auf eine Teilmenge mit der Eigenschaft, dass für jede Umgebung eine Menge mit existiert. Es gilt dann die leichter nachweisbare äquivalente Formulierung
- .
Dieser Grenzwertbegriff beinhaltet den Grenzwert einer Zahlenfolge und den Grenzwert einer Folge von Elementen eines metrischen Raumes als Spezialfälle. Insbesondere bildet in metrischen Räumen die Menge aller offenen Kugeln eine Umgebungsbasis von . Verwendet man diese Umgebungsbasis, erhält man genau die oben angegebene Definition des Grenzwerts in metrischen Räumen.
Erfüllt eine Topologie das erste Abzählbarkeitsaxiom, so reichen Grenzwerte von Folgen aus, um damit die Topologie zu beschreiben, insbesodnere gilt, dass ein Punkt genau dann in der abgeschlossenen Hülle von liegt, wenn es eine Folge von Elemente gibt, die gegen konvergiert [Robert B. Ash: Real Analysis and Probability. Academic Press, New York 1972. ISBN 0-12-065201-3 S 371f, Comments A.24]. Insbesondere erfüllen metrische Räume das erste Abzählbarkeitsaxiom, da beispielsweise eine Umgebungsbasis von ist.
In allgemeinen topologischen Räumen gilt diese Charakterisierung abgeschlossener Mengen als Grenzwerte von Folgen nicht, dort müssen statt Gernzwerten von Folgen Grenzwerte verallgemeinerter Folgen, sogenannter Netze betrachtet werden.
In allgemeinen topologischen Räumen kann es auch sein, dass eine Folge mehrere Grenzwerte hat. So konvergiert beispielsweise in der sogennanten Klumpentopologie von , in der lediglich die leere Menge sowie selbst offene Mengen sind, jede Folge gegen jedes . Verlangt man aber zusätzlich, dass der topologische Raum das hausdorffsche Trennungsaxiom erfüllt, so hat in einem solchen topologischen Raum jede Folge höchstens einen Grenzwert. Insbesondere ist in metrischen Räumen das hausdorffsche Trennungsaxiom erfüllt.
Beispiele
Konvergenz von Funktionenfolgen
Hauptartikel: Funktionenfolge
Um das Verhalten von Funktionenfolgen zu beschreiben, gibt es mehrere Konvergenzbegriffe, da es zum einen mehrere Abstandsbegriffe in einem Funktionenraum gibt und ferner neben der Frage nach der Existenz des Grenzwerts auch Fragen nach den Eigenschaften der Grenzfunktion auftauchen. So ist die Grenzfunktion einer Folge von stetigen Funktionen nicht notwendigerweise stetig.
Konvergenz in der Stochastik
Um speziell bei Anwendungen in der Statistik angemessen darüber entscheiden zu können, ob Schätz- oder Testverfahren asymptotisch die richtigen Resultate liefern, insbesondere für Aussagen wie die Gesetze der großen Zahlen und die Zentralen Grenzwertsätze, haben sich verschiedene Konvergenzbegriffe in der Stochastik herausgebildet. Im Prinzip handelt es sich dabei ebenfalls um Grenzwerte von Funktionenfolgen, da Zufallsvariablen in der Stochastik als Funktionen eines Wahrscheinlichkeitsraums modelliert werden. Für die Anwendungen der Stochastik hat es sich aber als zweckmäßig herausgesstellt, eigene Bezeichnungen und auch eigene Grenzwertbegriffe einzuführen. Die wichtigsten von ihnen sind fast sichere Konvergenz, stochastische Konvergenz, Konvergenz im p-ten Mittel und Konvergenz in Verteilung.
Fréchet-Axiome
Ein sehr allgemeiner Grenzwertbegriff wird durch die Fréchet-Axiome definiert: Ein Raum wird als Raum mit Konvergenz im Sinne von Fréchet bezeichnet, wenn
- Jede Folge mit Elementen aus höchstens einen Grenzwert hat,
- Jede konstante Folge gegen konvergiert, und
- Jede Teilfolge einer konvergenten Folge ebenfalls konvergiert und den gleichen Grenzwert wie die Ausgangsfolge hat.
Dieser Grenzwertbegriff stimmt jedoch nicht mit dem Grenzwertbegriff der Topologie überein. Erstens können Folgen in Topologien, die das Hausdorff-Axiom nicht erfüllen, mehrere Grenzwerte haben. Zweitens reichen in Topologien, die das erste Abzählbarkeitsaxiom nicht erfüllen, Folgen alleine nicht aus, um die Topologie eindeutig zu beschreiben, sodass die Frechét Axiome auf Moore-Smith-Folgen erweitert werden müssen. Drittens gibt es Konvergenzbegriffe, die den Frechét-Axiomen genügen, aber nicht durch eine Topologie erzeugt werden können, beispielsweise die punktweise Konvergenz fast überall[J. Cigler, H.-C. Reichel: Topologie. Eine Grundvorlesung. Bibliographisches Institut, Mannheim 1978. ISBN 3-411-00121-6. S 88, Aufgabe 6]. In [John L. Kelley: General Topology. Springer Verlag, 1997, ISBN 0387901256.] sind die Zusatzkriterien beschrieben, die ein Raum mit Konvergenz im Sinne von Fréchet erfüllen muss, damit diese Konvergenz eindeutig durch eine Topologie erzeugt werden kann.
Siehe auch:
Quellen
Weblinks
Folgen und Reihen | Topologie
نهاية متتالية | Limit of a sequence | Limite di una successione | Sekos riba | Granica ciągu | Предел последовательности | 收敛数列