Der Begriff Kontorsion (lat. „contortio“ = Drehung, Windung) beschreibt eine außergewöhnliche Form von Akrobatik-Vorführung, bei welcher der menschliche Körper in Positionen verbogen wird, die für die meisten Menschen unerreichbar scheinen. Kontorsion ist oft Teil einer Zirkus-Nummer.
Ein Kontorsionist, auch Schlangenmensch genannt, ist somit ein Akrobat, der seinen Körper aufgrund von jahrelangem Training extrem biegen kann. Im Allgemeinen haben Kontorsionisten bereits eine ungewöhnlich hohe natürliche Beweglichkeit, die dann noch durch spezielle Turnübungen gesteigert wird.
Meistens werden Kontorsionisten entweder als Frontbender (engl. „Vorbeuger“) oder als Backbender (engl. „Zurückbeuger“) kategorisiert, abhängig davon, in welche Richtung ihre Wirbelsäule beweglicher ist. Nur wenige Darsteller beugen sich gleichermaßen geschickt nach vorn und hinten. Das Nach-hinten-Biegen wird oft auch „Kautschukarbeit“ und das Nach-vorne-Biegen nach Eduard Klischnigg „Klischniggerarbeit“ genannt.
Bei den Vorführungen zeigen Kontorsionisten unter anderem folgende Fähigkeiten:
Im weitesten Sinne kann man auch die Figur des Elch wie durch Bürger Lars Dietrich bekannt, bei der ein Mensch seine Arme so hinter seinem Kopf auffaltet, dass seine Unterarme und die Handflächen die Form eines Elch-Geweihs annehmen, in diese Kategorie ungewöhnlicher, künstlerischer Körperpositionen einreihen, wobei es sich hierbei im Kern eher um einen Partygag handelt.
Einige spezielle Arten von Vorstellung:
Ein Kontorsionist kann allein auftreten, kann einen oder zwei Helfer haben oder in einer Gruppe von bis zu vier Kontorsionisten auftreten. Dabei sind Utensilien, wie etwa Koffer oder auch transparente Kisten zur Demonstration nicht unüblich. Auch kommen gerne Podeste und Griff-Systeme zur Erhöhung des Standorts gegenüber dem Betrachter zum Einsatz. Begleitende Tanz-, Musik- und Beleuchtungsarrangements gehören zum regelmäßigen Reportaire um eine für die Darbietung geeignete, spannungsgebende Atmosphäre zu schaffen. In der Regel beschränkt sich eine solche Darbietung auf ein kleines Reportiare an Grundelementen das mit aufwertenden Variationen in langsamer Bewegung bis zum jeweiligen Höhepunkt der Figur präsentiert wird.
Bei der Präsentation steht natürlich der Phantasie der Artisten nichts im Wege, wobei üblicherweise hautenge Kleidung, meist Bodys mit langen Arm- und Beinteilen, bevorzugt wird. Die Farbgebung ist sowohl uni als auch strukturiert. Man findet gerne Hautfarben, gold und silber, aber auch viele weitere Farben. Gelegentlich wird auch schwarzes Latex als Material verwendet. Bei einem gemusterten Dress werden sowohl die Körperlinie betonenende, aber auch die Linie verschleiernde Phantasiedesigns gewählt. Auch Tier-Designs, z.B. Schlange oder eine Katze sind nicht ungewöhnlich. In ihrer Wirkung unterscheiden sie sich dahingehend, dass teilweise jeder Muskel und auch der Knochenbau stark hervortritt. Weichteile werden, bedingt durch die Stretch-Wirkung der Stoffe, eher kaschiert. Eine eher veraltete Auftrittform stellt Sport-Design im Stil von historischen Gewichthebern bzw. Kraftatlehten dar. Der Bikini oder andere, knappe Bademoden sind eher selten. Auch entsprechende Körperbemalung kommt gelegentlich zum Einsatz, erfordert jedoch wesentlichen höheren Vorbereitungsaufwand. Im Sinne griechischer Ästhethik ist auch die Demonstration ohne Bekleidung eine Option, die jedoch aus Gründen des Jugendschutzes in einer breiten Öffentlichkeit nicht akzeptabel ist. Gelegentlich kommt auch üppiger Kopfschmuck, eine Robe, Hals- und Armreifen oder Colliers beim Auftritt zum Einsatz, die aber in der Regel vor der eigentlichen Aktion abgelegt werden. Je nach Akteur und Ziel der Darstellung werden auch Schuhe getragen, wobei jedoch häufiger mit Ballettschuhen, aber gerne auch barfuss agiert wird.
In der Vergangenheit waren Kontorsionisten fast ausschließlich vom Zirkus und dem Jahrmarkt her bekannt, jedoch finden sie neuerdings auch zunehmend Arbeit bei Auftritten in Nachtclubs, Vergnügungsparks, in Zeitschriften-Anzeigen, auf Messen, in Fernseh-Varieté-Vorführungen, in Musikvideos, als Aufwärm-Auftritte oder im Hintergrund von Musik-Konzerten. Auch werden heute Kontorsion-Fotos und -Videoclips von Fans im Internet getauscht; mehrere Websites bieten den Zugang zu Kontorsion-Fotos gegen monatliche Bezahlung oder verkaufen Videokassetten per Post.
Idealerweise wird bereits in jungen Jahren begonnen, die individuellen Grenzen zu verschieben, beispielsweise in einer Zirkusschule, im Ballett oder im Rahmen von Sportgymnastik. Dabei werden sowohl Muskeln, wie auch Sehnen und Bänder durch Belastung beansprucht, worauf der menschliche Körper mit kräftigerem Wachstum reagiert. Dieses Wachstum führt sowohl zu einer Umfangszunahme, was aber zugleich eine Zunahme der maximalen Länge dieser Organe bei Dehnung bedeutet. Zugleich wird durch die Trainingsarbeit eine Enthärtung oder besser gesagt Flexibilisierung dieser Komponenten erzielt. Hieran ist nicht zuletzt eine trainingsbedingte bessere Durchblutung ursächlich beteiligt.
Ein entscheidender Aspekt des Trainings, aber auch jeder Vorführung ist das Aufwärmen, wie es auch so mancher Skifahrer und auch jeder andere Kraftsportler betreibt. Damit soll mittels sanfter, stärker werdender Belastung die Temperatur der Muskeln, deren Durchblutung und in der Folge deren Dehnbarkeit erhöht werden. Werden die Übungen einer Trainingseinheit zu schnell angegangen oder gar ohne jegliches Aufwärmen, so steigt das Risiko, sich eine schmerzhafte Muskelzerrung zuzuziehen oder sich andere Schäden am Körper einzufangen. Permanentes Training erlaubt es vor allem, die Kondition und damit den Anfangspunkt einer jeden Sitzung höher zu legen. Beispielhaft sei hier der Spagat angeführt, welcher für den untrainierten Menschen meist schon daran scheitert, dass beim Anwinkeln des Oberschenkels auch der Unterschenkel wie beim normalen Gehen in Neigung geht. Er wird zunächst nur als Grätsche trainiert, die dann immer breiter wird, langsam das Annähern und Aufsetzen auf dem Boden erlaubt, bis sie schließlich sowohl die in nach vorne gestreckter Haltung, wie auch mit zweiseitig ausgestreckten Beinen praktizierbar ist. Beim Training sind gute Anatomiekenntnisse hilfreich, da die Beinmuskulator mit ihrem Pfannengelenk und der mitbestimmenden Hüfte von mehreren unabhängigen Muskelpartien in ihrem Spielraum begrenzt wird. Gutes Training beansprucht in verschiedensten Übungen die einzelnen Muskelpartien einzeln oder auch in Gruppen in regelmäßiger Weise, ohne eine Partie aus zu lassen oder zu sehr zu fordern.
Zu beachten ist auch, dass bei Kontorsion die inneren Organe im Bauch-Bereich teilweise stark komprimiert werden, was evtl. durch den aktuellen Darm-Inhalt beeinträchtigt werden kann. Bei Schwangerschaft ist generell von derartigen Übungen abzuraten. Auch der Brustkorb erfährt Belastungen, sowohl durch extreme Überdehnung ins Hohlkreuz, aber auch durch die Nutzung des Brust-Bereichs als teils alleinige Stützfläche für das gesamte Körpergewicht. Die Gefahr von gefährlichen Rippenbrüchen, gerade bei den nicht geschlossenen Bögen im Lendenbereich, aber auch eine Beschädigung des Schwertfortsatzes des Brustbeins muss unbedingt beachtet werden. Eine zeitweilige Einschränkung der Atmung, insbesondere wenn der Bauchraum und damit mittelbar das Zwerchfell ebenfalls stark durch Dehnung beansprucht werden, ist zu erwarten, weitere körperlich stark anstrengende Tätigkeiten sind nicht ratsam. Bei extremer Überstreckung des Kopfes kann es zur Einschränkung der Atmung durch die Spannung auf der Luftröhre und den Kehlkopf führen. Auch eine reduzierte Blutzufuhr zum Gehirn durch die beiden Halsarterien kann eintreten, so dass überlanges Verharren in Überstreckung zumindest das aktuelle Wohlbefinden und damit die Trainingsfähigkeit beeinträchtigen kann. Generell kann auch jede andere längere Überdehnung zu Zirkulationsstörungen im Blutkreislauf führen, oder auch Nervenbahnen beeinträchtigen, mit allen bekannten Folgeerscheinungen.
Kontorsion, wenn sie richtig betrieben wird, ist weder kurz noch mittelfristig besonders strapaziös, insbesondere wenn sie von Personen betrieben wird, die das 20 Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Das Training von Muskeln und Sehnen soll sogar eine Verbesserung im Sinne von höherer Dynamik des Menschen, und damit beispielsweise eine größere Wahrscheinlichkeit, diverse Sturz-Unfälle unbeschadet zu überstehen, bewirken. Langfristig ist durch die wiederholten intensiven Übungen vor allem mit Gelenkabnutzungen zu rechnen. Insbesondere die starke Überdehnung kann in fortgeschrittenem Alter und mit Wegfall des Trainings dazu führen, dass bei falschem Rückbau der Weichteile die Gelenke weniger stark gehalten werden, und damit die Gefahr von Ausrenkungen gesteigert wird. Wie bei vielen Leistungssportlern ist somit zum möglichen Ende der Aktivitäten hin eine mehrjährige Ausklingphase mit entsprechenden kleinerwerdendem Trainingsaufwand einzuplanen. Ein spezielles Risiko für Wirbelsäule, Nervenbahnen und Gelenkknorpel besteht durch die teils extreme Krümmung, ja fast Abwinklung im Lendenbereich, die dem aufrecht gehenden Menschen eigentlich fremd ist. Zwar gibt es gerade in diesem Bereich Muskelpartien, die üblicherweise nur noch rudimentär genutzt werden, die durch gezieltes Training auch um ein zigfaches leistungsfähiger gemacht werden können, doch ändert dies nichts an der Tatsache, dass man sich damit dem erhöhten Risiko eines Bandscheibenvorfalls, des Austritts von Knorpelmasse oder des Einklemmens von Nervenbahnen des Rückenmarks aussetzt, was Schäden bedeutet, die selten durch die heutige Fachmedizin vollständig oder auch nur großteils wieder zum vorigen Zustand hin korrigiert werden können.
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