Kontemplation (von lat. contemplari „Anschauung, Betrachtung“) bedeutet allgemein Beschaulichkeit oder auch beschauliche Betrachtung. Kontemplation ist auch als mystischer Weg der westlichen Tradition bekannt. In der Regel wird durch ein kontemplatives Leben oder Handeln ein besonderer Empfindungszustand oder eine Bewusstseinserweiterung angestrebt. Eine kontemplative Haltung ist von Ruhe und sanfter Aufmerksamkeit auf einen Gedanken bestimmt und unterscheidet sich von der Meditation durch die dort angestrebte vollkommene Leere des Geistes.
Sprachliche Varianz
Vita contemplativa meint eine
kontemplative Lebensweise, beispielsweise bei
Mönchen verschiedener Religionen. Man verwendet den Begriff auch häufig im Zusammenhang mit der Betrachtung der
Natur oder eines
Kunstwerks. Das Adjektiv
kontemplativ meint hier
Konzentration auf
geistige Inhalte. Die gängigste Verwendung hat jedoch ihre Bedeutung in der religiösen Auffassung im Sinne einer geistigen Versenkung in Gott oder eine Gottheit oder in göttliche Werke und
Anschauungen.
Christliche Bedeutung
Der mystische Weg (innerhalb der christl. Religion) ist fast so alt wie das
Christentum selbst. Das 40-tägige
Fasten Jesu in der Jüdäischen Wüste, bei dem ihm der
Satan erschien, weist darauf hin.
Die Kontemplation war bis zuletzt mehr geduldete als geachtete Randgruppe innerhalb des Christentums geblieben, da es teilweise starke Differenzen zu den dogmatischen Ansichten der (katholischen) Kirche beim Gottesbegriff gab. Während die allgemeine Lehrmeinung von einem Gott als Person ausgeht, zu dem man - wie zu einem Mensch - sprechen kann, schließen die Kontemplativen nicht aus, Gott sei die Weltenseele oder das Universum. Eine wichtige Grundlage liegt auch in der Meinung, der Geist Gottes bzw. das Heilige sitze in jedem Menschen.
Daraus erklärt sich das Ziel der Kontemplation: Das Fühlbarmachen dieses Geistes durch das Aufgeben des eigenen Seins im Dreischritt:
- Reinigung
- Erleuchtung
- Seeleneinheit mit Gott.
Dem Ziel der Kontemplation kann sich der Mystiker durch verschiedene Methoden nähern, wichtige sind:
Besonders wurde diese Kontemplation durch
Theresa von Ávila,
Meister Eckhardt,
Johannes vom Kreuz,
Angelus Silesius,
Hildegard von Bingen geprägt. Wichtige lebende Lehrer der Kontemplation sind u.a.: Pater und Zenmeister
Willigis Jäger OSB, Pater Franz Jalics SJ, Pater
Anselm Grün und Pater
Laurence Freeman.
Westlicher Weg fernöstlicher Mystik
Im Gegensatz zu vielen Formen der
Meditation, bei der der Schüler (hier auch
Sucher genannt) versucht seinen Geist zu leeren, um eins mit Gott zu werden, gehen der
Rinzai-
Zen-
Buddhismus, einige
New Age-Bewegungen und das dem westlichen Lebensstil angepasste
Eckankar davon aus, dass es hilfreicher ist eine innere Betrachtung, z.B. liebevoller Gedanken,
Postulate oder von Menschen die man liebt, aber auch einer
Weisheit bzw. eines
Sinnspruches mit in die Kontemplation zu nehmen, als zu versuchen, den Geist vollkommen zu leeren. Diese Technik soll dem Gläubigen zum einen die Möglichkeit verleihen sich mit universeller
Liebe anzufüllen, andererseits wird so der Erkenntnis Rechnung getragen, dass eine vollkommene Stille im mentalen Bereich kaum zu erreichen, noch schwerer aufrecht zu erhalten ist. In sofern haben also bestimmte
esoterische Schulen sich dem Konzept der Kontemplation als einen einfacheren und praxistauglicheren Weg zur
Erleuchtung bedient.
In tiefer Kontemplation ist es nach Angaben von Praktikern ebenso möglich transzendentale Erfahrungen zu machen wie in Meditation.
Literatur:
- Annelie Pohlen: Wechselströme, Kontemplation, Expression, Konstruktion, Deutsche Kunst heute, Köln, 1987
- Frico Melzer: Konzentration, Meditation, Kontemplation, Kassel, 1974
- Octavio Paz: Lektüre und Kontemplation, Frankfurt/Main, 1991
- Franz J. van der Grinten: Abstraktion und Kontemplation - Auseinandersetzung mit einem Thema der Gegenwartskunst, Stuttgart, 1987
Siehe auch
Übergeordnete Assoziationen:
Weitere Wege mit kontemplativem Schwerpunkt:
Biografische Verweise:
Religionsphilosophie | Meditation | Zen
Kontemplatsioon | Kontemplation