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Der Begriff Konsumgesellschaft wird einerseits von Kritikern einer konsumorientierten Lebensweise gebraucht und beinhaltet dann eine negative Wertung, andererseits gibt es aber auch Apologeten des Konsumverhaltens wie Norbert Bolz, die in einer globalen Konsumgesellschaft eine Möglichkeit sehen, die Welt zu befrieden, indem sie die Segnungen des Konsums allen Völkern zuteil werden läßt.

Die Konsumgesellschaft ist nach dieser Vorstellung eine Wohlstandsgesellschaft, in der es für die Mehrheit der Menschen keine Versorgungslücken mehr gibt und in der sich die allgemeine Verfügbarkeit ehemals exklusiver Güter vorteilhaft auswirkt. Durch Konsum, besonders im Sinne des Geltungskonsums, kann der Mensch sich nach dieser Vorstellung selbst darstellen und von anderen differenzieren (siehe auch Norbert Bolz).

Die konsumkritische Sichtweise wird aber auch durch Hinweise darauf bestätigt, daß ein übermäßiger Konsum in Psycho- und Sozialpathologien zu münden droht, für die u.a. die Suizidrate, aber auch die Verbreitung von Süchten, stoffgebundenen (z.B. Alkoholsucht) sowie stoffungebundenen (z.B. Kaufsucht), Indikatoren sind.

Merkmale einer Konsumgesellschaft


  1. Bereitstellung von sozial notwendigen Annehmlichkeiten.
  2. Über eine Informationelle Infrastruktur (Werbung) werden Markenprodukte, deren Erscheinungsbild nichts mehr mit der Herstellung und dem Gebrauch zu tun hat, angeboten.
  3. Produkte dienen als Sinnvermittler und Geschmackssphäre.
  4. Die Betonung von Freizeit gegenüber der Arbeit. Die Aufmerksamkeit liegt mehr auf dem Konsumenten, und weniger auf dem Produzenten.
  5. Die Erstellung der sozialen Rolle "Konsument".
  6. Die Integration der Konsumenten durch die Weckung und Überformung von Bedürfnissen und durch marktmäßige Befriedigungsformen.
  7. Die Reduzierung von Freiheit auf Konsumfreiheit.
  8. Die ambivalente Einstellung gegenüber dem Konsum. Konsumkritik, bzw. die Ablehnung übermäßigen Konsums, gilt auch als Merkmal einer Konsumgesellschaft.

Kritik an der Konsumgesellschaft


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Der Begriff Konsumgesellschaft wird auch häufig als abschätzige Bezeichnung mancher Kritiker für einen Lebensstil breiter Bevölkerungsschichten verwendet, bei dem das Konsumieren von Waren und Dienstleistungen im Mittelpunkt steht und Eigeninitiative, solidarisches Handeln und Interagieren mit anderen Menschen verdrängt.

Eine Konsumgesellschaft beschränkt sich Kritikern zufolge nicht auf die Beschaffung notwendiger Güter, sondern trachtet danach, das Konsumieren zum Erlebnis zu machen. Während es zunehmend schwieriger wird, Gebrauchsartikel abseits der Massenware zu finden, locken Handel und Industrie mit „Einkaufserlebnissen“ in Form von Berieselungsmusik, längeren Öffnungszeiten und Einkaufszentren mit Parkplatz und Kinderbetreuung. Die Freizeit wird ebenfalls mit standardisierten und berechenbaren Erlebnissen ausgefüllt, etwa mit Besuchen in „Erlebnisparks“ oder mit Grenzerfahrungen beim „Bungee-Jumping“. Eine Auslandsreise reduziert sich auf einen Aufenthalt in einem Ferienclub, in dem man sich „animieren“ lässt anstatt außerhalb des eingezäunten Geländes auf Entdeckungsreise zu gehen. Die Fremdenverkehrsgemeinden vermarkten Landschaft und Tradition, und selbst das Verweilen am Meeresstrand wird zum Konsumartikel, für den man Eintritt zahlen muss.

Der ungebremste Ausbau der alpinen Skigebiete zur Befriedigung des Freizeitkonsums oder die dichte Besiedelung von Flussufern zur Befriedigung des Bedürfnisses nach dem eigenen Häuschen hat in den letzten zehn Jahren zu mehreren Überschwemmungen geführt und den Gegensatz zwischen Konsumgesellschaft und umweltgerechter Lebensweise sichtbar gemacht.

Literatur


  • Guy Debord: Die Gesellschaft des Spektakels, 1967
  • Anselm Jappe (2005): Die Abenteuer der Ware. Für eine neue Wertkritik. Unrast-Verlag. ISBN 3-89771-433-7
  • Eva Illouz: Der Konsum der Romantik. Campus, Frankfurt/Main, 2003; ISBN: 3-593-37201-0
  • Naomi Klein: No Logo ! Der Kampf der Global Players um Marktmacht. Ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern. Riemann Verlag, 2002, ISBN 3-570-50028-4
  • Heidel, Klaus (Hrsg.) u.a.: Spielverderber. Das Geschäft mit dem Kinderspielzeug. Begleitbuch zur Aktion "Fair spielt". Retap-Verlag, Bonn, 2002, ISBN: 3931988082
  • Annette Kaminsky: Kleine Konsumgeschichte der DDR. C.H. Beck; 2001; ISBN-Nr. 3-406-45950-1
  • Ulrich Enderwitz : Konsum, Terror und Gesellschaftskritik. Unrast-Verlag 2005. ISBN 3-89771-437-X
  • Förderverein Krisis: Zeitschrift KRISIS. beiträge zur kritik der warengesellschaft. *
  • Joseph Heath, Andrew Potter: Konsumrebellen. Der Mythos der Gegenkultur., 2005, Rogner & Bernhard (Heath und Potter loben die Konsumgesellschaft und versuchen, gängige Konsumkritik zu widerlegen; die Existenz von konsumkritischen Produkten beweise die Unsinnigkeit von Konsumkritik.)

Siehe auch


Gesellschaftsmodell | Gesellschaftskritik | Konsum

Общество потребления

 

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