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In der Philosophie des 20. Jahrhunderts gibt es mehrere unabhängig von einander entstandene Formen des Konstruktivismus. Sie lassen sich nur sehr grob zusammenfassen. Generell kann man sagen, dass die Konstruktion der Wissenschaft angestrebt wird, wodurch ein naives Vorfinden der Welt überwunden werden soll.

Radikaler Konstruktivismus


Seine Vertreter sind unter anderem Humberto Maturana, Francisco Varela, Ernst von Glasersfeld, Heinz von Foerster, Paul Watzlawick und Gerhard Roth. Der Radikale Konstruktivismus vertritt als allumfassende Kernthese, dass "wir uns die Welt (kognitiv) konstruieren". Der Radikale Konstruktivismus hat folgende Varianten produziert:

Erlanger Konstruktivismus


Vertreter: Wilhelm Kamlah/Paul Lorenzen, Christian Thiel u.a.
Der Erlanger Konstruktivismus umfasst die Projekte einer von Missverständnissen freien Wissenschaftssprache, dialogische Logik, konstruktive Mathematik, Protophysik und eine darauf aufbauende Theorie von Gesellschaft und Technik. Kern des Erlanger Konstruktivismus ist die zirkelfreie und nachvollziehbare Konstruktion von Begriffen. Folgende Schulen haben sich aus dem Erlanger Konstruktivismus entwickelt:

Interaktionistischer Konstruktivismus


Vertreter: Kersten Reich, Stefan Neubert u.a. Interaktionistischer Konstruktivismus ist dem Erlanger Konstruktivismus ähnlicher als dem radikalen Konstruktivismus. Allerdings versteht er die kulturalistische Wende des Konstruktivimsus nicht überwiegend sprach-, sondern lebensweltbezogen und knüpft in den Grundannahmen insbesondere an den Poststrukturalismus, Cultural Studies, Dekonstruktivismus und Pragmatismus an.

Vergleich


Obwohl sie den gleichen Namen teilen, sind die Motive der Hauptformen des Konstruktivismus verschieden. Der Radikale Konstruktivismus versteht sich in erster Linie als Kritik des naiven Realismus. Er setzt jenem einen Relativismus entgegen, der Objektivität zur Unmöglichkeit erklärt. Tendenzen zum Solipsismus sind vorhanden, dennoch grenzt sich der Radikale Konstruktivismus von diesem klar ab. Vor allem subjektive Beobachterpositionen erscheinen im radikalen Konstruktivismus als wesentlich.

Der Erlanger Konstruktivismus wiederum macht sich die nachvollziehbare Konstruktion von Begriffen zum Programm und ist bestrebt, der Wissenschaft jegliche sprachlichen Missverständnisse auszutreiben. Der schwerpunktmäßig hirnbiologisch interessierte Radikale Konstruktivismus betont die Kritik am naiven Realismus, wohingegen der Erlanger Konstruktivismus ein Wissenschaftsprogramm ist.

Der Interaktionistische Konstruktivismus bezieht Handlungen in lebensweltlichen, sozialen und kulturellen Kontexten ein. Dabei versucht er, die subjektiven Beobachterpositionen vor dem Hintergrund kultureller Teilnahme- und Akteursrollen zu reflektieren. Neben der theoretischen Begründung legt der Ansatz vor allem Wert auf pädagogische Anwendungen.

Siehe auch


Links zur Abgrenzung


Literatur zur Abgrenzung


  • Schmidt, Siegfried J. (1987): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus, Frankfurt am Main.
  • Schmidt, Siegfried J. (1992): Kognition und Gesellschaft. Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus 2, Frankfurt am Main.
  • Peschl, M. F. (ed.) (1991) Formen des Konstruktivismus in der Diskussion. Wien: WUV–Universitätsverlag.
  • Reich, K.: Benötigen wir einen neuen konstruktivistischen Denkansatz? Fragen aus der Sicht des interaktionistischen Konstruktivismus. In: Fischer, H.-R., Schmidt, S.J. (Hg.): Wirklichkeit und Welterzeugung. (Auer) 2000
  • Reich, K.: Konstruktivistische Ansätze in den Sozial- und Kulturwissenschaften. In: Hug, T. (Hg.): Wie kommt die Wissenschaft zu ihrem Wissen?, Bd. 4. Baltmannsweiler (Schneider) 2001

Konstruktivismus | Erkenntnistheorie

Constructivist epistemology

 

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