Konkrete Utopie ist ein von dem Philosophen Ernst Bloch gebildetet Begriff, mit der der Zustand nach einer real möglichen Gesellschaftsveränderung gemeint ist.
Weiterentwicklung der marxistischen Utopie-Kritik
Ernst Bloch hat den Begriff
Konkrete Utopie als Reaktion auf die
marxistische Kritik der
Utopie gebildet. Die Qualität des
Frühsozialismus bestehe nach
Karl Marx und
Friedrich Engels darin, die Welt auf den Kopf zu stellen,
abstrakte Utopien zu entwerfen. Diese Welt müsse nun aber auf die Füße gestellt werden: gesellschaftlicher Fortschritt werde
ausführbar nicht durch die gewonnene Einsicht, daß das Dasein der Klassen der Gerechtigkeit, der Gleichheit etc. widerspricht, nicht durch den bloßen Willen, diese Klassen abzuschaffen, sondern durch gewisse neue ökonomische Bedingungen. (Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft (224))
Bloch will der Verallgemeinerung einer solchen Krtitk auf jegliche Utopie entgegentreten, die Vielfalt des Utopischen aufweisen und insbesondere die Unerlässlichkeit sozialutopischer Antizipationen im Kontext marxistischer Praxis geltend machen.
Die konkreten Utopie setzt die Marxsche Ökonomiekritik voraus und bezog sich insbesondere seit Anfang der dreißiger Jahre positiv auf Arbeiterbewegung und kommunistische Partei als Subjekte einer konkret utopischen Praxis.
Utopie als reale Möglichkeit
Die dem Begriff Utopie in abwertender Alltagsredeweise anhaftende Bedeutung des Unrealisierbaren wird durch das Adjektiv konkret ins Gegenteil verkehrt. Konkrete Utopie ist der Prozess der Verwirklichung, in dem die nähernen Bestimmungen des Zukünftigen tastend und experimentierend hervorgebracht werden.
Der
konkreten Utopie Ernst Blochs entspricht eine Haltung des
militanten Optimismus. Dem
Pessimismus auf der einen Seite sowie dem
ruchlosen,
ungeprüften Optimismus, sei eine Haltung der
Hoffnung gegenüber zu setzen, die jedoch eine geprüfte sei. Hier spricht Bloch auch vom
Optimismus mit Trauerflor. Ernst Bloch führt als Beispiel für die
konkrete Utopie eine Parole aus den
Bauernkriegen an:
- Geschlagen ziehen wir nach Haus -
- unsere Enkel fechtens besser aus!
Reale Möglichkeit ist für Bloch ein
Synonym für
Prozess-Materie, die sich dialektisch weiterentwickele. In der Vermittlung von Theorie und Praxis, die sich gegenseitig zu überprüfen hätten, entstünde die
Konkrete Utopie. Darüber hinaus habe utopische Hoffnung einen
eschatologischen Kern. Mit
Karl Marx argumentiert Bloch, dass die Geschichte der Menschheit bislang nur Vorgeschichte sei und noch gar nicht wirklich begonnen habe. Die Welt als
Experiment (
Experimentum Mundi) habe eine Richtung. Bloch untersuchte die Religionen, allen voran das
Christentum nach ihren Hoffnungsgehalten. In der Religion, aber auch in der Kunst und der Musik zeige sich ein
Vorschein auf eine bessere Welt, welche Bloch auch als
Heimat bezeichnet.
Siehe auch
Literatur
- Ernst Bloch: Geist der Utopie, München 1918
- Ernst Bloch: Werkausgabe: Band 5: Das Prinzip Hoffnung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-518-28154-2
- Friedrich Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, in: Karl Marx/Friedrich Engels - Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 19, 4. Auflage 1973, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1962, Berlin/DDR. S. 210-228
Literatur mit Bezug zur Vokabel Konkrete Utopie
Weblinks
Utopie | Philosophie des Aufrechten Gangs