Konfuzianismus (Chinesisch: 儒學, Pinyin: , bedeutet Wissenschaft der Gelehrten) ist der Begriff für Philosophien und politische Vorstellungen in China, die sich selbst in die Tradition des Konfuzius und seiner Schüler stellen. Konfuzius wurde von seinen Anhängern als Vorbild und Ideal verehrt. Seine moralischen Lehren, seine rituellen Schriften und seine Lebensweise wurden als mustergültig angesehen. Der Konfuzianismus gehört neben dem Buddhismus und Daoismus zu den "Drei Lehren". Es prägt seit vielen Jahrhunderten die chinesische Kultur und Gesellschaft und beeinflusst ebenso den Alltag in Korea, Japan, Singapur sowie in Vietnam. Mit der Globalisierung im 20. Jh. erreichten seine Ideen die westliche Welt.
Ziel seiner Lehren war es, die mythologische und religiösen Wertesysteme des chinesischen Feudalreiches zu erneuern. Als Ausweg aus dem politischen und sozialen Chaos sah er die Rückbesinnung auf die klassischen Tugenden. Konfuzius hatte jedoch keinerlei Interesse an Zauber und Magie.
Daraus werden auch die 3 sozialen Pflichten abgeleitet:
Weil die Ordnung Konfuzius' Meinung nach durch Achtung vor anderen Menschen und Ahnenverehrung erreichbar sei, haben Anstand und Sitte und kindliche Pietät die wichtigste Stellung im praktischen Leben erhalten. Kinder sollen Ahnenverehrung fortsetzen und Ahnen erhalten. Demzufolge gilt Kinderlosigkeit als großes Unglück. Als Ausweg werden Adoption und Nebenfrauen empfohlen.
Die Summe aller Tugenden ist die wirkliche Mitmenschlichkeit (chin. ren 仁). Sie allein zeigt, wer innerhalb der Ordnung loyal, gerecht und ehrlich handelt.
Wer Anstand und Sitte entsprechend lebt – also der Etikette, den Riten und der Sitte nach – und sich für die Ahnen aufopfert, verändert sich allein dadurch zum Guten. Das löst dann einen Dominoeffekt aus, der auf seine Mitmenschen und schließlich auf den gesamten Kosmos wirkt und die eigentliche Urordnung wiederherstellen kann. Das heißt:
Deswegen soll der Mensch auch stets das Gemeinwesen und das Staatsinteresse in Auge haben.
Die sich in Konfuzius Tradition sehenden Denker, die in China unter dem Begriff Rujia zusammengefasst sind, entwickelten Vorstellungen, die den gesamten ostasiatischen Raum bis heute entscheidend prägten: von China über Taiwan, Japan, Korea bis Vietnam. Trotz verschiedener großer Brüche in der Geschichte, wie der legendären Verfolgung der Rujia unter dem chinesischen Kaiser Qin Shihuangdi im 3 Jh. v. Chr. oder der Verteufelung von Meister Kong durch Mao Zedong während der ersten vierzig Jahre der Volksrepublik China im vergangenen Jahrhundert haben die humanistischen und klaren Vorstellungen, die Konfuzius geprägt hatte, durch ständige Neuinterpretation in den Epochen als Basis der Gesellschaftsform gedient und das Ideal von Besonnenheit und Mitgefühl geprägt.
Der Konfuzianismus selbst bildete die Staatsdoktrin zahlreicher Dynastien; ab der Han-Dynastie gab es ein umfassendes Prüfungssystem für die Beamten, zu dem vor allem die umfassende Kenntnis konfuzianischer Lehren zählte. Infolge der "Bedrohung" durch andere Weltanschauungen (chin. 教, Pinyin: jiāo; bedeutet sowohl Lehre, Philosophie als auch Religion) wie Taoismus und Buddhismus entwickelte sich in der Song-Dynastie eine neue Strömung, der Neo-Konfuzianismus des Zhu Xi. Dieser Konfuzianismus tolerierte auch mythische Elemente, obgleich der „Meister“ einst sprach: „Wenn du das Leben noch nicht kennst, wie sollst du da den Tod verstehen!“ Zhu Xi stellte die Vier Bücher zusammen, die eine wichtige Grundlage für den Neo-Konfuzianismus des zweiten Jahrtausends darstellten.
Institutionell waren die Zentren des Konfuzianismus die Miao, "Konfuziustempel". Hier wurden der Gründer und seine Schüler rituell verehrt, als Schöpfer und Ursprung der Lehre, als Beschützer, von den Angehörigen der Kong-Sippe als mythischer Ahnherr. Einzelne Verehrer Konfuzius baten eher um Bestehen von Prüfungen oder gut soziale Beziehungen. Die mit dem Staat verbundenen Tempel richteten oftmals große Rituale für den Hof aus. Zudem waren die Konfuziustempel oft Lehranstalten und Prüfungsinstanzen des ebenfalls sehr rituellen kaiserlichen Prüfungssystems.
Die Bedeutung des institutionellen Konfuzianismus erhielt einen schweren Schlag durch die Abschaffung des Prüfungssystems und andere Veränderungen der Moderne. Wenngleich der Konfuzianismus immer noch einigen Einfluß ausübt und der Meister weiterhin rituell verehrt wird, wird der Konfuzianismus meist nicht als eigene Religion genannt und Statistiken haben nur einen geringen Aussagewert über die tatsächliche Verbreitung.
Im Jahre 1995 wurde der Konfuzianismus in Korea zur Religion erklärt und hat etwa 10 Mio. Anhänger.
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