Ein Konflikt (lat.: confligere = aneinandergeraten, kämpfen; PPP: conflictum) entspringt Tendenzen oder Absichten, deren gleichzeitige Verwirklichung sich ausschließt. Die Konfliktforschung erforscht die Entstehung und entwickelt Lösungsstrategien, um die Auswirkungen eines Konfliktes begrenzen zu können.
Die Konfliktsituation besteht aus mehreren Konflikten (wer?) und mindestens einer Konfliktursache (warum?). Eine Konfliktsituation ist möglich
Eine weitere wichtige Art von Konflikten sind die innerseelischen Konflikte. Eine Art dieser innerseelischen Konflikte stellt z. B. die Tyrannei des Solls nach Karen Horney dar. Dabei stellt man an sich Anforderungen, deren Erfüllungen unrealistisch sind.
Bei den Konfliktursachen kann zwischen
Es muss weiterhin zwischen Konflikt und Streit unterschieden werden. Der Streit ist das äußere Erscheinungsbild eines Konfliktes. Streiten sich z. B. in einer Partnerschaft die Partner um die offene Zahnpastatube, so besteht der Konflikt nicht in dem Offenlassen der Tube, sondern es geht in Wirklichkeit um etwas ganz anderes. Während der Streit offensichtlich ist, liegt der Konflikt häufig verborgen. Mitunter ist er so verborgen, dass die Betroffenen den Konflikt selber nicht erkennen können.
Konflikte besitzen eine gefährliche Eskalationsautomatik (zurückgehend auf Glasl, Konfliktmanagement: Konflikteskalation nach Friedrich Glasl):
Die Bewusstmachung der Eskalationsstufen eines Konflikts kann helfen, sich mental nicht vom Verhalten eines anderen abhängig zu machen. Im negativen Extremfall kann die Eskalationsautomatik als Strategie instrumentalisiert werden, die Eskalation provozieren will, etwa um im wirtschaftlichen und/oder politischen Bereich von den eigentlichen Kernproblemen abzulenken. Immer wiederkehrendes Beispiel aus Geschichte und Gegenwart: Kriegspolitik, um von innenpolitischer Schwäche abzulenken.
Die Lösung eines Konflikts ist primär vom Verhalten der Beteiligten abhängig. Meist wird eine friedliche Beilegung angestrebt (siehe jedoch: Harmoniestreben). In diesem Idealfall wird ein Konflikt von den Beteiligten besprochen und im Konsens beigelegt (siehe auch: Win-Win-Strategie).
Häufig ist ein solcher Weg im persönlichen Bereich schwer zu unterscheiden von Vermeidungsstrategien aus Angst-, Schuld-, Scham- oder Minderwertigkeitsgefühlen gegenüber einer offenen Auseinandersetzung mit dem Konfliktthema oder dem Konfliktpartner (nach Rupert Lay, s.u.). Auch Tabus können dabei im Spiel sein. Die Grenzen zu einer Scheinbeilegung durch Verdrängung sind dann fließend. Ein "reinigendes Gewitter" kann demgegenüber viel konstruktiver sein.
Entscheidend für den angemessenen Umgang mit einer Konfliktsituation ist die Frage, ob nach der Klärung eine konstruktive Fortsetzung des Kontakts mit dem Anderen erwünscht ist, oder nicht:
Tatsächliche Konfliktlösungen reichen von Gesprächen zwischen den Beteiligten - wie bei Mediationen oder Tarifverhandlungen - bis zu gewalttätigen Auseinandersetzungen - wie bei zwischenstaatlichen Kriegen oder innerstaatlichen Bürgerkriegen. "Dazwischen" liegen die Varianten der rechtlichen bzw. gerichtlichen Klärung, die keineswegs die Form von Schlammschlachten annehmen müssen, sondern als professionelle Delegation des Problems an Rechtsanwälte gehandhabt werden können, um sich selbst von der zeit- und kräftezehrenden Klärungsprozedur zu entlasten.
Siehe auch die vier Arten der Konfliktregelung mit Hilfe Dritter: Rechtsberatung, Vermittlung (Mediation), Schlichtung, Richten
Bereiche in denen häufig Konflikte auftreten:
In der Politikwissenschaft ist Konflikt definiert als "Interessengegensatz (Positionsdifferenz) um nationale Werte von einiger Dauer und Reichweite zwischen mindestens zwei Parteien (organisierten Gruppen, Staaten, Staatengrupppen, Staatenorganisationen), die entschlossen sind, sie zu ihren Gunsten zu entscheiden." (Quelle: Konfliktbarometer 2003 des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung *.
Der soziale Konflikt ist ein bedeutendes Arbeitsfeld der Soziologie, insbesondere der Konfliktsoziologie.
Unter der Institutionalisierung von Konflikten versteht man die Austragung oder Beilegung eines Konfliktes, wenn er an eine Institution weitergegeben wurde.
Diese Institution oder Instanz verfährt dabei mit Regeln, die von den Konfliktparteien anerkannt sind. Die Streitparteien, bzw. Opfer und Täter werden von nicht an dem Konflikt beteiligten Personen gerichtet (Bsp.: Gericht). Dabei werden emotionale und sachliche Komponente des Konflikts voneinander getrennt.
Konflikte können stark oder schwach institutionalisiert sein. Die Fehde, ein schwach institutionalisierter Konflikt, hat einerseits viele Regeln, die von den Konfliktparteien anerkannt sind (bspw. Existenz eines legitimen Fehdegrunds, formale Ankündigung etc.), also alles Anzeichen von Institutionalisierung, andererseits wird die Konfliktaustragung von den Streitparteien selbst besorgt (keine gesellschaftliche Ausdifferenzierung); die emotionale und sachliche Komponente des Konflikts werden nicht getrennt: Freunde der jeweiligen Konfliktparteien haben nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht beizustehen, und erzeugen dadurch übrigens weitere Konflikte.
Nach Marx ist die Geschichte der Vergesellschaftung nichts anderes als eine Geschichte von Klassenkämpfen, wobei der Konflikt als treibender Motor gilt. Jedoch kann Klassenkampf nicht institutionell befriedet werden, da sein Ziel zwar nicht die physische, wohl aber die soziale Vernichtung des Gegners ist, d.h. der Untergang einer Klasse: Alle Besitzer von Produktionsmitteln sollen enteignet werden und damit die Basis ihrer materiellen und sozialen Ausbeutungsmöglichkeiten beraubt werden. Weiter gehend bzw. anders Lenin: Der Klassenkampf kann, wenn das Proletariat noch nicht 'weit genug' ist, von einer Kaderpartei betrieben werden (diese Institutionalisierung erwies sich denn auch für Russland als erfolgreich, doch wurde nach Urteil der Kritiker dadurch die bolschewistische Partei zu der die Produktionsmittel beherrschenden Klasse).
Die Ehescheidung ist eine stark institutionalisierte Konfliktaustragung, denn beide Parteien geben hierbei ihre stark emotional beladenen Streitigkeiten einem Gericht weiter, dessen Regeln sie selbstverständlich akzeptieren.
Einschlägig, aber in der Soziologie (anders als in der Philosophie) nicht rezipiert ist die "Machologie" (wörtl.: "Kampfwissenschaft") des Philosophen und Schachgroßmeisters Emanuel Lasker.
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